Pro:
kein Bücken, recht einfache Handhabung bei lockeren und mittelharten Böden, arbeitet sehr effektiv
Kontra:
hoher Preis, einseitige Bedienungshaltung
Empfehlung:
Ja
Gärtners Traum?
Lange Zeit hatte ich gezögert, der Werbung zu folgen, und mir die teure "Gartenkralle" zu kaufen. Da siegte immer wieder meine offenbar angeborene Abneigung gegen alles, was mit einem riesigen Werbeaufwand in den Markt gedrückt und zu hohen Preisen verkauft wird. Allerdings mehrten sich im Nachbar- und Bekanntenkreis die Stimmen, die die Gartenkralle sehr positiv beurteilten und meinten, auch das viele Geld wäre sie wert.
Als im letzten Frühjahr wieder die lästigen Gartenarbeiten anstanden, machte ich mich auf den Weg in den nächsten Baumarkt und kaufte unter anderem die "Gartenkralle Gold". Die Bezeichnung "Gold" deutet darauf hin, dass diese Gartenkralle im Gegensatz zu der normalen Ausführung in der Höhe verstellbar ist. Diese Eigenschaft halte ich für wichtig, da auch meine Frau damit arbeiten möchte (hoffe ich...) , aber einige Zentimeterchen kürzer ist als ich. Einer von uns beiden hätte mit der Normalausführung sicherlich Schwierigkeiten gehabt.
Nochmal zurück zum Kauf: Die Gartenkralle Gold kostete 49 Euro und ist damit mein teuerstes Gartengerät (ausgenommen natürlich motorisierte Geräte). Immerhin war auf der Packung ein Aufkleber, der 5 Euro Rückerstattung versprach, wenn er bis 30.06.2002 mit dem Kassenzettel und dem Strichcode zusammen an den Hersteller geschickt wird. Dies habe ich getan und das Geld sehr schnell bekommen. Da der Brief frankiert werden musste, bleibt ein Endpreis für die Gartenkralle Gold von 44,56 Euro. Das ist sicherlich eine Stange Geld, aber wenn es sich irgendwie auszahlt, ist das für mich in Ordnung.
Der Zusammenbau der Gartenkralle geht schnell von der Hand. In der Packung befinden sich drei Teile, nämlich der Griff, eine Stange und die eigentliche Kralle, die auch anfangs ganz nett in einem Goldton erglänzt. Diese drei Elemente werden verschraubt, wobei es vier mögliche Höhen gibt, die man einstellen kann. Ich empfehle dringend, darauf zu achten, dass die Schrauben wirklich fest angezogen werden, denn die Gartenkralle wird im Betrieb sehr hohen Belastungen ausgesetzt, die unweigerlich zu einem "schwammigen", wackligen Gefühl führen, wenn die Schrauben zu locker sitzen. Ich musste bisher zweimal die Schrauben nachziehen, aber jetzt scheinen sie zu sitzen.
Die meisten Leser/innen dieses Berichts werden die Werbung für die Gartenkralle aus dem Fernsehen kennen, und in diesem Werbefilm werden die Eigenschaften dieses Gartengerätes ganz gut und ziemlich realistisch dargestellt: Zunächst mal hackt man nicht (mehr) von oben nach unten in teilweise gebückter Haltung, sondern man steht aufrecht, hält die gut geformten Griffe und dreht die Kralle rechts herum in den Boden. Dabei wird der Boden aufgerissen und Unkraut sofort gelockert, so dass es leicht entfernt werden kann. Dass der Boden relativ leicht aufgerissen werden kann, hängt mit der durchdachten Konstruktion der Gartenkralle zusammen, die vier längere (außen angordnete) und zwei kürzere (innen angeordnete) Krallen hat, die so gewinkelt sind, dass sie den größtmöglichen Effekt versprechen. Insoweit hat die Werbung völlig recht und übertreibt nicht.
Trotzdem gibt es natürlich einen Haken an der Sache, den die Werbung nicht benennt: Es ist zwar richtig, dass man sich beim Arbeiten mit der Gartenkralle nicht bücken muss und damit seinen Rücken schont, aber danach muss das Unkraut aus dem Boden entfernt werden, wozu die gebückte Haltung doch wieder notwendig wird. Leider gelingt es in den seltensten Fällen, das Unkraut direkt mit der Gartenkralle in den nächsten Eimer oder Schubkarren zu bugsieren, das wäre für mich das Optimum.
Ist die Gartenkralle aber deswegen schlecht? In meinen Augen keineswegs. Sie erlaubt leichtes Arbeiten in weichen und mittelharten Böden, lockert den Boden auf und beseitigt Unkraut auf einfache Weise. Um zum Beispiel in Blumen- oder Gemüsebeeten zwischen den Pflanzen zu häckseln und Unkraut zu jäten, gibt es sicher nichts Besseres. Aber: für harte Böden (Lehm oder so was) ist sie absolut ungeeignet, und das Umspaten erspart sie auch nicht, denn sie kommt nicht tief genug. Es wird also nicht möglich sein, auf andere Geräte völlig zu verzichten.
Wie sieht es nun nach meinen Erfahrungen mit der Handhabung der Gartenkralle aus? Nun, zunächst erscheint die Arbeit leichter als mit einer Hacke. Der aufrechte Stand ist recht angenehm. Allerdings führt die immer gleiche Drehbewegung genau so zur Ermüdung wie andere Arbeitsweisen auch. Ich habe jetzt mehrere Tage mit der Gartenkralle gearbeitet, bringe es aber immer noch nicht fertig, diese Drehbewegung längere Zeit am Stück durchzuführen. Mit der Zeit verkrampfe ich dabei und bin dann gezwungen, etwas anderes zu machen. Als weitere kleine Nebenwirkung hatte ich einmal im rechten Unterarm einen Muskelkater wie selten zuvor. Das muss nicht nur an der Gartenkralle liegen, aber den größten Anteil hat sie daran sicher. Wir haben halt nicht nur lockere Böden, sondern auch mittelharte bis harte Böden, und da ist jedes Arbeiten anstrengend.
Fazit
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Die Gartenkralle ist ohne Zweifel eine Empfehlung wert. Dieses Gartengerät erleichtert und beschleunigt viele Routinearbeiten, so lange der Boden nicht zu hart ist. Allerdings ist mir trotz der positiven Erfahrungen der Preis zu hoch. So bleibt als Endurteil ein solides "gut", das der Note 2 und einer Empfehlung entspricht.
© Andreas Wilhelm, 27.06.2003 / 24.03.2005
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