Pro:
interessante Story - tolle Umsetzung - klasse Schauspieler
Kontra:
ein etwas \"plattes\" Ende - keine reine Unterhaltung
Empfehlung:
Ja
Nachdem ich neulich bei Ciao einige recht vielversprechende Berichte über den Film
*** OPEN YOUR EYES ***
gelesen hatte, war meine Neugier geweckt.
Open your eyes ist eigentlich der Vorläufer zu "Vanilla Sky", einen Film, den ich bisher auch nicht gesehen habe. Auf den Film gestoßen bin ich durch die TV Movie DVD. Zuerst war ich skeptisch, aber wie gesagt, die Berichte haben mich neugierig gemacht und da die DVD ohnehin bei mir herumlag, habe ich mir den Film einfach mal angesehen.
Heute möchte ich euch davon berichten (hauptsächlich von dem Film selbst, denn die TV Movie DVD ist von der Ausstattung her mit der KaufDVD nicht zu vergleichen, obwohl ich die Qualität dieser DVDs immer recht sehenswert finde.)
Fangen wir mit dem
*** INHALT ***
an, damit ihr euch überhaupt ein Bild machen könnt, falls ihr noch nie etwas von diesem Film bzw. seinem Remake gehört habt.
Von Beginn an ist dieser Film etwas seltsam. Cesar, Frauenheld, Lebemann wacht eines morgens auf, steigt in sein Auto ... und fährt durch menschenleere Straßen in einer menschenleeren Stadt. Der Zuschauer ist ebenso verwirrt wie er selbst.
Und dann: Cesar wacht auf, steigt in sein Auto ... und fährt durch eine normal bevölkerte Stadt. War alles nur ein Traum?! Der Rest des Tages deutet jedenfalls darauf hin. Cesar schmeißt seine letzte Eroberung Nuria aus dem Haus, so wie er es immer nach einer Macht mit seinen Bekanntschaften macht. Am Abend feiert er mit Freunden seinen 25. Geburtstag. Hier lernt er die Freundin seines besten Freundes kennen - und zum ersten Mal scheint es, als wäre auch er wirklich verliebt. Er flirtet heftig mit Sofia ... Ein Tag, wie viele andere im Leben von Cesar.
Der nächste Morgen! Nuria lauert ihm auf, will sich nicht so einfach abschieben lassen! Sie überredet Cesar in ihr Auto zu steigen und dann fährt sie den Wagen in einen Abgrund. Sie stirbt bei diesem Unfall - Cesar überlebt, ist aber fortan im Gesicht völlig verunstaltet.
Und was jetzt beginnt, treibt nicht nur Cesar fast in den Wahnsinn, sondern auch der Zuschauer hat Probleme, zu begreifen.
Cesar scheint sich plötzlich in einer psychiatrischen Klinik zu befinden, angeklagt wegen eines Mordes. Und er erzählt seinem Psychiater aus seiner Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die mehr als verwirrend ist, denn plötzlich scheint Nuria doch noch zu leben! Sofia, Cesars große Liebe wendet sich zunächst von ihm ab, weil er so entstellt ist - wendet sich ihm später aber doch wieder zu. Cesar lässt eine Gesichtsoperation machen - war sie erfolgreich? Man weiß es nicht, denn mal erscheint Cesar in seinen Erinnerungen mit einem entstellten Gesicht, das er hinter einer Maske versteckt - mal scheint die OP aber auch gelungen und er hat sein altes Gesicht zurückgewonnen ....
Na, was denkt ihr jetzt?! Das Ganze hört sich ein wenig wirr an?! Wollt ihr wissen, wie ich diesen Film empfunden habe? Dann lest mal weiter, welche
*** GEDANKEN ***
mir so durch den Kopf gegangen sind.
Der Film ist sicher kein reiner Unterhaltungsfilm, den man mal nebenbei guckt. Man muss schon dabei bleiben, sich auf die Handlung einlassen und versuchen, auch die kleinste Kleinigkeit aufzunehmen. Das ist beim ersten Mal Sehen nicht so ganz einfach, denn die Handlung springt ziemlich hin-und her - man kann kaum unterscheiden, was ist Wirklichkeit und was nur Traum?! Aber das ist sicher so gewollt, denn genau diese Empfindungen macht auch Cesar durch! Der Zuschauer kann sich dadurch sehr gut in seine Situation versetzen.
Was mich nicht wirklich überrascht hat, ist das Ende - ab einer bestimmten Stelle im Film hat es bei mir "Klick" gemacht und mir war klar, welches Geheimnis sich hinter dem Geschehen verbirgt. Es ist eine Lösung, die nicht ganz so spektakulär ist wie der Rest des Film rüberkommt.
Der ganze Film ist ein wenig surreal, das Ende erinnert aber schon stark an einen "einfachen Psychothriller" - das Genre, in dem dieser Film übrigens auch geführt wird. Was ihm meiner Meinung nach nicht ganz gerecht wird - denn ein echter Psychothriller ist er eigentlich nicht!
Obwohl ich mit Filmen dieser Machart eigentlich eher weniger anfangen kann muss ich zugeben, das mir "Open your eyes" trotzdem recht gut gefallen hat. Er ist einfach interessant gedreht. Zwar habe ich beim Sehen ab und an mal den Faden verloren - sicher werde ich mir den Film in nächsten Zeit noch ein zweites mal ansehen, um auch den letzten Rest aus ihm heraus zu holen. Insgesamt hat er mich aber doch ziemlich gefesselt.
Mit dazu beigetragen hat sicher die Umsetzung der ganzen Geschichte - mir haben die Bilder sehr gut gefallen, zu denen Alejandro Amenabar (Regie) gegriffen hat. Oft sind es nur Kleinigkeiten, aber sie machen die Atmosphäre in diesem Film aus.
Mit zu dem guten Eindruck beigetragen haben sicher auch die
*** SCHAUSPIELER ***
Allen voran ist da Eduardo Noriega zu nennen, der die Rolle des Cesar spielt. In meinen Augen macht er das wirklich klasse. Er verkörpert den Frauenhelden Cesar - und bekommt aber auch das Entsetzen sehr gut hin, das sich langsam in Cesar einschleicht, als er selbst nicht weiß, was von seinem leben zu halten ist!
Selbst die Szenen, die er unter Maske spielt, finde ich überzeugend - besonders schwer zu spielen sicher deshalb, weil ja jegliche Gesichtsmimik wegfällt und alles nur noch mit Gesten und Körperhaltung ausgedrückt werden kann.
Auch die beiden weibliche Rollen Sofia (Penelope Cruz) und Nuria (Najwa Nimri) haben mich überzeugt, obwohl ihre Rollen sicher nicht so groß angelegt sind wie die von Cesar. Aber sie spielen sehr überzeugend, ein wenig realistisch, ein wenig überzogen - so, wie es in diesem Film passt.
Auch die kleineren Nebenrollen, der Psychiater, Cesars Freund usw. sind sehr gut besetzt.
In diesem Film scheint wirklich jeder alles zu geben - und es ist in so einem Film sicher nicht immer ganz einfach, die Balance zu finden zwischen Natürlichkeit und Überzogenheit.
Ein paar Worte noch zu den
*** FAKTEN ***
rund um den Film
Open your eyes - Virual nightmare (wobei ich sagen muss, der Untertitel gefällt mir nicht so sehr, weil er einfach zu reißerisch klingt und dem Film nicht gerecht wird)
gedreht 1997
Regie: Alejandro Amenabar
FSK: 16 Jahre - sicher gerechtfertigt, obwohl der Film nicht unbedingt von Brutalität lebt. Es gibt ein paar kleine Erotikszenchen, aber die sind auch kaum der Rede wert. Allerdings befürworte ich die FSK insofern, das dieser Film nicht unbedingt leicht zu verstehen ist - jüngere Zuschauer werden nicht unbedingt etwas damit anfangen können und vielleicht durch die ganze Atmosphäre wirklich eher geängstigt werden.
Lauflänge 117 Minuten
DVD: scheinbar nicht mehr ganz so einfach zu bekommen, nicht einmal Amazon führt sie mehr - aber guckt doch mal bei Ebay, da gibt es sie schon für sehr wenig Geld
Die TV Movie DVD hat mich 3,30 Euro gekostet (incl. fernsehzeitung). Sie besitzt das Bildformat 16:9. Es gibt nur eine deutsche Tonspur, die ist in Dolby digital 5.1. Beides kommt auf meinem DVD Player gut rüber - es gibt kein Flimmern, kein Stocken, kein Rauschen.
Obwohl es sich hier nur um eine Zeitschriften DVD handelt, findet man hier sogar einige Extras: TV Movie Filmkritik - einige Hintergrundinfos und Schauspielerportraits. Sicher nicht besonders viel, aber immerhin. Für den Preis kann man jedenfalls nicht meckern.
Sonstiges: "Vanilla Sky" ist das Remake dieses Films - ich habe ihn nie gesehen, kann also die Qualität des Films nicht beurteilen. Allerdings finde ich die Umsetzung von Open your eyes schon sehr beeindruckend und kann mir kaum vorstellen, das man es noch besser machen kann.
*** MEIN FAZIT ***
Ich habe mir nicht viel von diesem Film versprochen, als ich die DVD in meiner TV Movie gefunden habe - und ich wurde angenehm überrascht. Ein interessanter, nicht ganz einfach zu verstehender Film, der vielleicht auch ein zweites / drittes Sehen rechtfertigt. Lediglich das Ende ist vielleicht ein wenig "platt" - nicht im Sinne von schlecht, aber doch im Sinne von: typisch Thriller!
Wenn man mal etwas anderes Sehen will als immer nur seichte Unterhaltung, dann kann ich diesen Film schon empfehlen!
@ Prisca - Juli 2005 - ich schreibe für Ciao und Yopi, manchmal auch für Dooyoo weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben