Pro:
detaillierte, riesige Raumschiffe, toller Sound, extrem große Spielwelt
Kontra:
extrem Einsteiger unfreundlich, total verkorkste Steuerung und umständliche Bedienung
Empfehlung:
Ja
Als Science Fiction-Fan immer auch auf der Suche nach einem guten PC-Spiel, das in diese Richtung geht, bin ich für jede Neuerscheinung der Entwickler dankbar. Das liegt daran, dass sich die wirklich guten „Weltraumspiele“ an nur einer Hand abzählen lassen. Von Ego-Shootern einmal abgesehen. Seit dem legendären „Elite“ oder Microsofts „Freelancer (2003)“ gab es für mein Empfinden nichts wirklich Revolutionäres mehr in diesem Genre. Als dann 2006 endlich X3-Reunion erschien, war ich mehr als happy. Da ich die beiden guten Vorgänger ebenfalls gespielt habe, war die Erwartungshaltung dementsprechend groß. Mittlerweile habe ich alle Missionen absolviert und bin einmal mehr, maßlos enttäuscht.
Warum das so ist? Hier mein persönlicher Eindruck über das Game.
Als erstes bekommt der Spieler ein sehr schönes und aufwendiges Intro präsentiert. Wer die beiden Vorgänger des Spiels allerdings nicht kennt, der versteht schon zu diesem Zeitpunkt nur Bahnhof. Macht aber nix, denkt man sich, die Story wird sich einem im Lauf der Zeit schon erschließen. Leider trifft dies aber nur bedingt zu.
Die Story
Der Pilot Kyle Brennan und sein Sohn Julian sind die Hauptprotagonisten innerhalb der X-Reihe. Beide kämpfen gegen die fiesen Kha’ak. Allerdings liegt Papa Kyle seit X2 im Koma und so ist Sohnemann Julian zunächst auf sich alleine gestellt. Julian erhält eine Nachricht aus der hervorgeht, dass er sich schleunigst zu einem bestimmten „Sprungtor“ aufmachen soll. Also nix wie los. Per Mausklick steuern wir unser Raumschiff automatisch zu den gewünschten Koordinaten. Wer möchte, kann den guten Julian aber auch manuell (Maus; Tastatur, Joystick) zum gewünschten Ziel fliegen. Dort angekommen, beginnt auch schon die erste –recht einfache- Mission. Wir jagen Piraten und müssen diese nach Möglichkeit in einer wilden Weltraumballerei abschießen. Ein lockerer und zunächst auch motivierender Einstieg.
Aber das riesige X3-Universum bietet natürlich weitaus mehr als nur stupide Ballerei. Man bekommt die Möglichkeit Handel zu treiben, selbst einmal als Pirat zu agieren oder gewaltige Fabriken zu errichten. Dabei bleibt es dem Spieler überlassen, ob er stur der Handlung folgt oder seinen eigenen Weg geht. Später kann man dann die Story jederzeit fortsetzen. Eigentlich eine Handlungsfreiheit wie ich sie liebe. Hin und wieder steuern wir eine Raumstation an, auf der wir übrigens auch unsere Spielstände speichern können. Allerdings auch nur dort. Das X3-Universum ist dermaßen groß, dass es an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde, wollte man alle möglichen Schauplätze beschreiben. Zudem liegt der besondere Reiz ja auch darin, selbst auf Entdeckungsreise ins unendliche All aufzubrechen.
Mehr Schatten als Licht
Was aber spricht nun gegen dieses Spiel? Leider mehr als dafür. Aber zunächst die positiven Eindrücke. Die Grafik macht viel her. Ein optischer Leckerbissen. Alles dreht und bewegt sich, was besonders die Planeten sehr realistisch wirken lässt. Die Raumstationen sehen sehr beeindruckend aus, was das Herz eines jeden Science Fiction-Fans höher schlagen lässt. Die Videos hingegen wirken durch ihre verwaschene Grafik eher enttäuschend.
Der Soundtrack ist erstklassig. Orchestrale Klänge verwöhnen die Ohren. Langweilig und nerv tötend hingegen das Synthie-Gedudel. Die epische Hintergrundstory wird spannend erzählt und durch die Zwischensequenzen vorangetrieben. Wie schon erwähnt, muss man diesem Handlungsstrang nicht zwingend folgen. Wem danach ist, der lässt (fast) die ganze Story links liegen und agiert wie es ihm gefällt. Die Stärken des Spiels liegen dabei eindeutig im Aufbau eines Wirtschaftsystems. Das ist zweifellos toll gelöst. Es macht eine Menge Spaß, riesige Fabrikkomplexe zu errichten, Handelsrouten auszukundschaften oder andere Raumschiffe damit zu beauftragen, die eigenen Waren regelmäßig zu transportieren. Das man dabei nicht alle Waren unbedingt auf legalem Wege erwerben muss, ist ein weiterer Anreiz.
So weit, so gut. Klingt für Fans dieses Genre eigentlich perfekt. Aber der Schein trügt. Leider.
X3-Reunion könnte ein so geniales Spiel sein…
wenn da nicht…
…dieses grottenschlechte Navigationssystem wäre. Eine völlig unausgewogene Spielbalance. Das komplizierte, umständliche Interface. Aber der Reihe nach. Wie schon erwähnt, dass X3-Universum ist groß, verdammt groß. Will man zum Beispiel einen neuen Sektor erkunden, so erfährt man zunächst über diesen so gut wie nichts. Jeder einzelne Punkt will erst einmal angeflogen werden. Da kann dann schon mal eine halbe Stunde oder länger dauern, während man nichts anderes zu tun hat, als stupide vor sich hin durch den sprichwörtlich unendlichen Raum zu fliegen. Das ist nicht nur demotivierend sondern stinklangweilig. Besonders frustrierend, wenn am Ende nichts dabei herauskommt. Der poplige Bordcomputer hilft da auch nicht viel weiter. Die Suche nach neuen Sprungtoren gerät dabei zur Sisyphus Arbeit und Frust ist vorprogrammiert. Die Spielbalance ist völlig daneben. Die einzelnen Missionen sind entweder kinderleicht oder bockschwer. Dazwischen gibt es nichts.
Die Steuerung kann auch nicht überzeugen, weder mit der Maus noch mit dem Joystick. Beide reagieren sehr schwammig, was insbesondere bei Gefechten sehr nerv tötend sein kann.
Die Gegner-KI ist so dumm und unrealistisch, wie hirnlose Zombies, die blind in ihr Verderben rennen. Somit wird auch die Ballerei mit der Zeit immer öder und langweiliger.
Fazit
X3-Reunion ist ein Spiel mit sehr hohem Frustfaktor und eindeutig der schwächste Teil der Reihe. Für Einsteiger völlig ungeeignet, entwickelt sich das Spiel im Laufe der Zeit zu einem wahren Martyrium. Selbst hartgesottene Profis werden an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit gebracht, da hilft auch das ausgefeilte Wirtschaftsystem nicht mehr viel. Schade, ist doch die Weltraum Atmosphäre für sich genommen geradezu grandios. Wenn man sich den detaillierten Raumstationen nähert, durch faszinierende Nebel gleitet oder die wunderschönen Planeten aus dem Orbit betrachtet, dann ist das schon sehr faszinierend. Das alleine reicht jedoch bei weitem nicht aus für ein Spiel dieser Komplexität. Die Entwickler haben so viel Potenzial verschenkt, dass es schon sträflich ist. Wägt man letztendlich alle Vor –und Nachteile gegeneinander ab, so kommt für mich nur eine Bewertung in Frage. X3-Reunion ist ein Flop auf hohem Niveau. Von einem Kauf kann ich daher nur abraten. Es sei denn, jemand neigt zur Selbsgeißelung. Dann ist dieses Spiel genau das richtige. (Schluck, ich hab es ja durchgespielt. Sowas.)
Noch ein paar Technische Daten:
Game belegt ca. 4 GByte auf der Festplatte.
Selbst bei 1 Gbyte Ram hatte ich noch leichte Ruckler.
3 Schwierigkeitsstufen: mittel bis schwer
Eine 3,0 GHz CPU sollte es zusammen mit einer z.b. Radeon X800 Grafikkarte schon sein. Dann lässt sich das Game problemlos in einer Auflösung von 1280x960 spielen. Andere Konfigurationen konnte ich leider nicht ausprobieren.
Wer noch eine ältere Grafikkarte mit wenig Videospeicher besitzt, sollte zuerst die Texturqualität und die Shader-Qualität zurücksetzen.
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