Pro:
Gute Grafik und Sound, viel Spielspaß
Kontra:
kein Multiplayermodus; auf längere Zeit eher langweilig
Empfehlung:
Ja
Heute wollen wir mal eine Zeitreise machen und bewegen uns zurück ins 15 Jahrhundert. Die Weltmeere werden erobert und es entstehen die ersten Handelsrouten auf hoher See. Kolumbus sucht den Seeweg nach Indien und entdeckt America. Andere Seefahrer entdecken auf ihren Wegen neue Länder, neue Kulturen und neue Handelspartner. Der Handel auf See blüht richtig auf, aber es gibt auch Gefahren: Piraten und Freibeuter.
Zurück in der Neuzeit hat die Firma Ascaron genau diese Tatsachen in das Spiel Port Royale gepackt und so konnte man wie damals die Seefahrer in See stechen und Handel betreiben. Allerdings war dieses Spiel damals voller Bugs und so versuchte man sich erneut an dem Spiel. Im Jahre 2004 kam dann das Sequel Port Royale 2 auf den Markt. Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich im Vergleich zum Vorgänger an dem Spielprinzip und der Technik nichts geändert hat. Es sind einige Sachen neu aufgenommen worden, aber dazu später mehr.
Am Anfang muss der Spieler sich für eine der vier zur Verfügung stehenden Nationen England, Frankreich, Holland oder Spanien entscheiden. Jedes Land hat dabei unterschiedliche Vorzüge: So hat Spanien zum Beispiel viele kleinere Städte, während England einige größere Städte hat. Jedes Land besitzt darüber hinaus einige Kolonien und mindestens eine Gouverneurstadt. Dann gilt es einen Bonus auf seine Eigenschaften zu verteilen. Hier kann man zum Beispiel die Treffsicherheit beim Kampf erhöhen oder mehr an Handelserfahrung einstellen.
Dabei kommt es darauf an, ob man später im Spiel eher handeln möchte oder lieber die Karriere eines Piraten einschlagen möchte. Dann muss man sich entscheiden, ob man am Anfang lieber mit mehr Geld und einem schlechteren Schiff startet oder umgekehrt. Handelversierte Spieler wählen Geld um so schneller Geschäfte machen zu können und steigen so im Ansehen der Leute. Kriegerische Spieler sollten ein besseres Schiff und weniger Geld wählen, um so bei Seeschlachten eine bessere Ausgangslage zu haben. Hat man diese Auswahlszenarien hinter sich gebracht, so startet das Endlosspiel und der Spieler findet sich als unbedeutender Händler mit einem kleinen Schiff irgendwo in der Karibik wieder.
Spieler, die das Spiel schon vom ersten Teil her kennen, wird der Einstieg sicherlich leichter fallen, da viele Teile aus dem ersten Teil übernommen wurden. Für Neueinsteiger empfiehlt es sich vor dem ersten Handel das detaillierte Tutorial durch zu machen, um so jede Kleinigkeit des Spieles zu erlernen. Hat man dieses dann erfolgreich bestanden, so kann man die ersten Waren zwischen den Städten hin und her schippern mit dem Ziel nach mehr Geld und einer lukrativeren Handelsroute.
Wie schon erwähnt, kann man bei Port Royale eine Karriere als Pirat, Freibeuter oder Händler einschlagen. Egal, wie man sich entscheidet, handeln muss jeder und der Handel ist in diesem Spiel das Herzstück und sozusagen die Lebensaufgabe. Durch den Handel verdient man Geld und durch diesen Reichtum erreicht man einen höheren Rang in der Gesellschaft. Jeder Aufstieg ist gekoppelt mit einem bestimmen Kontostand und wenn man diesen dann auf seinen Konto hat, dann ist das Ansehen und der Rang höher. Alles gut und schön, aber welche Vorteile hat den so ein Aufstieg ? Man hat nun die Möglichkeiten weitere Kapitäne einstellen zu können und es besteht auch die Möglichkeit weitere Konzessionen zu erwerben. Diese werden benötigt um in einer Stadt Plantagen oder Fabriken bauen zu können oder um diese zu erwerben.
Was ich sehr schön finde ist, dass die Preise in Echtzeit berechnet werden und auch, dass sich die Preise wie im richtigen Leben nach Angebot und Nachfrage richten. So ist das Spiel interessanter und es kommt mehr Spannung auf. Wer will schon, dass das Bier in London immer 20 Geldeinheiten pro Tonne kostet und sich nie ändert ? Dann könnte man eine Route einrichten, nur Bier verkaufen und warten, bis mal Millionär wird. Das ist doch langweilig und das Spiel würde in einer Ecke landen. Durch diese Echtzeitberechnung ist das aber bereinigt.
Auf der Karte wird angezeigt, wenn bestimme Güter in einer Stadt knapp werden oder nicht mehr vorhanden sind. Nun gilt es diese Güter so schnell wie möglich liefern zu können, um so das Geschäft seines Lebens machen zu können. Dabei ist die Wegstrecke zu berücksichtigen, denn die Konkurrenz schläft nicht. Ist bereits ein anderer Händler in der Stadt eingetroffen und hat diese Ware verkaufen können, dann sinkt auch der Preis und der erhoffte Gewinn fällt niedriger aus. So sollte man auch nicht seine komplette Ware in einer Stadt auf einmal verkaufen, da der Preis pro verkaufter Tonne fällt. Es empfiehlt sich die Ware auf mehrere Städte aufzuteilen um so mehr Gewinn zu erzielen und um das Angebot in der Stadt bei erhöhter Nachfrage so klein wie möglich zu lassen. Hintergedanke: Ich bin euer Lieferant für die Ware und ihr bezahlt mich fürstlich dafür ;-)
Nach einiger Zeit hat man dann ein hoffentlich prall gefülltes Konto und es besteht die Möglichkeit zu bauen oder Konzessionen zu erwerben, die teurer werden, je mehr man davon besitzt. In seiner Heimatstadt kann man nun mit Hilfe der Konzession Fabriken oder Plantagen gebaut werden, um die selbsterstellten oder erwirtschafteten Güter zu verkaufen. Durch Konzessionen kann man auch Schulen oder Krankenhäuser errichten, um so den Lebensstandard in der Stadt zu erhöhen. Je reicher eine Stadt ist, um so höher ist der Lebensstandard in dieser. Das wird auch von produzierenden Betrieben erreicht, wenn die Waren dann später verkauft werden.
Bei den Waren gibt es eine Unterscheidung in Rohstoffen, Grund-, Fertig-, Kolonial und Importwaren. Importwaren können nicht produziert werden und können nur von Handelspartner gekauft und eingeführt werden. In Gouverneursstädten werden die Fertigwaren produziert und die Importwaren angeliefert, die man dann in den Kolonialstädten gut verkaufen kann, da diese dort sehr gefragt sind. In den Kolonialstädten werden Rohstoffe und Kolonialwaren produziert, die wiederum in den Gouverneursstädten großer Beliebtheit hervorrufen. Hier kann man erkennen, dass es dann später im Spiel besser ist die Rohstoffe und Waren selber zu produzieren und nicht für teuer Geld bei anderen Händlern kaufen zu müssen. Der Kreislauf der Wirtschaft regiert auch in diesem Spiel, wie auch im richtigen Leben. Auch wie im richtigen Leben wird irgendwann mal das Bauland knapp und andere Händler machen einem das Leben schwer. Jetzt kann man, wenn man immer noch genügend Geld auf der hohen Kante hat, diese Läden aufkaufen oder durch ein Niedrigpreisangebot diese ausstechen. So wird man der Handelskönig der Stadt !
Die produzierten Waren können dann im Konvoi, der aus bis zu 10 Schiffen bestehen kann, in die einzelnen Länder gefahren werden. Um sich vor den Piraten zu schützen, können 5 dieser 10 Schiffe mit Kanonen ausgerüstet werden und dienen so als Eskorte und Schutz vor bösen Buben. Will man nun eine bestimmte Route immer fahren und hat diese als Handelsroute angegeben, so können Kapitäne in Kneipen angeheuert werden, die diese Aufgabe dann erledigen. Allerdings sollte so ein Kapitän Erfahrung mitbringen, denn Grünschnäbel sind mit der Zeit recht teuer. Angestellte Lehrer können diesen Kapitänen noch das eine oder andere beibringen und so steigt auch später die Erfahrung. Je höher man im Ansehen ist, um so mehr Kapitäne kann man einstellen und um so mehr Handelsrouten kann man bedienen.
Hat man sich durch die ganzen Handelserfolge einen Gouverneur auf sich aufmerksam gemacht, ist dieser Ihnen freundlich gesinnt und bitten Sie einige Gefälligkeiten. Sie erhalten Aufträge oder er bietet Kaperbriefe zum Kauf an. Mit den Kaperbriefen können Sie die Schiffe einer Nation bedenkenlos angreifen, da Sie ja den Auftrag hierzu haben. Ohne einen solchen Kaperbrief können Sie zwar auch Schiffe angreifen, sinken dann aber im Ansehen, da Sie dann als Piraten gleichgestellt werden. Also keinen Angriff ohne Kaperbrief !
Beim Kampf öffnet sich ein neues Fenster und dann muss man zuerst das Schiff auswählen, dass angreifen soll und dann die Beschussart (Ketten-, Streu oder Massivkugeln). Kettengugeln zerstören die Takelage des Schiffes und macht dieses dadurch langsamer. So hat man die Chance das langsam gewordene Schiff einzuholen und zu entern. Streukugeln verwendet man bei Schiffen, deren Besatzungszahl viel höher ist, als die eigene Besatzung. Dadurch wird die Zahl der Gegner schnell dezimiert und das Schiff kann geentert werden. Massivkugeln werden dazu genutzt, um Schiffe zu zerstören.
Der eigentliche Kampf ist schon etwas unfair, da man selbst nur ein Schiff steuern kann während der Gegner mit bis zu 5 Schiffen angreift oder sich verteidigt. Ist das eigene Schiff stark beschädigt, so kann man ein anderes zum Kampf auswählen und das angeschlagene Schiff verlässt den Kampfort. Dafür sind die Kämpfe aber nicht schwer zu gewinnen. Mit der richtigen Taktik kann man jeden Konvoi vernichtend schlagen: Zuerst mit Streukugeln die Mannschaft dezimieren und dann mit Kettenkugeln das Schiff unfahrtüchtig machen und dann entern. Neu ist allerdings jetzt, dass wenn sich auf einem Schiff der Kapitän der Flotte befindet, dann gibt es einen Fechtkampf. Dieser ist aber recht einfach zu gewinnen. Später erhält man dann vom Vizekönig den Auftrag Städte zu annektieren.
Alles in allem garantiert das Spiel einen langen Spielspaß und hohen Suchtfaktor, aber dieser lässt so nach 20 – 30 Stunden rapide nach, da der Handels und der Kampfpart auf die Dauer doch recht langweilig wird. Die Aufträge des Gouverneurs oder vom Vizekönig sind da willkommene Unterbrechungen des stupiden Handelns.
Die Grafik ist zwar nicht mehr so auf die heutige Zeit zugeschnitten, ist aber immer noch schön anzusehen. Es wurde detailgetreu alles verarbeitet und es macht Spaß Port Royale 2 zu spielen. Im Vergleich vom Vorgänger wurden Icons überarbeitet und wirken jetzt ausdrucksvoller, Listen wurden übersichtlicher gestaltet und es wurden mehr Details einprogrammiert. Sonstige Effekte fehlen allerdings, was sich aber positiv auf die Hardwareanforderungen bemerkbar macht. Das Spiel kann auch auf älteren Systemen gespielt werden.
Der Sound ist auch gut, so kann man das Meeresrauschen hören, wie auch das Gezwitscher der Vögel. Die unterlegte Musik ist ebenfalls passend und wechselt je nach Lage. Die Textmitteilungen werden auch sprachlich ausgegeben, so dass man nicht mitlesen muss.
Alles in allem ein gelungenes Spiel, allerdings mit kleinen negativen Punkten: Es ist nicht möglich mit einem Mulitplayer Modus gegen andere Spieler zu spielen. Vor allem bei den Kampfszenen hätte das mehr Spaß gemacht gegen einen Menschen zu spielen, als gegen die Maschine. Ich hätte mir mehr Kampagnen und eine etwas tiefere Spieltiefe gewünscht. So könnte man den Spielspaß noch verbessern. Dadurch hätte das Spiel noch besser werden können. Wer aber eine anspruchsvolle Wirtschaftssimulation sucht, der ist bei Port Royale 2 gut aufgehoben. weiterlesen schließen
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