Pro:
Sehr schöne Landschaft, die einfache Bevölkerung ist sehr gastfreundlich, Preise sind niedrig.
Kontra:
S. Text
Empfehlung:
Ja
Dieses schöne Land erholt sich nur sehr langsam von den Folgen des letzten Krieges. Ich lebe seit über 30 Jahren in Deutschland, fahre aber regelmäßig nach Jugoslawien, um dort lebende Eltern und Verwandte zu besuchen. So habe ich auch in den schweren Zeiten des Krieges immer wieder den Mut aufgebracht, und wenn nur für drei Tage, hinzufahren. Ich habe die verschiedenen Phasen des Landes erlebt, die "reiche" Zeit der 80-er Jahre, als viele Gastarbeiter in Deutschland lebten und ihre Häuser in der Heimat aufbauen konnten. Dann die Zeit der Krisen, Hyperinflationen, Menschenverfolgung, Unterdrückung und Vertreibung der Minderheiten. Meine Herkunft ist die Vojvodina, wo seit vielen Generationen Ungarn leben und erlebte das Ganze aus der Sicht der ungarischen Minderheit in Serbien.
Auch hier gab es "Verserbung", wie man das im Krieg nannte. Die Ortsschilder wurden ausgetauscht, an denen nur die früher zweisprachigen Namen durch nur Serbische - in cyrillischen Buchstaben geschrieben - ersetzt wurden. In den Schulen wurde Ungarisch nur noch in den Grundschulen unterrichtet, in den Weiterführenden gar nicht mehr. Alle Ämter, Behörden, usw. "konnten" kein Ungarisch mehr, Geburtsurkunden wurden z.B. verserbt ausgegeben, ohne Rücksicht auf die eigentliche Schreibweise.
Es gab dennoch wenige offene Konflikte zwischen Serben und Ungarn. Allmählich kehrt auch wieder Ruhe ein.
Die letzten Versuche, Rest-Jugoslawien in Richtung Demokratie zu führen, werden mit Wohlwollen gesehen. Dennoch sind die Versuche nur mühsam und oberflächlich. Viele der wichtigsten Organe des Landes sind immer noch korrupt und machen, was sie wollen und nutzen die Machtposition zur eigenen Bereicherung.
Dazu möchte ich nur zwei Begebenheiten erzählen, die sich während meiner 7 - Tägigen (!) Reise erlebt habe.
Diesmal bin ich mit einen Reisebus hingefahren. Nachdem wir die Jugoslawische Passkontrolle hinter uns hatten, teilte uns der Busfahrer mit, dass wir für die dortigen Zöllner pro Gepäckstück 10 Euro zahlen müssten, wenn wir nicht komplett ausgeladen und kontrolliert werden wollen. Und so zog nun der Busfahrer los und sammelte von jedem Fahrgast Geld ein - pro Person zwischen 10 und 50 Euro!!! Das gesammelte Geld, das eine beträchtliche Höhe von fast 10 cm aufwies, stopfte er in eine zuvor entleerte Plastiktüte und verschwand damit in Richtung Gebäude. Einige Gäste, darunter auch ich, gaben unserer Empörung Laut. Eine Quittung oder Empfangsbestätigung wurde uns natürlich nicht ausgestellt. Fahrgäste, die das bereits mehrfach erlebt haben, gaben später lapidar zur Kenntnis, das sei vollkommen normal, sonst würden die uns komplett "auseinandernehmen", hieß es. Und, es hänge davon ab, welcher Fahrer und welcher Zöllner da sei... Einiger Zeit lang versuchten wir mit meinem Sohn und einigen anderen Fahrgästen auszurechnen, wie viel in der Plastiktüte wohl drin gewesen sein mochte? Bei etwa 50 Fahrgästen im Durchschnitt 30 Euro, macht an die 1500 Euro... Und das jeden Tag, bei vielen vielen Bussen und jeden Tag in der Woche...Dieses Geld verschwindet Tag für Tag! in den schwarzen Kanälen...
Ein zweites Erlebnis hatten wir drei Tage später mit der Polizei. Ich war als Fahrgast im Fahrzeug meines Bruders, der in dieser Zeit ebenfalls Urlaub machte. Wir wurden angehalten und kontrolliert. Es war natürlich alles in Ordnung, alle Papiere, Erste-Hilfe, usw., auch die Reifen sind neu, selbst Ersatzbirnen konnte mein gewissenhafter Bruder aufweisen, der einen relativ neuen Kleinbus fährt. Wir dachten, es wäre alles OK. Nach fast einer 1/4 Stunde Suchens nach etwas, woran er etwas aussetzen konnte, fand er tatsächlich etwas! Die seitlichen Scheiben des Fahrzeuges sind mit Sonnenschutzfolie bezogen! Der Polizist meinte, wir sollen 1500 Dinar oder 25 Euro als Strafe zahlen. Mein Bruder konnte nachweisen, dass die Folien durch den Deutschen TÜV genehmigt waren. Das wäre ihm egal, er solle zahlen, oder die "Dinger" an Ort und Stelle abreißen. Eine Diskussion entstand, mein Bruder verteidigte seinen Standpunkt. Irgendwann gab der Polizist dann (Gott sei Dank) nach, allerdings erst nach einer Androhung von Anzeige und Beschwerde unsererseits, und ließ uns mit Folie und ohne Strafe ziehen. Unsere Erkundigungen ergaben später natürlich keine Hieb-und stichfeste Grundlage für diesen Versuch, uns Geld aus der Tasche zu ziehen.
Es gibt also immer noch Vieles, was nicht so ist, wie es sein soll, und mit solchen Aktivitäten verscherzen sie sich die langsam aufkeimenden Sympathien.
Schade, denn es ist ein so schönes Land, und die Bevölkerung ist arm, und solche Aktionen tragen nicht zur Stabilisierung des Landes sondern nur zur weiteren Bereicherung Einzelner bei. weiterlesen schließen
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