Pro:
Satire?, Woody Harellson, Juliette Lewis
Kontra:
Gewalt, Gewalt, Gewalt
Empfehlung:
Ja
Beginnen möchte ich mit einer Szene aus den ersten Minuten des Films, die gleich die Problematik dieses (für einige Mach-) Werks erahnen lässt. Mickey und Mallory sitzen in einem kleinen Diner irgendwo im nirgendwo. Während Mallory zur Musik einer Jukebox tanzt betreten zwei Männer den Laden, die sofort Gefallen Mallory finden. Einer gesellt sich zu ihr und versucht sie anzubaggern. Mallory lässt sich das natürlich nicht gefallen und beginnt aus heiterem Himmel auf den Kerl einzuschlagen; auch Mickey schnappt sich seine Waffe und beide schlachten, anfangs in den Augen der Zuschauer grundlos, alle Beteiligten ab. Schließlich bleiben nur noch zwei Personen übrig und es beginnt ein perfides Zählspiel wer überleben und von der Tat berichten darf und wer noch sterben muss. Von dieser Szene ziehen die beiden zu einem Rachefeldzug durch die USA und meucheln alles ab was sich ihnen in den Weg stellt. Begleitet wird das Killerpärchen von den Medien, die alles versuchen um exklusiv über sie berichten zu können.
Der Film – Die Kritik
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Das größte Problem des 94er Films ist der große Gewaltfaktor. Da werden Menschen misshandelt, umgebracht, geschlachtet und Oliver Stone (unter anderem bekannt durch Platoon) lässt die Kamera zu jeder Zeit mitlaufen. Er schreckt nicht davor zurück auch die noch so abstrusesten Gewaltszenen in epischer Breite zu zeigen und gibt damit jedem Kritiker mehr Angriffsfläche als Mike Tyson in all seinen Boxkämpfen zusammen (ja ist kein perfekter Vergleich). Dabei spielt er nicht nur mit den Schauspielern Woody Harellson und Juliette Lewis, sondern weiß auch geschickt das Publikum zu verstören. So wirkt der Film stellenweise wie eine Bilderkollage; Comic wird mit Film, MTV-Szenen und schlechten blue-screen Effekten gemischt und mit einem eindringlichen Soundtrack verbunden, der unterschiedlicher nicht sein könnte. Spätestens zur Mitte des Films hat Oliver Stone die Zuschauer so weit in Trance versetzt, dass sie ihm jeden Mist abkaufen würden und holt zum finalen Schlag aus, einer wahren Gewaltorgie. Ob Medienkritik, Satire oder gar Komödie hin oder her, Stone hat den Bogen ganz klar überspannt. Ich habe sicherlich nichts gegen Gewalt im Film und bin der Meinung das Natural Born Killers eine der wahrscheinlich durchdachtesten und kritischsten Filme der letzten Jahre ist, der leider erschreckend nah an die Realität kommt, aber deswegen muss man nicht mehr Blut vergießen als bei einem durchschnittlichen Ultimate Fighting Kampf fließt (der Vergleich hinkt natürlich auch).
Ich meine das der Film genauso eindringlich, wenn nicht sogar eindringlicher gewesen wäre, wenn Stone auf die sinnlose Gewalt, die in keinster Weise die Geschichte vorantreibt, verzichtet und seine Kritik in den Vordergrund geschoben hätte. Denn diese geht in dem Blutbad nicht nur vollkommen unter, sondern kann von bestimmten, nicht so gefestigten Individuen gänzlich falsch verstanden werden. Denn betrachtet man die Szenen ohne den nötigen Abstand oder Background wirken sie mehr zur Gewalt animierend, als das sie genau das Gegenteil bewirken sollen. So wird das Killerpärchen glorifiziert und in den Vordergrund gestellt, während die Opfer in den Hintergrund treten und es wird auch nicht hinterfragt was die beiden zu solchen Menschen gemacht hat. Zwar gibt uns Stone die üblichen Ansätze der schlechten Kindheit, lässt aber im gleichen Moment die Zuschauer wieder allein, in dem er das Ruder rumreist und wieder nur die Gewalt durchdringen lässt. Er versucht nicht einmal dem Zuschauer erklären bewusst zu machen das a.) diese Taten schlecht sind und b.) die Gesellschaft Mitschuld hat, sondern konzentriert sich „nur“ auf eine möglichst detaillierte Darstellung der Tötungsszenen. Das er sich damit keine Freunde macht (außer in der wahrscheinlich nicht gewollten Zielgruppe) liegt auf der Hand; da hilft auch kein längerer Directors Cut. In meinen Augen hat Oliver Stone hiermit seinen Karrieretiefpunkt erreicht. Schelte hat er für viele seiner Filme bekommen, aber muss er sich durch soviel Gewalt wieder in die Medien katapultieren, die er in seinem Film doch kritisieren will?
Die DVD
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Die DVD gibt es in gleich zwei Varianten, als längerer Directors Cut und in der Original Fassung. Film Fans werden sich sicherlich beide Versionen zulegen, allen anderen sei der Directors Cut ans Herz gelegt, obwohl die zugefügten Szenen größtenteils unwichtig sind und nichts zur Geschichte beitragen (insgesamt 3 Minuten und unzählige Szenen die teils nur wenige Sekunden betragen).
Ich beziehe mich in der Kritik auf die Code1 DVD von Warner als DC bzw. in der Olive Stone Collection. In wie weit die deutschen DVDs ungeschnitten und in einer guten Qualität vorliegen weiß ich nicht zu beurteilen.
Warner hat den Film vor kurzem in einer Oliver Stone Collection (auch einzeln erhältlich) neu veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um die Kinofassung in einem neuen widescreen Transfer, der natürlich, ein entsprechend gutes und vor allem gestochen scharfen Bild liefert. Im Gegensatz dazu ist der DC von Trimark verwaschen, unscharf und leider nur eine Kopie der alten Laser Disc, der durch die unterschiedlichen Formate im Film noch schlechter wirkt als manche VHS Version. Ebenfalls auffällig ist das Warner den Dolby Digital Ton remastered hat und er sich im Vergleich zur Trimark DVD vollkommen anders anhört. Es scheint fast so als hätten beide Versionen unterschiedliches Ausgangsmaterial gehabt, obwohl der Film im Kino ebenfalls in 5.1 Sound lief. Wie dem auch sei, die Qualität ist bestechend und liefert ein gestochen scharfen Klangbild.
Die Extras auf der Warner DVD stimmen bis auf kleine Ausnahmen und Veränderungen mit denen der Trimark Version überein und vielleicht als kleine Information am Rande: die Trimark Extras sind fast komplett von der NBK Laser Disc (ebenfalls Warner wenn mich nichts täuscht). Aber ich habe ja gesagt bis auf kleine Ausnahmen und das fällt schon bei dem Audiokommentar auf. Auf beiden DVDs ist zwar der gleiche Kommentar, aber Warner hat einige neue Soundschnippsel eingeschnitten und ihn so marginal verändert. Ob dies einen doppelt Kauf rechtfertigt sei dahin gestellt. Viel interessanter ist aber die Frage, wo das neue Material herkommt oder ob vielleicht Trimark den Audiokommentar gekürzt hat!?
Weitere Extras sind eine knapp 30 minüitge Dokumentation mit vielen Interviews und interessanten Fakten und 6 geschnittene Szenen samt alternativem Ende. Neu auf der Warner DVD ist ein weiteres ca. 10 Minuten langes Interview und auf beiden DVDs fehlt der auf der US-VHS Version enthaltene Nine Inch Nails’ Videoclip.
Wertung
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Film: 3 (beide)
Video: 1- (Warner) / 4+ (Trimark)
Audio: 2 (beide)
Extras: 1- (Warner) / 2 (Trimark)
DVD-Rom: 6 (beide)
Gesamt DVD: 2- (Warner) / 3+ (Trimark)
Fazit
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Jeder muss selbst entscheiden was er schauen möchte und insbesondere was er sich zumuten kann. Natural Born Killers ist meiner Meinung nach kein schlechter Film, aber er ist auch nicht das Highlight. Die DVDs selbst unterscheiden sich nur marginal. Wer auf die unnötigen Extra-Sekunden verzichten kann, dem sei die Warner Disc ans Herz gelegt, da sie mehr Extras und eine bessere Qualität bietet.
copyright t_durden @ ciao / yopi 2002-2004 weiterlesen schließen
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