Pro:
in Uninähe,
preiswerter Internetanschluss auf dem eigenen Zimmer,
Assistenzdienst für Behinderte
Kontra:
\"Langfinger\" phasenweise in Aktion,
teilweise Wohnqualitätsminderung, wenn notwendige Reperaturarbeiten sich monatelang verzögern
Empfehlung:
Ja
Nachdem ich eben entdeckt habe, dass es sogar eine Rubrik für Wohnheime gibt, muss ich doch gleich mal meinen Senf dazu geben.
Das Wichtigste gleich vorneweg: Im Ludwig-Thoma-Studentenwohnheim, in dem ich seit August 1997 mein Dasein friste,. fühle ich mich sehr wohl und ich würde jederzeit wieder hier einziehen.
Es gibt hier 258 Einzelzimmer ab 138 Euro Monatsmiete (28 davon sind rollstuhlgeeignet, dazu später mehr) und 10 Doppelzimmer ab 228 Euro pro Monat. Alle Zimmer haben eine eigene Nasszelle, die Küche teilen sich jeweils ca. 10 Bewohner. Wie reibungslos die Küchennutzung funktioniert, hängt logischerweise direkt von den Mietern ab. Manche Küchen sind in einem katastrophalen Zustand, in manchen halte ich mich gerne auf.
Das Unigelände ist nur ca. 200 m weit entfernt - also nur ein Katzensprung, was mir das Studium noch mehr erleichtert als ich ursprünglich dachte.
Einmal pro Woche gibt es einen Barabend (Ansonsten kann der Barraum auch kostengünstig gemietet werden) und fast jede Woche einen Videoabend. Einen Tischtennisraum und einen Partyraum gibt es auch noch. (Letzterer ist allerdings nur extrem schlecht lärmgeschützt. Da hat wohl jemand nicht mitgedacht.)
Der Zusammenhalt auf den Stockwerken ist sehr unterschiedlich. Da gibt es Leute, die mindestens einmal pro Woche miteinander kochen, während es in anderen Stockwerken keinerlei gemeinsame Unternehmungen gibt.
Die Möbel in den Zimmern sind nicht sonderlich hübsch, aber unempfindlich und praktisch.
Seit wir endlich Doppelglasfenster besitzen, hält sich sogar die Lärmbelästigung in Grenzen. Lediglich lüften kann man nur in den Zeiten, wo man sich nicht konzentrieren muss; ansonsten ist der Lärmpegel doch zu hoch – zumindest in den Zimmern, deren Fenster zur Straßenseite hin liegen.
Kleinere Reparaturarbeiten werden manchmal, wenn man Glück hat, sogar noch am selben Tag durch den Hausmeister-Zivildienstleistenden erledigt.
Bei größeren Maßnahmen dagegen muss man sich leider oft auf längere Wartezeiten gefasst machen – und das sogar dann, wenn dadurch die Wohnqualität deutlich gemindert ist. Zur Zeit ist beispielsweise unser Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche schon seit über zwei Monaten defekt. Abhilfe ist angeblich bereits seit Wochen beantragt, aber es tut sich trotzdem nichts.
Internetanschluss kann man direkt auf dem Zimmer haben, für nur 6 Euro (!) pro Semester kann man rund um die Uhr online sein.
Einen bedeutsamen Nachteil dieses Wohnheims kann und will ich an dieser Stelle allerdings nicht verschweigen: Es gibt immer mal wieder Phasen, in denen "Langfinger" hier ihr Unwesen treiben. In Einzelfällen wurden dabei sogar schon Türen aufgebrochen.
Bis auf eine Ausnahme wurde dabei zwar nie organisiert vorgegangen, so dass der tatsächliche finanzielle Schaden sich meist in Grenzen hielt, aber ärgerlich ist es trotzdem und das Sicherheitsempfinden erhöht sich dadurch logischerweise auch nicht gerade.
Jetzt aber zu dem, was für mich persönlich am wichtigsten ist: 28 Zimmer sind für Rollstuhlfahrer eingerichtet. Diese Räume sind logischerweise auch etwas größer als die Standardzimmer. Die Einrichtung ist wirklich zweckmäßig, und wenn jemand ganz spezielle Umbauten braucht, ist das der Regel auch kein Problem. Außerdem sind rund um die Uhr Assistenten und Assistenten im Dienst, die behinderten Menschen zur Hand gehen. Ihr Dienstzimmer ist im selben Haus. So dauert es keine 3 Minuten, bis jemand da ist, wenn er gerufen wird. Das finde ich toll, weil ich endlich nicht mehr alles Wochen im Voraus planen muss, sondern auch mal spontan etwas unternehmen kann.
Nur wenn man das Auto braucht, muss man das normalerweise zwei Tage vorher ankündigen. Im Einzelfall geht aber selbst das mal "von jetzt auf nachher". Mit den Autos kann man sich als Behinderter ohne Mehrkosten quer durch Regensburg kutschieren lassen, allerdings nur von morgens um 8 Uhr bis nachts um 1 Uhr. Wenn es noch später wird oder über das Stadtgebiet hinausgeht, muss man das anders regeln.
Ein Manko gibt es allerdings auch: Der Pflegedienst ist sehr freundlich und zuvorkommend, aber nicht nur seinen Kunden gegenüber. Auch gegenüber den Zivildienstleistenden setzt er sich nicht immer so durch, wie es sein müsste. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als die Zivildienstleistenden unter den Assistenten beinahe ausnahmslos regelmäßig stockbesoffen zum Dienst erschienen sind. Das hat damals Wochen gedauert, bis dieser unhaltbare Zustand abgestellt war. Damals hätte ich mir doch ein entschiedeneres Durchgreifen gewünscht.
So kommt es immer auch sehr darauf an, wie motiviert die Zivildienstleistenden selbst sind. Das kann von "Zivi-Generation zu Zivi-Generation" sehr unterschiedlich sein. Aber in der Regel ist die Versorgung hier wirklich hervorragend. Man nimmt den Begriff "Selbstbestimmung" hier sehr ernst (im positivsten Sinne) und unterstützt uns ohne uns zu bevormunden.
Die Betreuung der Behinderten an der Uni wird zwar nicht vom Heim übernommen, doch auch da gibt es sehr praktische Regelungen. Dazu bei Interesse (Kommentar!) später noch mehr. weiterlesen schließen
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