Pro:
Vorteile: Zu jener Zeit sehr wirklichkeitsnah
Kontra:
Nachteile: Keiner
Empfehlung:
Ja
Heute nun wage ich mich doch an den Filmbericht "Spur der Steine" heran, in welchem zum einen, wie in "Die Legende von Paul und Paula" etwas Liebe drin vor kommt, aber im Großen und Ganzen die politischen Zustände der ehemaligen DDR offengelegt werden. Na ja, der Film wurde 1966 gedreht, wobei sich jeder denken kann, dass dies die damalige DDR Regierung nicht geduldet hat, wenn an ihren Dogmatischen Prinzipien Kritik geübt wird, obwohl sie bis zum letzten Tag aktuell (Gesetz) geblieben waren. Erst nach über 23 Jahren strengstem Verschluss, wurde der Film "Spur der Steine" mit der politischen Wende in der DDR 1989/90 aus der Versenkung gehoben, und unter feierlicher Premiere wiederaufgeführt. Okay, wenn ich ganz ehrlich bin, kam ich selber nicht auf die Idee, mir diese DVD zu kaufen und den Film mal anzusehen, sondern ein Kommentar eines guten Freundes, auf einem meiner Filmberichte, machte mich Neugierig darauf.
Und da das Cover der DVD "Spur der Steine" neben mir liegt, schreibe ich kurz die knappe Zusammenfassung ab, über was sich dieser Film dreht.
Brigadier Balla, der höchstes Ansehen bei seinen Kollegen auf der Baustelle genießt, sieht seinen Ruf gefährdet, als der neue Parteisekretär Horrath und die Technologin Kati Klee in seinem Werk erscheinen. Balla verliebt sich in Kati. Aber auch Horrath liebt die junge Technologin. Horrath, hin- und hergerissen zwischen seiner Familie und Kati, verstrickt sich in Lügen. Die enge Beziehung der drei Menschen, eine Beziehung, die zunächst auch wirklich dem Werk zugutekam - Balla ließ sich für neue Aufgaben und Ansichten begeistern - diese enge Beziehung wird zerstört.
Soviel zum Inhalt des Film, wobei ich gleich zu den drei Hauptcharakteren, allen voran Hannes Balla kommen werde, der wirklich Exzellenz von Manfred Krug gespielt wird.
Hannes Balla, ist ein Rauhbein, ein Großmaul, ein aktiver Prolet, ein Querdenker, ein unwiderstehlicher Rüpel mit Cowboycharme, wie es im Buche steht, wobei es ihm jedoch nicht an Ehrgeiz fehlt, seine Ideen und Ideologien in die Tat umzusetzen, zumal er mit Vorliebe einerseits unkonventionelle, ja beinahe schon anarchische Methoden dazu anwendet, nur dass sein Plan, sein Vorhaben und -gehen aufgeht, was auch erstaunlicherweise immer wieder klappt. Ein Mann, wahrlich von Format ist er, der seine Leute auf dem Bau fest im Griff hat, die allesamt brav der Partei angehören, welche es sowieso von vornherein gewohnt sind, dass andere für sie denken. Man kann sagen, dass sich Hannes Balla für seine Leute schon arg ins Zeug legt, was Bezahlung etc. anbelangt, obwohl sie mit Balla nicht immer klar kommen, weil er sie zum einen doch recht zur Arbeit rannimmt, was wiederum nicht heißt, dass er nur zuschaut wie andere arbeiten, sondern selber fest mitarbeitet wie ein Tier, was jedoch jedermann ihm hoch anrechnet. Und da er von jedermann hoch geachtet und geschätzt wird, obwohl er sich seinen Mund auch gegenüber der Partei nicht verbieten lässt, fällt es ihm ziemlich leicht Freiheiten rauszunehmen, die nicht immer ganz legal sind. Wie z.B. sich mit anderen prügeln, saufen, oder gar nackt im Dorfweiher zu baden, wozu er sein 7-köpfiges Bau Team anheuert mitzumachen. Im Großen und Ganzen herrschen recht rauhe Sitten auf der Großbaustelle "Schkona", was auch die junge Technologin Kati Klee zu spüren bekommt, mit welcher er schon ziemlich bald aneckt. Auf den ersten Blick erscheint er mir wie ein Mann den nichts erschüttern kann, der eine Gefühlskälte hat, und welcher über Leichen geht. Aber der Schein trügt, wobei sich hinter der gar so rauhen Schale ein butterweicher Kern befindet, welcher eines Tages von der jungen Technologin geknackt wird.
Und wer ist diese junge Technologin, oder sagen wir Ingenieurin Kati Klee, die von der attraktiven Polin Krystyna Stypulkowska gespielt wird, jedoch mit der synchronisierten Stimme von Jutta Hoffmann, die wunderbar herb und dementsprechend sexy klingt, was zum zierlichen Typ Kati Klee passt, in welche sich gleich zwei Männer verlieben. Mut und recht viel Selbstbewusstsein gehört jedenfalls dazu, wenn man ausschließlich als junge hübsche und reizende Frau mit und unter Männern, die einen rauhen Umgangston an sich haben, zu arbeiten hat. Dazu muss sie sich erst beweisen, dass sie auch ihrem Mann stehen kann. Nicht nur bei ihrer täglichen Arbeit als Bauingenieurin, sondern auch nach Feierabend, als sie von Hannes Balla dumm angemacht wird, und er eine schallende Ohrfeige kassiert. Na ja, den einen lässt sie abblitzen, weil ihr der rauhe Umgangston nicht gefällt, wobei sie sich in einen Mann verliebt, der das genaue Gegenteil von Hannes Balla ist, nämlich zurückhaltend, nachdenklich, aber auch gewitzt.
Das ist Werner Horrath, der von Eberhard Esche gespielt wird, der zu allem Übel der Partei als Parteisekretär angehört, verheiratet ist, und ein Kind hat. Ja, und dieser verliebt sich in Kati, was wiederum nur halb so schlimm wär, wenn Kati kein Kind von ihm bekommen würde. Aber sie weiß, dass es ihm in seiner Parteikarriere nur Schaden einbringt, wenn sie preisgibt, wer der Vater des Kindes ist. Deshalb beschließen sie sich in Schweigen zu hüllen, und nichts über die Vaterschaft auszusagen. Na ja, wenn man die Zusammenhänge der ehemaligen DDR nicht kennt, kommt einem Werner Horrarth wie einer vor, der nur zu einer bestimmten Sache seinen Mann stehen kann. Aber dem ist es nicht so, zumal gerade jene, die eine Parteifunktion begleitet haben, sich solche "Ausrutscher" nicht erlauben konnten, da sie steht´s als gutes Beispiel für Partei und Staat vorauszugehen hatten, was Anstand und Sitte anbelangt. Schon aus diesem Grund gibt sich Werner Horrath bei der recht neugierigen älteren Dame, bei welcher Kati in Untermiete wohnt, nicht als Werner Horrath aus, sondern als einer aus Leipzig. Und immer wieder beschwichtigt er Kati, dass er mit seiner Frau reden wird, zwecks Scheidung und so. Aber irgendwie bringt er es nicht übers Herz mit ihr darüber zu reden, wobei ich selber dagegen sagen muss, dass Weihnachten ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt dafür ist. Sehr schwach kommt er mir vor, unentschlossen und feige, mit der Wahrheit herauszurücken, dazu liebt er seine Familie zu sehr.
Und wie verstehen sich Werner Horrath der Parteisekretär und Hannes Balla, dem Parteikram und allem Drumherum ein wahrer Graus ist? Zwischen Hannes Balla und Werner Horrath entwickelt sich so etwas wie eine Männerfreundschaft, als Werner Horrath mit ihm einer Meinung ist, dass man mit normabweichenden Methoden mitunter auch der Planwirtschaft auf die Sprünge helfen kann, das heißt, dass sein 7-köpfiges Team und er, notfalls Baumaterial auch durch Wegelagerei und eigenmächtiger Umverteilung erbeutet. Aber nicht nur Werner Horrath zeigt entgegenkommen, auch Hannes Balla erkennt, dass er der Partei ein Stück entgegenkommen muss, um seine Stellung zu halten und zu festigen, was ganz deutlich wird, mit Einführung der Schichtarbeit. Im Grunde respektiert und achtet Hannes Balla Werner Horrath, der fest dran glaubt, dass der Mensch durch Vertrauen gut wird. Reines Idealisten träumen, so könnte und kann man dazu sagen.
Ja, und wie stehen sich nun das "Dreiergespann" Hannes Balla, Werner Horrath und Kati Klee gegenüber? Da ist eine Frau, die gleich von zwei Männern geliebt wird, die jedoch einen recht unterschiedlichen Charakter haben. Mit dem einen, Hannes Balla unterhält sie ein rein freundschaftliches Verhältnis, obwohl sie ihn genauso liebt wie Werner Horrath, mit welchem sie eine sexuelle Beziehung hat. Mir kommt es im Grunde so vor, so als ob Kati jemand braucht zu welchem sie empor schauen und sich anlehnen kann, der für sie da ist und sie beschützt, das ist Hannes Balla, aber auch jemanden der zu ihr emporschaut, und sie wegen ihrer Selbstständigkeit bewundert, und das ist Werner Horrath. Gegenseitiger Hass, Eifersucht etc. entsteht dennoch nicht, wobei ich jedoch die Vermutung hab, dass wenn Hannes Balla gewusst hätte, dass sein Freund Werner Horrath Kati geschwängert hat, hätt er ihm sicher saftig die Leviten gelesen.
Okay, das wären mal die Charaktere gewesen, wobei ich kurz zur eigenen Meinung komme, wie der ganze Film "Spur der Steine" auf mich gewirkt hat.
Na ja, so politische Filme, mit Partei und so, dem allein kann ich wirklich nicht viel abgewinnen, wenn nicht ein klein wenig Liebelei mit im Spiel ist, wie es im Film "Spur der Steine" der Fall ist. Der Film fängt an, als Horrath, der Parteisekretär einer seinerzeit typischen Großbaustelle der ehemaligen DDR ist, vor der Parteileitung wegen seines politisch-ideologischen Scheiterns, aber auch infolge offensichtlicher "Unmoral" Stellung beziehen muss. Ja, und dann wird gezeigt, was sich vor einem Jahr abgespielt hat, und wie es sich zugetragen hat. Schon jetzt wird jedem deutlich, wie viel Macht der Staat, oder sagen wir die "Staatsführung" über eine Person in Parteistellung hat, welche in ihrem persönlichen Umfeld bespitzelt und kontrolliert wird, bis ihnen irgendetwas unter kommt, was ihm womöglich seine Stellung kostet. Okay, die die im Westen geboren und aufgewachsen sind, kennen dies aus Filmen und vom Hören und sagen, dass die, welche in der DDR lebten, nur zu kuschen und zu folgen hatten, wenn sie zu etwas kommen wollten. Ja, und dann hat es dennoch einer gewagt seinen Mund aufzutun, und sich gegen die Partei zu stellen. Mutig, mutig. So kann man wahrlich sagen. Und dennoch ziehen einige Parteifunktionäre den Hut vor diesem Mann, der nicht mal der Partei angehört, aber es fertig bringt, sein Team zu motivieren unermüdlich zu arbeiten. Das gefällt dem Arbeiter- und Bauernstaat, wobei meiner Meinung nach diese Szene sagen will, dass Fähigkeit vor Parteiabzeichen geht. Schön wär es gewesen, wenn´s seinerzeit so funktioniert hätt und gewesen wär, wobei in diesem Film wohl in den ersten Szenen die Staatsmacht versenkt wird und an Durchsetzungskraft verliert, was jedoch den Sozialismus im Allgemeinen nicht in Frage stellt. Was dieser Mann, der keiner Partei angehört fordert, ist ein menschliches System, in welchem der Plan nicht heilig ist und die Bespitzelung des Staates auch Schranken hat. Wir, die in der BRD aufgewachsen und großgeworden sind, können sich´s nicht vorstellen, was sich seinerzeit hinter der Mauer zugetragen hat. Man kann es fast nicht glauben, dass dieser wohl zu den berühmtesten "Realfilmen" zählt, das heißt,
dass Vorgänge, Ereignisse und Handlungen in einem Abbild der realen oder real gedachten Welt von photographisch abgebildeten realen Menschen spielend und sprechend vor der Kamera initiiert oder inszeniert werden.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Realfilm
Daten zur DVD "Spur der Steine"
Darsteller: Manfred Krug, Krystyna Stypulkowska, Eberhard Esche
Regisseur(e): Frank Beyer
Komponist: Wolfram Heicking
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Süddeutsche Zeitung GmbH
Erscheinungstermin: 27. Mai 2006
Produktionsjahr: 2002
Spieldauer: 129 Minuten
Extras: Kapitelunterteilung,
SZ Cinemathek: Alien - Ridley Scott, Alles über Eva - Joseph L. Manklewicz, Alles über meine Mutter - Pedro Almodóvar, American Gigolo - Paul Schrader, Arsen und Spitzenhäubchen - Frank Capra, Badlands - Terrence Mallck.
Trailer: Highlights aus dem ICESTROM Spielfilmprogramm
Ich finde, dass dieser Film "Spur der Steine" wirklich sehr beeindruckend ist, und das offenlegt, was sonst verschleiert oder unter den Teppich gekehrt worden ist. Nämlich, wie die Menschen unter der stetigen Unterdrückung gelitten haben, wobei es nur wenige gewagt haben ihren Mund aufzutun oder respektlos der Vopo gegenüber zu treten. Und deshalb wurde ja dieser Film gleich nach Erscheinen aus dem Verkehr gezogen, weil der Regisseur Beyer sich von diesem als partei- und staatsfeindlich eingestuften Film nicht Abstand nehmen wollte, wobei man sich gar nicht vorstellen kann, was aus diesem grandiosen Streifen aus der DDR und dem Land folgedessen hätt werden können. Na ja, die Zeit lässt sich nicht mehr Rückwärts drehen, wobei, wenn ich zu philosophieren anfange, ich in der Großbaustelle "Schkona" eine noch größere Baustelle sehe, die der Umstrukturierung des Staates ziemlich nahe kommt, von welcher der Idealist Horrath träumt, der glaubt, "der Mensch wird durch Vertrauen gut".
Fazit: Ein grandioses Meisterwerk der Filmgeschichte weiterlesen schließen
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