Pro:
spannend, nette Tricks, ansehnliche Darsteller, Anflüge von Humor
Kontra:
hanebüchene Story, kein Bonusmaterial
Empfehlung:
Ja
Crocodile II – Death roll (DVD)
Was tut Hollywood, wenn alle Krokodilmonster bereits verbraucht sind? Genau: Es baut ein größeres. Und was braucht man, wenn auch dieses nicht ausreicht? Ganz recht: Die Mutter aller Krokodile muss her – sozusagen Grendels Großmutter.
Grimmige Bankräuber auf der Flucht finden ihre Meister in den Titelhelden dieses kurzweiligen B-Horrorspektakels aus ansonsten für Actionfeuerwerke zuständiger Produktion.
Filminfos
O-Titel: Crocodile II – Death roll
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Martin Kove, Heidi Noelle Lenhart
Regie: Gary Jones
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 2.0 Surround)
• Bildformat: 1.78:1
• DVD Erscheinungstermin: 3. März 2003
• Produktion: 2001
• ASIN: B000069B7H
Handlung
Eigentlich wollte ja die bildhübsche und couragierte Stewardess Mia (Heidi Noelle Lenhart) zu ihrem Freund Zach nach Acapulco fliegen – da waren noch ein paar Unklarheiten bezüglich der gemeinsamen Zukunft zu klären.
Aber nun kommt alles ganz anders. Skrupellose Bankräuber, deren professionellen Auftritt wir im PROLOG verfolgen durften, kidnappen den Ferienflieger und zwingen Piloten, mitten durch einen Sturm zu fliegen. Soviel Blödheit bleibt nicht ungestraft. Zum Glück gibt es einen ausgedehnten Sumpf in der Nähe von Acapulco, der den Absturz sanft abfedert, so dass nicht alle Passagiere dabei draufgehen. Immerhin dürfen wir eine mächtige Explosion im hinteren Flugzeugteil bewundern.
Harte Zeiten brechen für die Überlebenden an. Sie dürfen das Geld der Räuber schleppen und müssen sich ihre Zudringlichkeiten gefallen lassen. Wer aufmuckt, schaut umgehend in die Mündung einer Pistole. Mias Kollegin ist kurz vorm Durchdrehen. Doch Mia selbst ist es, die ihren Bewacher in Morpheus' Arme schickt und ihren Schicksalsgenossen hilft, zu entkommen.
Leider ist ihre Flucht nur von kurzer Dauer: Sie werden gestellt. Doch in letzter Sekunde greift "der Geist des Sumpfes" ein – in Gestalt eines vier Meter langen Krokodils. Nennen wir es mal Grendel, als käme es direkt aus dem "Beowulf"-Heldenlied. Die Bankräuber machen mit ihrer überlegenen Feuerkraft ziemlich Hackfleisch aus Grendel. Ihren Gefangenen geht es danach umso schlechter. Zum Glück hat Mia den Flugschreiber dabei, der ihre Position funkt.
Doch keine Bange: Beowulf naht! Zach Fowler, Mias Freund, heuert in Acapulco einen besoffenen Fährtenleser an, der mit seinem Heli anderntags in den Sumpf fliegt und das Signal des Flugschreibers ortet. Mit einem Schlauchboot ist bald auch die Gegend, in der sich die Bankräuber aufhalten aufgespürt. Aber irgendetwas stimmt mit dem Standort des Signals bzw. des Flugschreibers nicht.
Kein Wunder: Grendels Großmutter, eindrucksvolle zehn Meter lang und höchst agil, hat das Gerät längst verschluckt und macht sich daran, den Tod ihres Enkel zu rächen. Alle Eindringlinge sollten sich schleunigst in Sicherheit bringen. Doch wie in jedem anständigen Horrorfilm überleben nur diejenigen, die es auch verdienen.
Gesamteindruck
Lassen die Amis neuerdings in Indien drehen? Jedenfalls führt der Abspann Crewnamen auf, die zu 99 Prozent vom indischen Subkontinent stammen. Sicherlich war es preisgünstiger, dort drehen zu lassen, womöglich sogar im Naturschutzgebiet. Wo sonst findet man noch so ausgedehnte Sumpfgebiete und felsengesäumte Schluchten, wo noch keine Touristen herumwuseln?
In den online verfügbaren Inhaltsangaben zu diesem Streifen findet sich – neben anderen namen – auch die Angabe, das Flugzeug stürze in die Everglades von Florida. Dieses Plotdetail wurde offenbar revidiert, um das Ganze an der West- statt an der Ostküste spielen zu lassen. Vielleicht, um der Tourismusindustrie Floridas zu schaden (hat Jeb Bush eingegriffen?). Allerdings dürfte man an der mexikanischen Westküste lange nach einem Sumpfgebiet suchen müssen.
Wie auch immer: Dieses B-Horror-Monstermovie liefert solide Action ab, so dass sich der Zuschauer keine Minute langweilt. Die Dialoge sind kein dämliches Gelaber, die Figuren haben Profil, die Handlung schreitet flott voran – gepriesen sei der gewitzte Cutter!
Natürlich sind die beiden Monster die Hauptattraktion. Sie stammen teils aus der Animatronik- und Attrappenwerkstatt, teils – bei Totalen - aus dem Computer. In 99 Prozent aller Fälle sind sie gut in den jeweiligen Hintergrund eingepasst. Das ist nicht selbstverständlich. In "Frank Herbert's DUNE" (2001) war dies nicht der Fall, und so wurde diese TV-Version ein kommerzieller Flop. Offenbar hat es doch etwas gebracht, in Indien Geld zu sparen und das Ersparte in Computer-Software und Effekte sowie Pyrotechnik zu investieren. So ist's recht, denn das bekommen wir zu sehen.
Unterm Strich
Wer nichts gegen die grundsätzlich unplausible Idee von Riesenkrokodilen in Mexiko einzuwenden hat, der kommt auch bei diesem B-Horrorstreifen voll auf seine Kosten: Action, Effekte, Dialoge, Schnitt, Musik – alles okay. Es gibt wesentlich Schlimmeres, so etwa das vergleichbare Machwerk "Lake Placid", in dem ein Kroko ein Ferienidyll in Neuengland unsicher macht.
Michael Matzer © 2003ff weiterlesen schließen
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