Requiem for a Dream (DVD) Testberichte
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Tests und Erfahrungsberichte
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Beeindruckender Film auf \"schlechter\" DVD
5Pro:
kein 08/15 Film, sehr gut
Kontra:
Nur Deutsche Sprache auf der DVD(keinen englischen O-Ton), nichts für schwache Nerven!
Empfehlung:
Ja
Hallo alle miteinander!
Ich möchte hier meine Erfahrungen über den Film "Requiem For A Dream" und dessen DVD vortragen. Ich hoffe, ich kann damit einigen von Euch weiterhelfen...:)
(Anmerkung: "Requiem" = Totenmesse in musikalischer Form)
1. *****Allgemeines*****
Ich habe diesen Film eigentlich nur durch Zufall gesehen - eines Tages erzählte mir ein Freund von einem coolen Film, bei welchem ich erst einmal 5-mal nachfragen musste, um mir den Titel merken zu können: "Requiem For A Dream". Doch wie das so oft ist bei Insider Tips von Freunden, sind diese nicht immer die aller besten und deshalb hatte ich den Film eigentlich auch schon wieder vergessen. Bis er mir dann doch irgendwann in die Hand gedrückt wurde und ich mich bereit erklärte ihn mir anzugucken.
Also, DVD rein und los... Dann passierte etwas Unerwartetes. Ich war auf einmal völlig in den Film vertieft und konnte mich gar nicht mehr losreißen!...
Ein Grund dafür mag vielleicht gewesen sein, dass ich zuvor wirklich gar keine Ahnung hatte, was in dem Film eigentlich passiert und nun voller Spannung die Handlung verfolgt.
Genau das ist der Grund, warum ich auch nicht all zu viel von der Handlung preisgeben möchte und mich in der Zusammenfassung des Inhaltes kurz fassen werde!!!
2. *****Handlung*****
Als aller erstes ist wohl anzumerken, dass der Film auf einem Roman von Hubert Selby Jr. basiert.
Alles beginnt in einem kleinen Apartment eines Wohnblockes in Brooklyn's Brighton Beach. Das Apartment gehört der schon etwas in die Jahre gekommenen Witwe Sara Goldfarb, deren Lebensinhalt darin besteht, fast den ganzen Tag vor dem Fernseher zu verbringen und die "Tappy Tibbons" Gewinnshow zu gucken.
Sie trauert den guten alten Zeiten nach als ihre Familie noch intakt war, denn ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben und ihr Sohn Harry nutzt sie die ganze Zeit aus, um an Geld zur Befriedigung seiner Drogensucht zu gelangen.
Die Handlung unterteilt sich hier eigentlich in zwei eigene Stränge, die jedoch miteinander verflochten sind und sich mehrmals im Film kreuzen.
Der eine Handlungsstrang zeigt wie Harry Goldfarb und sein Freund Tyronne den ganzen Tag vor sich hin leben und versuchen, mit Drogen den Alltag sorglos zu überstehen.
Hinzu kommt noch Harry's Freundin Marion, die im Gegensatz zu Harry und Tyronne aus reichem Elternhaus stammt, von diesem "spießigen" Leben jedoch angewidert ist.
Zusammen leben die drei Freunde ihre Drogensucht aus, wodurch sie natürlich bald in Geldsorgen geraten und Tyronne und Harry sich mit dem Gedanken des Dealens anfreunden.
Nach anfänglichem Erfolg stellt sich jedoch bald die Frage, ob dieses Leben ewig so weiter gehen kann, oder ob die drei Freunde irgendwann doch von ihrer Sucht und dem damit verbundenen Absturz loskommen...
Der zweite Handlungsstrang zeigt das Leben der einsamen Mutter von Harry, Sara Goldfarb.
Vom Sohn, der schon genug damit zu tun, hat sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen, nicht besonders beachtet und gewürdigt, träumt Sara von Anerkennung und Ruhm. Dieser wird ihr ja auch schließlich immer im Fernsehen so verlockend angepriesen.
Doch eines Tages passiert anscheinend ein Wunder für Sara - sie erhält einen Anruf, in welchem ihr mitgeteilt wird, als Kandidatin in ihrer Lieblingsshow aufzutreten.
Voller Vorfreude muss sie aber leider feststellen, dass ihr gutes Kleid nicht mehr passt, worauf Sara versucht abzunehmen. Hierbei gerät sie an sehr sonderbar wirkende Pillen...
Wird sie es schaffen, in die Show zu gelangen, und wird Harry sich dem drohenden Absturz durch die Drogen entziehen können??? Oder werden doch alle 4 am Ende an ihren Süchten zu Grunde gehen???
Neben den beiden Handlungssträngen ist der Film noch in drei Teile aufgeteilt: Sommer (in welchem es allen eigentlich noch gut geht), Herbst und Winter.
In diesen drei Abschnitten wird der "Verlust der Seele an Süchte" verdeutlicht, welcher durch verschiedenste Mittel der Filmtechnik noch intensiviert wird (siehe unten).
*****Kommentar von mir*****
Ich gebe zu, dass sich die hier beschriebene Handlung des Filmes nicht besonders spannend anhört (!), aber es ist wirklich unheimlich schwer, eine umfassende Inhaltszusammenfassung zu liefern, ohne dabei schon alles vorher zu verraten und dadurch dem Film seine Spannung zu entziehen.
Außerdem wäre der Film wohl ohne die einzigartige Kameraführung und der Musik von Clint Mansell nur halb so wirkungsvoll - dieses kann natürlich nicht in einer Inhaltszusammenfassung vermittelt werden!
3. *****Schnitt/Kameraführung und musikalische Untermalung*****
Wie schon erwähnt wird die Handlung des Filmes enorm von der Art und Weise der außergewöhnlichen Kameraführung (Splitscreens, auf dem Kopf der Darsteller montierte Kamera, etc...) und des Schnittes (und Effekte, Kostüme,...), bzw. der Effektivität der Musik von Clint Mansell beeinflusst.
Die Kombination dieser Elemente "drückt" einem die beschriebene Handlung förmlich unter die Haut!!!
Für die Klasse der Musik spricht übrigens, dass die Filmmusik von "Requiem For A Dream" für den Trailer von "Herr der Ringe: Die zwei Türme" wieder benutzt wurde.
4. *****Darsteller & Regie*****
Ellen Burstyn ("Der Exorcist", "Divine Secrets of the Ya-Ya Sisterhood", etc...) spielt im Film Sara Goldfarb und bietet eine außergewöhnlich perfekte Darstellung. Ich bezweifle , dass der Film die gleiche Glaubwürdigkeit besäße, wenn eine andere Schauspielerin diese schwierige Rolle gespielt hätte.
Jared Leto ("Fight Club", "Panic Room", etc...) bietet ebenfalls eine solide Leistung als Harry Goldfarb.
Sein Freund Tyronne C. Love wird von Marlon Wayans ("Scary Movie 2", etc...) gespielt, welcher wohl eher durch Komödien bekannt geworden ist. In "Requiem For a Dream" zeigt er aber, dass eine solche Rolle genauso gut für ihn geeignet ist.
Die vierte Hauptrolle, Marion Silver, ist mit der schönen Jennifer Connelly ("Hulk", "A Beautiful Mind", etc...) besetzt, welche wohl eine ähnlich brillante Leistung wie Ellen Burstyn darbietet.
Ihr seht schon, an den Schauspielern gibts meines Erachtens nicht viel zu meckern...
Weitere Rollen: Christopher McDonald ("Happy Gilmore", "Flubber", "Thelma & Louise", etc...) als Tappy Tibbons; Louise Lasser, Marcia Jean Kurtz, Joanne Gordon, etc...
Regie führte Darren Aronofsky ,der mit Pi 1998 wohl seinen Durchbruch feierte, aber doch überwiegend unbekanntere Filme drehte...
5. *****Die DVD*****
So, nun also zur DVD, um welche es in diesem Bericht ja eigentlich geht.
Die in Deutschland erhältliche DVD ist wirklich schlecht ausgestattet. So gibt es keine Untertitel und lediglich ->eine<- Sprache: Deutsch (auch wenn gleich zweimal: einmal in Dolby Digital 2.0 Stereo und das andere mal in Dolby Digital 5.1).
Dies ist besonders schade, da ich den Film auf Englisch noch um ein Vielfaches lieber mag, als in Deutsch! Deshalb kauft ich mir auch noch die amerikanische DVD, welche im Gegensatz zur Deutschen wirklich vollgestopft ist mit Informationen und Beiträgen rund um den Film.
Als Bonus auf der deutschen DVD sind lediglich verschiedene Kinotrailer, die eigentlich gar nicht zu diesem Film passen (außer natürlich der "Requiem For A Dream" Kinotrailer, der auch drauf ist). Die Trailer sind: Way of the Gun, Scary Movie 2, The Ticker, Skeletons in the closet und Dracula...naja, was soll man dazu sagen...?
So, und das wars auch schon mit den Extras.
Einzig positiv ist das Menü zu bewerten - dieses ist recht gut animiert und mit Musik hinterlegt.
Aber ansonsten wirklich schade, dass so ein guter Film auf so eine schlecht ausgestattete DVD kommt!!!
Bild- und Tonqualität:
An der Bild- und Tonqualität gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Das Bild ist, soweit ich das bewerten kann, sehr gut und der Ton ebenfalls. Mit einem 5.1 Surroundsystem geht der Sound noch mehr unter die Haut und verstärkt somit die Handlung. Aber auch am 2.0 Stereo Sound ist nichts zu bemängeln.
Technische Daten zur DVD:
Laufzeit: ca. 97 Minuten
Kapitel: 15
Sprachen: Deutsch (DolbyDigital Stereo 2.0 und DolbyDigital 5.1)
Untertitel: keine
Bildformat: Widescreen
Extras: verschiedene Kinotrailer, animiertes Menü
FSK: ab 16 (fragwürdig!!!)
Preis: bei Amazon ?8,99
6. *****Mein Fazit*****
Ein wirklich sehenswerter Film, aber nicht für alle. Dieser Film verursacht wirklich bedrückende Gefühle in einem, ist also nix für Zartbeseidete!!! Die Freigabe ab 16 für diesen Film ist wirklich fragwürdig, denn es ist fast unmöglich vom Film unberührt zu bleiben.
Allen anderen empfehle ich diesen Film, denn er ist mal wirklich anders als so Standardfilme und regt zum Nachdenken an. Er verdeutlicht, dass Drogenkonsum wirklich nicht so einfach verharmlost werden darf und zeigt die drohenden Abgründe auf.
Auch wenn die DVD wirklich miserabel ausgestattet ist, denke ich doch, dass der Film schon seine ?8,99 wert ist und auf jeden fall eine lohnende Investition ist! weiterlesen schließen -
Seifenblase, Luftschloss, Traum, Tod
08.08.2003, 15:59 Uhr von
Kuhli
Hauptsächlich bzw. sogar fast ausschließlich schreibe ich hier über Filme quer durch alle Genres,...Pro:
perfekt, beklemmend
Kontra:
*würg*
Empfehlung:
Ja
~ STORY ~
Die Witwe Sara Goldfarb (Ellen Burstyn, Der Exorzist) lebt mit ihrem Sohn Harry (Jared Leto, Fight Club) auf Coney Island. Während sie am liebsten den ganzen Tag vorm Fernseher sitzen möchte, hindert ihr Sohn sie wieder einmal daran, da er selbigen beim örtlichen Pfandleiher versetzt, damit Sara in kurze Zeit später wieder abholen kann. So beschafft sich Harry immer wieder genug Geld um sich mit seiner Freundin Marion (Jennifer Connelly, A beautiful mind) und seinem Freund Tyrone (Damon Wayans, Scary Movie) einen Schuss Heroin zu setzen. Doch da sie alle einen Traum haben aus diesem Kreislauf auszusteigen, setzen sie alles daran ihn in Erfüllung gehen zu lassen.
Sara erhält einen Anruf. Eine Anmeldung zu einem Casting für ihre Lieblingsfernsehshow. Unterlagen werden zugeschickt, werden ausgefüllt, werden wieder Richtung Fernsehsender abgeschickt und es wird gewartet. Endlich geht ein Traum in Erfüllung, jetzt müsste Sara nur wieder in ihr rotes Kleid passen, dass sie im Fernsehen tragen will, da bekommt sie den Tipp einer Nachbarin. Diätpillen.
Harry und Tyron bauen ihr Drogen-Imperium auf. Mit anfangs kleinen Portionen mausern sie sich immer mehr zu den Hauptdealern der Region. Das Geld fließt in Mengen, der Stoff auch. Nur noch ein wenig mehr Geld und Harry und Marion können ihren eigenen Klamottenladen eröffnen und aus dieser Gegend verschwinden.
Ein Traum wird wahr. Viermal. Sara kommt ins Fernsehen und die drei Jugendlichen raus aus ihrer tristen, einsamen Umgebung...
Doch im Leben kommt immer alles ganz anders, vor allem anders als man es sich denkt. Sara nimmt fleißig ihre Pillen. Lila am morgen, blau am nachmittag, orange abends ung grün nachts. Tatsächlich nimmt sie ab, bald geht der Reißverschluss ihres roten Kleides wieder zu. Doch warum nicht mal die doppelte Ration Pillen nehmen? Die dreifache... Und während sie vergebens wartet, dass sie eine endgültige Einladung vom Studio bekommt, verfällt sie den Pillen und dem Wahn.
Harry und Tyron haben mittlerweile genug Geld verdient, um ein neues Leben anzufangen. Aber ein bisschen fehlt ihnen noch, sie wollen mehr, deswegen wollen sie im großen Kreise dealen, doch das geht mächtig schief. Nicht nur die Drogen auch das komplette Geld ist weg. Und während Sara sich in Halluzinationen vor Angriffen ihres wildgewordenen Kühlschranks fürchtet, fault Harrys Arm, Tyrone verfällt in Depressionen und Marion macht eine erniedrigende Bekanntschaft mit einem Doppeldildo...
~ KRITIK ~
Vor 5 Jahren überraschte ein bis dato unbekannter New Yorker Regisseur mit einem Film über einen schizophrenes Mathegenie mit Verfolgungswahn.
Viele werden sich jetzt fragen, ist das schon so lange her? Und unbekannt? Ron Howard hatte doch schon einige Filmhits zuvor. Aber nein, sagt da der André. Ich sprach von „überraschte“. Hollywood-Schizophrenie ist nicht überraschend, nicht originell, wenig nennenswert.
Der Regisseur heißt Darren Aronofsky, sein Werk Pi. Schwarz/weiß, unbequem, schwer zugänglich, bedrückend, genial.
Aber oft werden Debutfilme hochgelobt und was oft folgt ist der freie künstlerische Fall. Geben die Produzenten etwas mehr Geld, mehr Farbe und namhafte Schauspieler wird oft aus den Wunderkindern und ihren Erstlingsgeniestreichen ein Einzelfall, ein Glückstreffer. Sie hatten eine gute Idee, einen guten Film, doch wo bleibt die Idee, der Esprit, die Leichtigkeit für Film 1 plus X.
Noch mal zum verdeutlichen. Pi ist genial. Wie kann man das toppen ohne sich nur selbst zu kopieren, Erwartungen aber zu erfüllen? Ich weiß nicht, wie es geht, aber ich weiß, dass es geht.
Mit enormen Erwartungen und einem ganz anderen Bild des Films in meinem Kopf begab ich mich auf einen halluzinogen Filmtrip, der Todesmesse menschlicher Träume. Requiem for a Dream ist 6,283. Requiem for a Dream ist Pi mal zwei.
Aronofsky hat es nicht nur geschafft sein zurecht hochgelobtes Werk Pi zu überbieten, er erfindet sich neu, verfeinert seinen Stil und hat erneut ein Meisterwerk geschaffen, dass mich nachhaltig psychisch und physisch mitgenommen hat.
Aber erstmal Schluss mit meiner obligatorisch-theatralen Lobhudelei, denn wir wollen ja wissen, was macht diesen Film so anders, so gut?
Basierend auf dem Buch von Hubert Selby Jr., der im Film einen Gastauftritt als Gefängniswächter hat, verfilmte Aronofsky nicht nur einen Film über die zerstörerische Kraft der Drogen, sondern zudem einen Film über die Verluste unserer modernen Gesellschaft. Wenn am Ende in den letzten Einstellungen des Films die vier Protagonisten alle einzeln in ihren Betten liegen und die Kamera von einem Close-up wegzoomt und sie alle sich zur Seite drehen und ihre Beine anziehen, dann ist diese Rückkehr zur Embryonalstellung der Vieren stellvertretend für da, was sie vermissen. Schutz. Nähe. Geborgenheit. Was sie durchmachen mussten, bis sie dort alle vereinsamt hinvegetieren erzählt der Film in einer Drastik, die weh tut. Dabei fängt alles verhältnismäßig harmlos an. Zwar schon mit einer gewissen Düsterheit, aber dennoch mit einem hoffen auf Besserung fängt der Film an. Plötzlich ohne große Einleitung sehen wir Harry der den Fernseher seiner Mutter klaut, ihn mit Tyrone verscherbelt. Obwohl Harry seine Mutter dafür auch noch verantwortlich macht, liebt sie ihren Sohn, verteidigt ihn, lädt die Schuld tatsächlich auf sich. Ihr Sohn ist alles was sie hat, seitdem ihr Mann verstorben ist. Als sie den Anruf der Castingagentur hat, sieht sie einen neuen Sinn in ihrem Leben, die Frauen aus der Nachbarschaft sind stolz auf sie, sie steigert sich so hinein ins Fernsehen zu kommen, und dort ihre heile (nicht existente) Welt zu präsentieren. Warum macht sie das? Der Film bietet mehrer Ansätze. Langeweile. Alleine den ganzen tag zuhause. Die Decke fällt ihr auf den Kopf. Verlorene Selbstachtung. Sie fühlt sich zu dick, hässlich. Trauer. Sie vermisst ihren toten Mann und ihren Sohn, der sich kaum noch blicken lässt. Alles zusammen vereint sich zu seiner Sucht, einer Sucht nach Anerkennung, einer Sucht nach Nähe. Eine Sucht, die nicht auf illegalen Drogen beruht, eine Sucht, die den Medien und dem Verlust von Geborgenheit entsprungen ist. Aronofsky verschleiert nicht, dass auch das Fernsehen uns den hang gegeben hat dünn zu sein und dünn als Ideal, als lebenslänglich angestrebtem Ziel zu sehen. Durch die Pillen fühlt sich Sara gut, doch nachdem sie sich daran gewöhnt hat, erfährt sie kein Glücksgefühl mehr, sie nimmt die doppelte Ration. Hier stößt der Film wieder an eine bittere Ecke. Der Arzt der Sara die Pillen verschreibt, schaut ihr nicht in die Augen, er verschreibt ihr die Pillen und verschwindet wieder. Böse kostet Aronofsky diese Szenen aus. Ebenso in dem Handlungsstrang von Harry und seinen Freunden. Marions Eltern geben ihr alles was sie nicht von ihnen will. Geld. Geborgenheit. Schutz. Nähe. Die holt sie sich nun, dass sie erwachsen geworden ist bei Harry. Die beiden sind glücklich und haben einen Traum. Ein eigenes Geschäft, weg von Coney Island. Ebenso sieht es ihr Freund Tyrone, doch bis dahin entgehen sie ihrem Frust mit Heroin, Kokain und Ecstasy.
Auch wenn Aronofsky hier viele Themen anschneidet, Drogensucht, Medienmacht, Einsamkeit, Verlust, Desinteresse, vermischt er alles so clever, wenn auch so konstruiert, dass man meinen mag, dieser Film wäre ein reiner Drogenfilm, da alles miteinander verschmolzen ist und eine unglaubliche Einheit bildet. Vielleicht ist es aber auch deswegen ein Drogenfilm, weil man Droge an sich weiterfächern kann. Droge gleich Sucht. Magersucht, Fernsehsucht, Sucht nach Anerkennung. Drogen sind mehr als illegale chemische Substanzen, eine Droge ist das, was uns von anderem ablenkt und uns dadurch besser fühlen lässt. Schnell der Fernseher angemacht und die Probleme draußen lassen. Schnell noch was abnehmen, da man sonst mit nichts zu trumpfen vermag.
Wer hier einen lakonischen Trainspotting-Verschnitt erwartet, wird enttäuscht. Nichts ist hier cool oder derbe. Wirklich kein Film ging mir je so nahe. Vielleicht liegt es daran, dass auch Aronofsky sich nie von seinen Charakteren entfernt. Nicht nur die Story, auch die Kamera klebt an ihren Akteuren. Die wohl bedrückenste Szene dabei spielt mit einer Kameratechnik, die spätestens seit „Engel“ von Ben bekannt sein dürfte und auch in Anatomie kam sie schon zum Einsatz. Die Kamera wird den Schauspielern vor den bauch geschnallt und so haftet die Kamera wortwörtlich am Gesicht der Akteure. Hier ist es Marion. Um wieder an Geld zu kommen, schläft sie mit dem widerlichen Arnold, einem Freund ihrer Eltern. Wir sehen sie mit dieser Kameratechnik in einer ungemütlichen, erdrückend langen Sequenz von der Wohnungstür Arnolds, über den Fahrstuhl raus auf die Straße wo sie sich samt Kamera bückt und knapp am Objektiv vorbei sich übergibt, dazu den widerlichsten, im verstörend künstlerisch-positiven Sinne, Soundtrack und der Zuschauer möchte sich am liebsten mit auf die regennasse Straße werfen und seinen Mageninhalt ausleeren. Jennifer Connely zeigt spätestens hier, dass sie oscarwürdig ist, auch wenn sie die Goldstatue für einen anderen Film bekommen hat. Wir erinnern uns. Der schizophrene Hollywoodfilm. Welch Zufall.
Damon Wayans, dem Publikum, wenn nicht aus Ghettofilmen, dann als Dauerbekiffter Klische-Afro bekannt, zeigt meiner Meinung wirklich zum ersten Mal, dass er mehr kann. Er spielt hier nicht den dauergrinsenden, dauerbekifften, coolen Jointdreher. Wenn er gerade in einem Wagen eines Dealers sitzt um neue Drogen zu beschaffen, wird dieser erschossen. Blut spritz in Damons Gesicht. Schnitt. Er rennt mit aufgebunder Kamera. Jede kleinste mimik seines Gesichtes sieht der Zuschauer ohne Schleier. Beängstigend gut wirkt er in dieser Szene. Im ist für manch einen Blödelfilm verziehen. Zudem bin ich der Meinung, dass gerade bei ihm an Ende das Leiden fast am stärksten rüberkommt. Er sehnt sich nichts mehr wieder her als Geborgenheit. Als Kind im Arm seiner Mutter. Der große, schwarze Dealer erleuchtet in einem neuen, einem realen Bild. Auch böse Dealer waren mal Kinder im Arm ihrer Mütter.
Jared Leto hat eine der schwersten Rollen. Eigentlich müsste er das *sorry* Arschloch des Films sein, doch er und das Drehbuch schaffen eine Gratwanderung zwischen dem Hass auf diesen selbstzerstörerischen, jungen Mann, der sich alles verscherzt und einem entfremdeten, traurigen Jungen, der ansonsten keine Aussicht sieht. Schon in der ersten Szene wird er eigentlich nicht sympathisch in Szene gesetzt, dennoch weiß man, warum er sich so verhält. Das ist keine Ausrede, aber leider ein Grund.
Das absolute Highlight des Films bleibt aber Ellen Burstyn. Ihr minutenlanger Monolog darüber, dass sie so einsam ist, geht mehr ans Herz, als jeglicher falscher Liebespathos anderer Filme. Ihre Szenen sind von düsterer, depressiver Einsamkeit geprägt und die optischen Spielereien ihrer Wahnvorstellungen sind nicht nur kreativ sondern ungeheuerlich beängstigend. Da man immer aus der subjektiven Sicht Saras schauen darf, blickt man nie in die Welt hinter dem Wahn. Gerade die letzte groß inszenierte Wahnvorstellung in der sich Sara auf einmal mitten in der Fernseh-Show befindet ist nicht nur genauso magenverstimmend und verstörend, beängstigend wie der Rest des Films, sondern arbeitet auf den großen Showdown hin, der mich fast mein Frühstück noch mal hätte sehen lassen. Die darauf folgende finale Viertelstunde lässt die sowieso gänsehautförderne Musik noch schriller anklingen. Gänsehaut, nicht wegen eines theatralischen Chorgesangs, sondern wegen kalter, zerrender Geigenklänge. Quietschende Kreide auf der Tafel ist nichts dagegen. Zudem schnelle Schnitte zwischen den vier Protagonisten. Immer wieder sieht man jeden nur Sekunden bis weiter gezappt wird. Jeden gbegleitet man so fast zeitgleich auf seinem Leidenstrip. Einer davon genügt eigentlich, um zu verstören. Doch vier auf einmal, wäre wie gesagt fast zuviel für meinen Magen gewesen. Nur die Intensität des Films fesselte mich mehr vor den Fernseher als vor die Kloschüssel. Beim zweiten schauen des Film, war ich dann im Vorhinein so angespannt, dass mir nicht mehr übel war, da ich vor lauter Konzentration nicht mehr wirklich intensiv am Filmgeschehen teilnahm.
Auch sonst geizt der Film nicht mit optischen Einfällen. Wohl nur NBK hatte so viele Schnitte. Wer Pi gesehen hat, kennt in etwa Aronofsky Stil. Während man dort immer und immer wieder sah, wie der Hauptdarsteller z.B. seine unzähligen Schlösser der Tür verschloss und wieder aufschloss und jedes Einzelne mit einer Großaufnahme, benutzt er diese Tricktechnik hier vor allem bei den unzähligen Drogenkonsumen des Films. Man sieht wie ein Finger gegen eine Tüte mit Kokain schnipst. Schnitt. Man sieht Kokain auf eine Glasplatte fallen. Schnitt. Man sieht wie ein Schein zusammengerollt wird. Schnitt. Man sieht mikoroskopische Aufnahmen einer Blutbahn. Schnitt. Man sieht eine Pupille die sich erweitert.
Alle diese Szenen in Großaufnahme und nur Bruchteile von Sekunden lang. Solche Sequenzen begleiten den ganzen Film. Man sieht nie wie Drogen direkt eingenommen werden. Immer nur diese abstrakten Bildfolgen. Weiterhin wird hier Splitscreen und Zeitraffer genial wie kaum wo anders eingebunden. Eine Referenz zu der Wilhelm Tell-Szene aus „Uhrwerk Orange“ ist hier wohl nicht rein zufällig. Keine Einstellung ist langweilig, auch wenn sich Bilder wiederholen. Sie bilden eine abartige Drogen-Collage, den besten Film der je zum Thema gemacht wurde? Zum Thema Drogen? Sicherlich. Auf jeden Fall. Zum Thema Mensch? Ganz weit oben. Zum Thema Wie können wir Andrés Tag mit Übelkeit verderben? Der Kandidat hat die volle Punktzahl
~ FAZIT ~
Muss ich noch mehr sagen? Optisch nicht nur beeindruckend originell und innovativ, sondern auch beklemmend und verstörend. Passen zur Geschichte. Einer dunkeln Geschichte vom Verlust über Seinerselbst durch Sucht jeglicher Art und der ewigen, hoffnungslosen Suche nach Geborgenheit in einer suchtbestimmten Welt.
Keine Frage. 11 üble von 10 halluzinogenen Punkten. Ohne Übertreibung. Eine Offenbarung.
~ DATEN ~
Requiem for a Dream
Von Darren Aronofsky
Drehbuch: Darren Aronofsky und Hubert Selby Jr.
Mit Jennifer Connelly, Ellen Burstyn, Jared Leto, Damon Wayans und Sean Gullette
FSK 16 (fragwürdig!!!)
Ca. 97 Minuten weiterlesen schließen -
Requiem for a Dream
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Vor kurzen sah ich den Film "Requiem for a Dream". Er hat mich wirklich beeindruckt und ist nur schwer in Worte zu fassen, daher kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, dass dieser Bericht alles ebenso rüber bringt.
Zuvor erst einmal kurze Daten zum Film:
Requiem for a Dream, 102 Min.
(Requiem for a Dream, USA 2000)
Darsteller: Ellen Burstyn ( Sara Goldfarb )
Jared Leto ( Harry Goldfarb )
Jennifer Connelly ( Marion Silver )
Marlon Wayans ( Tyrone C. Love )
u.a.
Regie: Darren Aronofsky
Kamera: Matthew Libatique
Drehbuch: Darren Aronofsky, Hubert Selby Jr.
FSK: ab 16
Genre: Drama
Musik: Clint Mansell
- INHALT
Harry Goldfarb träumt davon mit seiner Freundin eine eigene Boutique zu eröffnen. Er dealt mit Drogen um diesen Traum zu verwirklichen.
Sie erleben auch eine kurze Zeit des Wohlstands, als er zusammen mit seinem Kumpel Tyrone Stoff verdünnt und weiterverkauft. Leider währt dieses Glück nicht lange und die 3 müssen selbst zusehen wie sie an die heiß ersehnten Drogen kommen.
Um wenigstens ein bißchen Geld zu haben bringt Harry den Fernseher seiner Mutter Sara regelmäßig zum Pfandleiher.
Diese löst ihn jedoch kurze Zeit später wieder aus, denn sie ist fernsehsüchtig. Süchtig nach der Tabby - Tibbons - Show ! Als sie eines Tages einen Anruf von eben dieser Sendung erhält und ihr die Möglichkeit in Aussicht gestellt wird irgendwann live in der Show aufzutreten, dreht sich ihr ganzes Leben nur noch um diesen Tag. Ihr Ziel ist es in dem roten Kleid ins Fernsehen zu kommen, welches ihr verstorbener Mann so besonders hübsch an ihr fand. Leider passt es nicht mehr und sie beginnt eine Diät, die sie jedoch nicht lange durchhält. Um trotzdem ihr Schönheitsideal zu erreichen, lässt sie sich von einem Arzt Unmengen von Appetitzüglern verschreiben und ihr ganz persönlicher Alptraum beginnt.
Auch ihr drogensüchtiger Sohn Harry und seine Freundin entfernen sich mit jedem Schuß weiter von ihren Träumen, ohne jedoch die Überzeugung zu verlieren es würden bessere Zeiten kommen.
Doch auf diese wartet man in diesem Film vergeblich !
Der positive Sommer als alle noch optimistisch in die Zukunft blickten entwickelt sich immer weiter in den Abgrund ohne das es einer der vier merkt.
Als Sara durch die kleinen, bunten Pillen und psychisch völlig labil, sich schließlich vom Kühlschrank verfolgt fühlt und die Stars ihrer Show mitten in ihrem Wohnzimmer auftreten, ist jeder Optimismus verflogen.
Und auch Harrys rosige Zeiten sind vorbei, um ihre Sucht zu befriedigen muss sich seine Freundin prostituieren und die besseren Zeiten sind in ungreifbare Ferne verschwunden.
Der Film beginnt relativ locker und schon fast heiter, wird aber zunehmend zügiger und endet schließlich in der unvermeidlichen Katastrophe.
- TECHNIK:
Der Regisseur zeigt in diesem Film eine ungeheure Kreativität was Kameraeinstellungen, Schnitttechniken und Sounddesign anbelangt.
Durch diese ganzen Techniken wird die Wirkung des Teufelskreislaufs der Drogenjunkies. Besonders originell wird die Einnahme des Heroins gezeigt, in nur wenigen Bildern aber trotzdem effektiv.
Außerdem ist die Idee des geteilten Bildschirms genial. Man sieht Harry und Marion zusammen aber durch die Trennung des Bildschirms wird deutlich, dass sie nicht wirklich beieinander sind, da jeder in sich gefangen ist.
- MUSIK:
Die Musik passt perfekt zum Film und hebt die verschiedenen Wirkungen noch hervor.
Der Soundtrack von Clint Mansell zusammen mit dem Kronos Quartett war schon vor Kinostart ein Verkaufsschlager.
- FAZIT:
Drogenfilme gab es schon viel, man erinnere sich an "Trainspotting" oder "Traffic". Dieser ist anders !
Der Regisseur überlässt es dem Zuschauer sich ein Urteil zu bilden und ohne das die Moralkeule geschwungen wird, wird allen deutlich wie illusorisch die Idee ist, seine Träume durch Drogen zu verwirklichen, ob legal oder illegal und die Zerstörung einer menschlichen Existenz wird konsequent bis zum Ende aufgezeigt.
Sämtliche Schauspieler dieses Films bringen meiner Meinung nach eine hervorragende Leistung.
Ellen Burstyn wurde sogar für den Oskar nominiert. Aber auch Jared Leto, den man noch aus der Serie "Willkommen im Leben" kennt, sowie Jennifer Connelly und Marlon Wayons bringen die Sucht und den damit verbundenen unvermeindlichen Fall in die Tiefe glaubwürdig rüber.
Wenn einem am Ende eigentlich schon klar ist das keine besseren Zeiten kommen und die Hoffnungen auf ein Happy End eigentlich schon begraben sind, beginnen die letzten 15 Minuten, die eigentlich ein Highlight des Films sind.
Man braucht starke Nerven für diesen Film aber er ist unbedingt sehenswert, eben weil er so anders ist als andere Filme. Ohne Verschnörkelung hält er sich an die Realität und das so sehr das diese Realität schon fast beängstigend ist.
Ein Film über den man noch lange nachdenkt. weiterlesen schließen
Informationen
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