Pro:
gibt es nicht
Kontra:
Das Buch ist ansich vollkommen überflüssig
Empfehlung:
Nein
Eigentlich müsste ich doch direkt in der Zielgruppe für ein solches Buch liegen: Mitte 30, männlich, Single. Die Rede ist von dem Bestseller „Mit geschlossenen Augen“ von Melissa P., Untertitel „Das erotische Tagebuch“. Gegen anspruchsvolle erotische Literatur habe ich in der Tat nichts und da das Buch sogar auf vielen Bestsellerlisten zu finden war, habe ich es mir gekauft.
INHALT
Wie aus meiner Einleitung sicher schon zu erahnen ist, handelt es sich um eine in Tagebuch-Form gepresste Erzählung aus dem Leben einer 15-16 Jährigen. Jetzt kann man sich natürlich fragen: Eine 15-jährige mit einem erotischen Tagebuch? Die Frage ist ebenso berechtigt wie unbeantwortet. Allerdings füllen die erotischen Erlebnisse von Melissa das Buch durchaus, zumal andere Themen als Liebe und Sex nur am Rande eine Rolle spielen. Es beginnt mit Petting und dem ersten Mal, aber dann hat Melissa auch ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann, dazu auch mit ihrem Nachhilfelehrer und Lehrer sowie mit einer Frau. Auch bei den Praktiken, teilweise durchaus detailreich beschrieben, dann wieder eher dezent, geht die Palette von „normalem“ Sex bis hin zu Gruppensex oder SM-Spielchen.
AUTORIN
Laut Presse ist dieses Tagebuch authentisch, die Italienerin Melissa P. ist heute 18 Jahre alt und hat ihr erstes Buch geschrieben. Heute ist sie ein Medienprofi, der auch im katholischen Italien im Fernsehen über Sex philosophiert. Geschickt schafft sie es, die Frage nach dem Wahrheitsgehalt und dem Warum nicht zu beantworten.
MEINE MEINUNG
Ich habe sicherlich oben schon kaum verbergen können, dass ich von diesem Buch nicht wirklich begeistert bin. Um es deutlicher zu sagen: In meinen Augen ist hier keine talentierte literarische Nachwuchshoffnung am Werk gewesen, sondern ganz bewusst ein Buch zum Geld verdienen. Und davon hat die Autorin jetzt reichlich, millionenfach hat sich ihr Buch weltweit verkauft. Literarisch gesehen habe ich viele Kritikpunkte:
Erstens erscheint mir die ganze Story nicht als selbst Erlebtes. Eine 15-jährige Sizilianerin, die sich wild und heftig durch das Leben vögelt, ist an sich schon seltsam. Dazu kommt aber, dass an einigen Stelle die kleine Lolita bzw. Melissa manchmal mit Männern schläft ohne jedes Eigeninteresse. Welche Frau (auch welcher Mann) hat Sex ohne jedes Eigeninteresse (sei es eigene Lust, Liebe zum Partner, Geld, Macht oder was auch immer)? Dazu auch noch SM- bzw. Unterwerfungs-Spielchen mit Erwachsenen und das mit 15? Das ist für mich komplett unglaubwürdig.
Ebenso unerträglich ist der Kitsch in Sprache und Bildern. Zum Beispiel: „In meinem Mund vermischten sich fünf verschiedene Geschmäcker, fünf verschiedene Säfte von fünf verschiedenen Männern. Jeder Geschmack seine Geschichte, jeder Saft meine Schande."
Letzter Kritikpunkt ist die Reduktion auf Sex als Lebensinhalt. Verbunden mit der schon oben erwähnten Frage, warum sie das überhaupt alles macht, stellt sich jetzt nämlich auch die Frage nach dem Sinn des ganzen Buchs. Aus literarischer Sicht gibt es meiner Meinung nach keinen, das ganze Buch ist komplett sinnlos und überflüssig.
DATEN
ISBN 3-442-45765-3
Preis: 7,95€
160 Seiten
Goldmann Verlag, München
Übersetzung: Claudia Schmitt
FAZIT
„Sex sells“ ist wohl die Existenzberechtigung des Buchs. Hier wurde richtig Geld gemacht mit den angeblichen wahren erotischen Exzessen eines Teenagers. Für echte Literatur ist das Buch zu belanglos, für ein Sex-Büchlein hat es zu viele Längen und ist nicht immer direkt genug. Somit gibt es wirklich keine Zielgruppe, der ich dieses Werk empfehlen könnte. Dafür ist nicht einmal ein Stern drin!
(veröffentlicht von mir auch unter "Rrambo" bei ciao) weiterlesen schließen
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