Pro:
gefühlvoll - schöne Bilder - gute Darsteller
Kontra:
für einige vielleicht Kitsch
Empfehlung:
Ja
Nachdem ich heute schon zweimal den Versuch gemacht habe, einen Bericht zu schreiben - und jedes Mal feststellen musste, das dieses Produkt im Katalog noch gar nicht existiert (keine Angst, die Berichte kommen, sobald die Vorschläge angenommen sind) habe ich mich jetzt entschieden, über einen älteren Film zu schreiben.
*** DEM HIMMEL SO NAH ***
Wieder mal eine ertauschte DVD, auf die ich mich auf gut Glück eingelassen habe. Umso gespannter war ich vorgestern, als ich diese DVD in meinen DVD-Player gelegt habe. Mal sehen, wie mir der Film gefällt. Aber zuerst möchte ich euch ein wenig vom
*** INHALT ***
verraten.
Italien, Mitte der 40er Jahre. Paul Sutton kommt aus dem Krieg zurück zu seiner jungen Frau, die er überstürzt geheiratet hat, ohne sie wirklich zu kennen. Er hat ihr jeden Tag Briefe geschickt, in denen er von seinen Träumen erzählt, sich nach dem Krieg ein neues Leben aufzubauen. Doch dann ist alles ganz anders: seine junge Frau hat die Briefe fast alle nicht einmal gelesen. Sie ist nicht einmal auf seine Rückkehr vorbereitet, als er plötzlich vor der Tür steht.
Paul ist ernüchtert und noch in der selben Nacht bricht er wieder auf, um erst einmal zu sich selbst zu finden. Unterwegs trifft er auf Victoria Aragorn. Die junge Frau ist auf den Weg zurück nach Hause, zu einem Weingut, auf dem ihre Familie schon seit Generationen lebt. Victoria sehnt sich nach ihrer Familie, hat aber trotzdem Angst vor der Rückkehr, denn sie ist schwanger von einem Mann, der sich letztlich hat sitzen lassen.
Victoria weiß, das ihr Vater das nie verstehen wird. Paul ist gerührt von ihrer Angst und bietet sich an, ihren Ehemann zu spielen - für einen Tag nur - dann will er sie heimlich verlassen, so das ihr Vater nur noch auf ihn, aber nicht mehr auf Victoria wütend sein kann.
Die erste Konfrontation zwischen Victorias Vater und Paul findet sofort nach ihrer Ankunft statt - ihr Vater ist empört, das sie einfach so hinter seinem Rücken geheiratet hat. Instinktiv spürt er, das etwas mit dieser "Ehe" nicht stimmt. Der Rest der Familie nimmt Paul mit mehr oder weniger offenen Armen auf.
Als Paul am nächsten Morgen davon schleichen will, muss er erkennen, dass das nicht so einfach sein wird, wie er sich das vorgestellt hat ...
So, mehr werde ich zum Inhalt des Films hier nicht verraten, aber natürlich kommen jetzt wir immer meine
*** GEDANKEN ***
die ich mir um diesen Film gemacht habe.
Ihr werdet es vielleicht schon an der Inhaltsangabe gemerkt haben: es ist ein ziemlich ruhiger Film. Eine schöne Geschichte, vielleicht nicht ganz realistisch, aber sehr gefühlvoll erzählt. Man kann durchaus ein wenig Humor entdecken, sollte aber nicht erwarten, das er im Vordergrund der Geschichte steht.
Die Liebe kommt natürlich nicht zu kurz - und obwohl die Liebesgeschichte sehr vorhersehbar ist und auf dem ersten Blick sehr unrealistisch und fast kitschig wirkt, ist sie einfach schön anzusehen. Obwohl der Film nicht unbedingt spannend zu nennen ist, fiebert man trotzdem mit beiden Liebenden mit.
Es gibt immer wieder Stellen im Film, die man durchaus als Dramatik bezeichnen könnte: z.B. als in der Nacht unverhofft Frost aufkommt und die Weinlese in Gefahr ist. Trotzdem wird die Dramatik hier nicht actionmäßig aufgearbeitet, sondern wiederum sehr gefühlvoll. Die Bilder, wie versucht wird, künstlich Wärme zu schaffen und auf die Pflanzen zu wedeln, damit sie diese eine Nacht bis zur Ernte noch unbeschadet überstehen ist für mich eine der schönsten Szenen in Film.
Eigentlich gibt es im ganzen Film nur eine Stelle die echte Dramatik rüberbringt, eine Szene kurz vor dem Ende des Films (wer den Film kennt wird wissen, wo von ich rede - alle anderen sollten sich lieber den Film ansehen, um es zu erfahren, ich möchte hier jedenfalls keine Details verraten). Diese Szene ist recht kurz, aber im Vergleich zu dem Rest des Films wirklich actionreich. Obwohl diese Szene sich vom Rest des Films wirklich stark abhebt, stört sie aber nicht - sie bildet einfach eine Art Höhepunkt kurz vor dem dann wieder recht gefühlvollen Ende.
Ich frage mich, ob man diesen Film als Kitsch bezeichnen sollte?! Von der Story her geht er sicher nur knapp dran vorbei - von der Umsetzung her gibt es durchaus einige Szenen, die ich als Kitsch ansehe. Trotzdem kann ich das Ganze jetzt nicht negativ sehen (obwohl ich echten Kitsch eigentlich eher weniger mag), weil die ganze Umsetzung einfach passt. Die Story, die Bilder, die Musik - das alles bildet einen sehr gefühlvollen, aber schönen Film!
Beitragen zu diesem Eindruck tun sicher nicht zuletzt die
*** SCHAUSPIELER ***
An erster Stelle muss man wohl Keanu Reeves nennen, der die Rolle des Paul Sutton spielt. Besser kann man diese Rolle kaum umsetzen. Der Soldat, der aus dem Krieg kommt und erkennen muss, das die Frau, von der er während dieser unerträglichen Zeit geträumt hat, gar nicht die ist, die er sich vorgestellt hat. Diese Desillusion, als er mit seinem Pralinenkoffer (er ist Pralinenverkäufer) loszieht. Seine erste Begegnung mit Victoria, dieses Kribbeln zwischen beiden, das von als Zuschauer von Beginn an spürt. Sein Leben auf dem Weingut, seine erwachende Liebe zu Victoria und wie er sich dagegen wehrt, denn es darf nicht sein. Schließlich ist er ja verheiratet! ... Das alles nimmt man ihm einfach ab, es ist als wenn er nicht nur eine Rolle spielt, sondern zu Paul Sutton wird.
Dann ist da Aitania Sanches-Gijon die seinen "Gegenpart" spielt, nämlich Victoria. Auch hier kann man einfach nicht zu meckern finden. Ihre Verzweifelung zu Anfang des Films, als sie sich nicht nach Hause traut - ihre Annäherung an Paul, die sie nicht zulassen will. Aber auch ihre Liebe zu ihrem Vater, der sie scheinbar nicht lieben kann. Ihre Lebensfreude, die sie ausströmt, wenn sie ihre Sorgen mal vergessen kann ... herrlich umgesetzt!
Namentlich erwähnen sollte man auf jeden Fall Anthony Quinn, der den Großvater von Victoria spielt. Eine kleinere Rolle, aber eine von denen, die mir am besten gefallen haben (obwohl - schlecht war eigentlich gar keine Besetzung!!!) Aber hier hat man das Gefühl, Anthony Quinn ist diese Rolle wie auf den Leib geschrieben - da stimmt wirklich jede kleine Geste, jede Mimik, jedes Wort.
Weitere Namen im Film: Giancarlo Giannini (Alberto Aragon, Victorias Vater), Angelica Aragon (Marie José Aragon, Victorias Mutter), Freddy Rodriguez (Pedro Aragon jr., Victorias Bruder) ... Namen, die bei uns wohl eher unbekannt sind, die sich aber in diesem Film nicht verstecken müssen!
*** FAKTEN ZUM FILM und ZUR DVD ***
Dieser Film wurde 1995 in den USA gedreht.
Regie: Alfonso Arau, der schon früher mit dem Film "Bittersüße Schokolade" von sich reden machte.
Lauflänge: ca. 100 Minuten
FSK: ab 6 Jahre - na ja, im Grunde kann man dagegen nichts einwenden. Allerdings denke ich nicht, das Kinder an diesem Film Gefallen finden werden! Er ist eindeutig auf Erwachsene zugeschnitten, die kein Problem mit einem romantischen Film ohne größeren Anspruch haben.
DVD:
Sprachen: englisch, deutsch, spanisch
Untertitel: englisch, deutsch, spanisch
Ton: dolby digital
Bild: 16:9
Weder an Sprache noch am Bild kann man meckern. Kein Flimmern, kein Rauschen, keine Aussetzer. Hier hat man gute DVD Qualität für den Normalverbraucher ohne allzu große Ansprüche.
Was mich ein wenig ärgert ist die Extra-Ausstattung, denn die ist wieder mal traurig geraten. Man findet den original Kinotrailer und eine Featurette, die (in englisch, mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln) einige Informationen zum Film liefert. Viel ist das allerdings wirklich nicht - da hätte man doch ein wenig mehr bringen können.
Entschädigen tut allerdings der aktuelle Preis der DVD, der bei ca. 8,--Euro Neupreis liegt, gebraucht schon wesentlich weniger.
*** MEIN FAZIT ***
Für mich ein wunderschöner Film - allerdings muss man bereit sein, sich auf ein wenig Kitsch (nicht negativ gemeint) und viel Gefühl einzulassen. Hier geht es nicht um Realismus und Anspruch, hier geht es einfach um gute Unterhaltung!
@ Prisca - Januar 2006 - ich schreibe für Ciao und Yopi weiterlesen schließen
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