Pro:
Abwechslung zwischen ruhigen und schnelleren Stücken, super Tracks dabei
Kontra:
Für 10/10 hat's nicht ganz gereicht
Empfehlung:
Ja
Vor wenigen Stunden habe ich mein Review zu Moby's 2002er LP "18" abgetippt und es stieß inzwischen auf positive Resonanz, nun also als kleines Dankeschön und weil heute doch so ein toller Tag zum Ster... äh, Tippen ist, die Fortsetzung. Das Review zum Klassiker "Play"!
Allgemeine Informationen:
"Play" erschien 1999 und Moby konnte mit diesem wohlkonzeptionierten Album seinen bislang größten Erfolg verbuchen, überall wurden die einzelnen Stücke bis zum Erbrechen gespielt, die Videos liefen tagein, tagaus auf den Musiksendern und wurden sogar in "The X-Files" und anderen Serien/Filmen genutzt. Zuletzt hörte man - überraschender- und irgendwie auch unpassenderweise - den Song "Why Does My Heart Feel So Bad?" während des Trailers zum Kriegsfilm "Black Hawk Dawn". Sollte wohl hip wirken, wirkte jedoch bloß aasig. Meiner Meinung nach.
Es gibt von "Play" seit 2000 auch ein "Limited Edition 2CD Box Set" mit einer extra CD, auf der B-Sides enthalten sind, die sich im Großen und Ganzen übrigens auch gut anhören. Ich komme später mal auf die zweite CD zu sprechen, erstmal konzentriere ich mich nur auf das Hauptwerk.
Die Songs:
1. Honey
Den Anfang macht der Kopfnicker "Honey", mit einem ganz coolen Piano-Beat, wenn man es denn so nennen kann/will. Wer sich nicht von der etwas eintönig verlaufenden Laberei stören läßt, sondern einfach dazu abhottet, wird diesen Song sehr mögen. (6/10)
2. Find My Baby
Auch beim zweiten Stück wiederholt sich lediglich ein Satz, diesmal aber begleitet von einer harmonisierenden Frauenstimme und einem lässigen E-Gitarren- und Bassound. Gefällt mir schon besser. (7/10)
3. Porcelain
Und Moby wird wieder verträumt. Die Zeit steht still und die Streicher bewegen das Geschehen vor- und rückwärts, dazu die passende Stimme im Hintergrund. "In my dreams I'm dying all the time..." singt Moby und wir schwelgen ebenfalls in alten Erinnerungen. (9/10)
4. Why Does My Heart Feel So Bad?
Das Piano setzt zu Beginn dieses bekannten Stücks ein und die Melancholie wird beständig weiter vorangetrieben. Wenn die weibliche Begleitstimme zum Hook ansetzt, fühlt man sich ein wenig an Moby's alten Hit "Feeling So Real" erinnert - ist das Nicole Zaray? Auf jeden Fall hört es sich gut an... wenn es nicht gerade zu einem Kriegsfilm läuft. (8/10)
5. South Side
Und der Künstler selbst singt wieder. Diesmal entführt er uns an die "South Side" und die Stimmung wird etwas freudiger. Der Hook ist 1A und läßt dieses Stück zu einer willkommenen Abwechslung von all dem Herzschmerz-Rest werden. (8/10)
6. Rushing
Dieses Lied beginnt sehr ruhig und nimmt den Hörer wieder in einer bedrückend traurigen Welt gefangen. Es handelt sich hierbei um ein fast reines Instrumental, nur begleitet von einer angenehm harmonisierenden Frauenstimme. Das Piano scheint Moby's große Stärke zu sein. (9/10)
7. Bodyrock
Nach "Honey" der zweite Kopfnicker auf diesem Album, und zwar ein viel abwechslungsreicherer. (9/10)
8. Natural Blues
Ein nach dem typischen Moby-Schema verlaufender Track ohne großartige Innovationen. Kein Highlight der LP. (5/10)
9. Machete
Es wird spürbar elektronischer! Moby's Vocals passen sehr gut zu diesem mehrmals die Tempi wechselnden Stück. (8/10)
10. 7
Ein reines Instrumental, ziemlich kurz, aber interessant. (9/10)
11. Run On
Und erneut ein Kopfnicker, der zu Beginn an "Bodyrock" erinnert, doch eindeutig Akzente im Bereich Gospel setzt. Die Vocals wirken erfrischend frisch und locker-leicht und das Piano begleitet bestens. (9/10)
12. Down Slow
Das dritte Instrumental und zudem das coolste. Mir fallen auf Anhieb viele verschiedene Arten von Musikstücken ein, die man mit dieser Melodie im Hintergrund erstellen könnte. Interessanterweise hat Moby es bei diesem kurzen Snippet belassen, ehe man seine Qualität voll erfaßt hat, ist es auch schon vorbei. (10/10)
13. If Things Were Perfect
"Give me summer!", das schreie ich auch jeden Winter. Und begleitet von Moby's ruhig gesprochenem Text entsteht hier ein mysteriöses, im wahrsten Sinne COOLES Stück, das Wärme, Freude und Abenteuer preist. (10/10)
14. Everloving
Und Moby rückt nach "Find My Baby" und "If Things Were Perfect" hier die Gitarre noch weiter in den instrumentalen Mittelpunkt. Das Summen im Hintergrund läßt dieses Stück experimentell erscheinen, durch den Einsatz des Piano gewinnt es aber an Tiefe und Aussagekraft. Eine Ode an die Liebe benötigt keine Worte. (10/10)
15. Inside
Voller sphärischer Klang, leicht durchsetzt von einem langsam spielenden Piano, dazu noch ein Beat, der das Herz schneller schlagen läßt. Man kann sich nicht so recht zu diesem Stück entspannen, aber die Trance wird schon erreicht. (9/10)
16. Guitar Flute & String
Jetzt steht die Gitarre sogar schon im Titel ;-) Ich erinnere mich bei diesem Track an den Score des PC-Games "Diablo" (1996) zurück, der auch von einer Gitarre bestritten wurde und bei so manchem Rollenspieler eine Gänsehaut erzeugte. Leichte, romantische Flötentöne verstärken den träumerischen Eindruck dieses Instrumentals noch weiter. (10/10)
17. The Sky Is Broken
Der vorletzte Titel von "Play" beginnt schon vielversprechend. Hi-Hat und Snare leiten ein und es wird basslastiger, Moby trägt seinen Text vor - originellerweise hört man sogar, wie er zwischendurch seinen Text umblättert. Die "unperfekte" Art der Aufnahme ist aber gewollt, da bin ich mir ganz sicher ;-) Die Lyricz sind in höchstem Maße romantisch und tiefsinnig, der perfekte Sound für eine Autofahrt zu später Nacht, wenn der Regen gegen die Windschutzscheibe prasselt und die Begleitung auf dem Beifahrersitz schon eingenickt ist. Das Piano liefert auch hier wieder einen Höhepunkt und wird nur durch die bestens arrangierten Streicher übertroffen, wenn sich der Song leider viel zu schnell seinem Ende nähert. (10/10)
18. My Weakness
Der letzte Song des Albums ist zugleich das letzte Highlight. Ich habe "My Weakness" zuallererst während einer Folge von "The X-Files" gehört, und sie paßte perfekt. Allein wegen der sagenhaft tollen Szene und diesem Lied mußte ich mir diesen Teil der Episode zigmal hintereinander antun. Die Streicher harmonisieren ausgezeichnet zu den Kinderstimmen, die etwas nicht verständliches wiederholen. Dabei trägt Moby zum Finale hin immer dicker auf, bis nur noch die Stimmen singen und langsam im Off verhallen. Ein grandioses Ende einer grandios konzipierten Platte ohne nennenswerte Tiefen. (10/10)
Gesamturteil:
Ich komme zu einer Durchschnittsnote von 8,67. Die LP beginnt "okay" und steigert sich dann erfreulicherweise ab Track 3 in "super". Ich überlege es mir sehr gründlich, und dies auch mehrmals hintereinander, ob ich einem Track 10/10 gebe (was bedeutet, daß ich diesen Track wirklich IMMER wieder hören könnte) und "Play" hat tatsächlich einige 10er zustandegebracht. Vor allem "The Sky Is Broken" wäre beinahe ein 11er-Kandidat, doch ich verstoße nicht gegen mein Bewertungsschema ;-) Vor allem die Konzeption macht es und so wird Abwechslung geboten, wodurch man sich die CD ohne zu skippen anhören kann.
9/10 (*****)
Das Extra-Review zur "Limited Edition" folgt irgendwann noch an dieser Stelle, sofern es nicht einen Extra-Bereich für sie auf YOPI gibt. weiterlesen schließen
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