Pro:
recht spannend, gute Darsteller, düster-nasse Atmosphäre
Kontra:
etwas lau, manche könnten an die Flutkatastrophe erinnert werden
Empfehlung:
Ja
Nun gibt es schon wieder einen Filmtip von mir - rechtzeitig vor der morgigen Ausstrahlung. Das ist nämlich genau der richtige Film für die schmuddeligen Herbsttage: fast zwei Stunden Regengeräusche und Wassermassen. Morgen Abend wird dieser nasse Thriller mal wieder wiederholt auf Tele5, und da kann man sich doch genüßlich zurücklehnen und mit einem schönen Glas Rotwein in der kuscheligen Stube der Katastrophe zusehen.
** Die Story **
In Huntington im Mittelwesten der USA regnet es seit Tagen ununterbrochen, und nicht etwas nur kleine Tropfen. Da sich das Unwetter langsam zu einem richtigen Hochwasser auswächst, und der Staudamm auch nicht mehr der jüngste ist und überzulaufen droht, wird die Stadt auf Anraten des Sheriffs evakuiert. Bis auf ganz wenig alte Leute, die ihr Haus hartnäckig verteidigen wollen, ist sie schon fast menschenleer.
Ein Geldtransporter mit den beiden Wächtern Tom (Christian Slater) und dessen Onkel Charlie (Adward Asner) haben gerade das letzte Geld, immerhin fast 3 Millionen Dollar, aus der Bank abgeholt. Als sie mit ihrem Truck auf der unbeleuchteten und überschwemmten Straße die Böschung hinunter fahren, bleiben sie im Wasser stecken, das doch tiefer ist, als sie gedacht hätten.
Während der Sheriff (Randy Quaid) noch versucht, die letzten beiden hartnäckigen Bewohner Henry (Richard Dysart) und Doreen (Betty White aus „Golden Girl“) zu überreden, ihr Haus aufzugeben, überfallen der Kleinganove Jim (Morgan Freeman) und seine drei Kumpane den Transporter und erschießen Charlie. Tom konnte sich jedoch ins Wasser retten und ist mitsamt dem Geld in dem wasserdichten Sack verschwunden. Die Flucht gestaltet sich allerdings angesichts der ansteigenden Fluten schwierig.
Einen trockenen Platz findet Tom schließlich in der Kirche, die von der jungen Restaurateurin Karen (Minnie Driver) mit einem Wall aus Sandsäcken und einigen Pumpen bisher noch hartnäckig gegen das Wasser verteidigt wird. Leider hält sie Tom für einen Plünderer, schlägt ihn nieder und liefert ihn dem Sheriff aus. Der glaubt ihm zwar die Story mit dem Geldtransporter und will der Sache nachgehen, läßt ihn aber sicherheitshalber in der Zelle schmoren.
Die vier Ganoven haben sich inzwischen mit Jetskis und Booten ausgerüstet und sind auf der Suche nach Tom und dem Geld.
Dann wird von dem übervollen Stausee eine Unmenge Wasser abgelassen und der Wasserspiegel steigt dramatisch.
Und langsam kommt auch der Sheriff auf die Idee, die Gelegenheit auszunutzen.
** Darsteller **
Christian Slater (Operation Broken Arrow, Das Rosenbett) ist ein sehr vielseitiger Darsteller, der nicht nur in Action-, sondern auch in Romanzen oder Historienfilmen zu Hause ist. Bereits mit 8 Jahren war er in einer TV-Soap zu sehen, ein Jahr später sogar auf einer Broadway-Bühne. 1985 hatte er sein Filmdebüt in "Zeit der Vergeltung", aber erst als Novize Adson an der Seite von Sean Connery in „Der Name der Rose“ blieb sein Gesicht im Gedächtnis. Danach sah man ihn in Dramen wie „Hart auf Sendung“ oder „Murder in the First – Lebenslang Alcatraz“, in Kostümfilmen wie „Robin Hood – König der Diebe“ oder „Interview mit einem Vampir“, in Romanzen wie „Real love“ und in Actionfilmen wie „Operation Broken Arrow“
Hier spielt wieder mal den einsamen Held, der von allen verfolgt wird, aber dabei seinen Prinzipien treu bleibt. Trotzdem ist diese Rolle sympathischer als mancher andere Lonely Hero, weil er trotz allem so verletzlich wirkt.
Morgan Freeman begann seine Karriere als Sänger und Tänzer bis hin zum Shakespeare-Darsteller. Erst 1971 hat er sein Spielfilmdebüt in "Who Says, I Cant Ride a Rainbow". Für “Brubaker” bekommt er viel Lob, aber trotzdem kaum andere als Routinerollen. 1987 wird er für "Street Smart" für den Oscar nominiert, 1989 für "Mrs. Daisy und ihr Chauffeur" und 1994 für „Die Verurteilten“. Erst 2005 erhält er ihn für seine Rolle in "Million Dollar Baby".
Außerdem war er unvergesslich in "Robin Hood - König der Diebe" (1991), "Sieben" (1995) "Amistad" (1997) und "Denn zum Küssen sind sie da" (1997).
Hier hat er ausnahmsweise mal die Gaunerrolle abbekommen. Seine Figur muß zwar wenig tun außer einen besorgten Gesichtsausdruck machen und Stirn runzeln und fluchen. Aber selbst das füllt er noch ein wenig mit Leben. Der Pseudo-Anfall von Ehrlichkeit und Heldentum allerdings am Ende wirkt aber für meine Begriffe unglaubwürdig.
Minnie Driver (Beautiful, Zurück zu dir, Das Phantom der Oper) war nach einige Auftritten in TV-Produktionen 1995 zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen in „Im Kreis der Freunde“ neben Chris O’Donnell. Danach folgten Rollen neben Pierce Brosnan in „Goldeneye“ (1995), oder "Sleepers" (1996). Erst die Rolle als Matt Damons Freundin in "Good Will Hunting" machte sie international bekannt. Für diese Rolle bekam sie sogar eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin. Gemeinsam mit ihrer Schwester Kate besitzt sie inzwischen die Produktionsfirma „Two Drivers“.
Hier ist sie nicht nur sympathisch und nett anzusehen und spielt entgegen manchem ActionThriller-Schema nicht nur die hilflose Frau an der Seite des Helden.
Randy Quaid (Texasville, Independence Day) ist der ältere Bruder von Dennis Quaid. Leider auch etwas unbekannter als dieser, obwohl er bereits eine Oscar-Nominierung für „Das letzte Kommando“ und einen Golden Globe für seine Rolle des Lyndon B. Johnson in "LBJ: The Early Years" bekam.
Zuletzt sah man ihn 2003 in „Carolina“.
Als zwielichtiger und verführter Sheriff bleibt er als Charakter schon bald im Wasser des Films stecken.
** Filmkritik **
Der Film sollte wohl mit etwas Verspätung an die Erfolge der Katastrophenfilm-Welle der Jahre 1996/97 anknüpfen, die mit Vulkanausbrüchen, jeder Menge Meteoriteneinschlägen und Tunnelzusammenbrüchen aufwartete. Dafür ist er allerdings nicht gut genug.
Der Actionstreifen kommt sofort zur Sache. Nach nur fünf Minuten weiß der Zuschauer sofort, worum es geht, und die handfesten Geschehnisse beginnen unmittelbar mit Schießereien, Wassertreten, Verfolgungsjagden auf diversen wassertauglichen oder –untauglichen Fortbewegungsmitteln und hören bis zum bitteren Ende nicht auf.
Das geht natürlich immer zu Lasten der Figuren, die in diesem Spektakel überhaupt keine Zeit haben, Charakter oder Persönlichkeit zu entwickeln. So bleiben alle ohne Ausnahme ziemlich blaß, wobei Driver und Slater immerhin die größeren Parts haben, um wenigstens ein bisschen zu zeigen, daß sie mehr können als zu frieren und zu schwimmen.
Die Atmosphäre ist allerdings gut gemacht – eine überflutete Stadt (dazu wurde das Becken genutzt, in dem die Titanic versank), aus deren Wassermassen nur die Türme oder Friedhofsfiguren emporragen, macht doch in der Dunkelheit gleich die richtige Stimmung für ein paar fiese Gaunereien.
Und am Ende gibt es doch noch so etwas wie kleine überraschende Wendungen, wenn die Bösen ihr Fett abbekommen.
** Meine Meinung **
Solide gemachter Thriller, der mit der Kulisse wenigstens vom Ansatz her interessant ist. Aber die Dialoge und die Handlung lassen zu wünschen übrig und wenig Spielraum für ein paar Schauspieler, die mit ihren Qualitäten eher unterfordert sind.
In seiner Kategorie deshalb nur ein Gut mit Tendenz zu Mittelmäßig.
** Daten **
USA 1997
Genre: Katastrophen-Thriller
Originaltitel: Hard Rain
Regie Mikael Salomon
Musik: Christopher Young
FSK 16 weiterlesen schließen
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