Pro:
Beeindruckende Architektur, schöne Ausblicke.
Kontra:
etwas verkehrsungünstig gelegen
Empfehlung:
Ja
Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Barcelona ist für den architektonisch Interessierten der Parc Guell. Wie so oft in Barcelona stand auch hier Antonio Gaudí verantwortlich für die Ausführung der Anlage.
Eigentlich sollte der Park ja ab 1900 eine Wohn-Parkanlage werden, aber das mangelnde Interesse potentieller Bewohner aber auch der Ausbruch des 1. Weltkrieges machten dem Projekt den Garaus. Immerhin ist der Park fertig geworden und ein Haus, welches als Musterhaus für 34 geplante andere Wohnhäuser diente und in welchem Gaudi viele Jahre wohnte. Dort befindet sich heute auch das Gaudí-Museum der Stadt. Das Museum selber ist wenig sehenswert, bis auf persönliche Gegenstände und Möbel ist hier nicht viel zu finden, wer mehr über das Werk Gaudís erfahren will, ist hier fehl am Platze.
Die Anreise zum Park gestaltet sich etwas beschwerlich, da es ohne Fußweg von schätzungsweise einem Kilometer nicht geht. Am besten man reist mit der Metro-Linie L3 an und steigt an der Station Vallcarca aus. Vom Ausgang ist der Park ausgeschildert und über eine Vielzahl von Rolltreppen-Abschnitten (von denen einige leider außer Betrieb sind..) gelangt man zum oberen Ende des Parks und kann so mehr oder weniger bequem dem Park bergab erkunden. Gewöhnlichweise wir aber empfohlen, an der Station Lesseps auszusteigen. Hier ist der Weg zwar etwas kürzer aber auch beschwerlicher, nicht zuletzt weil der Weg über große Teile an einer stark befahrenen Straße entlang führt und der Anstieg ohne Rolltreppen bewältigt werden muss.
Bereits der Eingangsbereich des Parks ist sehenswert. Die beiden phantasievoll gestalteten Torhäuser findet man auf vielen Ansichtskarten Barcelonas, hier hat Gaudí sich wieder viele Anregungen aus der Natur geholt. Da sieht man Türmchen und Erker in Morchelform, Tiere und andere pflanzenförmige Teile. In den Gebäuden befinden sich ein Café und ein Souvenirladen. Wer sich für Kleinigkeiten interessiert, sollte sich unbedingt einmal das schmiedeeiserne Tor anschauen, welches aus geschmiedeten Palmblättern besteht. Über eine große Freitreppe gelangt man weiter nach oben, vorbei an einer kleinen Wasserkaskade, deren Mittelpunkt eine große aus Keramik-Bruchstücken verzierte Echse ist. Davon ein Foto zu schießen dürfte schwierig werden, denn die meisten Besucher versuchen die Echse zu betatschen, wahrscheinlich gibt's da irgend eine Story von wegen Glückhaben durch anfassen oder so...
Weiter oben erblickt man dann die berühmte Säulenhalle, die eigentlich als Markthalle konzipiert war. Heute sieht man hier eher Souvenirverkäufer und Musiker (auch wegen der guten Akkustik), auf der Jagd nach ein paar Euros. Und das ist auch ein guter Platz dafür, denn unter den 64 Säulen ist es erträglich kühl und dementsprechend frequentiert von Touristen beim Ausruhen nach der "Strapaze".
Weiter auf dem Weg nach oben erkennt man bald, dass sich auf dem Dach der Säulenhalle ein großer Platz befindet, der von der nicht minder berühmten Schlangenbank umsäumt ist. Diese Bank ist schätzungsweise 200 Meter lang ohne Lücken, gewunden und mit Millionen kleiner Keramik-Bruchstücken verziert. Von hier oben hat man auch einen sehr schönen Ausblick auf Barcelona mit seinen Kirchen, vereinzelten Hochhäusern, die Zitadelle auf dem Berg Montjuic, den Hafen bis hinunter zum Strand. Hier tobt das Leben, hier wird fotografiert was das Zeug hält, hier wird geflirtet, geschlafen und gespielt, ein sehr lebensfroher wenn auch heißer Platz. Der Platz selber ist mit gelbem Kies bedeckt, von etwas weiter oben betrachtet hat man den Eindruck, eine palmenbestandene Oase vor sich zu haben.
Wer jetzt noch Zeit und Muße hat, sollte eine Runde durch das weite Parkgelände drehen. Verschlungene Wege, zahlreiche Brücken, Laubengänge, künstliche Grotten und Aussichtspunkte machen einen Spaziergang abwechslungsreich. Hier ist alles "erden" gestaltet, d.h. die Architektur ist sehr naturnah, nicht ist gerade ausgerichtet oder glatt.
Die Pflanzenwelt selber ist weniger spektakulär, mediterrane Vegetation wird an den Wegen oft etwas durch Blumen oder blühenden Ranken aufgewertet.
Ein unbestrittenen Vorteil gibt es noch zum Park zu nennen: Es wird kein Eintritt verlangt. Das schon die Reisekasse, nach Eintrittspreisen von 10 Euro und mehr für einzelne Sehenswürdigkeiten...
Fazit:Der Parc Guell sollte zumindest für Besucher, die länger als ein kurzes Wochenende in Barcelona weilen, auf der Liste stehen. Wer nur 2 ½ Tage dort ist, wird zu tun haben, die wichtigsten anderen Sehenswürdigkeiten zu sehen. Für Architekturinteressierte würde ich den Park mit seinen Bauten als unbedingtes Muss bezeichnen. Wer allerdings auf der Suche nach botanischen Kostbarkeiten ist, kann sich den Besuch sparen. Der Ausblick von der Schlangenbank-Terrasse ist zwar schön, aber Barcelona hat eindrucksvollere Panoramen zu bieten, etwa vom Berg Tibidabo aus, auf den man mit der Standseilbahn fahren kann. Also: Die Architektur macht die Faszination dieses Parks aus!... weiterlesen schließen
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