Pro:
vielleicht wird man beraten...man bekommt Geld
Kontra:
zu wenig Personal, zu lange Wartezeiten
Empfehlung:
Nein
Wenn sie beraten werden möchten, sind sie hier richtig. Gehen sie in solchen Fällen bloß nicht zum Arbeitsamt, dort bekommen sie sowieso keine Beratung.“ Dieser Satz stammt von einer netten Mitarbeiterin eines Netzwerks für berufliche Förderung von Frauen. Und diese Dame, die mich damals übrigens eine Stunde lang beraten hatte, sollte recht haben.
Der Gang zum Arbeitsamt blieb mir leider nicht erspart, da ich eine Weiterbildung bezahlt haben wollte. Dazu musste ich mich aber erst arbeitslos melden.
Vor drei Wochen machte ich mich früh morgens um neun Uhr auf den lästigen Weg zum Amt.
Groß ist es, das Gebäude des Arbeitsamts, zentral gelegen und leicht zu finden. Das müssen auch andere bemerkt haben, denn ich bin nicht allein. Unten, kurz hinter der Eingangstür, befindet sich die Anmeldung. Der erste Weg führt zu einer, von zwei dort sitzenden Damen.
Diese erreicht man natürlich erst, nach einer ausreichenden Wartezeit...es soll ja keiner denken das Arbeitsamt hat nichts zu tun.
Wenn man endlich an die Reihe kommt, darf man der Informantin...äh...der Frau an der Information schildern, was man eigentlich hier möchte. Nicht dass man hierzu in einen separaten Raum geführt wird, nein, vor allen Mitwartenden in der Schlange darf man sein Anliegen vortragen. Schließlich interessiert es ja alle anderen auch, was man vorher gemacht hat, wie lange man arbeitslos ist usw. Bei Banken gibt es ja noch diese nette Linie und das Schild „Bitte wahren sie Diskretion“. Das Arbeitsamt kümmert aber Privatsphäre recht wenig....es sind doch nur Arbeitslose.
Gut die Dame und der Rest weiß nun Bescheid und sie schickt mich in die zweite Etage. In der dortigen Wartezone werde ich dann namentlich aufgerufen. Das ist aber nett, vor Jahren gab es doch mal Nümmerchen, die man ziehen konnte, ähnlich wie beim Losverkäufer. Nun werde ich also persönlich mit meinem Namen angesprochen. Vorher muss ich allerdings noch einen Fragebogen ausfüllen, den ich dann dort abgeben soll.
Oben angekommen begebe ich mich in die Wartezone und mustere unauffällig meine Leidensgenossen. Wenig sind es ja nicht gerade, aber es gibt ja reichlich Zimmer hier, da wird es schon nicht so lang dauern. Füllen wir derweil mal den Zettel aus. Kugelschreiber? Oh, hab ich nicht....na ja, hier gibt es ja so tolle Schreibpulte, da wird schon ein Kugelschreiber hängen. Fehlanzeige, kein Stift da, also muss ich mir bei jemandem einen borgen.
Die Angaben sind schnell gemacht. Name, Anschrift usw. , dann noch der berufliche Werdegang und die Kenntnisse.
Also nun warte ich hier. Wieso werden die Leute eigentlich nur in zwei von den zehn Zimmern hier gerufen? Nach einiger Zeit komme ich darauf, dass nur zwei Zimmer besetzt sind. Die restlichen Mitarbeiter haben entweder alle gleichzeitig Frühstückspause oder einen Betriebsausflug. Die Warterei zieht sich hin. Nach 1 1/2 Stunden bin ich endlich an der Reihe. Man beachte, gerade zwei Leute wurden innerhalb einer halben Stunde abgefertigt.
Ich nehme bei einer Sachbearbeiterin Platz, die mir noch bekannt vorkommt. Vor einigen Jahren musste ich schon einmal zum Arbeitsamt, da war diese Dame auch schon hier. Fünf Minuten später meine ich fast mich vertan zu haben, aber der polnische Akzent ist unverwechselbar. Allerdings scheint diese Mitarbeiterin die letzten Jahre irgendwo eingefroren gewesen zu sein. Sie tippt im Zweifingersuchsystem meine Daten in ihr Programm, welches sie anscheinend noch nicht mal fehlerfrei bedienen kann. Ihre meterlangen Fingernägel sind ihren Tipptempo auch nicht gerade förderlich. Beinahe bin ich versucht zu sagen. „Rücken sie mal zur Seite, wenn ich es tippe können sie noch ein paar Leute bis zur Mittagspause bearbeiten.“
Ich beherrsche mich, meine Angaben sind endlich im Computer und die gute Frau schickt mich zurück auf den Flur, um darauf zu warten von einer Arbeitsvermittlerin aufgerufen zu werden. Mittlerweile ist es elf Uhr und ich befinde mich seit zwei Stunden in diesem Gebäude. Alles nur, um mich arbeitslos zu melden und zu erfahren, ob man mir eine Weiterbildung bezahlt.
Die Arbeitsvermittlerin scheint noch nicht so lange im Amt zu sein, denn sie arbeitet schnell. Nach nur zehn Minuten sitze ich ihr gegenüber. Das dann auch nur fünf Minuten, da sie schnell erkennt „Sie brauchen eine Förderungsmaßnahme, da sie ja vier Jahre zu Hause waren“.
Bingo! Genau das wollte ich hören. Nun brauche ich nur jemanden, der mir sagt was es da für Maßnahmen gibt, dann kann ich hier endlich raus. Aber Pustekuchen. Sooooo schnell geht das nicht, schließlich sind wir hier beim Arbeitsamt. „Ich melde sie bei Herrn M. an, das ist ein Arbeitsberater. Es kann eine Woche dauern, bis sie einen Termin bekommen, wenn sie es eilig haben gebe ich ihnen seine Nummer.“ Sprach es und entließ mich.
Über zwei Stunden Warterei und immer noch nicht alle Informationen zusammen. Aber immerhin, ich konnte heim fahren.
Die nächste Woche warte ich dann brav auf Post von Herrn M. ...leider vergebens. Er hat mich versetzt. Aber selbst ist die Frau. Ab ans Telefon und schon hatte ich Herrn M. am Apparat. „Termin? Bei mir? Nö, ich habe hier nichts vorliegen.“ Bitte? Wie denn das? Die nette Frau Vermittlerin hatte doch gesagt.....“Ich kann ihnen aber einen Termin geben. Am 28.02.“ Danke Herr M. sehr liebenswürdig. Anfang Februar war ich beim Arbeitsamt und Ende Februar sollte ich nun endlich beraten werden. Das nenne ich Service. Außerdem erfahre ich von Herrn M. noch, dass ich eigentlich gar keine Förderung bezahlt bekommen kann, weil ich ja die letzten Jahre gearbeitet habe. Ähm...was habe ich? Aber das Missverständnis ist schnell geklärt. Miss Fingernagel hat meine Daten falsch in den Computer eingegeben. Wundert mich das? Nein!
Fazit, nach vier drei Wochen habe ich immer noch keine Beratung vom Arbeitsamt bekommen.
Ich habe mich mittlerweile selbst beraten, übers Internet. Vor ein paar Tagen habe ich den Vertrag für meine Fördermaßnahme unterschrieben. Nun muss ich ihn morgen nur noch beim Arbeitsberater gegenzeichnen lassen. Mal sehen wie lange ich dafür brauche.
Also lieber Herr Bundeskanzler, da sie doch gerade so schön umstrukturieren bei den Arbeitsämtern, hier meine Tipps.
1)Fingernagelkontrolle bei den Sachbearbeiterinnen (Intelligenztest wäre auch von Vorteil)
2)Eine nette kleine Förderungsmaßnahme für die Mitarbeiter, um das Computerprogramm zu beherrschen
3)Ein paar Zimmer mehr besetzten oder die freistehenden wenigstens vermieten (das bringt Geld in die Staatskasse)
4)Die Kooperation zwischen den einzelnen Abteilungen verbessern (wenn die Mitarbeiter nicht miteinander reden, können sie sich je schreiben)
5)Privatsphäre der Menschen wahren.... bedenken sie, auch Arbeitslose sind Menschen weiterlesen schließen
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