Pro:
gefällige 0815-Pixelwelten
Kontra:
Handlung? Dialoge? Fehlanzeige.
Empfehlung:
Nein
Das englische Wörtchen “ridiculous“ bedeutet soviel wie „lächerlich“. Da der Film „Riddick“ aus dem englischsprachigen Raum stammt, vermute ich eine etymologische Verwandtschaft zum Namen des Titelhelden.
„Einfach mal staunen“, lautete die Gebrauchsanweisung der Programmzeitschrift meines Vertrauens für „Riddick“. Und da das Gesamtfazit der kurzen Rezension in TV Spielfilm zugunsten des Films ausgefallen ist, habe ich eingeschaltet, als der Film kürzlich im Fernsehen ausgestrahlt wurde.
Um’s gleich vorwegzunehmen: ich bin kein Mensch, der per se fusselbärtigen Feuilletonisten das Wort redet, die quasi reflexartig alles niederreden und -schreiben, das zu sehr wie schiere Unterhaltung und zu wenig nach Sozialkritik riecht. Nein, ich bin durchaus zu haben fürs Actionkino, und gegen Science Fiction und Fantasy habe ich grundsätzlich auch nichts. Ich mochte und mag z.B. David Lynchs „Dune“, der trotz all seiner Defizite für mich zu den sehenswerteren Hervorbringungen des phantastischen Films der 80er Jahre zählt. Ich mag die Space Opera Star Wars, und Ridley Scotts negative Utopie Blade Runner mit ihren Film Noir-Zitaten habe ich mir erst neulich (wieder) auf DVD zugelegt. Roland Emmerichs Stargate mochte ich damals im Kino auch ganz gern; den Ableger fürs Fernsehen habe ich mir allerdings weitgehend erspart. Den fröhlich-naiven Geisterbahn-Spuk Die Mumie sowie die etwas einfallslos betitelte Fortsetzung Die Mumie kehrt zurück lasse ich mir auch gefallen – ich bin gutem Popcorn-Kino also wirklich nicht abgeneigt.
Mit „Riddick“, der übrigens gleich im Anschluss zu „Van Helsing“ von Mumien-Regisseur Stephen Sommers lief, konnte ich allerdings nichts anfangen. Das ging mir mit „Van Helsing“ auch schon so – den habe ich seinerzeit nicht bis zum Ende durchgehalten, und deshalb habe ich mir den Film neulich bei seiner TV-Ausstrahlung auch nicht angesehen. Mit dem „Scorpion King“ und der „Königin der Verdammten“ ging mir das ganz ähnlich. Wer jetzt fragt, was das eine mit dem anderen und das alles mit „Riddick“ zu tun hat, für den wage ich jetzt mal das folgende vorläufige Fazit: Ich vermute, wer mit den genannten Filmen etwas anfangen konnte, der wird sich auch von „Riddick“ gut unterhalten fühlen.
Mir ging’s, wie bereits angedeutet, anders. Ich habe eine halbe Stunde lang versucht, „Riddick“ unterhaltsam zu finden. Danach habe ich mir mein Scheitern eingestanden und habe … ja, was? Ich weiß es gar nicht mehr genau. Ich glaube, ich habe mir stattdessen den DVD-Player eingeschaltet und mir eine weitere Folge aus der zweiten Staffel der ausgezeichneten kanadischen TV-Serie “Dead like me“ angesehen.
Was mir an „Riddick“ übel aufstößt, sind vor allem die blödsinnigen Texte, die die Darsteller (unter ihnen Dame Judi Dench – weiß der Deibel, wie es die in diesen Mumpitz verschlagen hat) aufsagen müssen und die nur so strotzen vor hohlen Phrasen und Möchtegern-Bedeutungsschwangerschaft. Kostprobe gefällig? Bittesehr! Gleich zu Beginn des Films raunt ein Off-Sprecher geheimnisvoll etwas von einer Zeit, in der das Gute nicht mehr gut genug ist, um das Böse zu bekämpfen und in der das Böse nur mit dem Bösen zu Fall gebracht werden kann. Jaja, “fight wire with fire“, das sagt Löschtruppführer Krawczinski ja auch immer, woll? Kennen wir auch alles – zum Beispiel aus „Batman“, und zwar sowohl aus dem Film von Tim Burton als auch der jüngsten Verfilmung von Christopher Nolan.
In „Riddick“ ist der Böse, der quasi für den guten Zweck böse ist, keine Fledermaus, sondern eben die Titelfigur. Die sieht im Film aus wie Vin Diesel, der so eine Art Jean-Claude Van Damme oder Stephen Seagal fürs 21. Jahrhundert zu sein scheint. Ja, ganz recht: Ich habe bisher keinen Film mit Vin Diesel gesehen, und spätestens jetzt weiß ich auch, warum das wohl auch so bleiben wird. Diesels Aufgabe im Film ist, so mein Eindruck, ziemlich überschaubar: Böse gucken, zwischendurch dummes Zeug reden und, natürlich, Leute umbringen.
Die anderen Bösen sind Wesen, die sich „Necromonger“ nennen. Aha. Soll das heißen, wir haben’s hier mit „Todeshändlern“ zu tun? Egal. Die Typen sind böse, und sie haben beschlossen, das Universum zu unterjochen. Und wer kein Necromonger ist? Hat die Wahl der Qual: Entweder selbst Necromongole werden – oder entseelt werden. Also quasi das gleiche Prinzip wie bei George W. Bush: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns – kennen wir ja auch. Und wo wir schon beim Thema sind: Auch bei den Necromongern scheint es sich um religiöse Fundamentalisten zu handeln. Wie die Feinheiten von deren Lehre aussehen, habe ich zwar innerhalb der ersten halben Stunde des Films nicht begriffen, aber wahrscheinlich ist auch das nicht von Belang. Offenbar lautet die Devise wirklich schlicht und einfach „Mitmachen oder untergehen“ – ein Schelm, wer Parallelen zum Kölner Karneval oder zum Kegelbruderausflug zum mallorquinischen „Bierkönig“ sieht.
„Riddick“ ist laut und krachig wie ein Karnevalsumzug, und wie es sich für den Fasching gehört, laufen in „Riddick“ auch jede Menge Kostümierte herum – wenn auch die Garderobe sehr viel martialischer und finsterer wirkt als in Köln, Düsseldorf oder Mainz. „Das sieht mehr so aus wie Fasching bei der HJ“, haben die legendären Hessen-Rocker von den Rodgau Monotones („Volle Lotte“) einst gesungen, und das ist keine schlechte Beschreibung für den Look von „Riddick“.
„Look“ ist überhaupt das Stichwort, denn „Riddick“ ist wahrlich einer dieser Filme, die dem Auge mehr zu bieten haben als dem Ohr und/oder dem Hirn.
Natürlich stammt das Gros aber wieder, wie’s heute im Film üblich ist, aus dem Rechner – und leider habe ich mich an den künstlichen Pixelwelten inzwischen sehr, sehr satt gesehen. „Riddick“ fehlt es nicht nur an gescheiten Texten, sondern auch an optischer Raffinesse. Mag sein, dass das im riesigen Cineplex nicht so störend auffällt wie bei der TV-Ausstrahlung, und vielleicht gewinnt „Riddick“ nach ein paar Dosenbieren auch an Unterhaltungswert. Ich bin allerdings nicht bereit und willens für die Probe aufs Exempel.
R e s ü m e e
Schauspieler-Darsteller sagen grottigen Text-Ersatz vor rechnergenerierten Kulissen auf. Freunde von bombastischer, düsterer Spielekonsolen-Optik und von Haudruff-Action kommen hier auf ihre Kosten; dem Rest des Publikums hat „Riddick“ nicht viel zu bieten. weiterlesen schließen
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