Pro:
teils nette Kerzen und schöne Düfte
Kontra:
viel zu teuer
Empfehlung:
Nein
Vor gut drei Jahren war ich zum zweiten Mal auf einer PartyLite-Veranstaltung und bevor jetzt jemand anfängt, mich für meschugge zu halten, sag ich lieber gleich, daß dies zu meinem damaligen "Dorf-Integrationsprogramm" gehörte. Ich seh schon die Fragezeichen in euren Augen, deshalb erklär ich's lieber gleich:
Wie ja aus meinem Profil zu ersehen ist, wohne ich auf einem eine-Handvoll-Seelen-Dorf in Schleswig-Holstein, und das auch noch als Zugereiste... Vor die Wahl gestellt, ob ich mich als Kuchenbäckerin bei der freiwilligen Feuerwehr oder Helferlein beim alljährlichen Vogelschießen (nein, das erklär ich jetzt nicht noch...) zur Verfügung stellte oder meine Integration in den hiesigen Frauenkreis als Gastgeberin bei den obligatorischen Tupper-Parties absolvierte, hatte ich mich für letzteres entschieden. Ist ja auch ganz nett, die entsprechenden Geschenke einzukassieren.
Die Konsequenz daraus war dann allerdings eine Party-Flut, deren letzter Erguss die oben erwähnte PartyLite-Veranstaltung war. Diese fand nun nicht in privatem Rahmen, wie die PartyLite-Verkaufsveranstaltungen, statt sondern im Messe-Restaurant der nächst gelegenen (Klein)Stadt, war also ohne Verkaufsangebote bzw. Kaufmöglichkeiten.
Auf den Tischen für die Gäste standen brennende Windlichter, das Restaurantpersonal hatte alle Hände voll zu tun, so an die 200 (!) Frauen und ein paar verloren wirkende Männer mit Speisen und Getränken zu versorgen, zusätzlich waren in diesem Saal an den Wänden entlang auf großen Tischen und Stellwänden nun alle Kerzenleuchter und Kerzen als Ausstellungsstücke aufgebaut bzw. aufgehängt - ich muß schon sagen: es sah nicht nur toll aus, sondern duftete auch gut!!! Als Begrüßungsgeschenk bekam jeder Gast ein duftendes Teelicht geschenkt und mußte eine Anmeldekarte ausfüllen, die später als Los für die Tombola benutzt wurde.
Natürlich waren wir als erstes zu diesen Ausstellungsstücken hin, wann hat man schon mal die Möglichkeit, sich all diese sündhaft teuren Stücke aus nächster Nähe anzuschauen. Die letzten beiden Tische barsten fast unter der Last der Tombolageschenke und wir malten uns aus, was wir uns denn aussuchen würden...
Aber vor dieses Ereignis hatten die Götter des Kommerz eine wahre Nervenbelastungsprobeprobe gesetzt! Wenn mein Essen nicht so früh gekommen wäre, es hätte mir glatt den Appetit verdorben. Vielleicht hätten die Veranstalterinnen ja vorher die amerikanische Nationalhymne intonieren sollen, dann wären wir wenigstens vorbereitet gewesen auf das, was wir über uns ergehen lassen mußten:
Ich fühlte mich in einen amerikanischen Werbefilm hineinversetzt, daß einzige was störte, war das der Originalton fehlte. Um die Hauptperson, die scheinbar das ganze Bundesland betreut, herum waren die Beraterinnen, uniform mit passendem Halstuch versehen, versammelt. Nach einer netten Begrüßung und der obligatorischen Aufklärung über das Unternehmen und der Information, welche Firmen dem Konzern mittlerweile alle angehören (die einzig bekannte, die mir hängengeblieben war, ist Hallmark, die ich bislang eher als Hersteller von Papeterieartikeln kenne, ihr wisst schon, so neckische Papierservietten, Gruß- und Platzkärtchen etc.) wurde das Publikum darüber aufgeklärt, welches Zusatzgeschenk es bei heutiger (telefonischer Buchung beider zuständigen Beraterin, denn, wie gesagt, das ganze war KEINE Verkaufsveranstaltung) gäbe und das weitere Programm des Abends erläutert. Als ob wir nicht lesen könnten, lag doch auf jedem Tisch eine gedruckte Version. Nach einem Intermezzo mit einem typisch friesischen Mann, der sich als Komiker ausprobierte, und der Selbstdarstellung einer Beraterin mit gesträhnter Dauerwelle und Mickey Mouse-Stimme ("Was will ich?" - Viel Geld, nette Kerzen, einen Wintergarten, eine tolle Reise etc. - als musikalische Untermalung hätte statt der sanften Sphärenmusik viel besser Madonnas "Material Girl" gepasst) kam es zum ersten Höhepunkt: Der Gastgeberehrung.
Dazu wurde in den Saal hinein per Mikrofon abgefragt, welche Gastgeberin den höchsten Umsatz pro Party gemacht hatte, damals noch in DM, also ab 1200 DM aufwärts... Es war wie in der Schule, alle, die die Bedingung erfüllten, mußten aufstehen und durften sich je nach Höhe es Umsatzes wieder setzen. Bei DM 1700 hab ich aufgehört, hinzuschauen. Klar, daß die Gastgeberin mit dem höchsten Umsatz ein tolles Geschenk bekam.
Darauf folgte nach dem gleichen Verfahren die Ehrung derjenigen, die am häufigsten Gastgeberin war, eine Dame hatte es doch tatsächlich auf 13 (!) Parties im Jahr 2000 geschafft.
Der letzte Teil vor der Pause war dann die Ehrung (oder Peinlichkeit???) der Gastgeberin mit dem höchsten Jahresumsatz, der um und bei DM 8000 lag.
Selten hab ich eine Pause so sehr herbeigesehnt wie da...
Frisch gestärkt durch Speis und Trank (das Restaurant wollte ja schließlich auch was verdienen) ging es dann an die Tombola. Die Tochter einer Gastgeberin spielte Lottofee, der Name (samt Vorname und Anschrift - hatten die denn noch nie was von Datenschutz gehört, oder sollte diese öffentliche Bekanntgabe aller persönlichen Daten etwa eine intime Atmosphäre schaffen?) wurde verlesen und die aufgerufene Person durfte vor aller Augen zu dem Geschenketisch gehen und sich etwas aussuchen. Es war wie im richtigen Leben. Die meisten gingen leer aus... Immerhin, auch ich gehörte zu den glücklichen Gewinnerinnen und rollte freudestrahlend mit 3 Teelichtern, hübsch in Zellophan verpackt, nach Hause.
Im Ernst, auch wenn sich das bis hierhin nach einem ziemlichen Verriss anhört, ich will zugeben, daß sich die Veranstalterinnen wirklich viel Mühe gegeben haben.
Vielleicht bin ich einfach auch nur allergisch gegen zu viel Amerikanisierung.
Was nun das Produkt, nämlich in erster Linie die Kerzen als solche, angeht, so war ich anfangs sehr zufrieden.
Die damals, also in den Jahren 2000 - 2001 gekauften, rußten tatsächlich nicht und hatten einen lang anhaltenden Duft. Im vergangenen Jahr, pardon, im vorvergangenen, wir schreiben ja mittlerweile das Jahr 2004..., habe ich noch einmal Nachschub bekommen, der scheinbar eine Qualitätsverschlechterung erlitten hatte. Zwar rußten die Kerzen immer noch nicht, aber sie brannten nicht mehr sauber ab, d.h. nicht bis zum Ende und der Duft war schwächer geworden...
Aufgrund des hohen Preises, allein schon 12 Teelichter, die allerdings komplett durchgefärbt und (angeblich komplett) beduftet sind, können gut und gerne € 8,00 kosten (zum Vergleich: für 100 Stück nichtduftende weiße hab ich letztens im Baumarkt € 2,99 bezahlt!) habe ich allerdings nie etwas anders als eben solche Teelichter oder aber auch schon mal Votivkerzen gekauft.
Wer sich darunter nichts vorstellen kann: sie sehen aus wie Mini-Stumpen oder erhöhte Teelichter. In ein Glas gestellt, verflüssigen sie sich ganz und sehen wunderhübsch aus. Ohne Glas gibt's allerdings eine riesige Schweinerei, wenn nicht gar Zimmerbrand oder Schlimmeres.
Wer es sich leisten kann, hat darüber hinaus eine Riesenauswahl an anderen Kerzen (z.B. Dreidochtkerzen, Kugelkerzen, Pillarkerzen, Wohlfühlkerzen, Küchenkerzen etc. etc., meist in vielen, teils wirklich wunderschönen Farben und verschiedenen Düften erhältlich).
Aber PartyLite bietet nicht nur Kerzen an, sondern auch Kerzenständer.
Und dies in einer riesigen Auswahl. Von kleinen Behältern für Teelichter über solche für Votivkerzen bis hin zu Tischlampen und Wandleuchtern, aus Glas, Metall und Bisquitporzellan (unbemalt ein sehr feines, weißes Porzellan, durch welches das Licht schimmert, wenn man eine Kerze hineinstellt - oder bemalt und nicht durchscheinend) oder gerade im Winter sehr beliebten „Teelichthäusern", wie ich sie nenne, reicht das Sortiment - zu ebenfalls wahrhaft fürstlichen Preisen.
Wem das immer noch nicht reicht, der kann seinGeld auch für Accessoires ausgeben, mit denen man Kerzenhalter schmücken (?) kann, wie z.B. kleine Blätterkränze oder ähnliches.
Den größten Teil des Sortiments find und fand ich ausgesprochen kitschig, aber ich muß gestehen, es gab auch schon mal das eine oder andere Teil, dass mir gefiel, allerdings nicht bezahlbar war...
So hatte ich mich seinerzeit gerade noch verführen lassen, für eben solche Votivkerzen geeignete Glasbehälter zu kaufen, die unten einen gläsernen Zapfen haben, so daß man sie in jeden normalen Kerzenleuchter stellen kann und hab mich schwarz geärgert, als ich genau diese Teile einige Wochen später beim auf dem Klo blättern im Katalog eines dieser Billig-Versandhäuser, deren Werbung einem immer die Papierkörbe verstopft, für ein Viertel des Preises von PartyLite inkl. massivem eisernen Kerzenständern entdeckt habe...
Mittlerweile bin ich also, abgesehen von dem einen oder anderen ebay-Streifzug (dort kann man abseits der PartyLite-Kerzen-Partys, die nach dem gleichen System wie Tupperware-Partys funktionieren) verhältnismäßig günstig sowohl Kerzenhalter als auch Kerzen ersteigern oder im Sofort-Kauf erwerben, von PartyLite wieder ziemlich abgekommen.
Ich habe nämlich den Eindruck, daß die Qualität doch nachgelassen hat, dafür die Preise angezogen haben.
Da nützt mir auch die sogenannte PartyLite-Garantie wenig, die besagt, daß man, wenn eine Kerze bei ordnungsgemäßem Gebrauch nicht ordentlich abbrennt, diese ersetzt bekommt. Aber ehrlich gesagt, trotz des horrenden Preises ist es mir zu blöd, von zwölf Teelichtern drei oder vier zu reklamieren...
© LeaofRafiki, 06.04.2001 / 06.01.2004
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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Yopi, nach dem Relaunch selten Dooyoo, und noch seltener auf irgendwelchen anderen Plattformen, aber dafür vielleicht auf meiner Homepage www.leaofrafiki.de *grins* weiterlesen schließen
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