Pro:
unterhaltsam, lehrreich, humorvoll, actionreich, poetisch; gute Ton- und Bildqualität, Interviews
Kontra:
wenig Bonusmaterial
Empfehlung:
Ja
Dieses zauberhafte Zeichentrickmärchen erzählt von den Abenteuern des jungen Mädchens Chihiro im Reich der bösen Hexe Yukaba. Chihiros Weg zu Wahrheit und Freiheit ist weit und beschwerlich, doch die Revolution gelingt.
Filminfos
°°°°°°°°°°°°°
O-Titel: Sen to Chihiro no kamikakushi (Japan 2001), DVD: 2003
FSK: ohne Einschränkung
Länge: 125 Min.
Regisseur: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki
Musik: Jo Hisaishi
Sprecher: Nina Hagen (Yakuba), Cosma Shiva Hagen (Lin), Sidonie von Krosigk (Chihiro) u.a.
Handlung
°°°°°°°°°°°°°
Japan, die Gegenwart. Die junge Chihiro zieht mit ihren Eltern um. Sie fahren mit dem Pkw in die Berge, verfahren sich und landen irgendwo im Wald. Am Ende des Fahrwegs steht ein verlassener, leerer Tempel. In den Wiesen jenseits des Tempeltores stößt das Trio auf eine ebenso leere Stadt, die eine auf 'historisch' gemachte Disneyversion alter japanischer Städte sein könnte.. Doch sobald ihre Eltern von den reichlich vorhandenen Leckereien der Stände gekostet haben, verwandeln sie sich in Schweine. Nachts ist die Stadt erfüllt mit unheimlichen Geistern. Fortan ist Chihiro der einzige Mensch im Zauberland.
Sie überquert eine Holzbrücke, um in eine riesige Pagode zu gelangen, die als einziges Gebäude weit und breit erleuchtet und mit echtem Leben erfüllt ist. Sie ahnt nicht, dass es sich um ein Badehaus für Millionen Götter und Geister handelt, das die Residenz der bösen Hexe Yukaba darstellt. Eine Junge namens Haku hilft ihr und geleitet Chihiro in den Heizungskeller der Pagode. Dort schuftet der spinnenarmige Meister Kamaji, der über die Rußmännchen gebietet: Diese hüpfen von sich aus in den riesigen Heizofen, haben zwei Augen und sehen sehr putzig aus.
Kamaji hat eine Magd, Lin, die sich Chihiros annimmt und sie zur Hexe Yukaba (gesprochen von Nina Hagen) bringt. Diese hat ein heiß geliebtes Riesenbaby, das sie ständig bemuttert und von der Welt fernhält. Fortan heißt Chihiro nur noch Sen, denn Yukaba hat ihr - wie auch Haku - ihren wahren Namen genommen.
Lin leitet sie zur Arbeit in den Bädern an. Das Baden von Göttern ist nicht ohne Komplikationen, wie sich zeigt. In einem riesigen Badebottich gedenkt eines Nachts der Faulgott eine Reinigung vorzunehmen. Die Dienerschaft ist entsetzt! Doch Chihiro gelingt unter heroischem Einsatz die Reinigung dessen, was sich als Flussgott entpuppt: Der Fluss war nur von den Menschen so vollgemüllt worden (merke: Öko-Botschaft!). Diese Szenen kennzeichnet eine Mischung aus Komik und Horror.
Eine weitere Episode beginnt mit der Ankunft eines gesichtlosen Gottes: schwarz mit angedeuteten weißen Gesichtszügen. Er verteilt Gold und frisst alle Vorräte des riesigen Hauses auf, bis er fast platzt. Nur Chihiro kann ihn bändigen, bevor eine Katastrophe passiert.
Allmählich kehrt die Story wieder zur Kerngeschichte zurück. Yukaba hat eine gute Zwillingsschwester namens Seniba, mit der sie im Dauerclinch liegt. Dieser wurde von haku, der sich in einen weißen Drachen verwandeln kann, ein kostbares Siegel geklaut, das er seiner Herrin Yukaba brachte. Nun greift Chihiro ein: Sie entzaubert Haku, rettet das Siegel, entführt Yukabas Riesenbaby (das zuvor verkleinert wurde) und fährt per Zug ins Land von Seniba.
Dieser geniale Schachzug schwört die Rache der bösen Hexe geradezu herauf. Ob es für Chihiro noch Hoffnung gibt? Wird sie jemals ihren wahren Namen zurückbekommen und ihre Eltern wiedersehen?
Mein Eindruck: der Film
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
"Chihiros Reise" ist ein wunderbar unterhaltendes Lehrstück in der Gestalt eines Märchens. Zwar tauchen hier nun viele typisch japanische Elemente der Märchen- und Geisterwelt auf - etwa ein fliegender magischer Drache -, doch der zentrale Aspekt von Märchen spielt eine wichtige Rolle: Verwandlung.
Die Anderswelt, in die Chihiro stolpert, lässt nicht zu, dass die menschlichen Gesetze hier weiterhin gelten. Daher wird Chihiro als erstes ihr Name genommen. Auch Haku und viele andere, die hier im Dienste der Hexe Yukaba schuften, haben ihren wahren Namen verloren. Sie sind entrechtete Quasi-Sklaven der bösen Herrscherin, der selbst die Kunst der Verwandlung beherrscht: Nachts fliegt sie als geflügeltes Wesen, um Juwelen zu stehlen. Habgier gehört zu ihren hervorstechenden Eigenschaften.
Doch wenn die Pagode Yukabas für einen Zustand der entrechteten Perversion steht, so muss es auch ein Reich geben, wo Wahrheit und Freiheit herrschen. Den Weg zu diesem Reich, dem von Seniba, muss sich Chihiro allerdings schwer erkämpfen. In diesem Kampf erkennt sie zunächst die Akteure der Pagodenwelt und ihre Beziehungen. Sie entdeckt auch verborgene Kräfte in sich selbst und stößt auf unerwartete Freunde. Als Höhepunkt ihrer Entwicklung gelingt es ihr, die Verhältnisse im Reich des Bösen auf den Kopf zu stellen und mit einer wichtigen Geisel, dem Riesenbaby, zu entkommen. Weitere Verwandlungen folgen, sobald verborgene Wahrheiten in Senibas Reich entdeckt werden.
Auf weitaus stärker bezaubernde Weise als in "Prinzessin Mononoke" gelingt es dem Regisseur in dieser Story, den Zuschauer zu fesseln und dem kindlichen Zuschauer die macht der Märchen zu vermitteln: Alles hat zwei Seiten, man muss aber den Weg zur Verwandlung selbst suchen, um die Kraft für die Veränderung der Verhältnisse zu finden. "Chihiro" lehrt also, wie Revolution funktioniert.
Bemerkenswert ist nun vor allem, was denn als erstrebenswerte Qualitäten des neuen Lebens angesehen werden. Dabei handelt es sich nicht nur um Wahrheit und Freiheit, sondern auch um Liebe und Freundschaft. Chihiro möchte nicht nur die Liebe ihrer Eltern zurückhaben, sondern findet in Haku einen neuen Freund, mit dem sie wundervolle Erlebnisse hat. Materielles Glück ist hingegen hässlichen Leuten wie Yukaba vorbehalten. Seniba, deren gute Schwester, lebt allein in einer bescheidenen Hütte statt in einer pompösen Pagode.
Diese Lehren, die so nebenbei vermittelt werden, kann man durchaus begrüßen. Und so ganz nebenbei kann man sich bei diesem humorvollen und actionreichen Zweistundenfilm prächtig unterhalten.
Die DVD
°°°°°°°°°°°°°
Technische Infos:
Bildformate: 1,85 : 1 Panavision (anamorph)
Tonformate: Dt. und Japanisch in DD 5.1
Sprachen: Dt., JP
Untertitel: Dt., Dt. für Hörgeschädigte
Extras:
- Französischer Trailer
- Animierte Menüs
- Making-of der Synchronisation
+ Sprecheraufnahmen (1:56)
+ Interview mit Nina Hagen (2:17)
+ Interview mit Sidonie von Krosigk (2:32)
- Trailershow:
+ Children of Dune
+ Chicken Run - Hennen rennen
+ Der stille Amerikaner
+ K-PAX
+ Die unendliche Geschichte
Mein Eindruck: die DVD
°°°°°°°°°°°°°
Annders als die deutsche DVD-Version von "Mononoke" bietet die deutsche Chihiro-DVD einwandfreien Sound in Dolby Digital 5.1. Man merkt dies unter anderem dann, wenn das Mädchen weit oben auf dem Balkon der Pagode steht und ein Wind zu wehen beginnt, der sich plötzlich zu einem Sturm auswächst: Millionen winziger Papierflieger donnern in Chihiros Gemächer. Hierbei ist der Sound sehr wichtig, um den harmlos aussehenden Papierfliegern ein bedrohliches Grollen zu unterlegen. Die Macht, die sich dadurch verrät, ist die von Seniba, wie sich zeigt.
Den Schluss des Films und den Abspann, der eine Rundreise durchs Zauberland zeigt, begleitet ein sehr schöner Song, den eine Frau singt - leider in Japanisch und ohne Untertitel.
Die Bildqualität ist hervorragend. Wie wichtig sie ist, zeigt sich an Szenen, in denen Geister und Götter halbdurchsichtig erscheinen. Hier müssen Farben, Konturen und Bewegung stimmen.
Die Interviews sind recht aufschlussreich und müssen ein fehlendes Making-of des Film ersetzen (das hoffentlich in einer späteren Special Edition nachgeliefert wird). Sidonie von Krosigk ist die deutsche Stimme von Bibi Blocksberg und Chihiro alias Sen. Sie hat schon des öfteren, erzählt sie, mit Nina und Cosma Shiva Hagen zusammengearbeitet.
Nina Hagen schiebt den vollen Durchblick: Für sie ist "Chihiro" eine Variante von "Krieg der Sterne", weil hier wieder einmal Gut gegen Böse kämpfen und dies im Krieg der Schwestern gipfelt. Was sie besonders an "Chihiro" fasziniert, ist "das Schamanische" an dem gezeigten Zauberreich. Was auch immer "das Schamanische" sein soll, es hat wahrscheinlich mit dem Aspekt der Verwandlung, den ich herauszuarbeiten versucht habe.
Warum die DVD nur einen französischen, aber keinen deutschen Trailer aufweist, ist mir ein Rätsel. Hauptsache: global.
Unterm Strich
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Wie Zhang Yimous Schwertzkämpferparabel "Hero" ist auch Hayao Miyazakis Anime "Chihiros Reise" eine Geschichte mit vielen Schichten. Es lohnt sich, die einzelnen Elemente und ihre Dynamik genauer zu betrachten, um neue Bedeutungsaspekte zu Tage zu fördern. Dass es auch gute Hexen gibt, ist uns Europäern aus den Märchen ja nicht so geläufig. So etwas gibt es erst seit etwa 30 Jahren, etwa durch Otfried Preußlers "Kleine Hexe".
Auch Tolkiens Ober-Elbin Galadriel, eine der wichtigsten Figuren in seinem Roman "Der Herr der Ringe", ist ja eine gute Zauberin. Wie sonst könnte sie einen so tollen Zauberspiegel haben? Und obendrei den offerierten Einen Ring, der böse Macht verleiht, zurückweisen?
Wie eingangs erwähnt, ist "Chihiro" ein Revolutionsmärchen: Die Ankunft des Menschenmädchens verändert die Verhältnisse im Reich des Bösen. Interessant ist, dass das Mädchen stets unschuldiges Opfer bleibt und sich nicht etwa auf die Seite der Hexe Yukaba schlägt. Es enthält einen unkorrumpierbaren Kern des Guten, der unfehlbar weiß, was gut und richtig ist. Davon könnten sich einige unserer Politiker eine Scheibe abschneiden.
Hoffentlich sehen wir noch weitere solcher zauberhaften Animes wie "Chihiro". Die DVD ist in Ton- und Bildqualität erstklassig, enttäuscht aber hinsichtlich ihres Bonusmaterials. Wir hoffen auf eine Special Edition zu Weihnachten 2004.
Michael Matzer (c) 2005ff
Weiterführende Infos und Links: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=16982
Kostenlose Bilder gibt's hier: http://outnow.ch/Media/Img/2001/SpiritedAway/
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-04-02 17:52:36 mit dem Titel Comic-Verfilmung: Revolutionsmärchen für die Wandlung der Welt
Dieses zauberhafte Zeichentrickmärchen erzählt von den Abenteuern des jungen Mädchens Chihiro im Reich der bösen Hexe Yukaba. Chihiros Weg zu Wahrheit und Freiheit ist weit und beschwerlich, doch die Revolution gelingt.
Filminfos
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O-Titel: Sen to Chihiro no kamikakushi (Japan 2001), DVD: 2003
FSK: ohne Einschränkung
Länge: 125 Min.
Regisseur: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki
Musik: Jo Hisaishi
Sprecher: Nina Hagen (Yakuba), Cosma Shiva Hagen (Lin), Sidonie von Krosigk (Chihiro) u.a.
Handlung
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Japan, die Gegenwart. Die junge Chihiro zieht mit ihren Eltern um. Sie fahren mit dem Pkw in die Berge, verfahren sich und landen irgendwo im Wald. Am Ende des Fahrwegs steht ein verlassener, leerer Tempel. In den Wiesen jenseits des Tempeltores stößt das Trio auf eine ebenso leere Stadt, die eine auf 'historisch' gemachte Disneyversion alter japanischer Städte sein könnte.. Doch sobald ihre Eltern von den reichlich vorhandenen Leckereien der Stände gekostet haben, verwandeln sie sich in Schweine. Nachts ist die Stadt erfüllt mit unheimlichen Geistern. Fortan ist Chihiro der einzige Mensch im Zauberland.
Sie überquert eine Holzbrücke, um in eine riesige Pagode zu gelangen, die als einziges Gebäude weit und breit erleuchtet und mit echtem Leben erfüllt ist. Sie ahnt nicht, dass es sich um ein Badehaus für Millionen Götter und Geister handelt, das die Residenz der bösen Hexe Yukaba darstellt. Eine Junge namens Haku hilft ihr und geleitet Chihiro in den Heizungskeller der Pagode. Dort schuftet der spinnenarmige Meister Kamaji, der über die Rußmännchen gebietet: Diese hüpfen von sich aus in den riesigen Heizofen, haben zwei Augen und sehen sehr putzig aus.
Kamaji hat eine Magd, Lin, die sich Chihiros annimmt und sie zur Hexe Yukaba (gesprochen von Nina Hagen) bringt. Diese hat ein heiß geliebtes Riesenbaby, das sie ständig bemuttert und von der Welt fernhält. Fortan heißt Chihiro nur noch Sen, denn Yukaba hat ihr - wie auch Haku - ihren wahren Namen genommen.
Lin leitet sie zur Arbeit in den Bädern an. Das Baden von Göttern ist nicht ohne Komplikationen, wie sich zeigt. In einem riesigen Badebottich gedenkt eines Nachts der Faulgott eine Reinigung vorzunehmen. Die Dienerschaft ist entsetzt! Doch Chihiro gelingt unter heroischem Einsatz die Reinigung dessen, was sich als Flussgott entpuppt: Der Fluss war nur von den Menschen so vollgemüllt worden (merke: Öko-Botschaft!). Diese Szenen kennzeichnet eine Mischung aus Komik und Horror.
Eine weitere Episode beginnt mit der Ankunft eines gesichtlosen Gottes: schwarz mit angedeuteten weißen Gesichtszügen. Er verteilt Gold und frisst alle Vorräte des riesigen Hauses auf, bis er fast platzt. Nur Chihiro kann ihn bändigen, bevor eine Katastrophe passiert.
Allmählich kehrt die Story wieder zur Kerngeschichte zurück. Yukaba hat eine gute Zwillingsschwester namens Seniba, mit der sie im Dauerclinch liegt. Dieser wurde von haku, der sich in einen weißen Drachen verwandeln kann, ein kostbares Siegel geklaut, das er seiner Herrin Yukaba brachte. Nun greift Chihiro ein: Sie entzaubert Haku, rettet das Siegel, entführt Yukabas Riesenbaby (das zuvor verkleinert wurde) und fährt per Zug ins Land von Seniba.
Dieser geniale Schachzug schwört die Rache der bösen Hexe geradezu herauf. Ob es für Chihiro noch Hoffnung gibt? Wird sie jemals ihren wahren Namen zurückbekommen und ihre Eltern wiedersehen?
Mein Eindruck: der Film
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"Chihiros Reise" ist ein wunderbar unterhaltendes Lehrstück in der Gestalt eines Märchens. Zwar tauchen hier nun viele typisch japanische Elemente der Märchen- und Geisterwelt auf - etwa ein fliegender magischer Drache -, doch der zentrale Aspekt von Märchen spielt eine wichtige Rolle: Verwandlung.
Die Anderswelt, in die Chihiro stolpert, lässt nicht zu, dass die menschlichen Gesetze hier weiterhin gelten. Daher wird Chihiro als erstes ihr Name genommen. Auch Haku und viele andere, die hier im Dienste der Hexe Yukaba schuften, haben ihren wahren Namen verloren. Sie sind entrechtete Quasi-Sklaven der bösen Herrscherin, der selbst die Kunst der Verwandlung beherrscht: Nachts fliegt sie als geflügeltes Wesen, um Juwelen zu stehlen. Habgier gehört zu ihren hervorstechenden Eigenschaften.
Doch wenn die Pagode Yukabas für einen Zustand der entrechteten Perversion steht, so muss es auch ein Reich geben, wo Wahrheit und Freiheit herrschen. Den Weg zu diesem Reich, dem von Seniba, muss sich Chihiro allerdings schwer erkämpfen. In diesem Kampf erkennt sie zunächst die Akteure der Pagodenwelt und ihre Beziehungen. Sie entdeckt auch verborgene Kräfte in sich selbst und stößt auf unerwartete Freunde. Als Höhepunkt ihrer Entwicklung gelingt es ihr, die Verhältnisse im Reich des Bösen auf den Kopf zu stellen und mit einer wichtigen Geisel, dem Riesenbaby, zu entkommen. Weitere Verwandlungen folgen, sobald verborgene Wahrheiten in Senibas Reich entdeckt werden.
Auf weitaus stärker bezaubernde Weise als in "Prinzessin Mononoke" gelingt es dem Regisseur in dieser Story, den Zuschauer zu fesseln und dem kindlichen Zuschauer die macht der Märchen zu vermitteln: Alles hat zwei Seiten, man muss aber den Weg zur Verwandlung selbst suchen, um die Kraft für die Veränderung der Verhältnisse zu finden. "Chihiro" lehrt also, wie Revolution funktioniert.
Bemerkenswert ist nun vor allem, was denn als erstrebenswerte Qualitäten des neuen Lebens angesehen werden. Dabei handelt es sich nicht nur um Wahrheit und Freiheit, sondern auch um Liebe und Freundschaft. Chihiro möchte nicht nur die Liebe ihrer Eltern zurückhaben, sondern findet in Haku einen neuen Freund, mit dem sie wundervolle Erlebnisse hat. Materielles Glück ist hingegen hässlichen Leuten wie Yukaba vorbehalten. Seniba, deren gute Schwester, lebt allein in einer bescheidenen Hütte statt in einer pompösen Pagode.
Diese Lehren, die so nebenbei vermittelt werden, kann man durchaus begrüßen. Und so ganz nebenbei kann man sich bei diesem humorvollen und actionreichen Zweistundenfilm prächtig unterhalten.
Die DVD
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Technische Infos:
Bildformate: 1,85 : 1 Panavision (anamorph)
Tonformate: Dt. und Japanisch in DD 5.1
Sprachen: Dt., JP
Untertitel: Dt., Dt. für Hörgeschädigte
Extras:
- Französischer Trailer
- Animierte Menüs
- Making-of der Synchronisation
+ Sprecheraufnahmen (1:56)
+ Interview mit Nina Hagen (2:17)
+ Interview mit Sidonie von Krosigk (2:32)
- Trailershow:
+ Children of Dune
+ Chicken Run - Hennen rennen
+ Der stille Amerikaner
+ K-PAX
+ Die unendliche Geschichte
Mein Eindruck: die DVD
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Annders als die deutsche DVD-Version von "Mononoke" bietet die deutsche Chihiro-DVD einwandfreien Sound in Dolby Digital 5.1. Man merkt dies unter anderem dann, wenn das Mädchen weit oben auf dem Balkon der Pagode steht und ein Wind zu wehen beginnt, der sich plötzlich zu einem Sturm auswächst: Millionen winziger Papierflieger donnern in Chihiros Gemächer. Hierbei ist der Sound sehr wichtig, um den harmlos aussehenden Papierfliegern ein bedrohliches Grollen zu unterlegen. Die Macht, die sich dadurch verrät, ist die von Seniba, wie sich zeigt.
Den Schluss des Films und den Abspann, der eine Rundreise durchs Zauberland zeigt, begleitet ein sehr schöner Song, den eine Frau singt - leider in Japanisch und ohne Untertitel.
Die Bildqualität ist hervorragend. Wie wichtig sie ist, zeigt sich an Szenen, in denen Geister und Götter halbdurchsichtig erscheinen. Hier müssen Farben, Konturen und Bewegung stimmen.
Die Interviews sind recht aufschlussreich und müssen ein fehlendes Making-of des Film ersetzen (das hoffentlich in einer späteren Special Edition nachgeliefert wird). Sidonie von Krosigk ist die deutsche Stimme von Bibi Blocksberg und Chihiro alias Sen. Sie hat schon des öfteren, erzählt sie, mit Nina und Cosma Shiva Hagen zusammengearbeitet.
Nina Hagen schiebt den vollen Durchblick: Für sie ist "Chihiro" eine Variante von "Krieg der Sterne", weil hier wieder einmal Gut gegen Böse kämpfen und dies im Krieg der Schwestern gipfelt. Was sie besonders an "Chihiro" fasziniert, ist "das Schamanische" an dem gezeigten Zauberreich. Was auch immer "das Schamanische" sein soll, es hat wahrscheinlich mit dem Aspekt der Verwandlung, den ich herauszuarbeiten versucht habe.
Warum die DVD nur einen französischen, aber keinen deutschen Trailer aufweist, ist mir ein Rätsel. Hauptsache: global.
Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°
Wie Zhang Yimous Schwertzkämpferparabel "Hero" ist auch Hayao Miyazakis Anime "Chihiros Reise" eine Geschichte mit vielen Schichten. Es lohnt sich, die einzelnen Elemente und ihre Dynamik genauer zu betrachten, um neue Bedeutungsaspekte zu Tage zu fördern. Dass es auch gute Hexen gibt, ist uns Europäern aus den Märchen ja nicht so geläufig. So etwas gibt es erst seit etwa 30 Jahren, etwa durch Otfried Preußlers "Kleine Hexe".
Auch Tolkiens Ober-Elbin Galadriel, eine der wichtigsten Figuren in seinem Roman "Der Herr der Ringe", ist ja eine gute Zauberin. Wie sonst könnte sie einen so tollen Zauberspiegel haben? Und obendrei den offerierten Einen Ring, der böse Macht verleiht, zurückweisen?
Wie eingangs erwähnt, ist "Chihiro" ein Revolutionsmärchen: Die Ankunft des Menschenmädchens verändert die Verhältnisse im Reich des Bösen. Interessant ist, dass das Mädchen stets unschuldiges Opfer bleibt und sich nicht etwa auf die Seite der Hexe Yukaba schlägt. Es enthält einen unkorrumpierbaren Kern des Guten, der unfehlbar weiß, was gut und richtig ist. Davon könnten sich einige unserer Politiker eine Scheibe abschneiden.
Hoffentlich sehen wir noch weitere solcher zauberhaften Animes wie "Chihiro". Die DVD ist in Ton- und Bildqualität erstklassig, enttäuscht aber hinsichtlich ihres Bonusmaterials. Eine Special Edition gibt es inzwischen auch.
Michael Matzer (c) 2005ff
Weiterführende Infos und Links: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=16982
Kostenlose Bilder gibt's hier: http://outnow.ch/Media/Img/2001/SpiritedAway/ weiterlesen schließen
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