Pro:
Vorlage, Drehbuch, Schauspieler
Kontra:
Nicht viel
Empfehlung:
Ja
Als ich vor ungefähr 10 Jahren den Roman „Dolores“ von meinem Lieblingsautor in Händen hielt, war ich im ersten Moment schon einigermaßen verblüfft. Was sollte eine 65 Jahre alte Frau, die ihr ganzes Leben sozusagen auf einer gottverlassenen Insel verbrachte, schon spannendes zu erzählen haben?
Voller Skepsis machte ich mich daran weiterzulesen, um herauszufinden was die besagte Lady im fortgeschrittenen Alter wohl so alles berichtenswerte erlebt hat. Überraschend schnell wurde mir klar, dass es sich wohl doch lohnen würde der Erzählerin Dolores Claiborne aufmerksam zuzuhören, wenn sie die unglaubliche Geschichte ihres Lebens erzählt.
1994 machte sich Tayler Hackford (ein Offizier und Gentleman) daran die Story zu verfilmen, neben Jennifer Jason Leigh konnte er auf einen weiteren, starken weiblichen Charakter zurückgreifen.
Kathy Bates, die schon bei der King Umsetzung „Misery“ eine außergewöhnliche Schauspielerische Leistung vollbracht hatte,und die als Krönung sogar mit einem Oscar gewürdigt wurde, konnte schließlich auch noch ein weiteres Mal für eine King-Verfilmung gewonnen werden.
Handlung des Filmes
Dolores Clairborne St. George, die als Haushälterin bei der wohlhabenden Vera Donavan arbeitet, wird nach dem Tod der schon seit geraumer Zeit bettlägerigen Vera verdächtigt diese ermordet zu haben.
Doch anstatt auf die gezielten Fragen der Polizeibeamten zu antworten, beginnt sie zögernd ihre Lebensgeschichte in einer Art längst fälligen Beichte zu erzählen.
Sehr jung und sehr dumm hat Dolores den faulen Joe St. George geheiratet, der den ganzen Tag nicht viel besseres zu tun hat, als sich zu fragen: wo er die nächste Flasche Alkohol herbekommt.
Sie arbeitet wie ein Pferd, weil das Geld wieder mal vorne noch hinten reicht. So muss sie selbst bei - der ihr das Leben immer mehr zur Hölle machenden - Vera Donavan einen Job als Mädchen für alles annehmen.
Aber auch daheim setzt es schon mal Prügel wenn Dolores nicht gleich spurt, wie ihr meist betrunkener Ehemann sich das allgemein hin so vorstellt. Als Joe auch noch das gesamte Ersparte in hochprozentiges investiert und Dolores auch noch erfahren muss, dass der alte Säufer sich auch noch an der gemeinsamen Tochter vergreift, reift in der vom Leben hart gebeutelten Frau allmählich ein unumstößlicher Entschluss heran.
Ein Naturschauspiel wie es nicht all zu oft zu sehen ist, wirft im wahrsten Sinne des Wortes seine Schatten voraus. Eine Sonnenfinsternis ist angekündigt deren Verlauf sich bald quer über das ganze Land ziehen wird. Für Dolores ist es genau der Zeitpunkt an dem sich für sie alles ändern soll. Auch für ihren gewalttätigen Trunkenbold von einem Gatten wird sich dann schlagartig alles ändern, allerdings in eine völlig andere Richtung, als der es sich vielleicht selbst ausgemalt hätte...
Kritik
Während in Stephen Kings Buch Dolores die Geschehnisse aus der Vergangenheit aus ihrer Sicht erzählt, wird in der gleichnamigen Verfilmung die Gegenwart dargestellt. Wie Dolores eines Mordes verdächtigt wird und ihre nun erwachsene Tochter sie deshalb besuchen kommt. In einer Zeit also spielt, in der die ganzen dramatischen Situationen in ihrem Lebensweg schon geschehen sind.
Diese einschneidenden Stationen werden unter Zuhilfenahme von gekonnt eingebauten, mitunter sehr effektvollen, oder gar drastischen Rückblenden dem Zuschauer näher gebracht.
So bekommt man nach und nach die ganze, ungeheuerliche Geschichte in Erfahrung, die sich wie die Ansammlung von jahrelang aufgestautem Unrat abzuzeichnen beginnt. Die Spannung ist auch bei der Umsetzung auf die Leinwand erhalten geblieben, wenn auch eher im Stil einer klassischen Literaturverfilmung von den Machern verfahren wurde, als nur mit den simplen Mitteln filmisch vordergründiger Effekthascherei, wie sie bei King-Filmen ja nicht gerade unüblich sind.
Interessant und einen Hauptteil des Streifens ausmachend, ist auch die gespannte Beziehung von Mutter und Tochter, die im Roman nur vage angedeutet wird. Hier kommen sie sich langsam immer näher – und der bitteren Wahrheit letztendlich auch, die beide so lange in einen Mantel des Schweigens und Vergessenes gehüllt hatten.
Diese heiklen Sequenzen sind richtig gut in Szene gesetzt worden, und lohnen allein schon deshalb ein betrachten des Films. Jedenfalls bekommen es Kathy Bates und Jennifer Jason Leigh (die im Streifen ihre Tochter darstellt) ausgezeichnet hin immer ein gewisses Spannungsfeld zu erzeugen, sodass diese unterschwellige Hassliebe die zwischen den Beiden besteht, jederzeit geradezu greifbar im freien Raum zu schweben scheint.
Die Landschaften und Küstenabschnitte im kanadischen Blue Rocks – einem malerischen Örtchen, waren genau die richtigen Kulissen, vor der Kings Roman beginnt Gestalt anzunehmen und die sehenswerten mit so mancher Überraschung aufwartenden Protagonisten zum Leben erwachen. Die Einsamkeit dieses Landstrichs und das meist graue, nicht viel Optimismus verbreitende Wetter geben die immer bedrohlicher werdende Stimmung passend wieder, in die der Streifen zu ziehen vermag.
Auch der Höhepunkt des Films wurde sehr beeindruckend und stimmungsvoll in die raue, aber dadurch nicht weniger schöne Landschaft, in Form eines einzigartigen Naturschauspiels – einer Sonnenfinsternis - eingefügt. Aber im Grunde natürlich nur um ein noch viel finsteres - dunkleres Ereignis zu überdecken.
Resümee
Abschließend bleibt mir nichts anders übrig als zu sagen, dass es sich wirklich lohnt diesen Film anzuschauen. Selbstverständlich auch dann noch, wenn man das Buch von Stephen King schon kennen sollte.
Immerhin bleibt die eigentliche Geschichte und deren Grundaussage erhalten, aber der Blickwinkel der Verfilmung ist doch oftmals ein ganz anderer -, nicht ungedingt schlechterer, vielleicht sogar noch fassettenreicher als noch im Buch.
In richtiger Stimmung sollte man aber für dieses, leider nicht ganz so gut beachtete Drama mit einigem Tiefgang schon sein. Denn Tayler Hackford zeigt uns unter Verwendung fantastischer Schauspieler ungeschönt die weniger angenehmen Seiten, die uns das Leben im Lauf der Zeit natürlich genauso auferlegt hat, wie die angenehmen. Auch wenn diese nicht immer so extrem wie in Dolores Geschichte ausfallen sollten. Der King of Horror konnte es nämlich auch in dieser eher als beschaulich angelegten Geschichte nicht ganz lassen, ein paar ganz nette, makabre und auch blutige Elemente einzubauen, die aber im Roman um noch einiges extremer ausfielen.
Hat der Film - der ohne nennenswerte übersinnliche Einflüsse auskommt - erst einmal einen gefangenen, lässt er nicht mehr so schnell los. Diese bewegende Geschichte voller Tragik und Entbehrungen, aber auch letztendlich eines eisernen, nicht unterkriegenden lassenden Willens ist auf seine Art absolut faszinierend, auch in der ambitionierten 131 Minuten Leinwandversion.
(c) winterspiegel für Ciao & Yopi weiterlesen schließen
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