Pro:
Besetzung, Botschaft, zeigt das Leben im Ghetto nicht zu verklärt
Kontra:
einige Klischees
Empfehlung:
Ja
Heute möchte ich Euch einen Film vorstellen, den mein Mann und ich kürzlich im Fernsehen sahen. Eigentlich wollte ich gar keinen Bericht darüber schreiben, aber da der Film mich nachhaltig beschäftig hat, habe ich mich nun doch dafür entschieden…
►[Worum geht's?]◄
Connor O'Neill ist wettsüchtig und hat gleich bei mehreren Buchmachern mit ausgesprochen zweifelhaftem Ruf Schulden, sodass er sich mal wieder gezwungen sieht, einen befreundeten Broker namens Jimmy Fleming um einen Kredit zu bitten. Dieser ist zwar nicht mehr bereit, ihm Geld zu leihen, aber dafür bietet er ihm eine ausgesprochen stattliche Bezahlung für einen Job als Trainer eines Baseballteams an. Da Connor dingend auf das Geld angewiesen ist, nimmt er den Job an, nur um dann festzustellen, dass das Team aus Ghettokids besteht und bislang noch nicht mal vollständig ist.
Daher muss er auch erst mit der Lehrerin Elizabeth und dann mit der Mutter ein paar der Kids verhandeln und sich bereit erklären, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen, damit sie spielen dürfen. Doch auch als dies geklärt ist, werden ihm ständig weitere Steine in den Weg gelegt, da die Jungs sich nicht nur untereinander streiten, sondern auch das Umfeld alles andere als kindgerecht ist. Dennoch lässt sich seine Mannschaft nicht unterkriegen, sodass Connor langsam erkennen muss, wie falsch er seine Prioritäten bisher gesetzt hat. Gerade als es so aussieht, als wenn alles gut wird, geschieht allerdings etwas Entsetzliches…
►[Weitere Infos]◄
*Produktionsfirma: Paramount
*Produktionsjahr: 2001
*Produktionsland: USA
*Länge: 102 Minuten
*Altersfreigabe: ab 12 Jahren
*Preis (bei Amazon): DVD € 6,99, Video € 16,99
*Besetzung: Keanu Reeves (Connor O'Neill), Diane Lane (Elizabeth Wilkes), John Hawkes (Ticky Tobin), Bryan Hearne (Andre Ray Peetes), Julian Griffith (Jefferson Albert Tibbs), Michael B. Jordan (Jamal), A. Delon Ellis Jr. (Miles Pennfield), Kristopher Lofton (Clarence), Michael Perkins (Kofi Evans), Brian M. Reed (Raymond Bennet), DeWayne Warren (Jarius Evans), Mike McGlone (Jimmy Fleming)
*Regie: Brian Robbins
*Musik: Mark Isham
►[Meine Meinung]◄
Der Anfang des Films erscheint zunächst ziemlich unspektakulär, da ein Typ, der wegen Wettschulden Prügel bezieht ja wahrlich nichts Neues ist. Allerdings verfliegt dieser Eindruck spätestens dann, als er sich selber den Rest gibt. Vielleicht sollte man hier mit ihm fühlen und ihn vielleicht auch ein bisschen bedauern, aber ich muss zugeben, dass ich für derlei Dinge ausgesprochen wenig Verständnis aufbringen kann. Zwar fände ich es überzogen, wenn er dafür getötet würde, aber die Prügel hat er sich nun wirklich selbst zuzuschreiben. Daher kann ich es auch nachvollziehen, dass der Fleming ihm keine Kohle mehr geben will. Dass er ihm dann doch hilft, geschieht allerdings auch nicht gerade aus reiner Herzensgüte, was ich zwar einerseits scheinheilig, aber andererseits durchaus nachvollziehbar finde. Allerdings wird schon hier die Klischeelastigkeit des Films deutlich, da es sich bei Jimmy um den typischen, BMW fahrenden, versnobten und schleimigen Neureichen handelt, was Mike McGlone durchaus glaubhaft rüberbringt.
So war er mir zwar einerseits dadurch unangenehm, dass er einfach jemanden dafür bezahlt, seine Aufgabe zu übernehmen die Kids zu trainieren, aber da das Ergebnis andererseits kaum besser sein könnte, habe ich es ihm nicht allzu übel genommen. Wesentlich weniger Verständnis habe ich dagegen für den Präsidenten dieser Kinderliga und seine Jasager übrig, da sie übertrieben auf alle möglichen Regeln beharren und damit den ohnehin schon genug gestraften Kindern das Leben noch schwerer machen. Da konnte ich die Wut und Enttäuschung sowohl des Teams wie auch Connors bestens nachvollziehen. Umso schlimmer fand ich es auch, dass einer der Jungs vom Spiel ausgeschlossen wird, nur weil er zwei Monate zu alt ist, und man ihn kurz darauf in einer brutalen Gang wieder sieht, die wirklich schreckliches anrichtet.
Doch nicht nur hier werden die erschreckenden Seiten des Ghettos beleuchtet. Einen besonders nachhaltigen Eindruck haben die verwahrlosten Hausflure und die Wohnungen ohne Türen auf mich gemacht, während die überall anzutreffenden, brennenden Gegenstände schon eher ein bekanntes Bild bieten. Dazu kommt, dass praktisch überall bedrohlich wirkende Leute anzutreffen sind, sei es nun auf Höfen, in Hauseingängen oder sogar in Hausfluren, sowie die nicht zu übersehende Gewaltbereitschaft. Besonders deutlich wird letztere mit Andres Erklärung geschildert, dass die Leute wegen herumschwirrender Kugeln in ihren Wohnungen auf dem Boden sitzen. Das fand ich so erschreckend, dass ich es kaum in Worte fassen kann, da es für mich zugleich so unvorstellbar ist, dass ich auf eine solche Erklärung niemals selber gekommen wäre.
Inwieweit dies der Realität entspricht, vermag ich natürlich nicht zu sagen, aber wenn dies übertrieben ist, ist es zumindest sehr realistisch und einprägsam dargestellt. Andere Klischees sind da weitaus weniger beeindrucken, was zum Beispiel für die Zusammenstellung des Teams gilt. Hier gibt es neben dem typischen Großmaul nämlich auch das kleine Dickerchen und den unscheinbaren Jungen, der unter der richtigen Anleitung erstaunliches vollbringt. Darüber hinaus ist auch Connor ein wandelndes Klischee und nicht mal ein besonders einfallsreiches. Dennoch wirken alle Figuren erstaunlich überzeugend, was an der überaus gelungenen Besetzung liegt, wobei mich besonders Keanu überraschte, da er jede Facette seines Charakters überzeugend spielte. Erstaunlich ist übrigens, dass die einzige nicht Klischeebehaftete, nämlich Elizabeth, für meinen Geschmack deutlich zu farblos ist.
Jedenfalls freute es mich sehr für jedes einzelne Teammitglied, dass sie letztlich zusammenwachsen und nach einem fast katastrophalen Start zu guter Form auflaufen. So gönnte ich ihnen jeden noch so unwahrscheinlichen Sieg von Herzen und fühlte mit ihnen, wenn sie mal wieder in üble Situationen in ihrem heimatlichen Ghetto gerieten. Wirklich traurig fand ich jedoch die zugegebenermaßen überraschende Wendung am End: Zwar hatte ich mit einer Katastrophe gerechnet, da bisher alles erstaunlich glatt gelaufen war, aber dass diese so hart ausfüllen würde, hätte ich nicht gedacht. Wenn hiermit gezeigt werden soll, dass zwar auch im Ghetto Positives passieren kann, aber das Negative sich niemals ganz verdrängen lässt, ist dies sehr zu meinem Bedauern hervorragend geglückt.
►[Fazit]◄
Da nicht nur Keanu Reeves mich angenehm überraschte, sondern auch die erschreckende Ghettorealität nicht zu verklärt dargestellt wird und der Film letztlich zeigt, dass man aus jeder Situation das Beste machen kann, bekommt er schon mal ein Empfehlenswert von mir, aber da er wegen seiner kleinen Mängel, wie der kaum bestreitbaren Klischeelastigkeit nicht gerade zu einem meiner Lieblingsfilme avancieren wird, vergebe ich "nur" vier Sterne. weiterlesen schließen
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