Pro:
sehr aromatisch
Kontra:
ein wenig teuer, nicht überall zu bekommen
Empfehlung:
Ja
„Suchen Sie sich etwas aus unserem Sortiment aus“ rief mir die Geschäftsführerin zu, nachdem ich 3 Tage erfolgreich als Promoter für spanische Spezialitäten für Umsatz gesorgt hatte, „sie können natürlich auch einfach einen Kuss von mir bekommen“ setzte Sie den Satz fort und grinste mich frech von der Seite an. Einen Kuss mochte ich nicht wirklich von ihr haben, also suchte ich voller Vorfreude nach einer Kleinigkeit im Süßwarenregal und fand mich bei den Köstlichkeiten des Marzipanherstellers Niederegger wieder.
Da ich mich zu den Genussmenschen zähle, ist mir das reichhaltige Sortiment, welches in dem Delikatessengeschäft angeboten wurde, nicht unbekannt und voller Staunen griff ich instinktiv nach einer etwa dreißig Zentimeter langen und sehr schlanken Milchglasflasche. Diese elegante Flasche sieht geschmackvoll aus und am Ende des schmalen Flaschenhalses ist sie mit einem schwarzen Holzverschluss verschlossen.
Auf der Vorderseite der Flasche erkannte ich auf dem kaminroten Etikett die weiße Aufschritt „Curandolé“, darüber befand sich das Markenzeichen des Herstellers mit dem Stammhaus der Firma Niederegger in Lübeck. Kurz und prägnant las ich, das es sich bei dem Inhalt der Flasche um einen Marzipan-Sahnelikör handelt, dem natürliches Marzipanaroma beigefügt sein soll.
Auf der Flaschenrückseite warb ein durchsichtiger Werbeaufkleber für ein Ritual, welches sich „spanischer Kuss“ nenn und wohl im Zusammenhang mit der Herkunft der zubereiteten Mandel gebracht werden sollen, diese kommen nämlich, soweit mir bekannt ist ebenfalls aus Spanien.
Das eigentliche Ritual um diesen Sahnelikör zu trinken finde ich etwas albern: Man schüttet etwas vom Marzipan-Sahnelikör ins Glas, wirft eine der Mandeln bei die in einem kleinen Pappkarton beigefügt ins Glas. Nun sollte man sich laut Anleitung am Ohrläppchen zupfen, mit den Gläsern anstoßen, sich dabei tief in die Augen schauen, einen Schluck des Likörs zu sich nehmen um anschließend seinen Trinkgenossen einen kleinen Kuss zu geben. Andere Länder, andere Sitten, oder wie soll man das verstehen?
Nachdem ich Flasche durch das herausziehen des schwarzen Holzkorkens geöffnet habe, macht sich umgehend ein sehr süßer unglaublich intensiver Marzipanduft frei und entzückt einen Liebhaber dieser köstlichen Süßware, wie ich es bin, vollends. Ich kenne sehr viele Marzipandüfte, Aromen und Zusätze, die nach Mandel riechen sollen, aber der Duft von Cuandolé ist wirklich ureigen und herausragend. Dezent im Hintergrund erkenne ich eine feine Alkoholnote, die aber kaum in Erscheinung tritt.
Umgehend wird der Marzipan-Sahnelikör von mir getestet, so einen guten Tropfen lasse ich nicht lange ungenutzt herumstehen. Um das Geschmacksaroma vollständig erkennen zu können, probiere ich den Cuandolé zuerst pur und ohne Eis. Dazu habe ich ihn nicht gekühlt, weil Liköre immer ein wenig brauchen um die vollständigen Geschmacksnuancen zu entwickeln.
Der Milchig-Weiße Likör ist sehr flüssig, lässt sich unkompliziert dosieren und schmeckt mir vom ersten Moment an ausgezeichnet. Der Geschmack, welcher sich auf meiner Zunge sammelt erfüllt meine Erwartungen, welche ich nach der Duftprobe bekommen habe, komplett. Der Süßegrad des Marzipan-Sahnelikör von Niederegger ist natürlich auffällig, allerdings wird er durch ein sehr nachhaltiges Mandelaroma überlagert, welches sich sehr harmonisch mit der Sahne verbindet und den Anteil an Alkohol nahezu überdeckt.
Ich schmecke ein sehr feines angenehmes Nachbrennen heraus, als würde man den Inhalt einer Praline naschen. Bei einem Alkoholanteil von 15%Vol war ich mir aber schon im Vorfeld bewusst, das mich hier kein harter Stoff erwartet. Insgesamt ist der Geschmack wohl mit das beste, was ich an flüssigen Sahnelikören bislang überhaupt zu mir genommen habe, denn die Harmonie zwischen Alkohol, Sahne und Aromastoffen ergänzen sich wirklich fabelhaft und lassen mein Genießerherz aufschlagen.
Da sich in der edlen Falsche nur 0,35 Liter Inhalt befinden, dauert es nicht lange und der Edle Tropfen ist aufgebraucht. Da ich aber besonders die großen Warenhäuser wie gut sortiert sind, nahm ich an, den Cuandolé überall erwerben zu können.
Doch weder im Supermarkt nebenan, noch in der Spirituosenabteilung des größten Kaufhauses der Stadt fand ich diesen Likör. Erst durch Zufall bei einem Aufenthalt in der Süßwarenabteilung entdeckte ich die mir bekannte Flasche zwischen anderen Produkten des Marzipanherstellers aus der Hansestadt.
Dort musste ich allerdings erst mal etwas schlucken, denn der Preis ist mit 11,80€ für die 350 Milliliter recht happig und das Probefläschchen mit 50 Milliliter Inhalt und einem Preis von 2,50€ war mir definitiv zu teuer. Nebenbei fielen mir auch kleine Pralinen auf, die ebenso mit dem köstlichen Likör gefüllt sind. Ich entschied mich nach langem hin und her für die große Flasche und war mir bewusst, das ich mir hier eine Delikatesse Sondergleichen zulegte.
Inzwischen habe ich die Erfahrung gemacht, das man mit Cuandole hervorragende Cocktails mixen kann, die wenig Alkohol enthalten, besonders Sahnedrinks eigenen sich hierbei. Köchen kann ich nur raten, den Marzipan-Likör einmal zum Dessert zu reichen, oder anstatt Vanillesoße zum Apfelstrudel diese Köstlichkeit zu servieren.
Curandole von Niederegger kann ausgezeichnet in Longdrinks mit Fruchtsäften serviert oder als Abschluss eines feinen Essens mit Eiswürfel zum Naschen bereit gestellt werden. Einen kleinen Schluck in den Kaffee kann den Zucker ersetzen und gibt dem Heißgetränk ein vollmundiges Aroma mit intensivem Mandelgeschmack. Da der Likör mit 15%vol einen sehr milden Alkoholanteil besitzt, kann man getrost das eine oder andere Glas mehr trinken, denn das man hier Alkohol trinkt sollte einem bewusst sein und man sollte daher seine selbst Grenzen kennen.
Fazit:
Wer Cuandole noch nicht kennt und Sahneliköre jeglicher Art mag, der hat sollte diese Köstlichkeit einmal probieren. Die Zubereitungsmöglichkeiten mit der Spezialität aus dem Hause Niederegger sind schier endlos und im Geschmack ist er absolut unschlagbar.
Wer Marzipan mag wird an diesem Likör kaum vorbei kommen und da lohnen sich auch die hohen Anschaffungskosten. Es handelt sich hierbei schließlich um ein Genussmittel, welches behutsam eingeteilt und verkostet werden sollte. weiterlesen schließen
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