Pro:
schöner Film, leicht und ernst zugleich
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Das Kind im Manne
James Matthew Barrie ist ein Autor. Einer, der Theaterstücke schreibt. Er ist ziemlich bekannt, schon fast berühmt, auch wenn sein letztes Stück ein ziemlicher Reinfall ist. Aufgrund des Vertrauens seines väterlichen Freundes Charles Frohman, der Besitzer eines Theaters ist, braucht er sich allerdings keine Sorgen darum zu machen, dass seine Karriere damit schnell zu Ende wäre.
Allerdings läuft es auch in der Ehe von Barrie nicht allzu gut, legt er doch wesentlich mehr Wert auf das Schreiben neuer Stücke (was er meist außer Haus zu tun pflegt) als auf die Pflege seiner ehelichen Gemeinschaft mit seiner Frau Mary Ansell Barrie. Zudem ist seine Frau in erster Linie daran interessiert, ihren gesellschaftlichen Aufstieg zu planen und teilt daher weniger die künstlerischen Ambitionen ihres Mannes. Barrie selbst genießt zwar durchaus seinen gesellschaftlichen Stand, ist aber im Grunde seines Herzens ein großes Kind, das versucht, seine innere Welt nach außen zu transportieren.
Und so zieht es ihn nach dem großen Flop wieder hinaus in den Park, um dort ein neues Stück zu schreiben. Dabei lernt er die verwitwete Sylvia Llewelyn Davies und ihre vier Söhne George, Jack, Michael und Peter kennen, denen er eine Vorstellung seines kindlichen Gemüts gibt, indem er mitten im Park ein Tänzchen mit seinem Hund aufführt und behauptet, Porthos (so der Name des Hundes) fühle sich in seinem Inneren eigentlich als großer Bär.
Damit gewinnt er spontan die Herzen der Familie Davies, mit Ausnahme von Peter, der sehr zurückhaltend darauf reagiert.
Trotzdem beginnen sich die 6 Personen in Zukunft regelmäßig zu sehen. Barrie spielt regelmäßig mit den Kindern seine Phantasien aus und erreicht gelegentlich sogar Peter (der sich seit dem Tode seines Vaters ziemlich zurückgezogen hat). Nach und nach jedoch reagiert Peter wieder eher auf seine Umwelt. Außer der Tatsache, dass Barrie hier seiner Lebensfreude freien Lauf lassen kann (und dementsprechend noch weniger Zeit zuhause bei seiner Frau verbringt) inspiriert ihn das Geschehen zu einem neuen Theaterstück. All die Geschehnisse, die er mit der Familie Davies erlebt, finden ihren Einzug in das neue Stück um das sagenhafte Land Nimmerland. Selbst die (Vor-)Namen der Familie tauchen darin auf. Auch Peter, der in dem Stück als „Peter Pan“ wieder auftaucht. Aber so ganz ohne Schwierigkeiten läuft das Leben eben doch nicht...
M e i n e M e i n u n g
“Wenn Träume fliegen lernen” ist trotz der darin behandelten Problematiken (und davon gibt es mehrere) ein sehr leichter, beschwingter Film geworden. Gerne lässt man sich von der Lebensfreude Barries (und der Kinder) anstecken. Gerne folgt man seinem kindlichen Gemüt und versinkt in seiner Welt, zumal diese teilweise durch wundervolle Weise dargestellt werden. Das Streben des Autors (und anderer Beteiligter) nach dem sagenhaften „Nimmerland“ nimmt auch den Zuschauer gefangen.
Wer will, kann sich einfach nur zurücklehnen und den Film genießen, andererseits bietet er aber ebenfalls genügend Raum für denjenigen, der sich über die angesprochenen Probleme so seine Gedanken machen möchte.
Auch rührt der Film in den dramatischen Szenen (besonders natürlich am Schluss, wie in Hollywoodproduktionen üblich) durchaus zu Tränen, die man hier auch gerne fließen lässt, ohne sich schlecht zu fühlen.
Was man vielleicht dem Film ein wenig ankreiden könnte, ist, wie die Probleme „gelöst“ werden. Manche Dinge sind denn doch arg vorhersehbar und man ist sich nicht sicher, inwieweit das wahre Leben Barries diese Geschehnisse hergibt oder in welcher Weise sie mal wieder durch die Filmindustrie „begradigt“ worden sind.
Sehr deutlich zu sehen ist aber auch folgendes: Wirklichen Spaß am Leben haben die, die ein wenig „schräg“ sind. Diejenigen, die das Leben „ernsthaft“ betreiben, rutschen lediglich von einer (selbstgebauten) Tretmühle in die nächste und verderben sich damit jegliche Lebensfreude. Sofern man aber ist „wie die Kinder“ (wie es schon in der Bibel heißt), kann man das Leben richtig genießen. Wenn auch meist nur unter öffentlicher Anfeindung. Aber die Familie Davies und der Autor Barries haben ihren Spaß. Und im Gegensatz zum „normalen“ Leben, wo man doch möglicherweise mal des öfteren den Kopf über solche „Kindsköpfe“ schütteln wird, gönnt man den Protagonisten ihren Spaß uneingeschränkt.
T e c h n i s c h e s
Regie:
Marc Forster
Darsteller:
Johnny Depp als James Matthew Barrie
Radha Mitchell als seine Ehefrau Mary Ansell Barrie
Kate Winslet als Sylvia Llewelyn Davies
Nick Roud als George
Joe Prospero als Jack
Luke Spill als Michael
Freddie Highmore als Peter
Des weiteren
Dustin Hoffman als väterlichen Freund Charles Frohman
Julie Christie als Mutter Sylvias, Mrs. Emma du Maurier
und
Ian Hart als Sir Arthur Conan Doyle, ein Freund des Autors
USA 2004
101 Minuten
FSK 0
FAZIT
Der Film ist leichte Unterhaltung. Aber das trotzdem auf hohem Niveau. Denn man kann den Film einfach mal eben „wegsehen“; oder eben auch nicht. Wer will, kann sich mit dem Inhalt durchaus noch ein wenig auseinandersetzen und sich so seine Gedanken darüber machen.
Die Schauspielerriege ist nicht gerade unbedeutend und jeder spielt seine Rolle mit Hingabe. Die Gewichtung der Rollen ist natürlich unterschiedlich, aber das ist ja in vielen Filmen der Fall. Besonders auffällig ist, das Sir Arthur Conan Doyle (der Schöpfer von „Sherlock Holmes“) im Film als solcher gar nicht erwähnt wird. Zumindest ist mir das erst im Nachspann aufgefallen.
Und ein letztes: ein weiteres Mal läuft mir hier Johnny Depp über den Weg. Und auch wenn ich nicht behaupten würde, dass er durch diesen Film einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, reiht sich sein Spiel doch in eine Reihe von angenehmen Erlebnissen ein (die letzten waren „Fluch der Karibik“ und „Don Juan de Marco“), so dass ich sicher nach und nach auch einmal auf ältere Werke des Schauspielers zurückgreifen werde.
Schlusswort: Zurücklehnen, anschauen und genießen, wohliges Gefühl entwickeln und anschließend: ruhig vergessen.
Und vielleicht: ein wenig das Kind in uns selbst wieder herauslassen.
11.09.2005
by Himmelssurfer weiterlesen schließen
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