Pro:
Sehr großes Skigebiet
Kontra:
Langes Liften
Teilweise noch sehr alte Liftanlagen
Schlechte Pistenverhältnisse
Wartezeiten durch Tagesausflüger
Empfehlung:
Nein
Hallo Skifreunde,
nach dem ich über diese Plattform mein letztes Urlaubsziel gefunden habe, möchte ich gerne meine persönlichen Erfahrungen an all die weitergeben, die sich in den nächsten Tagen oder Wochen ebenfalls noch auf in den Schnee machen möchten.
Über www.yopi.de, aber auch über www.skiresort.de bin ich auf das Skigebiet Wilder Kaiser gestoßen. So konnte ich mir im Vorfeld die persönlichen Meinungen von Euch bzw. auch schon mal einen Testbericht ansehen. So vielversprechend wie es denn geschildert wurde, hab ich keine Zeit versäumt und die Touristinformationen der einzelnen Orte des Brixentales angemailt, ob für die Faschings- bzw. Karnevalswoche noch ein Appartement frei ist. Da es nur noch gut eine Woche bis zum Abreisetermin war, waren wir froh, dass wir noch eine Unterkunft in Going, einem kleinen Nachbarort von Ellmau gefunden hatten.
Auf ging´s also in der Nacht von Freitag auf Samstag. Schon in Köln mussten wir gegen 01.00 nachts feststellen, dass wir bestimmt nicht die einzigen waren, die sich gegen Süden aufmachten zum Skifahren. Unsere lieben Nachbarn die Holländer haben bekanntlich an Karneval Krokusferien und so rollten wir mit einer gelben Welle Richtung Süden. Trotz hohem Verkehrsaufkommen kamen wir gut durch und waren gegen 08.15 Uhr in Going angekommen.
Damit zum ersten und nicht unbedeutendem Punkt „sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis“, wie es z.B. in www.skiresort.de beschrieben wurde. Hungrig nach einer langen Fahrt, kehrten wir in einen kleinen Landgasthof zum Frühstück ein. Für jeden gab´s zwei helle Brötchen, ein, zwei Scheiben Käse/Wurst, Marmelade und etwas Butter, dazu ein Kännchen Kaffee. Über den Preis von 18,00 € (!!!) war ich dann doch etwas überrascht, schließlich war´s kein Sternehotel, sondern wirklich nur ein Landgasthof. Die Liftkarte ist mit 171,00 € für 7 Skitage vielleicht 10,00 bis 15,00 € günstiger als in den großen bekannten Skigebieten, dafür wird auf den Hütten nicht weniger für´s Essen und Trinken bezahlt. So kostet ein Glühwein zwischen 3,00 und 3,80 €, der halbe Liter Bier zwischen 2,60 und 3,30 € oder aber ein Paar Würstl mit Pommes zwischen 4,00 und 4,50 €, um nur ein paar Preisbeispiele zu nennen. Hütten gibt´s auf jeden Fall genug, die meisten davon eher klein, dafür aber meist urig und nett eingerichtet. Das kleine Appartement (28m2) war mit 38,00 € nicht teurer oder billiger wie in großen, bekannten Skiorten.
Zum Skigebiet. In Going ist es den Gästen möglich, mit der 4er-Sesselbahn in den Skizirkus einzusteigen. Vom Astberg hinunter führen eine schöne breite blaue sowie eine rote Abfahrt wieder hinunter in den Ort. Auf der anderen Seite erschließen zwei weitere Schlepplifte, zwei leichte rote Abfahrten. Um Anschluß an „das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs“ (so die eigene Werbung durch die Touristinformation) zu halten, muss man über eine rote Abfahrt talabwärts Richtung Ellmau zur Hartkaiserbahn. Die Abfahrt ist in jedem Fall sehr beschwerlich und nicht´s für Anfänger. Da man dabei drei mal eine Straße überqueren muss, ist es auch nicht´s für Tage an denen die Schneelage ungünstig ist, denn dann heißt es jedes mal Ski abschnallen. An der Hartkaiserbahn angekommen, muss man feststellen, dass sie vom Ortskern Ellmau ein gutes Stück entfernt liegt. Skibusverbindung in den Ort zurück ist, wie im kompletten Skigebiet, mangelhaft. Morgens und auch am Nachmittagsbringen die wenigen Busse einen nur von der Hartkaiserbahn bis in die Ortsmitte nach Ellmau. Eine weitere Anbindung der Busse gib es lediglich nach Going. Wer etwa von Scheffau (Entfernung ca. 4-5 km) aus kommt, seinen Skitag in Ellmau beendet und mit dem Bus zurück möchte, ist schlicht weg aufgeschmissen. Zur Hartkaiserbahn noch folgende Info. Sie ist vielleicht die schnellste Standseilbahn Österreichs (so wiederum die eigene Werbung), aber auch super alt und für den Anstrom an Gästen wie an Karneval vollkommen unzureichend geeignet.. Am Karnevalsdienstag mussten wir das leider leidvoll selbst erfahren. Wartezeit um 10.00 Uhr ca. 45 Minuten (!!!), um endlich den Gipfel des Hartkaisers zu erreichen.
Am Hartkaiser erwarten den Skifahrer meist mittelschwere bis leichte Abfahrten. Wer am Nachmittag wieder hinab schwingt, sollte es nicht versäumen in die „Rübezahl-Hütte“ einzukehren. Die wohl urigste aller Hütten im Skigebiet, mit einem Hauch von Apré-Ski. Vom Hartkaiser hat man Anschluss an den Brandstadl, dem Einstieg für alle Skifans, die sich von Scheffau aus ins Skigebiet auf machen. Eine moderne 8er-Gondelbahn bzw. eine etwas ältere 4er-Gondelbahn befördern die Gäste hinauf. Insgesamt muss man sagen, dass sich am Hartkaiser, dem Brandstadl sowie dem Eiberg, die modernsten Liftanlagen des Skigebietes befinden. Hier wurde in den letzen Jahren sehr viel Geld investiert. Was leider fast allen neuen wie alten Sesselbahnen des kompletten Skigebietes fehlt sind die modernen „Bubbels“, sprich dem Wetterschutz, den man von anderen Skigebiten her kennt. Wer also etwas empfindlicher Natur ist, wird hier an Tagen mit Eis, Schnee und frostigem Wind, keine Spaß finden. Die Abfahrten in diesem Bereich des Skigebietes sind alle samt ebenfalls mittelschwer bis leicht und die Talabfahrt dürfte auch für Anfänger gut zu bewältigen sein. Den meisten Tagesausflüglern ist zu empfehlen, nicht von Scheffau sondern von Söll aus den Start ins Skigebiet zu wählen. Dies aus dem einfachen Grund, da am Nachmittag bei der Rückreise von Scheffau aus, man meist mit zäh fließendem Verkehr oder auch Stau zu rechnen hat, während die Rückreise von Söll aus ohne Wartezeiten möglich ist.
Von Söll aus führt eine moderne 8er-Gondelbahn die Gäste ins Skigebiet nach Hochsöll. Nach einem kurzen Umstieg in die 8er-Gondelbahn, befördert einen diese auf die Hohe Salve, den mit 1829 m höchsten Punkt des Skigebietes. Bei schönem Wetter erwartet einen hier, trotz der nicht allzu hohen Lage, ein imposanter Ausblick. Bei guter Fernsicht hat man so auch kein Problem die Zillertaler Alpen zu erblicken oder auch den Blick auf andere schöne Täler der bayerischen und österreichischen Alpen zu richten. Söll sowie die Nachbarorte Itter, Hopfgarten und Brixen i. Thale bieten mit der Hohen Salve, dem Rigi sowie dem Zinsberg den Ausgangspunkt für den geübten Skifahrer, um schöne lange Abfahrten zu erschließen. Die Talabfahrten machen hier bei guter Schneelage wirklich Spaß. Einziger Wehrmutstropfen, dass sich in diesem Teil des Skigebietes wohl die ältesten Liftanlagen befinden. So ist Hopfgarten als Ausgangspunkt denkbar ungeeignet, denn vom Tal aus befördert einen eine alte Doppelsesselbahn bis zur Mittelstation auf 1200 m, bevor es dann mit einer ebenso alten 3er-Sesselbahn hinauf auf den Rigi auf 1532 geht. Die beiden benötigen dafür ohne Wartezeiten schon gut 20 Minuten. An einem Aschermittwoch kann dies dann auch schon mal 45 Minuten (!!!) dauern. Neben der 3er-Sesselbahn könnte man noch auf den nahegelegenen Doppelsessel der Scherntahannbahn mit Anschluss an die moderne Forsching 8er-Sesselbahn ausweichen, doch an schönen Wochentagen, an denen neben den „normalen“ Wochengästen auch noch die Tagesausflügler dazu kommen, ist an fast allen Liften mit 10 bis 15 Minuten Wartezeit zu rechnen. Fast Museumcharakter hat die 1er-Sesselbahn die den Gast vom Rigi hinauf auf die Hohe Salve befördert. Besser ist da der Einstieg von Itter aus, auch wenn diese 4er-Gondelbahn schon einige Jahre (BJ 1989) auf dem Buckel hat. Von Brixen i. Thale führt eine moderne 6er-Gondelbahn hinauf nach Hochbrixen. Von hier aus hat man dann die Möglichkeit hinüber zum Zinsberg zu Liften und damit Anschluss nach Scheffau zu halten oder aber sich Richtung Söll, Itter und Hopfgarten zu halten. Hier kann sich der geübte Skifahrer so richtig austoben.
Nach Westendorf sind wir leider nicht gekommen. Zum einen ist es von der Beschilderung vollkommen ausgenommen, so als würde es überhaupt nicht mit dem Skiverbund zählen. Zum anderen besteht keine direkte Skiverbindung, d.h. man muss den Bus benutzen und dieser verkehrt nicht regelmäßig, sondern von Brixen i. Thale lediglich 4-5 mal am Vor- bzw. Nachmittag.
Überhaupt präsentieren sich die Orte nicht als geschlossene Einheit. So wirbt man zwar als eine Einheit, doch hören damit die Gemeinsamkeiten schon auf. Wie oben schon erwähnt, der Gast erfährt dies als aller erstes über die nicht vorhandene Skibusverbindung zwischen den Orten. Dies geht dann weiter über die Beschilderung im Skigebiet. Hier hat man den Eindruck, dass man dem Gast am liebsten so wenig Information zukommen läßt wie nur irgend möglich, so dass dieser dann in dem Teil des Skigebietes bleibt, wo er den Aufstieg gewählt hat. So sind in Ellmau und Scheffau meist Lifte und Pisten ausgewiesen, in übrigen Gebiet meist nur Pisten. Da liegt aber das Problem, denn die Liftkarte die einem helfen soll sich zurecht zu finden, beinhaltet wirklich nur die Liftnummern, dort sind keine Pistennummern angegeben. So begegnen einem immer wieder Gäste, die fragend und rätselnd auf die Liftkarte schauen und versuchen mit den wenig hilfreichen Schildern im Skigebiet zu recht zu kommen.
Zu guter letzt die Pistenverhältnisse. Ist man doch gewohnt, dass dem Gast gute präparierte Pisten präsentiert werden, so hat man diesen Anspruch hier leider nicht. Was uns in dieser Woche geboten wurde, grenzte schon an Arbeitsverweigerung des Pistenpersonals. Anfänger dürfte es wohl zur Verzweiflung getrieben haben, den geübten Skifahrer wie uns hat es einfach nur geärgert, denn schließlich bezahlt man immer noch genug Geld für seine Liftkarte, die diesen Service für den Gast eigentlich beinhalten sollte.
Ob ich meinen Urlaub dort wieder verbringen würde, ich glaube eher nicht. Gab es doch zu viele Dinge über die man sich ärgern musste und die man in großen, bekannten Skigebieten so nicht antrifft. Und eins ist sicher, der Slogan „sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis“ sollte nicht der Grund sein, um danach seinen Urlaub auszuwählen und sich für´s Brixental zu entscheiden, denn dann muss man damit rechnen enttäuscht zu werden. Die großen, bekannten Skigebiete bieten einem da kein schlechteres Preis-Leistungsverhältnis, sind dafür aber in vielerlei Hinsicht einfach professioneller und können einem so, einen entsprechend besseren Service zukommen lassen.
Macht´s gut und viel Spaß noch beim Skifahren. weiterlesen schließen
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