Pro:
spannend und sehr gut erzählt
Kontra:
die "Privatstory"
Empfehlung:
Ja
In der englischen Hauptstadt London ist ein Mörder unterwegs, der bereits drei Menschen auf dem Gewissen hat. Dabei schlägt er jedesmal immer wieder nach demselben Muster zu: auf einsamen, verlassenen Wegen werden Frauen hinterrücks auf bestialische Art und Weise ermordet. Gewissermaßen als Markenzeichen hinterläßt der Täter jedesmal einen Gebißabdruck auf dem Bauch des Opfers.
Da die Londoner Polizei in diesem Falle kein Stückchen weitergekommen ist, bittet sie um Mithilfe aus der schottischen Hauptstadt Edinburgh. In Gestalt von Inspector John Rebus trifft diese dann kurze Zeit später ein. Der Schotte gilt als Spezialist auf diesem Gebiet, da er Jahre zuvor schon mal einen Serientäter gefaßt hat. Wer mal etwas von den Spannungen zwischen England und Schottland gehört hat, der weiß in etwa einzuordnen, wie schwer sich beide Länder damit tun, voneinander „abhängig“ zu sein.
Just zu dem Zeitpunkt als Rebus in London ankommt, geschieht ein weiterer Mord. Sofort macht er sich auf den Weg zur Fundstelle, um sich einen ersten Überblick zu machen. Dort trifft er auf Detective Inspector George Flight, mit dem er fortan mehr oder weniger zusammenarbeiten soll. Der ist alles andere als erbaut über seine neue Mithilfe und läßt diesen das deutlich spüren. Nach zögerlichem Anfang, beginnen die beiden jedoch sich zusammenzuraufen und es entsteht sogar eine Art Freundschaft.
Kurze Zeit später meldet sich eine junge, attraktive Psychologin namens Lisa Frazer bei der Polizei und bietet ihre Hilfe bei den Ermittlungen an. Flight und Rebus lassen sich zu Beginn nur sehr schwer überzeugen, doch zumindest der Schotte erkennt dann doch relativ schnell, das hier ein Weg zum mutmaßlichen Täter führen könnte. Im Laufe der Recherchen läßt er sich sogar auf ein Techtelmechtel mit Lisa ein und übersieht dabei eher unbewußt, das es bei dieser Person doch diverse Anzeichen dafür gibt, das etwas mit ihrer Identität nicht so ganz stimmt.
Rebus wäre aber nicht Rebus, würden die Ermittlungen einigermaßen nach Plan laufen. So schafft er es auch in London wieder einmal alle Vorgesetzten gegen sich aufzubringen, als er nach einem weiteren ähnlichen Mord lauthals der wartenden Presse verkündet, das der Mörder nun endlich gefaßt sei. Das es sich hierbei allerdings um einen Trittbrettfahrer handelt, verschweigt er den Journalisten. Mit dieser Aussage will er den wahren Mörder zu weiteren Taten verleiten….
Rebus ist in London zeitgleich noch in einer privaten Mission unterwegs, denn hier lebt auch seine Exfrau Rhona zusammen mit seiner Tochter Samantha. Als er die beiden besucht, lernt John Sammys neuen Freund Kenny kennen - einer eher zwielichtigen Person, die dem Polizisten gleich negativ auffällt. Während Rhona und Sammy den jungen Mann geradezu anhimmeln, läßt es Rebus keine Ruhe und so versucht er herauszufinden, was es mit diesem Kenny auf sich hat.
Jetzt habe ich genug über den Inhalt erzählt – den Rest könnt Ihr schön selber lesen.
Der Autor:
Ian Rankin, geboren 1960 auf der Halbinsel Fife, lebte eine Zeitlang mit seiner Frau in Edinburgh und London, bevor es ihn nach Frankreich zog. Bücher schreibt er schon länger, aber erst diese Reihe um den Polizisten aus der schottischen Hauptstadt hat ihn zum endgültigen internationalen Durchbruch verholfen.
Mit John Rebus hat er eine Person geschaffen, die mir persönlich mehr als sympathisch ist. Der ist stur, eigensinnig, läßt sich nur selten von seinem Wege abbringen und hat eine große Vorliebe für gute schottische Single Malt Whiskys – die ich natürlich gerne mit ihm teile. ;-) Ab und zu trinkt er dabei mal gerne einen über den Durst. Mit seinen Dienstvorschriften nimmt er es meist nicht so genau und hat nicht zuletzt dadurch, immer wieder Schwierigkeiten mit seinen Vorgesetzten.
Besonders gut gefällt mir, das Rankin seinen Helden nicht revolverschwingend durch die Gegend ziehen läßt – ich selber mag so etwas nämlich nicht so gerne. Dabei bildet diesmal eine spannende Verfolgungsjagd gegen Ende des Buches eher die Ausnahme. Als es darum geht den Täter/in dingfest zu machen, greift er zu einen etwas ungewöhnlichen Mittel. Wenn ich mich recht erinnere, hat er in den von mir bisher gelesenen Romanen niemals eine Waffe benutzt…..
Statt dessen gebraucht er seinen Kopf und ist sich dabei nicht zu schade, auch höher gestellten Persönlichkeiten mal kräftig auf die Füße zu treten. Das dies bei diesen nicht unbedingt gut ankommt, sollte irgendwo klar sein. Rebus verkörpert generell den Typ des Einzelkämpfers – er tut sich schwer damit, wenn es darum geht im Team zu arbeiten. Seine Kollegen finden dies aus verständlichen Gründen nicht so toll.
Geschickt verbindet Rankin dabei immer wieder das Berufs- und Privatleben seines Protagonisten. Vor allem seine Tochter Samantha spielt meist eine tragende Rolle in seinen Romanen. Zusätzlich hat er andauernd diverse „Lebensabschnittsgefährtinnen“, die dann mitunter zu wichtigen Zeugen, teilweise sogar zu Hauptdarstellern in den Handlungen der einzelnen Erzählungen werden. Typisch für die Schreibweise Rankins ist, das er beide Storys dabei immer wieder miteinander vermischt.
Mir persönlich gefällt sein Schreibstil sehr gut. Bei aller Ernsthaftigkeit, die bei solchen Verbrechen geboten ist, entlockt er mir an verschiedenen Stellen trotzdem ein Lächeln, das sich manchmal schnell zu einem breiten Grinsen ausbreitet.
Meine Meinung:
Zunächst war ich schon recht skeptisch, wie denn diese total verschiedenen Typen aus England und Schottland „miteinander“ arbeiten könnten. Ausgerechnet ein „Jock aus „Jockland“ soll der Londoner Polizei auf die Sprünge helfen? Das ist schier unmöglich! Zum besseren Verständnis sollte ich hier vielleicht zwei Zahlen anführen. Allein in London leben cirka 10 Millionen und damit doppelt so viele Menschen als in ganz Schottland zusammen. Jenseits der nördlichen Landesgrenze geht es also wesentlich ruhiger und beschaulicher zu, als in der englischen Metropole. Dort fällt es der Polizei wesentlich schwieriger, überhaupt einen Ansatz zu finden, in welcher Richtung sie nach dem Mörder fahnden soll.
Nach anfänglichen sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten und vielen Frotzeleien beiderseits gelingt dies aber zusehends besser. „Interessant“ fand ich den Ansatz, wie die ermittelnden Polizisten auf den Namen „Wolfsmale“ gekommen sind. Die erste Leiche wurde in der „Wolfsstreet“ gefunden – der Einfachheit halber wurde dieser Namen übernommen.
Zusätzliche Spannung erhält der Roman durch die unterschiedlichen Sichtweisen, aus denen Rankin erzählt. Dabei übernimmt die Ermittlungsarbeit der Polizei ganz klar den Löwenanteil, doch nach und nach gibt der Erzähler immer mehr Informationen über den Täter preis. Demzufolge bleibt der geneigte Leser lange darüber im unklaren, wer denn nun der Verbrecher ist, bis es plötzlich zu einer für mich etwas überraschenden Wende kommt. Mit dieser Lösung hätte ich niemals gerechnet. Gleichzeitig erhalte ich einen Einblick in das Seelenleben des Täters – ich kann mir durchaus vorstellen, das so etwas auch in Wirklichkeit möglich ist.
Fazit:
Rankin schreibt seine Krimis auf eine mir bisher eher unbekannte Art und Weise. Seine Hauptfigur John Rebus – ist ein Einzelkämpfer, aber nicht so wie man Götz George von seinen verschiedenen Tatortverfilmungen kennt. Statt dessen benutzt er lieber seinen Kopf statt irgendwelcher Waffen. Mir gefällt persönlich der Schreibstil des Autors. In den allermeisten Fällen handelt es sich hierbei um Mord – trotzdem schafft er es dabei immer wieder die Story aufzulockern und nicht alles zu ernst erscheinen zu lassen.
Dabei wirken die einzelnen „Figuren“ durchaus realistisch und die Story nicht an den Haaren herbeigezogen. Etwas übertrieben finde ich aber diesmal die Vermischung aus Rebus Privat- und Berufsleben. Es ist schon etwas arg komisch, das ausgerechnet seine Tochter mit einem Verwandten der ersten Toten „liiert“ ist. Deshalb ziehe ich auch einen Stern ab. Ansonsten kann ich nur jedem empfehlen, sich mal ein Roman von Ian Rankin zuzulegen – der Mann kann richtig gute Bücher schreiben.
Das Buch ist als Doppelausgabe mit einem weiteren Roman (Ehrensache) im Goldmann Verlag unter der ISBN Nr. 3-442-13412-9 erschienen. 8,-- € sind meiner Meinung nach für knapp 700 Seiten durchaus angemessen.
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