Pro:
sehr informativ, sehr spannend, einfach sehr, sehr lesenswert, aber auch der Film. - einfach super -
Kontra:
./.
Empfehlung:
Ja
Nachdem heute diese Verfilmung im TV gezeigt wurde, verfasse ich diesen Bericht; bzw. habe ihn schon längst verfasst, nur hier noch nicht veröffentlicht.
Daten zum Buch:
* Verlag: Dva
* 2001
* 17. Aufl. 2001.
* Ausstattung/Bilder: 565 S.
* Seitenzahl: 568
* Deutsch
* ISBN-13: 9783421051493
* ISBN-10: 3421051496
* Best.Nr.: 08195108
Der Autor
Marcel Reich-Ranicki kommt am 2. Juni 1920 in Wloclawek/Weichsel als drittes Kind seiner Eltern David und Helene Reich zur Welt.
Der Vater Pole, die Mutter Deutsche; beide sind Juden.
Er übersiedelte 1929 zunächst alleine nach Berlin, lebt dort bei einem Bruder seiner Mutter. Dort wird er 1920 im Gymnasium eingeschult.
1938 verließ er die Schule mit dem Reifezeugnis. (Abitur) Weil er Jude ist darf er nicht studieren und beginnt deshalb eine Kaufmannslehre.
Aber schon kurze Zeit später wird er noch im gleichen Jahr verhaftet und nach Warschau deportiert.
Als die Deutschen 1940 mehr als 400.000 Juden im Warschauer Ghetto zusammenpferchten, umgeben von einer drei Meter hohen Mauer, wird M.R.R. vom Judenrat als Übersetzer beschäftigt
Dort lernt er seine Frau Teofila (Tosia) Langnas, kennen, sie heirateten 1942, in einer einminütigen Trauungszeremonie. Als verheiratetes Paar können sie eher zusammenbleiben usw. -
Später allerdings stellt sich heraus, dass diese Eheschließung nicht gültig war, sie war nur von dem Rabbi geschlossen worden.
Meine Zusammenfassung
Der Satz seiner Lehrerin in Polen, als er sich als Neunjähriger von ihr verabschiedet: "du fährst, mein Sohn, in das Land der Kultur!" und seine Erfahrungen und Erlebnisse dann in diesem Land der Kultur, in Berlin, begleiteten ihn sein Lleben lang.
(Im Film sagt das seine Mutter; mag sein dass das verändert wurde, kann aber auch sein dass ich das verwechselt habe)
Auf der einen Seite seine uneingeschränkte Bewunderung der deutschen Literatur, aber auch der Musik, und auf der anderen Seite der barbarische Umgang mit ihm, als Jude, ließ ihn immer widersprüchliche Gefühle entwickeln. Wobei die guten Gefühle und Liebe zur Literatur und Kultur im Allgemeinen aber immer im Vordergrund blieben.
Die Nachkriegszeit erlebt er in Polen, wird Kommunist.
Er wird Konsul in England - für poln. Geheimdienst tätig - .
(hier gibts im Film sehr vieles Informationen, die ich hier ausgelassen habe)
1958 kehrte er mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Zunächst mittellos und in einem möblierten Zimmer hausend, schreibt er bald für große Zeitungen, und er entwickelt sich zum Literaturkritiker.
M.R.R. erzählt in seinem Buch gemäß seiner temperamentvollen Art, humorvoll trotz des eigentlich sehr ernsten und ja teilweise tragischen Inhalts, gespickt mit Anekdoten sein sehr ereignisreiches Leben.
Er war einige Zeit bei der "ZEIT", später bei der "Frankfurter Allgemeinen" als Literaturchef. (oder umgekehrt)
Er erzählt interessante Begegnungen mit Bertolt Brecht und Anna Seghers, Ingeborg Bachmann, Elias Canetti und Thomas Bernhard, Heinrich Böll, Günter Grass, Max Frisch, Wolfgang Koeppen und vielen anderen. M.R.R. erzählt bewundernd und auch kritisch von der deutschen Literatur, aber auch von der Musik deutscher Komponisten. Er ist neben der Literatur auch ein großer Kenner und Liebhaber klassischer Musik.
Aber sein Hauptaugenmerk war immer auf die deutsche Literatur gerichtet. Er las zwar mal englische, französische oder amerikanische Literatur, aber seine Liebe galt einfach der deutschen Literatur.
Und er kennt nicht nur eine Unmenge von Autoren, sondern auch unzählige Werke in der Literatur.
Er lässt auch keine Amouren aus, die seine Ehe zeitweise belasten, aber auch seine ewige Treue seiner Frau gegenüber, die gegenseitig ist, bestimmt sein ganzes Leben. Mit Treue versteht er nicht die sexuelle Treue. Sie haben einen Sohn.
(auch hier wird das im Film deutlicher)
Meine Meinung
Ich kannte M.R.R. bereits aus der Sendung "Literarisches Quartett", ich habe kaum eine Sendung versäumt. Und hier fiel er mir schon besonders auf; seine ehrliche und oft recht krass geäußerte Kritik über verschiedene Bücher beeindruckte mich. Und viele der von ihm positiv beurteilten Bücher habe ich gelesen. Aber auch von ihm *zerrissene Bücher*.
Seine Biografie "Mein Leben" ist von Anfang an sehr spannend, liest sich wie ein Krimi. Und was mich besonders beeindruckt hat, sind die Schilderungen über Begegnungen mit berühmten Schriftstellern.
Was hervorzuheben ist, ist die eigentlich bescheidene Einschätzung seiner Person. Ja, doch, sie ist bescheiden! Das wird im Buch sehr deutlich, aber auch im Film. Der junge Schauspieler, ( Schweighöfer, Matthias); der M.R.R. darstellt, versteht es wunderbar, die Person des jungen M.R.R. dazustellen.
Und ganz außergewöhnlich auch seine *trotz allem* überragende Liebe zu den Deutschen und die Begeisterung über deutsche Schriftsteller! Ehrlich schildert er seine Erlebnisse und Gefühle, ob im Getto in Warschau, in Berlin als Schüler, nach dem Krieg in Polen, nach 1958 in Deutschland als Mitarbeiter bedeutender Zeitungen.
Ganz besonders dankbar bin ich ihm für seine Empfehlungen von Büchern, die ich bis dahin noch nicht gelesen hatte und die ich mir fast alle mittlerweile gekauft habe; es hat mich keines der von ihm empfohlenen Bücher enttäuscht, sondern ich teile voll und ganz seine Bewunderung für diese Literatur.
Das kam im Film wenig zum Tragen, aber im Buch schon sehr; und nicht nur, was er alles liest sondern auch welche Musik er liebt. Er ist nämlich auch in großer Musikliebhaber, das wird im Film vernachlässigt.
Aber logisch, es kann unmöglich dieses ganze Buch im Film verarbeitet werden, da müsste der Film 12 Stunden dauern.
Das heißt also, man (ich) kann sich (mich) auf sein Urteil über Literatur verlassen; und hier ist auch sehr hilfreich seine Schilderung über die jeweiligen Schriftsteller, was das Lesen eines Buches natürlich positiv beeinflusst, ja direkt motivierend wirkt.
Sein Schreibstil in seiner Biografie ist einfach, sehr gut verständlich, dramaturgisch hervorragend aufgebaut, und er versteht es natürlich meisterhaft, den Spannungsbogen über das ganze Buch bis zum Ende zu erhalten, ja sogar immer wieder noch zu verstärken.
Seine Biografie (565 Seiten) gehört für mich zu den besten Biografien, die ich gelesen habe; beleuchtet sie doch über Jahrzehnte hinweg ein Leben vor politischen, literarischen Hintergründen, nicht zuletzt auch die Gegebenheiten und Verfahrensweisen in bedeutenden Printmedien.
Im Anhang sind alle Personen aufgelistet, die genannt werden, mit der Seitenzahl versehen, wo sie genannt werden.
Wie im Buch beschrieben, werden hier die ganzen Stationen seines Lebens im Film gezeigt. Und zwar sehr hervorragend gelungen, in meinen Augen.
Was mir besonders im Film gefällt, ist die Hervorhebung des Buches der Anna Seghers: Das siebte Kreuz.
Im Buch fiel mir das nicht so ins Auge.
Aber hier fiel mir wieder ein, wieso ich fast alle Bücher dieser Autorin gelesen habe, mittlerweile; ging anfangs genau auf seine Empfehlung hinaus.
Und auch die Begegnung mit Böll in Polen hat mir im Film sehr gut gefallen.
Der Aufbau des Films war interessant, am Anfang erzählt er seine Geschichte einem Parteifunktionär, nachdem er verhaftet worden worden wegen angeblicher Spionage, seines Konsulatpostens in England enthoben. - Er wurde aus der Partei in Polen ausgeschlossen, und aus der Haft entlassen.
Sicher haben den Film mehr Leute gesehen als das Buch gelesen.
Im Buch sind eben noch sehr viele Einzelheiten, die sehr interessant sind.
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mehr von mir in meiner Homepage:
http://giselasletterbox.rosslauer.de/
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