Pro:
Daniel Day-Lewis, Spannung, Dramatik, Score, Kamera,
Kontra:
teilweise zu viel Pathos, Humorlosigkeit vor allem bedingt durch Kürzungen gegenüber der Vorlage, einige Figuren wie z.B. Uncas und Alice verkommen zu Statisten
Empfehlung:
Ja
Fünf legendäre Erzählungen schrieb James Fenimore Cooper um seinen Helden Nathaniel Bumppo, auch „Hawkeye“ (also „Falkenauge“), „Lederstrumpf“ oder „Lange Büchse“ genannt, doch erstaunlicherweise wurde fast immer die zweite Erzählung „Der letzte Mohikaner“ zur Grundlage von Verfilmungen (von wenigen Ausnahmen abgesehen) seines Stoffes. So auch die bis heute letzte Kinoverfilmung von Regisseur Michael Mann („Heat“, „The Insider“, „Ali“).
Es ist die Mitte des 18. Jahrhunderts. In Amerika tobt der schreckliche Kolonialkrieg zwischen den Engländern und den Franzosen. Der weiße Wildtöter Nathaniel (Daniel Day-Lewis), der im Alter von zwei Jahren von dem Indianer Chingachgook (Russell Means) adoptiert wurde, will sich wie sein Adoptivvater und dessen leiblicher Sohn Uncas (Eric Schweig) aus dem Krieg heraushalten. Doch es kommt anders als geplant.
Sie bekommen mit, wie der indianische Scout Magua (Wes Studi) versucht die Offizierstöchter Cora (Madeleine Stowe) und Alice (Jodhi May) Munro sowie deren Beschützer Major Duncan Heyward (Steven Waddington) zu ermorden. Vorher hatte Magua sich ihr Vertrauen erschlichen. Nathaniel und seine beiden Begleiter können die Frauen und Heyward retten und beschließen die drei zum Fort zu führen, wo Colonel Munro (Maurice Roeves), der Vater von Cora und Alice, ist. Doch sie wissen nicht, dass dort ein unerbittlicher Krieg tobt, in dessen Mittelpunkt sie nun gezogen werden. Und auf ihren Fersen ist immer noch Magua.
Michael Manns „Der letzte Mohikaner“ ist über weite Strecken ein Film, wie man sich einen Western vorstellt. In höchstem Maße pathetisch mit richtigen Helden im Mittelpunkt, die bereit sind ihr Leben zu opfern um Schwächere zu retten. Unterstrichen wird der Pathos noch durch den gelungen Score von Randy Edelmann und Trevor Jones. Und obwohl Manns Film teilweise vor Pathos bis zur Unerträglichkeit trieft, funktioniert der Film über weite Strecken.
Was vor allem in der im Mittelpunkt des Films sehr gut zum Tragen kommenden Entglorifizierung der typischen Westernromantik begründet liegt. Im Gegensatz zu vielen Western, die damalige Zeit romantisieren, sie als „Spielplatz“ von glorreichen Helden zeigen, so dass man sich in seinen kühnsten Träumen wünscht, auch dort gewesen zu sein, zeigt Mann, dass der wilde Westen nicht das schöne traumhafte Land war, als welches es oft geschildert wird.
Er zeigt wie Siedler, die heldenhaft für den englischen König kämpfen wollen, dafür ihre Familien opfern wollen. Es wird erwähnt, dass diese Siedler nur im unsicheren Grenzland leben, um frei zu sein. Es wird gezeigt, dass dieser Drang nach Freiheit verbunden ist mit der Todesgefahr und das viele sterben und nur wenige überleben. Und die Sterbenden sind ebenso Helden wie die Überlebenden. Auch wenn dieser Aspekt des Films gegen Ende wieder nahezu aufgegeben wird, und Manns Western dann wieder deutlich die typischen Genreklischees benutzt und ausreizt, reicht dieser Teil um den Film etwas von zahlreichen anderen Western abzuheben.
Außerdem verstand es Mann gemeinsam mit den Score-Komponisten und seinem Kameramann Dante Spinotti die Geschichte in spannende und bewegende Bilder und Töne umzusetzen, so wie es sich für das Genre gehört.
Trotzdem muss man Kritik üben. Diese betrifft vor allem Manns Umgang mit der Vorlage. Man kann den Kritikern des Film-Dienstes nur zustimmen, wenn man dem Streifen unterstellt „erstaunlich humorlos“ zu sein. Mann ging viel zu „bierernst“ an den Stoff ran. Dies zeigt sich schon in der Streichung der Rolle des Psalmpredigers David Gamut, dem im Buch schon allein für die Beschreibung seiner grotesken äußerlichen Gestalt viel Platz gewidmet wird, und der Coopers Vorlage einen ironischen Touch gibt, der dem Film ebenfalls gut gestanden hätte.
Ebenfalls gibt Mann seinen Figuren viel zu wenig Platz gerade im Verhältnis zur Geschichte. Einzig und allein Nathaniel und Cora Munroe wird ausreichend Platz gewidmet, wobei auch hier die Entwicklung der Liebesbeziehung arg gekürzt wurde und dadurch etwas plötzlich kommt. In Ansätzen werden die Motive von Magua und dessen Figur noch gut gezeichnet. Aber vor allem die Beziehung von Uncas zu Alice und diese beiden Rollen, die im Buch eine enorme Bedeutung haben, rückt völlig an den Rand. Alice wird als naives, kleines Mädchen geschildert und nicht wie im Buch als leicht Verrückte, was der Grund für Uncas Liebe zu ihr ist, die im Film nur in Ansätzen zu sehen ist. Uncas und dessen Bedeutung für seinen Vater als letzter seines Volkes findet so gut wie gar keinen Platz. Schade ist doch gerade diese Beziehung eines der zentralen Punkte des Buches.
F A Z I T
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Michael Mann hat bewiesen, dass er ein großartiger und oftmals unkonventioneller Regisseur ist. Hier ist er dagegen zu konventionell vorgegangen, verfängt sich teilweise zu stark in genretypischen Handlungs- und Erzählmustern und weicht vor allem in einigen Punkten zu stark von der Vorlage ab. Trotz dieser Kritikpunkt und der Humorlosigkeit, welche man dem Werk unterstellen kann, fast sogar muss, ist der Film sehenswert. Grund hierfür ist die bewegende und spannende Gesamtumsetzung, welche die Schwächen weitestgehend kaschieren kann, sofern man es schafft sich als Kenner der Vorlage von dieser zu lösen. Sieben von zehn Punkten!
Hinweis: Die bisherigen Free-TV-Ausstrahlungen um 20.15 Uhr waren allesamt beträchtlich gekürzt, was an der Altersfreigabe von 16 liegt!
D A T E N
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Titel Deutschland: Der letzte Mohikaner
Originaltitel: The Last of the Mohicans
Genre: Western
USA 1993, FSK 16, Laufzeit: 112 Minuten
Darsteller: Daniel Day-Lewis (Hawkeye), Madeleine Stowe (Cora), Russell Means (Chingachgook), Eric Schweig (Uncas), Jodhi May (Alice), Steven Waddington (Major Duncan Heyward), Wes Studi (Magua), Patrice Chéreau (General Montcalm) Edward Blatchford (Jack Winthrop), Terry Kinney (John Cameron), Tracey Ellis (Alexandra Cameron), Justin M. Rice (James Cameron), Dennis Banks (Ongewasgone), Pete Postlethwaite (Captain Beams)
Regie: Michael Mann
Produktion: Michael Mann, Hunt Lowry, James G. Robinson
Buch: Michael Mann, Christopher Crowe nach dem Roman von James Fenimore Cooper und dem Drehbuch aus dem Jahr 1936 von Philip Dunne
Kamera: Dante Spinotti
Musik: Trevor Jones, Randy Edelman
Schnitt: Dov Hoenig, Arthur Schmidt
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0104691/
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=1077
© Björn Becher 2003 weiterlesen schließen
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