Pro:
absolute Köstlichkeiten, tolle Qualität, schönes Lokal mitten in Lübeck
Kontra:
manchmal etwas voll
Empfehlung:
Ja
Neulich habe ich hier ja schon einmal die Stadt Lübeck vorgestellt. Doch ein Stück Lübeck, dass ich dort nur relativ kurz gestreift habe, ist einen Beitrag für sich wert, das Kaffee Niederegger. Fast jeder hat in irgendeiner Süßwarenabteilung schon einmal Produkte aus diesem traditonsreichen Unternehmen gesehen und vielleicht sogar gegessen. Sie sind rot verpackt und dann noch einmal von einer Klarsichtfolie umhüllt. Was es bei Niederegger in Lübeck zu sehen und zu schmecken gibt, aber auch, welche Geschichte dahinter und hinter dem Marzipan steckt, dazu jetzt mehr.
DAS CAFE: EINGANGSBEREICH:
Man findet es mitten in der Stadt, in der Altstadt, direkt gegenüber vom Rathaus. Kommt man hinein, dann fällt einem als erstes eine riesige, mit Süßwaren überladene Theke in der Mitte auf. Hier gibt es so manche schokoladige Köstlichkeit, aber vor allem alles aus Marzipan, so z.B. Früchte aller Art, aber auch Figuren wie Seehunde. Natürlich dürfen auch die bereits beschriebenen Marzipanbarren in verschiedenster Größe nicht fehlen. Es gibt verschiedenste Variationen mit diversen Füllungen. Wer eine Kleinigkeit sucht, kann einen winzigen Marzipanriegel bereits für 35 Cents bekommen. Eine große Pralinenschachtel mit Marzipan in den unterschiedlichsten Varianten kostet dagegen mehr als 26 Euro.
Zur Rechten sieht man dann eine weitere Theke. Hier verlocken die verschiedensten Torten, so einige auch auf die eine oder andere Art mit Marzipan kombiniert. Die meisten von ihnen sehen darüber hinaus sehr sahnig und damit reichhaltig aus.
IM CAFE:
Auch hier findet sich in der Einrichtung, in den Polstern, das Niederegger-Rot wieder. Aber auch in den Bekleidungen der Bedienungen. Das Ambiente ist also ziemlich gediegen, das Publikum allerdings sehr gemischt. Es sind ältere Damen ebenso zu finden wie junge Paare oder Familien mit kleinen Kindern.
Doch worauf es ankommt, ist ja der Kuchen. Auch im ersten Stock findet man eine riesige Kuchentheke, die immer wieder frisch nachgefüllt wird. Leider kann ich jetzt hier nicht die Geschmäcker all der tollen Torten bekannt geben. Denn ich habe mir vor allem immer eins gegönnt: Marzipan-Nusstorte. Sie ist auch das traditionsreiche Aushängeschild dieses bald 200 Jahre alten Cafes.
MARZIPAN-NUSSTORTE: AUSSEHEN:
Die Stücke sind relativ klein, etwa ein Sechzehntel so einer normalen Torte. Die gesamte Oberfläche ist hellbeige. Zur Verzierung findet man ein kleines Sahnehäubchen oben auf mit einem Stück Wallnuß. Von der Seite her sieht man die vor allem weiße Sahneschicht. Schaut man etwas genauer hin, so merkt man, dass sie leicht braun gesprenkelt ist.
GESCHMACK
Bei der Marzipanschicht merkt man die Frische. Sie ist angenehm weich, man merkt die Süße, die aber ebenfalls nur positiv auffällt, erkennt einen leichten Mandelgeschmack und stellt fest, das die Masse recht weich ist. Die Nuss-Sahne fällt mir ebenfalls sehr positiv auf: Sie ist wunderbar cremig, wirkt leicht, obwohl sie mit Sicherheit reichlich Kalorien enthält. Die Nuss-Stückchen verleihen der Sahne würzen, fallen aber in keinster Wiese unangenehm auf. Für mich ist es jedes Mal schade, wenn die Torte weg ist.
DAS HAUS NIEDEREGGER:
Sieben Generationen haben das Unternehmen bislang geführt. Alles begann 1806. Inzwischen gilt Niederegger schon fast als Synonym für Marzipan. Mir war es als kleines Kind immer von de, Marzipan-Barren, der auf dem Weihnachtsteller lag und dem roten Marzipan-Osterei bekannt.
Inzwischen werden die besonderen Köstlichkeiten auf 25-tausend Quadratmetern hergestellt. Hier entstehen jeden Tag 20-30 Tonnen Marzipan in den verschiedensten Formen. Um immer eine besondere Qualität zu erhalten, verzichtet Niederegger auf neuartige Produktionsverfahren und Zusatzstoffe. Immer noch werden die Mandeln, die ja Grundstoff sind, per Hand vorsortiert. Die sauberen Mandeln werden maschinell gebrüht und gepresst, so dass durch den Druck der Gummiwalzen die Hüllen der Mandeln abspringen. Nachdem etwaige schlechte Mandeln aussortiert worden sind, werden die guten mit Zucker in einem bestimmten Verhältnis vermischt. Die Masse wird mehrfach gewalzt, bevor sie zum Rösten in Kupferkessel. Bevor das Marzipan in Form gebracht wird, kommt noch eine geheime Zutat (Rosenwasser ähnlich) hinzu, die den besonderen Geschmack ausmachen soll..
Wer Einblicke in die Firmengeschichte und in die Geschichte des Marzipans gewinnen will: einen Stock über dem Cafe gibt es eine kleine Ausstellung.
GESCHICHTE DES MARZIPANS:
Hier gibt es verschiedene Erzählungen. Eine hebt auf eine Hungersnot in Lübeck im Jahre 1407 ab. Es wurde das Markusbrot (auf Lateinisch marci panis) erfunden.
Der Schriftsteller Thomas Mann hielt diese Erklärung für unsinnig. Er meinte statt dessen, dass das Rezept für die, wie er meinte, üppige Magenbelastung aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser über Venedig an einen Herren Niederegger in Lübeck gelangt sei.
Ein weiterer Ansatz besagt, dass es in verschiedenen Regionen, z.B. in Venedig, Neapel, auf Sizilien und im provencalischen Schachteln gab, in denen Gewürze und Konfekt verschickt wurden. Diese Schachteln wurden Mazaban genannt, und so bezeichnete man dann auch den Inhalt. Im Deutschen wurde Mazaban zu Marzipan.
Am wahrscheinlichsten erscheint mir aber folgende Geschichte: Das Marzipan stammte demnach urpsrünglich aus dem Orient. Hier gab es die Mischung aus Mandeln und Zucker als krönenden Abschluss an den Tafeln der Kalifen. Zunächst gelangte die Spezialität nach Spanien und Portugal. Vom Handelsplatz Venedig aus breitete sich das Marzipan in Europa aus. Zunächst wurde es von Apothekern hergestellt und wurde noch bis zum 18. Jahrhundert als Heilmittel benutzt.
Während zunächst nur Fürsten und andere hohe Würdenträger von dem Genuß profitierten, gab die Entdeckung der neuen Welt und damit die neue Quelle zu mehr Zuckerrohr und Zucker den Anstoß dafür, dass diese besondere Speise sich weiter ausbreiten konnte. Zuckerbäcker formten nun Marzipanbrot und kunstvolle Gebilde.
STANDORT:
Niederegger,
Breite Straße 89
D-23552 Lübeck
Tel. 04 51/ 53 01 -126/ -127
Fax 04 51/ 776
PREIS:
Wer Kaffee und Kuchen bei Niederegger zu sich nimmt, zahlt pro Tasse Kaffee zwei Euro, für das Stück Marzipan-Nusstorte 2,60 Euro. Insgesamt kostet so ein Kaffeetrinken für zwei also weniger als zehn Euro.
FAZIT:
Für mich ist das Cafe Niederegger bei jedem Lübeck-Besuch ein absolutes Muss. Die Marzipan-Nusstorte ist wirklich in der Frische und Qualität unübertrefflich. Wer für sich selber oder für Verwandte oder Freunde ein Mitbringsel sucht, wird bei dem reichhaltigen Angebot im Laden sicher fündig. Die Preise sind gehoben, aber der Qualität angemessen. Daher gibt es von mir die Bestnote und eine ganz große Empfehlung. Und für alle, die nicht nach Lübeck kommen: Immerhin kann man die köstlichen Niederegger-Produkte auch in jedem größeren Kaufhaus oder Supermarkt erwerben. weiterlesen schließen
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