Das Haus am Meer - Teil 1 (DVD) Testberichte
Auf yopi.de gelistet seit 06/2010
Pro & Kontra
Vorteile
- Einfach alles
- sehr schöne Story / wunderschöne Landschaftsaufnahmen / Musik / rührt einfach zu Tränen / Kevin Kline / Hayden Christensen
- Film, die Darsteller, sehr berührend, Deleted Scences auf der DVD, Audiokommentar
- sehenswerter Film, gute Darsteller, trotz 120 min nie langweilig, ganz gutes Bonusmaterial auf der DVD
Nachteile / Kritik
- Gibts bei diesem Film nicht
- Klischees / teilweise unrealistisch, was die zu schnelle Entwicklung der Figuren angeht
- einfache Geschichte, nur mäßiges Bild auf der DVD und das im falschen Format
- nichts
Tests und Erfahrungsberichte
-
Das Leben ist wie ein Haus, auch wenn ...
02.11.2003, 13:28 Uhr von
Bjoern.Becher
Nach 4 Semestern in Freiburg, studiere ich nun Jura in Würzburg. Hier bei YOPI schreibe ich haupt...3Pro:
Film, die Darsteller, sehr berührend, Deleted Scences auf der DVD, Audiokommentar
Kontra:
einfache Geschichte, nur mäßiges Bild auf der DVD und das im falschen Format
Empfehlung:
Ja
...ein Stück Bild fehlt!
„Das Leben ist wie ein Haus“ ist die Botschaft welche George Monroe (Kevin Kline) seinem Sohn Sam (Hayden Christensen) mitgeben will. So heißt der Streifen in dem dies geschehen soll, auch im englischen „Life as a house“, was man in Deutschland unsäglicherweise in „Das Haus am Meer“ übersetzt hat. Einer der wenigen kritischen Punkte, die man zu diesem Streifen finden kann.
George Monroe lebt seit zehn Jahren von seiner Frau Robin (Kristin Scott Thomas) getrennt. Diese hat mittlerweile mit Peter (Jamey Sheridan) einen neuen Mann geheiratet und mit diesem zwei gemeinsame Kinder. Außerdem hat sie das Sorgerecht für Sam, den gemeinsamen Sohn aus der Ehe mit George. Sam, der auf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht, ist das Problemkind der Familie. Er nimmt völlig desinteressiert an jeglichem Leben teil, verkriecht sich musikhörend in seinem Zimmer, pierct sich und färbt sich die Haare und nimmt Drogen. Robin weiß nicht mehr weiter.
Als George seine Stelle als Architekt verliert und einen Schlaganfall erleidet, wird bei ihm Krebs diagnostiziert. Er hat nur noch wenige Monate zu Leben. Diese Zeit will er nutzen, um seinen langgehegten Traum zu erfüllen. Er will sein Traumhaus bauen. Und er will diese Zeit nutzen, um wieder eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen und dessen Leben eine Perspektive zu geben.
Gegen Sams Willen muss dieser nun die Sommerferien bei seinem Vater verbringen. Da das Haus, in dem George bisher wohnte, für den Neubau abgerissen werden muss, bedeutet dies, dass die beiden auf engstem Raum in der Garage wohnen müssen. Erste Konflikte sind allein deswegen schon vorprogrammiert.
Langsam taut aber das Verhältnis zwischen Vater und Sohn auf. Dazu bei trägt auch die hübsche Nachbarstochter Alyssa (Jena Malone), die ein Auge auf Sam geworfen hat. Doch deren Freund ist Josh (Ian Somerhalder), der nicht nur Sam mit Drogen versorgt, sondern diesen auch als Strichjungen für sich zu reichen Männern ins Auto schicken will.
Als dann Robin immer öfter auf der Baustelle vorbeischaut und sich immer besser mit George versteht, scheint äußerlich die Idylle wieder hergestellt zu sein, doch innerlich brodelt die Gefahr. Denn noch hat George niemandem von seiner Krankheit erzählt.
M E I N U N G
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“Life as a house” ist wirklich ein wunderbares Drama, das selbst den hartgesottensten Seher mindestens eine Gänsehaut, wenn nicht sogar eine Träne entlockt. Regisseur Irwin Winkler („Das Netz“) hat genau das richtige Erzähltempo für seine Geschichte gefunden.
Für eine Geschichte, die eigentlich gar nicht so neu oder vielschichtig ist. Es geht um die Familie, eigentlich um mehrere Familien, alle zerbrochen. Sam hasst seinen Vater, dieser führt ein tristes Leben, seine Ex-Frau Robin ist ebenfalls unzufrieden mit ihrem neuen Eheleben, alle sind zu Beginn des Films unglücklich, keiner ist zufrieden mit seinem Leben.
Doch mit Fortdauer des Films lernen alle Beteiligten aufeinander zuzugehen und Verständnis für einander zu zeigen. Der scheinbar gefühlstote Sam entwickelt Liebe zu seinem Vater und zu Alyssa, auch Robin sehnt sich zurück nach den wenigen glücklichen Jahren mit George.
Trotz der Einfachheit seiner Geschichte und lauter bekannter Elemente kann „Life as a house“ einfach überzeugen. Warum ist schwer zu sagen, aber die dramatische Geschichte, eingetaucht in teils wunderschöne Bilder aus der Kamera von Vilmos Zsgimond („Der Geist und die Dunkelheit“), rührt den Zuschauer, wie nicht jeder Film des Genres.
Vor allem die Darsteller (bis in die kleinsten Nebenrollen) können vollauf überzeugen. Von Kevin Kline weiß man, dass er ein großartiger Darsteller ist, hier kann man es noch einmal mit eigenen Augen sehen. Hayden Christensen, der nach seiner Leistung als Anakin Skywalker viel Kritik einstecken musste, kann hier zeigen, dass er ein großartiger Darsteller ist. Den verbitterten Sam könnte man kaum besser spielen, als er es macht. Auch die restliche Darstellerriege ist einfach großartig.
So bleibt wenig negatives über. Man kann dem Film nur gegenüber halten, dass er am Ende doch deutlich zu dick aufträgt. Warum Josh, dann noch mit der Mutter seiner Freundin ins Bett steigen muss und dass das gebaute Haus dann für eine Frau gedacht ist, die von Georges Vater zur Waisen und zum Krüppel gemacht wurde, ist dann etwas zu viel des guten. Dazu noch die völlig überzogene Wendung, dass gerade der kritische Nachbar, der das Bauprojekt stoppen will, bei Sams einmaliger Arbeit als Stricherjunge sein Kunde war und aus Angst vor einer Entdeckung seiner homoerotischen Neigungen, dann doch den Hausbau absegnet. Ein paar kitschige Wendungen hätte man beruhigt auslassen können.
Nichtsdestotrotz vermag der Film zu überzeugen, zu gefallen und vor allem emotional zu berühren. Acht von zehn Punkten!
D V D
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Technische Informationen:
Bildformat: 1,85 : 1 (laut Cover)
Tonformat: DD 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras:
- Audiokommentar
- Original-Dokumentation: "Character Building: Inside Life As A House" und "From The Ground Up"
- Nicht verwendete Szenen
- Stab und Besetzung
- Trailer
Die DVD hat leider einige Schwächen aufzuweisen. Das Bild ist für eine DVD dieses noch recht neuen Alters eine Frechheit. Das Bild ist mehrmals sehr unscharf und gelegentlich trübt auch deutlich sichtbares Rauschen den Genuss. Der Clou des ganzen ist es aber, dass man den Film nicht im Original Bildformat von 2,35 : 1 belassen hat. Bei den Extras kann man das volle Bild bewundern (dort im 2,35 : 1), beim Film fehlt an den Kanten etwas. Ärgerlich und unverständlich. Immerhin ist es nicht ganz so schlimm, wie man laut DVD-Cover annehmen könnte. Lauf OFDB ist das Bildformat 2,10 : 1 und nicht wie auf dem Cover angegeben 1,85 : 1 was auch ungefähr hinkommen müsste.
Der deutsche Ton kann dagegen vollauf überzeugen, doch auch hier glänzt die Medaille nicht komplett. Der deutsche Ton ist zwar in Ordnung, aber der englische ist dafür deutlich schwächer und oftmals sehr dumpf.
Deutlich besser als die technische Umsetzung, sind die Extras der DVD. Hier bietet Warner doch etwas mehr als die übliche Standardkost. Es gibt einen Audiokommentar mit Regisseur und Produzent Irwin Winkler, Produzent Rob Cowan und Drehbuchautor Mark Andrus. Pluspunkte gibt es erst einmal dafür, dass der Audiokommentar deutsch untertitelt ist, aber auch der Inhalt kann Pluspunkte einfahren. Der Audiokommentar gehört sicher nicht zu den besten auf DVD gepressten Audiokommentaren, die drei Erzähler können aber mit einigen Hintergründen zu den Dreharbeiten den interessierten Zuhörer begeistern. Noch interessanter sind aber Hinweise auf subtile Andeutungen in einigen Szenen, die man so beim „normalen“ Filmgenuss zum Großteil sicher nicht sieht. Interessant auch die Tatsache, dass der im Sommer spielende Streifen im kalten Winter gedreht wurde, was bei Aufnahmen mit freiem Oberkörper zu starker physischer Belastung von Kevin Kline und Hayden Christensen führte.
Auf der DVD befinden sich des weiteren zwei Original Dokumentationen. "Character Building: Inside Life As A House" ist eigentlich ein Making-Of und vermittelt interessante Eindrücke von den Dreharbeiten, garniert mit Interviews mit den Beteiligten. Erfreulich, dass die gegenseitigen Lobhudeleien noch in einen erträglichen Maß bleiben. "From The Ground Up" beschäftigt sich mit dem Bau des Sets. Die ganze noble Wohngegend in der Georges Haus entstehen soll, wurde extra für den Film gebaut und dieses Making-Of beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Bau dieser Umgebung und natürlich mit dem Bau von Georges Haus.
Auf der DVD befinden sich auch vier entfallene Szenen, wobei zwei eigentlich identisch sind. Ein Schauspieler (William Russ) hatte nur einen Unfall und deswegen musste er ausgetauscht werden und diese Szene noch einmal neu mit einem anderen Schauspieler (Scott Bakula) gedreht werden. Die rund vier Minuten lange Szene wurde dann am Ende gestrichen, da sie den Machern des Films zu viel über die Hintergründe der Personen erklärt. Eigentlich schade, da diese Szene ganz gut in den Film gepasst hätte. Nun befindet sie sich zweimal, von den Dialogen nur leicht verändert, einmal mit Russ und einmal mit Bakula bei den entfallenen Szenen auf der DVD. Bei den anderen beiden Szenen (wobei die zweite von diesen sogar eigentlich noch einmal zwei einzelne Szenen sind), haben die Produzenten recht, dass diese Szenen eher unnötig waren. Lobenswert ist es aber bei diesen Deleted Scenes, dass man diese einmal „normal“ anschauen kann und einmal mit dem Audiokommentar von Winkler, Cowan und Andrus.
Etwas enttäuschend ist die Auflistung von Stab und Besetzung, denn Textinfos zu den einzelnen Mitgliedern der Crew sind Fehlanzeige. Stattdessen sieht man einfach nur eine Übersicht über die wichtigsten Mitwirkenden (wobei Ian Somerhalder komischerweise bei der Besetzung nicht aufgeführt ist und unwichtigere Nebenrollen dagegen schon). Nicht fehlen darf natürlich ein Trailer, hier ist es der US-Kinotrailer.
Trotz der recht guten Extras kann die DVD insgesamt aber nicht überzeugen, was an dem schlechten Bildformat und der schlechten Bildqualität liegt
F A Z I T
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„Life as a house“ ist auf jeden Fall ein sehenswerter Streifen, den man sich unbedingt mal ansehen sollte. Im großen und ganzen ist die DVD in Ordnung, das schlechte Bild und die nicht so gute englische Tonspur sollten aber des englisch mächtigen Cineasten auf jeden Fall die Überlegung wert sein, vielleicht doch auf die US-DVD zurückzugreifen.
Film: 8 von 10 Punkten!
DVD: 1,5 von 5 Punkten!
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Gesamt: 6 Punkte auf meiner 10er Skala!
D A T E N
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Titel Deutschland: Das Haus am Meer
Originaltitel: Life as a house
Genre: Drama
USA 2001, FSK 6, Laufzeit: 125 Minuten
Darsteller: Kevin Kline (George Monroe), Kristin Scott Thomas (Robin Kimball), Hayden Christensen (Sam Monroe), Jena Malone (Alyssa Beck), Mary Steenburgen (Colleen Beck), Mike Weinberg (Adam Kimball), Scotty Leavenworth (Ryan Kimball), Ian Somerhalder (Josh), Jamey Sheridan (Peter Kimball), Scott Bakula (Officer Kurt Walker), Sam Robards (David Dokos), John Pankow (Bryan Burke)
Regie: Irwin Winkler
Produzenten: Rob Cowan, Irwin Winkler
Drehbuch: Mark Andrus
Musik: Mark Isham
Kamera: Vilmos Zsigmond
Schnitt: Julie Monroe
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0264796/
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=15217
© Björn Becher 2003 weiterlesen schließen -
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Zwischen Soap Opera und Ernsthaftigkeit
Pro:
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Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Selten in letzter Zeit habe ich erlebt, dass ein Film derart verrissen wurde wie »Life as a House«. »Der Hausbau als Gleichnis für die wachsende Vater-Sohn-Beziehung – schon die Grundidee ist platt. Und sie ist nur eines von vielen Klischees, die uns mit aller Macht ein paar Tränchen entlocken sollen«, schreibt TV-Movie. »Blickpunkt: Film« schlägt in die gleiche Kerbe und hält den Film schlicht für »tränenselig«. Der »Schnitt« allerdings sieht in »Das Haus am Meer« das »Paradoxon eines am Reißbrett entworfenen Films über bleibende immaterielle Werte, der funktioniert«, der »sowohl unterhaltsamer als auch intelligenter als die letzten zehn europäischen Autorenfilme« sei. Der »Tagesspiegel« wiederum regt sich auf, dass sich die meisten Probleme »in Wohlgefallen« auflösen, »als hätte sie ein Architekt locker auf sein Reißbrett gepinnt« – »typisch amerikanisch«. Den Gipfel des Verrisses aber erklimmt (ausgerechnet) die »Welt«: »Es wäre der ideale Werbefilm für 50 Jahre Baden-Württemberg geworden. Zumindest für des Schwaben liebstes Motto: Schaffe, schaffe, Häusle baue.« (1)
Inhalt
George Monroe (Kevin Kline) hat es nie zum »richtigen« Architekten gebracht. Statt dessen baut er seit 20 Jahren maßstabsgetreue Hausmodelle für ein Architekturbüro. Da er sich allerdings vehement weigert, mit einem Computer zu arbeiten, um Modelle schneller und effektiver herzustellen, verkündet ihm sein Vorgesetzter eines Tages seine Entlassung. Monroe bleibt zunächst gelassen; schließlich habe er seine Arbeit immer gehasst. Doch in Wirklichkeit sieht er in seiner Kündigung den Schlussakkord auf ein gescheitertes Leben. Er zertrümmert sämtliche Modelle, die er für die Firma je gefertigt hat, bis auf eines, das er mitnimmt. Als er das Gebäude verlässt bricht er bewusstlos zusammen. Die Ärzte stellen fest, dass Monroe unheilbar an Krebs erkrankt ist und nur noch einige Monate zu leben hat.
George lebt in einem heruntergekommenen Haus am Meer, ist seit zehn Jahren von Robin (Kristin Scott Thomas) geschieden, hat einen Sohn, Sam (Hayden Christensen), der sich in eine totale Verweigerungshaltung zurückgezogen hat, Drogen nimmt, sein Gesicht schwarz anmalt und seine Haare blau färbt, Klebstoff schnüffelt. Sein Schulfreund Josh (Ian Somerhalder) versucht Sam obendrein davon zu überzeugen, als Prostituierter für gut zahlende Freier zu arbeiten.
Keiner wird mit Sam fertig; er ist das schwarze Schaf der Familie. Robins neuer Ehemann Peter (Jamey Sheridan), mit dem sie zwei Söhne hat, kümmert sich kaum um die beiden, und schon gar nicht um Sam.
George beschließt, die letzten Monate seines Lebens zu nutzen, um einen Traum zu verwirklichen. Er will das alte, verfallene Haus am Meer, in dem er lebt und das er von seinen Eltern geerbt hat, abreißen und sein Traumhaus dort errichten. Er pumpt sich mit Schmerzmitteln voll und geht an die Arbeit. Dabei denkt er in erster Linie allerdings nicht an sich, sondern an seinen Sohn. Er zwingt Sam, die Sommerferien bei ihm zu verbringen, um gemeinsam das Haus abzureißen und das neue zu bauen. Sam trotzt, hasst seinen Vater, will abhauen. Aber George lässt nicht locker. Mit Hilfe der Nachbarin Colleen (Mary Steenburgen) und vor allem ihrer Tochter Alyssa (Jena Malone) geht die Arbeit voran. Und Robin, die George und Sam zunächst nur jeden Tag Essen bringt, kommt eines Tages mit ihren beiden Söhnen, um beim Hausbau zu helfen. Noch weiß niemand, dass George todkrank ist ...
Inszenierung
Ich gestehe: Ich habe geheult. Nicht nur am Schluss, sondern immer wieder während der zweiten Hälfte des Films. Eines ist jedenfalls (noch immer) sicher. Hollywood ist in der Lage, tränen- und segensreiche Filme zu produzieren. Hollywood weiß, was Herzen wünschen. Es kommt eigentlich nur noch darauf an, ob Warner & Co. geschickt, technisch brillant und einigermaßen überzeugend arbeiten oder mehr im Stile von Seifenopern inszenieren.
Ebenso eindeutig ist: »Life as a House« reiht sich ein in die Serie amerikanischer Dramen, denen es um die Bedeutung von Familie und sozialem Zusammenhang in einem spezifisch amerikanischen Sinn geht. Das muss nicht negativ sein, wie zuletzt etwa »In the Bedroom« bewiesen hat. Allerdings bedienen Regisseur Irwin Winkler und Drehbuchautor Mark Andrus das Bedürfnis nach Zusammenhang und Geborgenheit mit einer Geschichte, die an vielen Punkten unglaubwürdig ist. Dass ein an Krebs erkrankter Mann, der nur noch wenige Monate zu leben hat, in der Lage sein soll, ausgerechnet ein Haus zu bauen, ist äußerst zweifelhaft. George nimmt ausschließlich starke Schmerzmittel und rackert – trotz seines körperlichen Verfalls – wie ein Bär. Dass George dann auch noch innerhalb eines Vierteljahres die familiären Probleme löst, besonders das Verhältnis zu seinem Sohn klärt und die Liebe seiner Ex-Frau zurückgewinnt – wer’s glaubt, wird selig. Also doch Seifenoper?
Ja, »Life as a House« hat etwas von Seifenoper. Die Charaktere sämtlicher Personen sind innerhalb der ersten halben Stunde des Films abgeklärt. Zudem weiß man, wohin der Zug fährt: George wird es schaffen. Als er stirbt, ist das Haus zwar nicht ganz fertig, aber alles andere ist geregelt, einschließlich der Familienchronik: George reagiert nämlich zugleich den Hass auf seinen (trotzdem geliebten) Vater ab, als er, später dann mit Sam, das alte Haus zertrümmert. Und das Ende des Films hält eine besonders seifenopernartige – Pointe, könnte man fast sagen, bereit. Zudem erscheinen die Informationen, die das Drehbuch dem Publikum über die Vergangenheit von George liefert, wie die klassischen Situationen aus der Einführung in die Psychologie für Erstsemester.
So – und trotzdem habe ich geheult! Bin ich auf diese ja nun gar nicht so geschickte, sondern zumeist allzu offensichtliche Mainstream-Inszenierung hereingefallen? Das würde ich natürlich nie zugeben, und deshalb muss mein Weinen andere Ursachen haben. Basta!
Erstens. Die Metapher vom Hausbau ist wahrlich nicht neu, aber nichtsdestotrotz deshalb kein Klischee. Der Künstler Werner Pokorny zum Beispiel beschäftigt sich seit Jahren in einem Teil seiner Arbeiten immer wieder mit dem Haus als Sinnbild für Heim, Schutz, Zusammenhang, Sinnstiftung usw. Ich liebe seine Arbeiten.
Zweitens. »Das Haus am Meer« verkündet Familiensinn. Der Film bedient entsprechende Bedürfnisse. Wenn das schon falsch sein soll, dann wären auch die entsprechenden Bedürfnisse »falsch«. Das sind sie aber nicht. Und vor allem: Winkler bedient diese Bedürfnisse, weniger eine spezielle US-amerikanische Familienideologie, wie sie aus unzähligen TV-Serien und auch Kinofilmen bekannt ist. Die »Familie«, um die es hier geht, ist viel größer als die klassische »Kernfamilie«. Es geht nicht nur um George, Sam und Robin. Es geht um Peter, den neuen Mann Robins, deren Kinder und last but not least um Colleen, Alyssa und Josh. Es geht, um es einmal so auszudrücken, um Trennungsprozesse, die zugleich auch immer Prozesse der Herstellung neuer Zusammenhänge darstellen.
Drittens: Wäre der Film nicht mit Kevin Kline, Kristin Scott Thomas und Hayden Christensen, sondern mit mittelmäßigen Schauspielern besetzt worden, wäre er eine heillose Katastrophe geworden. Will sagen: Durch die darstellerischen Leistungen besonders dieser drei Mimen, aber auch Jena Malones und Mary Steenburgens erlaubt »Life as a House« dem Zuschauer Identifizierung und Identitätsstiftung. Kristin Scott Thomas »ist« Robin Kimball. Sie vermag die Ambivalenzen der Robin überzeugend zu vermitteln. Kevin Kline »ist« George und kämpft sich in dieser Rolle bis zum Tod durch mit einem festen Willen, einiges in seinem Leben zu heilen, vor allem das Verhältnis zu seinem Sohn zu klären. Und auch Hayden Christensen spielt um einiges überzeugender als in der letzten Episode von »Star Wars«. Durch diese darstellerischen Leistungen bleibt die Essenz der erzählten Geschichte trotz der Unglaubwürdigkeit und Undifferenziertheit des Drehbuchs erhalten.
Gerade in einigen Szenen zwischen Vater und Sohn vermögen Andrus Drehbuch und Winklers Inszenierung dann eben doch zu überzeugen. George ist durch den nahen Tod unter Zeitdruck, aber er setzt sich nicht unter verzweifelnden Druck, weil er weiß, dass er dadurch nichts erreichen wird. Er erkennt, das sein Leben gescheitert ist, an vielen Punkten, dass selbst die Liebe zu Robin und ihre wiederentdeckte Liebe zu ihm keine Zukunft mehr hat. Er weiß auch, dass er erneut scheitern könnte: Es gibt keine Sicherheit, dass er das Vertrauen und die Zuneigung Sams tatsächlich erreicht. In dieser Hinsicht spielt Kline sozusagen »gegen« das Drehbuch. Er setzt es an dem Punkt außer Kraft, wo es das Ende der Geschichte (Haus gebaut, Versöhnung geglückt) vorausnimmt. Kline gelingt dies durch eine erstaunliche Identifizierung mit seiner Rolle, durch Humor, Gelassenheit, Selbstvertrauen, die nicht gespielt erscheinen, obwohl sie gespielt sind. Die Schauspieler »retten« den Film über seine genannten Schwächen hinweg – zumindest, so weit das möglich ist.
Deshalb habe ich geweint, und vor allem: weinen können! Nun weiß man, dass Filme sehr unterschiedlich aufgenommen werden, dass von Erfahrungshorizonten des eigenen Lebens bis hin zu Tagesstimmungen abhängig ist, wie ein Film »ankommt«, mal unabhängig von »logistischen« und handwerklichen Schwächen. Insofern wirkt ein Film wie »Das Haus am Meer« vielleicht auch generationenspezifisch. Ich konnte jedenfalls – trotz aller Mängel – mit Kline »warm werden«. Er spielt eine Identifikationsfigur, jedenfalls für Menschen, die einen irgendwie ähnlichen Erfahrungshorizont haben mögen.
Fazit
Selbstverständlich ist auch dieser Film »am Reißbrett entworfen« – wo denn bitte schön sonst? Kennt jemand einen Film, der nicht konstruiert ist? Das gilt selbst für Dokumentarfilme. Die einzige Frage ist, ob er gut oder schlecht konstruiert ist, ob er wirkliche Gefühle glaubhaft bedienen kann oder nicht, ob er dramaturgisch und schauspielerisch, handwerklich gut produziert ist oder nicht. »Life as a House« hinterlässt in diesem Sinn einen zwiespältigen Eindruck. Wie gesagt: Kline, Scott Thomas und Christensen retten den Streifen vor dem totalen Abgleiten in TV-Familienkitsch. Und die Stärke des Drehbuchs liegt zumindest darin, dass es keinen billigen Aufguss (nicht nur) amerikanischer Familienideologie darstellt. Immerhin. Hätten sich die Produzenten entscheiden können, auch in der Story und der Psychologie glaubhaft zu sein, hätte ein bravouröser Film daraus werden können.
(1) Zitate aus www.angelaufen.de
Das Haus am Meer
(Life as a House)
USA 2001, 125 Minuten
Regie: Irwin Winkler
Drehbuch: Mark Andrus
Musik: Mark Isham
Kamera: Vilmos Zsigmond
Schnitt: Julie Monroe
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Kevin Kline (George Monroe), Kristin Scott Thomas (Robin Kimball), Hayden Christensen (Sam Monroe), Jena Malone (Alyssa Beck), Mary Steenburgen (Colleen Beck), Mike Weinberg (Adam Kimball), Scotty Leavenworth (Ryan Kimball), Ian Somerhalder (Josh), Jamey Sheridan (Peter Kimball), Scott Bakula (Officer Kurt Walker)
Offizielle Homepage: http://www.warnerbros.de/movies/lifeasahouse/
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0264796
Weitere Filmkritik in »Chicago Sun-Times« (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2001/10/102607.html
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-08 08:14:50 mit dem Titel Zwischen Soap Opera und Ernsthaftigkeit
Selten in letzter Zeit habe ich erlebt, dass ein Film derart verrissen wurde wie »Life as a House«. »Der Hausbau als Gleichnis für die wachsende Vater-Sohn-Beziehung – schon die Grundidee ist platt. Und sie ist nur eines von vielen Klischees, die uns mit aller Macht ein paar Tränchen entlocken sollen«, schreibt TV-Movie. »Blickpunkt: Film« schlägt in die gleiche Kerbe und hält den Film schlicht für »tränenselig«. Der »Schnitt« allerdings sieht in »Das Haus am Meer« das »Paradoxon eines am Reißbrett entworfenen Films über bleibende immaterielle Werte, der funktioniert«, der »sowohl unterhaltsamer als auch intelligenter als die letzten zehn europäischen Autorenfilme« sei. Der »Tagesspiegel« wiederum regt sich auf, dass sich die meisten Probleme »in Wohlgefallen« auflösen, »als hätte sie ein Architekt locker auf sein Reißbrett gepinnt« – »typisch amerikanisch«. Den Gipfel des Verrisses aber erklimmt (ausgerechnet) die »Welt«: »Es wäre der ideale Werbefilm für 50 Jahre Baden-Württemberg geworden. Zumindest für des Schwaben liebstes Motto: Schaffe, schaffe, Häusle baue.« (1)
Inhalt
George Monroe (Kevin Kline) hat es nie zum »richtigen« Architekten gebracht. Statt dessen baut er seit 20 Jahren maßstabsgetreue Hausmodelle für ein Architekturbüro. Da er sich allerdings vehement weigert, mit einem Computer zu arbeiten, um Modelle schneller und effektiver herzustellen, verkündet ihm sein Vorgesetzter eines Tages seine Entlassung. Monroe bleibt zunächst gelassen; schließlich habe er seine Arbeit immer gehasst. Doch in Wirklichkeit sieht er in seiner Kündigung den Schlussakkord auf ein gescheitertes Leben. Er zertrümmert sämtliche Modelle, die er für die Firma je gefertigt hat, bis auf eines, das er mitnimmt. Als er das Gebäude verlässt bricht er bewusstlos zusammen. Die Ärzte stellen fest, dass Monroe unheilbar an Krebs erkrankt ist und nur noch einige Monate zu leben hat.
George lebt in einem heruntergekommenen Haus am Meer, ist seit zehn Jahren von Robin (Kristin Scott Thomas) geschieden, hat einen Sohn, Sam (Hayden Christensen), der sich in eine totale Verweigerungshaltung zurückgezogen hat, Drogen nimmt, sein Gesicht schwarz anmalt und seine Haare blau färbt, Klebstoff schnüffelt. Sein Schulfreund Josh (Ian Somerhalder) versucht Sam obendrein davon zu überzeugen, als Prostituierter für gut zahlende Freier zu arbeiten.
Keiner wird mit Sam fertig; er ist das schwarze Schaf der Familie. Robins neuer Ehemann Peter (Jamey Sheridan), mit dem sie zwei Söhne hat, kümmert sich kaum um die beiden, und schon gar nicht um Sam.
George beschließt, die letzten Monate seines Lebens zu nutzen, um einen Traum zu verwirklichen. Er will das alte, verfallene Haus am Meer, in dem er lebt und das er von seinen Eltern geerbt hat, abreißen und sein Traumhaus dort errichten. Er pumpt sich mit Schmerzmitteln voll und geht an die Arbeit. Dabei denkt er in erster Linie allerdings nicht an sich, sondern an seinen Sohn. Er zwingt Sam, die Sommerferien bei ihm zu verbringen, um gemeinsam das Haus abzureißen und das neue zu bauen. Sam trotzt, hasst seinen Vater, will abhauen. Aber George lässt nicht locker. Mit Hilfe der Nachbarin Colleen (Mary Steenburgen) und vor allem ihrer Tochter Alyssa (Jena Malone) geht die Arbeit voran. Und Robin, die George und Sam zunächst nur jeden Tag Essen bringt, kommt eines Tages mit ihren beiden Söhnen, um beim Hausbau zu helfen. Noch weiß niemand, dass George todkrank ist ...
Inszenierung
Ich gestehe: Ich habe geheult. Nicht nur am Schluss, sondern immer wieder während der zweiten Hälfte des Films. Eines ist jedenfalls (noch immer) sicher. Hollywood ist in der Lage, tränen- und segensreiche Filme zu produzieren. Hollywood weiß, was Herzen wünschen. Es kommt eigentlich nur noch darauf an, ob Warner & Co. geschickt, technisch brillant und einigermaßen überzeugend arbeiten oder mehr im Stile von Seifenopern inszenieren.
Ebenso eindeutig ist: »Life as a House« reiht sich ein in die Serie amerikanischer Dramen, denen es um die Bedeutung von Familie und sozialem Zusammenhang in einem spezifisch amerikanischen Sinn geht. Das muss nicht negativ sein, wie zuletzt etwa »In the Bedroom« bewiesen hat. Allerdings bedienen Regisseur Irwin Winkler und Drehbuchautor Mark Andrus das Bedürfnis nach Zusammenhang und Geborgenheit mit einer Geschichte, die an vielen Punkten unglaubwürdig ist. Dass ein an Krebs erkrankter Mann, der nur noch wenige Monate zu leben hat, in der Lage sein soll, ausgerechnet ein Haus zu bauen, ist äußerst zweifelhaft. George nimmt ausschließlich starke Schmerzmittel und rackert – trotz seines körperlichen Verfalls – wie ein Bär. Dass George dann auch noch innerhalb eines Vierteljahres die familiären Probleme löst, besonders das Verhältnis zu seinem Sohn klärt und die Liebe seiner Ex-Frau zurückgewinnt – wer’s glaubt, wird selig. Also doch Seifenoper?
Ja, »Life as a House« hat etwas von Seifenoper. Die Charaktere sämtlicher Personen sind innerhalb der ersten halben Stunde des Films abgeklärt. Zudem weiß man, wohin der Zug fährt: George wird es schaffen. Als er stirbt, ist das Haus zwar nicht ganz fertig, aber alles andere ist geregelt, einschließlich der Familienchronik: George reagiert nämlich zugleich den Hass auf seinen (trotzdem geliebten) Vater ab, als er, später dann mit Sam, das alte Haus zertrümmert. Und das Ende des Films hält eine besonders seifenopernartige – Pointe, könnte man fast sagen, bereit. Zudem erscheinen die Informationen, die das Drehbuch dem Publikum über die Vergangenheit von George liefert, wie die klassischen Situationen aus der Einführung in die Psychologie für Erstsemester.
So – und trotzdem habe ich geheult! Bin ich auf diese ja nun gar nicht so geschickte, sondern zumeist allzu offensichtliche Mainstream-Inszenierung hereingefallen? Das würde ich natürlich nie zugeben, und deshalb muss mein Weinen andere Ursachen haben. Basta!
Erstens. Die Metapher vom Hausbau ist wahrlich nicht neu, aber nichtsdestotrotz deshalb kein Klischee. Der Künstler Werner Pokorny zum Beispiel beschäftigt sich seit Jahren in einem Teil seiner Arbeiten immer wieder mit dem Haus als Sinnbild für Heim, Schutz, Zusammenhang, Sinnstiftung usw. Ich liebe seine Arbeiten.
Zweitens. »Das Haus am Meer« verkündet Familiensinn. Der Film bedient entsprechende Bedürfnisse. Wenn das schon falsch sein soll, dann wären auch die entsprechenden Bedürfnisse »falsch«. Das sind sie aber nicht. Und vor allem: Winkler bedient diese Bedürfnisse, weniger eine spezielle US-amerikanische Familienideologie, wie sie aus unzähligen TV-Serien und auch Kinofilmen bekannt ist. Die »Familie«, um die es hier geht, ist viel größer als die klassische »Kernfamilie«. Es geht nicht nur um George, Sam und Robin. Es geht um Peter, den neuen Mann Robins, deren Kinder und last but not least um Colleen, Alyssa und Josh. Es geht, um es einmal so auszudrücken, um Trennungsprozesse, die zugleich auch immer Prozesse der Herstellung neuer Zusammenhänge darstellen.
Drittens: Wäre der Film nicht mit Kevin Kline, Kristin Scott Thomas und Hayden Christensen, sondern mit mittelmäßigen Schauspielern besetzt worden, wäre er eine heillose Katastrophe geworden. Will sagen: Durch die darstellerischen Leistungen besonders dieser drei Mimen, aber auch Jena Malones und Mary Steenburgens erlaubt »Life as a House« dem Zuschauer Identifizierung und Identitätsstiftung. Kristin Scott Thomas »ist« Robin Kimball. Sie vermag die Ambivalenzen der Robin überzeugend zu vermitteln. Kevin Kline »ist« George und kämpft sich in dieser Rolle bis zum Tod durch mit einem festen Willen, einiges in seinem Leben zu heilen, vor allem das Verhältnis zu seinem Sohn zu klären. Und auch Hayden Christensen spielt um einiges überzeugender als in der letzten Episode von »Star Wars«. Durch diese darstellerischen Leistungen bleibt die Essenz der erzählten Geschichte trotz der Unglaubwürdigkeit und Undifferenziertheit des Drehbuchs erhalten.
Gerade in einigen Szenen zwischen Vater und Sohn vermögen Andrus Drehbuch und Winklers Inszenierung dann eben doch zu überzeugen. George ist durch den nahen Tod unter Zeitdruck, aber er setzt sich nicht unter verzweifelnden Druck, weil er weiß, dass er dadurch nichts erreichen wird. Er erkennt, das sein Leben gescheitert ist, an vielen Punkten, dass selbst die Liebe zu Robin und ihre wiederentdeckte Liebe zu ihm keine Zukunft mehr hat. Er weiß auch, dass er erneut scheitern könnte: Es gibt keine Sicherheit, dass er das Vertrauen und die Zuneigung Sams tatsächlich erreicht. In dieser Hinsicht spielt Kline sozusagen »gegen« das Drehbuch. Er setzt es an dem Punkt außer Kraft, wo es das Ende der Geschichte (Haus gebaut, Versöhnung geglückt) vorausnimmt. Kline gelingt dies durch eine erstaunliche Identifizierung mit seiner Rolle, durch Humor, Gelassenheit, Selbstvertrauen, die nicht gespielt erscheinen, obwohl sie gespielt sind. Die Schauspieler »retten« den Film über seine genannten Schwächen hinweg – zumindest, so weit das möglich ist.
Deshalb habe ich geweint, und vor allem: weinen können! Nun weiß man, dass Filme sehr unterschiedlich aufgenommen werden, dass von Erfahrungshorizonten des eigenen Lebens bis hin zu Tagesstimmungen abhängig ist, wie ein Film »ankommt«, mal unabhängig von »logistischen« und handwerklichen Schwächen. Insofern wirkt ein Film wie »Das Haus am Meer« vielleicht auch generationenspezifisch. Ich konnte jedenfalls – trotz aller Mängel – mit Kline »warm werden«. Er spielt eine Identifikationsfigur, jedenfalls für Menschen, die einen irgendwie ähnlichen Erfahrungshorizont haben mögen.
Fazit
Selbstverständlich ist auch dieser Film »am Reißbrett entworfen« – wo denn bitte schön sonst? Kennt jemand einen Film, der nicht konstruiert ist? Das gilt selbst für Dokumentarfilme. Die einzige Frage ist, ob er gut oder schlecht konstruiert ist, ob er wirkliche Gefühle glaubhaft bedienen kann oder nicht, ob er dramaturgisch und schauspielerisch, handwerklich gut produziert ist oder nicht. »Life as a House« hinterlässt in diesem Sinn einen zwiespältigen Eindruck. Wie gesagt: Kline, Scott Thomas und Christensen retten den Streifen vor dem totalen Abgleiten in TV-Familienkitsch. Und die Stärke des Drehbuchs liegt zumindest darin, dass es keinen billigen Aufguss (nicht nur) amerikanischer Familienideologie darstellt. Immerhin. Hätten sich die Produzenten entscheiden können, auch in der Story und der Psychologie glaubhaft zu sein, hätte ein bravouröser Film daraus werden können.
(1) Zitate aus www.angelaufen.de
Das Haus am Meer
(Life as a House)
USA 2001, 125 Minuten
Regie: Irwin Winkler
Drehbuch: Mark Andrus
Musik: Mark Isham
Kamera: Vilmos Zsigmond
Schnitt: Julie Monroe
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Kevin Kline (George Monroe), Kristin Scott Thomas (Robin Kimball), Hayden Christensen (Sam Monroe), Jena Malone (Alyssa Beck), Mary Steenburgen (Colleen Beck), Mike Weinberg (Adam Kimball), Scotty Leavenworth (Ryan Kimball), Ian Somerhalder (Josh), Jamey Sheridan (Peter Kimball), Scott Bakula (Officer Kurt Walker)
Offizielle Homepage: http://www.warnerbros.de/movies/lifeasahouse/
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0264796
Weitere Filmkritik in »Chicago Sun-Times« (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2001/10/102607.html
© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole) weiterlesen schließen
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