Pro:
absolut hübsche Grafik, leichter Einstieg
Kontra:
konstruierte und sehr obskure Story, öde Sprecher, Rätsel zu einfach
Empfehlung:
Ja
Nachdem der Publisher DTP mit „Black Mirror“ dem Adventure-Genre eine kleine Perle hinzufügen konnte, waren meine Erwartungen gegenüber „Nibiru“ natürlich groß.
Diesmal schicken die Macher von „Black Mirror“ den Spieler in der Rolle eines Archäologen um die halbe Welt.
Seine Aufgabe: Ein Geheimnis um die alte Maya-Kultur lüften.
Die Story
Der Archäologe Martin Holan geht einer eher langweiligen Beschäftigung nach. Die meiste Zeit verbringt er mit dem studieren alter Folianten und mit dem archivieren verstaubter Dinge.
Völlig unerwartet erhält er eines Tages Post von seinem Onkel. Dieser berichtet ihm in dem Schreiben von einem mysteriösen Fund, der bei Ausgrabungsarbeiten in Böhmen gemacht wurde. Dort wurde ein Tunnelsystem entdeckt das zu einem geheimen Forschungslabor der Nazis führt. Alles deutet darauf hin, dass die braunen Schergen dort seiner Zeit eine Wunderwaffe bauen wollten. Die streng geheimen Experimente fanden unter dem Decknamen „Nibiru“ statt. Martin Holan lässt alles stehen und liegen und macht sich auf den Weg dieses Geheimnis zu ergründen.
Zu diesem Zeitpunkt kann er nicht ahnen, dass sich diverse Bösewichte ebenfalls sehr für dieses Projekt „Nibiru“ interessieren. Dabei gehen diese Leute absolut skrupellos vor und beseitigen jeden der ihnen dabei in die Quere kommt. Martin Holan findet währenddessen heraus, dass „Nibiru“ auf irgendeine Weise mit der alten Maya-Kultur zusammenhängt. Kurz darauf findet Martin Holan die erste Leiche.
Nibiru, was ist das?
Zahlreiche Geschichten und Mythen ranken sich darum. Es heißt, dass es sich bei Nibiru um den zehnten Planeten unseres Sonnensystems handelt, dessen Bewohner eines Tages zur Erde kamen, um diese zu kolonisieren. Die Menschen wurden versklavt und mussten für die neue „Herrenrasse“ wertvolle Bodenschätze abbauen. (Kommt einem irgendwie bekannt vor)
Heute erklärt uns die Wissenschaft, dass es den obskuren Planeten Nibiru nicht gibt und nur als Metapher für eine höhere Macht diente. Vor einigen Jahren endeckten Astronomen am Rande unseres Sonnensystems einen Himmelskörper, den sie „Selna“ tauften. Einige feierten ihn als zehnten Planeten andere wiederum reduzierten ihn, auf Grund seiner geringen Größe, lediglich auf die Bezeichnung Planetoid.
Wie dem auch sei, das Spiel benutzt dieses reichlich obskure Thema als Hintergrund für seine Geschichte und lässt dabei eine Truppe von Nazi-Verschwörern als Bösewichte agieren. Heraus kommt eine ziemlich konstruierte Story die nur mäßig spannend ist. Am Ende bleiben viele Fragen offen und man fragt sich unweigerlich, was denn das für ein Quark gewesen ist.
Die Steuerung und die Schauplätze
Die Entwickler bleiben dem Prinzip eines klassischen Point & Click Adventure treu. Sie wissen schon, zahlreiche Schauplätze absuchen, jede Menge Gegenstände einsacken usw.
Anders als noch in „Black Mirror“ muss der Spieler jedoch nicht jeden Schauplatz akribisch bis ins kleinste Detail absuchen damit ihm ein wichtiger Gegenstand durch die Lappen geht. Die Farbe eines interaktiven Objektes ändert sich, sobald man mit dem Mauszeiger darüberfährt. So finden sich auch Adventure-Neulinge schnell zurecht und es bleiben Frustmomente des nervigen Suchens erspart.
Grafik und Sound
Gegenüber „Black Mirror“ haben die Entwickler die Auflösung von 800x600 auf 1024x768 nach oben korrigiert. Alles andere wäre auch nicht mehr zeitgemäß. Die einzelnen Schauplätze sind detailliert gestaltet und kommen durch die höhere Auflösung gut zur Geltung. Jeder einzelne Schauplatz ist somit hübsch anzusehen. Besonders gut gefallen hat mir, was die Grafik angeht, dass Hotel in Paris in dem unser Held für einige (Rätsel) Zeit logiert. Die Bildschirme bleiben dabei jedoch relativ statisch. Animationen, die das Ganze ein wenig auflockern, gibt es kaum.
Der Sound ist äußerst unspektakulär. Die Sounduntermalung von dramatischen Schlüsselszenen bleibt weit unter dem Niveau von „Black Mirror“. Auch die Synchronsprecher sind eher eine Enttäuschung gegenüber dem Vorgänger. Die Hauptfigur, Martin Holan, wird von Matthias Hinze gesprochen. Bekannt auch als deutsche Stimme von Hollywood-Star Matt Damon. Leider liefert auch er keine besonders gute Arbeit ab. Völlig lustlos leiert er seine Dialoge runter, so als würde man ihn dazu zwingen. Von solch einem Profi hätte ich weit mehr erwartet, so bleibt es nur bei einer herben Enttäuschung.
Schade. Die Atmosphäre des Spiels leidet sehr unter dieser glatten Fehlbesetzung der Sprecher.
Die Rätsel
Um es gleich vorweg zu nehmen. Die Rätsel sind zu einfach. Viel zu einfach, um genau zu sein. Geübte und erfahrene Adventure-Spieler werden kaum gefordert. Die meiste Zeit verbringt man mit dem kombinieren und benutzen von alltäglichen Gegenständen. Fantasie oder mal „ein wenig um die Ecke denken“ ist kaum gefragt. Für den erfahrenen Spieler sind die Lösungen meist auf Anhieb ersichtlich. Einige harmlosen Logikpuzzle, bei denen zum Beispiel Dreiecke verschiedener Größe miteinander kombiniert werden müssen oder doofe Farbkugeln die man in die richtige Reihenfolge bringen muss, machen das Ganze dann auch nicht wirklich interessanter. So klickt der erfahrene Spieler sich mehr oder weniger durch einen mittelmäßig spannenden, interaktiven Film. Wer noch nie zuvor ein Adventure gespielt hat, dürfte mit dieser Art von „Kopfnüssen“ einen leichten und motivierenden Einstieg in dieses Genre finden. Für alle anderen gilt, schade um die Zeit und das Geld. Nibiru bietet nur minimale Gegenleistung.
Fazit
„Nibiru“ ist im Vergleich zum hervorragenden Vorgänger „Black Mirror“ eine einzige, große Enttäuschung. Konnten die Entwickler dem Genre mit „Black Mirror“ noch neue Impulse verleihen, ja sogar die fast schon totgesagte Adventure-Welt neu beleben, so bewegen sie sich mit „Nibiru“ wieder in die andere Richtung. Die obskure und oft unlogische Story kann dann auch nicht mehr begeistern. Das Spiel ist so gruselig wie eine alte Socke und so spannend wie trocknende Farbe an der Wand. Bestenfalls Adventure-Neulinge werden eventuell ihren Spaß mit diesem Spiel haben. Allen anderen sei nochmal gesagt, spart euch die Kohle und lasst das Spiel dort stehen wo es hingehört. In den verstaubte Regale.
Hardwareanforderung:
Nibiru gibt sich schon mit einer 800 Mhz CPU, 128 MB RAM und einer betagten Grafikkarte (zum Beispiel Geforce2) zufrieden.
Ein Handbuch (24 S.) sowie zwei CDs liegen der Schachtel bei.
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