Pro:
sehr romantisch, wunderbare Figuren, tolle Darsteller, macht nachdenklich
Kontra:
rein garnichts
Empfehlung:
Ja
Eine neue Folge aus carmens’s Filmtip - für morgen früh. Schon öfter habe ich beobachtet, daß einige Sender wirklich gute Filme am Wochenende so zeitig am Morgen bringen, daß sie eigentlich nur das Volk unter 7 Jahren als Publikum haben kann. Letztens mal mit "Freundinnen" passiert, diesmal mit "Frankie & Johnny". Wer sich sowas wohl ausdenkt. Also, ansehen lohnt sich, aber ich würde den Film dann aufnehmen, weil er wirklich toll ist: Eine Liebesgeschichte, die seinesgleichen sucht. Zwei geschundene Gestalten, die sich begegnen und ihren eigenen Weg finden müssen.
** Die Story **
Zwei Leben bewegen sich aufeinander zu mit magischer Präzision:
Frankie (Michelle Pfeiffer) kehrt aus ihrer Heimatstadt Altoona, Pennsylvania, wo sie die Patin ihrer Nichte ernannt wurde zurück nach New York.
Johnny (Al Pacino), der zwei Jahre wegen Scheckbetrug im Knast saß, will in New York ein neues Leben beginnen. Er ist auf der Suche nach Arbeit und landet in dem kleinen Imbiß Apollo Cafe, in dem ein Koch gesucht wird. Glücklicherweise ist der Besitzer Nick (Hector Elizondo) ein Einwanderer , der der Meinung ist, daß jeder Mann eine zweite Chance verdient.
Das Cafe ist voller verschrobener Gestalten, die wie eine große Familie sind: Jorge, der immer telefoniert, Mr. Delion, der seine Eier glibberig mag, Cora, die stets auf der Suche nach dem richtigen Mann ist - und einige einsame Herzen.
Als Johnny zum ersten Mal Frankie bemerkt, versucht er sie mit Hamlet zu beeindrucken. Doch sie reagiert unwirsch und abweisend, besonders, als er sie schon am ersten Tag zum Essen einlädt mit dem Hinweis, sie wären doch sozusagen prädestiniert füreinander wegen des Songs „Frankie and Johnny“. Allerdings muß sie zugeben, daß er sie richtig verwirrt - er ist nicht so wie andere Männer. Er offenbart seine Gefühle, ist klug bzw. tut was für seine Bildung. Aber mit seiner besitzergreifenden Art geht er ihr auf die Nerven. Er läßt einfach kein Nein gelten. Und sie will sich nicht eingestehen, daß sie allein ist, denn sie hat ja einen Videorecorder.
Nach einer gemeinsamen Nacht wird es noch schlimmer. Nun läßt er garnicht mehr locker, drängt sich mit aller Macht in ihr Leben. Am liebsten würde er gleich Kinder haben. Da es aber in Frankies Vergangenheit einen wunden Punkt gibt, der sie zu dem gemacht hat, wie sie heute ist, geht er zu weit und sie zieht sich in ihr Schneckenhaus zurück.
** Darsteller **
Michelle Pfeiffer hat in ihrer langen Karriere mit praktisch allen wichtigen Regie- und Schauspielkollegen der letzten Jahrzehnte zusammengearbeitet, drei Oscar- und fünf Golden Globe-Nominierungen und einen Golden Globe in der Kategorie Beste Darstellerin bekommen. Grund dafür sind ihre darstellerische Bandbreit, die von der schlichten Kellnerin bis zur Diva im Abendkleid oder der Heldin in Lack und Ledder alles spielen kann.
Nach der Ausbildung zur Gerichtsreporterin, Nebenjob im Supermarkt und Preisen bei Schönheitswettbewerben begann sie eine Schauspielausbildung und hatte ihr Filmdebüt 1979 in "Hollywood Knights". Die erste große Rolle hatte sie an der Seite von Jeff Goldblum in "Kopfüber in die Nacht" (1985). Filme wie "Gefährliche Liebschaften" (1988), "Die fabelhaften Baker Boys" (1989) oder "Love Field" (1991) brachten ihr Oscarnominierungen und viel Aufmerksamkeit.
Zuletzt sah man sie in "Ich bin Sam" (2001) und "Weißer Oleander" (2002).
Die beiden Hauptdarsteller sind einfach unglaublich - ohne Glamour, ohne Allüren. Von Al Pacino sind wir ja extreme Figuren gewöhnt, aber Michelle Pfeiffer beweist hier fast Mut zur Häßlichkeit: ungeschminkt, mit Tränensäcken und rauswachsender Kaltwelle ist sie nicht gerade das Abbild eines Stars. Aber genau deshalb wirkt sie hier so authentisch, so ehrlich und glaubwürdig. Besser kann man nicht spielen.
Weiterhin wären da noch zu nennen Hector Elizondo (Chicago Hope), Nathan Lane (The Birdcage), Kate Nelligan (Ein amerikanischer Quilt) und Jane Morris als die verschrobene Kellnerin Nedda.
** Filmkritik **
Der Film ist deshalb so anrührend, weil man sich auf jeden Fall in ihm und seinen Figuren wiederfinden kann, wenn man schon einmal im Leben für oder gegen eine Beziehung gekämpft hat.
Das Verhalten von Frankie ist so nachvollziehbar, für mich jedenfalls. In einer oder mehreren Beziehungen verletzt oder verlassen oder gar mißhandelt, fürchtet man sich ein Leben lang vor dem nächsten Fiasko. Deshalb weigert man sich auch, erst überhaupt einen neuen Versuch einzugehen.
Und dann kommt einer, der einen quasi überfällt, vereinnahmt, nicht in Ruhe in seinem Schneckenhaus läßt. Dieser Johnny ist so intensiv, will sofort aufs Ganze gehen, möglichst nach der ersten Nacht schon heiraten, das macht einfach Angst. Woher weiß man denn auch, ob er es ernst meint, oder nicht doch ein verkappter Perverser ist, bei dem man vom Regen in die Traufe kommt?
So sensibel, so bemüht in allen Kleinigkeiten kann doch kein Mann sein. Wenn man das nicht gewöhnt ist, dann kann einen das irre machen. Und doch, irgendwann begreift man, daß man im Leben irgendwann Konsequenzen ziehen und Mut haben muß. Wenn man immer nur in Angst leben und keinen Schritt nach vorn geht, stirbt man eines Tages einsam.
Ein anderer Aspekt ist hier interessant: der Imbiß und die Figuren in ihrem Umkreis ist im Grunde wie eine Mikrokosmos, der New York repräsentiert, voller schrulliger Gestalten und ein Querschnitt durch die Gesellschaft: schwule Nachbarn, Knastbrüder, Schläger und Mißhandelte – im Gegensatz zu manch anderem Film wirken die Protagonisten in dieser romantischen Komödie echt und müssen sich ihren Lebensunterhalt hart verdienen.
Dabei ist er aber auch witzig und ich habe manches Mal herzlich gelacht, über die Situationskomik. Der beste Spruch?
Als Frankie sich verletzt von Johnny zurückgezogen hat, ruft er ständig bei ihr an. Ihr schwuler Nachbar Tim geht immer ans Telefon und wimmelt ihn ab. Nach einer Diskussion meint er dann „Johnny, ich leg jetzt auf. Jeden Moment erwarten wir wieder einen Anruf von dir.“
** Meine Meinung **
Dieser nach dem Bühnenstück „Frankie und Johnny in the Claire de lune“ von Terrence McNally entstandene Film ist einfach ein Muß für Romantiker. Er zeigt uns auf eindringliche Weise, daß das Leben zu kurz ist, um seinen Verletzungen hinterher zu trauern und daß man den Mut für einen Neuanfang wagen muß, weil man sonst einsam bleibt.
Sehr zu empfehlen.
** Daten **
USA 1991
Genre: Melodram
Original: Frankie and Johnny
Regie: Garry Marshall
Drehbuch: Terrence McNally
Produktion: Garry Marshall
FSK 12
** Die DVD **
Da der Film schon einige Jahre auf dem Buckel hat, bietet die DVD mal wieder keine Extras weiter, mal abgesehen von einem passablen Bild und Ton. Letzterer ist gerade für die Filmmusik recht wichtig, aber auch zufriedenstellend.
Regionalcode: 2 / Europa
TV Standard: PAL
Audio: Deutsch: Dolby Digital 2.0, Englisch: Dolby Digital 5.1, Spanisch: Dolby Digital 2.0, Italienisch: Dolby Digital 2.0, Französisch: Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Italienisch, Spanisch, Arabisch, Bulgarisch, Dänisch, Finnisch, Griechisch, Hebräisch, Holländisch, Isländisch, Kroatisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Schwedisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch, Rumänisch, Slowenisch
Bild: 1:1.78
Laufzeit: 113 Minuten
Features: Kapitelstruktur, Kino Trailer
Daher lohnt sich der Kauf nicht wirklich. Aber der Film bleibt dennoch sehr gut. weiterlesen schließen
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