Pro:
läcka Schoki, läcka Johnny, märchenhaft romantisch toll
Kontra:
vorraussehbar...
Empfehlung:
Ja
Johnny Depp u n d Schokolade - nie hatte ich gewagt zu glauben, dass ich jemals einen solchen Film sehen dürfte. Doch durch universales Schicksal ( oder auch einfach nur ne Anzeige im „Stern“ ) ergatterte ich Karten für die Preview und saß somit an einem lauen Mittwochabend mit Popcorn und Cola in der 14ten Reihe eines Hamburger Kinos und erwartet einen schokoladen.mässige deppsche Erleuchtung.
Natürlich hatte ich nicht mal annähernd eine Ahnung davon, was für ein Film mich erwarten würde, allein das Filmplakat auf dem Johnny Depp gerade versucht in eine Schokoladen.praline zu beißen genügte mir vollkommen, um davon überzeugt zu sein dass dieser Film genial sein muss.
Natürlich war ich nicht weniger erfreut davon, dass mir auch noch eine durchaus gute Story geboten wurde:
Der Film beginnt mit der hübschen Vianne die im Rotkäppchen.Outfit und ihrer Tochter in das verschlafene kleine Dorf Lansquenet-sous-Tannes ( wer denkt sich solche Namen eigentlich aus ??? ) kommt. Sie mietet von der alten Armand Voizin (Judi Dench) einen kleinen Laden am Kirchplatz des Dorfes und eröffnet dort eine Chocolaterie.
Die meisten Dorfbewohner sind von diesem neuen Laden in ihrer Nähe nicht wirklich begeistert. Vor allem der Bürgermeister des Ortes, Comte de Reynaud (Alfred Molina ) versucht mit allen Mitteln Vianne und ihre Tochter aus der Stadt zu vertreiben. Trotzdem gelingt es der jungen Frau und Mutter einige aufgeschlossene Dorfbewohner für ihre Chocolaterie zu erwärmen. Durch ihre einfühlsame Art schließt sie schnell Freundschaften zu jenen Bürgern und wird in den Augen des konservativen Kerns zu einer Bedrohung der Traditionen des Ortes.
Als dann auch noch fahrendes Volk über den Fluss nach Lansquenet-sous-Tannes kommt und Vianne den Obermacker Roux (gespielt von keinem anderen als einem langhaarigen verwegenen Zigeuner.Johnny Depp) äußerst freundlich empfängt, beginnen die Überzeugungen der jungen Frau wirklich zum Problem zu werden. Auf der einen Seite feiern einige Dorfbewohner mit dem Zigeunervolk berauschende Feste, auf der anderen Seite wird der Hass öffentlich präsentiert.
Mit der Macht der Schokolade -- *taaa taaaaa* -- versucht Vianne die Situation zu entschärfen ...
Dieser Film ist meiner Meinung nach einfach nur märchenhaft romantisch toll. "Chocolat" basiert auf einem Roman von Joanne Harris. Die Umsetzung zum Drehbuch übernahm Robert Nelson Jacobs und der Regisseur Lasse Hallström schafft es letztendlich jede Figur so sensibel zu charakterisieren, wie es nur er vermag. Der Zuschauer wird von der ersten Minute an von der einzigartigen Stimmung des Films gefangengenommen.
Mich hat vor allem fasziniert dass man diesen Film nicht in eine Schublade stecken kann. Sowohl das streng christliche Leben der Dorfbewohner wird kritisch beleuchtet, als auch die weniger allgemein dargestellten Schicksale einzelner Dorfbewohner. Dabei wird bei den Charakteren durchweg darauf verzichtet bloße schwarz.weiß.malerei zu betreiben, auch abgedroschenen Klischees sucht man vergebens, dies alles macht die Thematik nachvollziehbar und vor allem glaubwürdig.
Die durchaus ernsten Themen, wechseln sich ab mit romantischen aber auch witzigen Szenen, die eine märchenhafte Grundstimmung inne haben. Dadurch erhält „Chocolat“ eine angenehme Leichtigkeit, die einen trotz der knapp zwei Stunden Filmlänge dauerhaft fesselt.
Einzige Schwäche des Films ist dass der Plot manchmal sehr vorausschaubar ist – gerade das hinter scheinbarer Kleinstadt.Idylle auch viel Hass und Intoleranz steckt, wurde schon in anderen Filmen zur genüge behandelt. Dieses „Problem“ wird aber nebensächlich wenn man einen Blick auf die Nebencharaktere wirft. „Chocolat“ bietet so viele Geschichten, die vor allem unterhaltsam den Hauptstrang der Story begleiten und einen ganz eigenen zauberhaften Charme haben, der vor allem durch die Schauspieler erschaffen wird..
An erster Stelle muss man natürlich die Leistung von Juliette Binoche ( "Der englische Patient" )und Alfred Molina erwähnen . Die Entwicklungen die ihre Charaktere während dieses Meisterwerks durchleben, werden auf eine ganz eigenen und unglaublich überzeugende Art und Weise dargestellt.
Und wer war da noch ? ach ja Johnny Depp :) Als verwegener Zigeuner ist er einfach unschlagbar. Dennoch muss ich wohl zugeben dass seine Rolle ihm nicht wirklich viel abverlangt – sexy auf nem Stein zu sitzen und romantische Lieder zu klimpern ist etwas was er wahrscheinlich von Natur aus beherrscht :) Auch dass er auf dem Filmplakat zu sehen ist hat mich nach dem Film mehr als verwundert – seinen Auftritt hat er im letzten viertel des Films und besticht auch dann nicht unbedingt durch die Häufigkeit seiner Präsenz *schnüff*.
Neben vielen anderen bekannten oder auch weniger bekannten Darstellern, ist vor allem Judi Dench als widerspenstige Großmutter ein prägendes Bild dass einem auch nach dem Film nicht so schnell loslässt.
Aber der wichtigste Darsteller im Film war natürlich die Schokiiii. Wie die Schauspieler nimmt sie im Laufe des Films die verschiedensten Charakterzüge an. Mal ist sie Heilmittel und Trost ( ja ja ja ) für die Dorfbewohner, mal teuflischer Anreiz, aber auch himmlisches Glück . Hauptsächlich ist die aber das Symbol des Fortschrittes dass die konservativen, engstirnigen Dorfbewohner als Bedrohung für ihre alt hergebrachten Traditionen ansehen.
Auch Schokoladen-Experte Walter Bienz ist "fest davon überzeugt, dass Schokolade das Leben verändern kann. Du glaubst, wenn du eines dieser magischen Pralinés in deinen Mund steckst, bist du frei." – besser könnte ich es nicht ausdrücken.
Nach dem Film lief ich verwirrt in der Stadt herum und hätte am liebsten eine der selbstgemachten heißen Schokoladen aus dem Film in mich hineingeschüttet. Das einzige Schokoladige was ich um diese Uhrzeit aber noch haben konnte war lauwarmer Kakao von McDonalds :( dennoch war dies mit dem schokoladigen Zauber, den der Film bei mir bewirkt hatte ,vollkommen nebensächlich - ich hatte schoko.energie im Blut wenn auch von mc.donaldisch krümeliger Qualität.
Abschließend ist also nur noch zu sagen, dass Lasse Hallström einfach ein wundervoll harmonischer Film gelungen ist, der viel Liebe zum Detail zeigt. Die wunderbar stimmungsvollen Bilder und die romantische Musik, die so gefühlvoll die Emotionen der Charaktere transportieren, runden dieses Erlebnis ab.
“Chocolat“ hat einfach viele wundervolle Facetten - mitreißende Charaktere, eine ungeheure Tiefe, und einen einnehmenden Charme. Die Geschichte ist märchenhaft und real zugleich - eine ganz außergewöhnliche Mischung, die man unbedingt mal gesehen haben sollte.
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Juliette Binoche:
"Ich habe Schokolade schon immer geliebt, aber in Chocolat ist sie mehr als eine bloße Süßigkeit. Sie verkörpert Leidenschaft, Zuneigung und ist ein Symbol für ehrliches Mitgefühl zwischen Menschen" weiterlesen schließen
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