Pro:
interessante erklärende Aspekte, beeindruckendes Drama, gleichwertig mit Ring, wieder gutes Booklet
Kontra:
weitestgehend kein Horrorfilm mehr, wenig Extras
Empfehlung:
Ja
„Sadako Yamamura“: Selten hat der Name ein Filmfigur soviel Spekulationen in Fangemeinden ausgelöst. Woher kommt sie? Wer ist sie? Was ist ihr Hintergrund? In „Ring 0“ werden endlich diese Fragen, betreffend des wohl wichtigsten Charakters der japanischen Ring-Trilogie geklärt.
Achtung: Diese Rezension sollte nicht weiter gelesen werden, wenn man vor hat die drei japanischen Ring-Filme sich anzuschauen, da es unvermeidlicherweise zu Spoilern kommen muss.
Dreißig Jahre vor den Ereignissen in „Ring“ und „Ring 2“ ist die junge Sadako Yamamura (Yukie Nakama) Mitglied eines Theaterensembles. Als die Hauptdarstellerin auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, bekommt Sadako die Hauptrolle.
Allerdings sieht sich die junge Frau Anfeindungen ihrer Kollegen und Kolleginnen ausgesetzt. Diese haben seit dem Auftauchen von Sadako Alpträume, in denen ein Brunnen eine Rolle spielt und machen Sadako auch für den Tod ihrer Kollegin verantwortlich. Nur der junge Tontechniker Tôyama (Seiichi Tanabe) hält zu Sadako. Er erkennt zwar auch, dass das Mädchen sonderbar ist und etwas mysteriöses mit ihr vorgeht, aber er hat sich in sie verliebt und glaubt nicht, dass Sadako Schuld am Tod der Schauspielerin hat.
Am Set des Theaterstücks taucht auch die Reporterin Shôko Miyaji (Yoshiko Tanaka) auf. Sie ist die ehemalige Verlobte eines Journalisten, der vor fast zehn Jahren den Tod fand. Bei einer parapsychologischen Vorführung hat ihr Verlobter, die Mutter von Sadako Shizuko Yamamura (Masako) als Betrügerin beschimpft und ist daraufhin tot zusammen gebrochen. In den Jahren danach sind alle anderen bei dieser Veranstaltung Anwesenden ebenfalls auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen.
Shôko glaubt nun, dass Sadako als Tochter von Shizuko das Böse ist und getötet werden muss. Am Abend der Premiere des Theaterstücks kommt es zur unvermeidlichen Eskalation.
„Ring 0“ beruht, wie seine Vorgänger auf einem Buch von Japans Meisterhorrorautor Suzuki Koji. Im Gegensatz zu „Ring 2“ das schon sehr weit losgelöst von der Buchvorlage „Spiral“ war, hält sich „Ring 0“ wohl wieder stärker an das Buch „Birthday“, genauer dort an die dritte Kurzgeschichte „Lemonheart“ („Birthday“ ist ein Buch mit drei Kurzgeschichten, die sich mit dem Ring-Universum beschäftigen).
Bei dieser Geschichte ist es klar, dass sie nicht ganz so ungewiss und mysteriöse sein kann, wie die anderen beiden Ring-Filme. Wer diese kennt, und das wird bei der großen Mehrheit der Konsumenten der Fall sein, weiß worauf die Geschichte hinsteuert. Am Ende wird Sadako im Brunnen landen. Ein anderes Ende erscheint schwer möglich.
Also fehlt die Spannung? Nein, denn Regisseur Norio Tsuruta, der anstelle von Hideo Nakata diesmal die Regie übernommen hat, umgeht dies Problem sehr geschickt. Unter anderem mit einem Genrewechsel. „Ring 0“ ist über den Großteil des Films gesehen kein Horrorfilm mehr, sondern viel stärker ein Drama um ein junges Mädchen. Horrorelemente tauchen in der ersten Stunde nur sehr vereinzelt auf, und treten erst gegen Ende wieder etwas stärker in den Vordergrund.
Den Horror-Fan wird dies vielleicht erst einmal negativ abschrecken, aber dies ist eine falsche Einstellung. Denn gerade dieser Wandel sorgt mit dafür, dass „Ring 0“ sich von seinen Vorgängern emanzipieren kann und ein eigenständiges gelungenes Werk ist.
Durch die Aufklärung der Hintergründe von Sadako werden natürlich einige der Mysterien der Ring-Filme gelüftet, so dass bei einer Kenntnis von „Ring 0“, die beiden anderen Filme sicher nicht mehr den gleichen Reiz haben, wie vorher. Dieser Nachteil wiegt aber nicht sonderlich schwer. Zum einen sollte man sich auf jeden Fall zuerst „Ring“, dann „Ring 2“ und zum Schluss „Ring 0“ anschauen und zwar nicht nur, weil man sich sonst sicher des mysteriösen Grusels behauptet, sondern weil es zudem schwer sein dürfte, „Ring 0“ ohne Kenntnis der Vorgänger in seiner Gesamtheit zu verstehen. Des weiteren wiegt dieser Nachteil nicht schwer, weil sich nun bei einer erneuten Sichtung der anderen beiden Filme dem Zuschauer ganz neue Einblicke bieten. Unklares kann man nun besser zuordnen. Es lohnt sich auf jeden Fall nach dem Genuss von „Ring 0“, noch einmal zu den DVDs von „Ring“ und „Ring 2“ zu greifen.
Das Besondere an „Ring 0“ ist natürlich die neue Sichtweise. Während Sadako bisher immer das Böse war, dass nur kurz auftauchte, und dann meistens unheilbringend war, ergibt sich nun ein ganz anderes Bild von Sadako. Sadako ist nicht das Böse, was man vermuten könnte. Sie ist selbst ein Opfer, nicht nur ihrer Mutter, sondern auch der Gesellschaft, die sie nur, weil sie anders ist, von vorneherein ausstößt und ihr überhaupt keine Chance zur Integration gibt. Es geht sogar so weit, dass die Gesellschaft eine große Mitschuld an der Entstehung des „Ring-Virus“ trägt.
So ist „Ring 0“ in der ersten Stunde ein beeindruckendes Drama, welches sich in der letzten halben Stunden zu einem famosen und furchteinflössenden Horrorfilm entwickelt. Hier bekommt, die bis dahin eher liebe und bemitleidenswerte Sadako wieder ihr böses Gesicht und gerade eine Szene, in der sich Sadako mit knackenden Knochen auf zwei Opfer zu bewegt, sorgt dafür, dass dieser Film nichts für schwache Nerven ist.
Durch diese geschickte Vermischung von Drama und Horror übertrumpft „Ring 0“ den ganz leicht schwächelnden „Ring 2“ deutlich. Man kann „Ring 0“ sogar auf eine Stufe mit dem ersten Teil stellen. Vielleicht sogar der stärkste Teil der Reihe. Neun von zehn Punkten!
D V D
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Technische Informationen:
Bildformat: 1,75 : 1 anamorph
Tonformat: Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0.
Sprache: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras:
- Hörbuch: The Woman - Teil 2
- Trailer und Teaser
- Biografien
- Bildergalerin
Das Bild ist bei dieser Veröffentlichung etwas besser gelungen als bei den anderen beiden Teilen, vor allem die Schärfe ist besser. Bildfehler und Verschmutzungen sind auch nur selten zu sehen. Wieder insgesamt ein doch recht ordentliches Bild, wenn man es mit einigen anderen asiatischen Veröffentlichungen vergleicht.
Der 5.1 Upmix ist mehr oder weniger unnötig. Qualitativ ist keine große Steigerung zur 2.0. Tonspur festzustellen. Am besten ist die japanische 2.0 Tonspur, vor allem da die deutsche Synchronisation eher mittelmäßig ist.
Bei den Extras ist diesmal leider kein richtig großer „Kracher“ dabei. Neben insgesamt fünf Trailern und Teasern gibt es Biografien zu Komponist Kenji Kawai und Buchautor Koji Suzuki. Zudem befindet sich noch der zweite Teil des Hörbuchs „The Woman“ auf der DVD. Der erste Teil dieses Hörbuchs befindet sich bekanntlich auf der DVD zu „Ring“.
Highlight der Extras ist aber wie gewohnt das Booklet von Jörg Kopetz. Nicht nur informativ, sondern auch amüsant zu lesen, bereichert dies die DVD ungemein, und versorgt den Leser mit weiterem Hintergrundwissen über die Ring-Saga.
Ein zweites Highlight ist aber etwas versteckt: Wie schon bei der DVD zu „Ring“ befindet sich nämlich wieder das Video aus „Ring“ auf der DVD. Ganz fies nach dem Hörbuch versteckt. Wer sich also gemütlich auf der Couch liegend das Hörbuch anhört, kann danach einen ganz schönen Schrecken bekommen. Geniale Idee.
Als sehr gelungen muss man noch das Menü der DVD bezeichnen. Vor allem die „musikalische“ Untermalung sorgt, vor allem wenn man den Film kennt, für furchteinflössende Minuten bei der Auswahl der Extras.
F A Z I T
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Eine klare Kaufempfehlung für Fans der bisherigen Reihe. „Ring 0“ verpasst der Reihe vorerst einen würdigen Abschluss und fügt sich perfekt in die Trilogie ein. Es schadet dem Film überhaupt nicht, dass er das Horror-Genre in den ersten sechzig Minuten verlässt und stattdessen eher ein Drama ist, dies macht den Film sogar stärker. Aber nur Kenner der anderen Ring-Filme werden an diesem Streifen ihre Freude haben.
Zu Hoffen bleibt nur, dass dieser Film nicht der endgültige Abschluss ist. Das Ring-Universum ist zwar mittlerweile ein vielschichtiges (und wohl auch undurchschaubares) Labyrinth geworden, in dem es so viele verschiedene Verfilmungen des Stoffes von Suzuki Koji und dazu Sequels, Prequels, Serien, Mangas und so weiter und so fort gibt, dass wohl kaum jemand mehr den richtigen Überblick behalten kann und dass sich auch viel Stoff für den geneigten Ring-Fan bietet, aber gerade die japanische Ring-Reihe mit ihren bisher drei Filmen scheint die beste zu sein und eine Fortführung dieser kann man sich nur wünschen. Stoff gibt es genug. Auch in „Ring 0“ werden nicht alle Fragen geklärt. Ein weiteres noch früheres Prequel ist hier sehr gut denkbar. Auch aus „Ring 2“ bleiben noch viele Fragen offen, so dass hier ein Sequel denkbar ist. Und dann gibt es noch den dritten Ring-Roman „Loop“ von Suzuki Koji, der in der Zukunft spielt und wohl eine völlig neue Betrachtungsweise des Ring-Universum durch eine Wechselwirkung zwischen einer real existierende Welt und einer künstlichen erzeugten Simulationswelt bieten könnte. Man sieht: Es gibt noch viel Stoff für einige Ring-Filme!
Ganz wichtig noch und deswegen noch einmal: Unbedingt die Filme in der Reihenfolge: Ring -> Ring 2 -> Ring 0 schauen. Alles andere schränkt den Filmgenuss ungemein ein.
Film: 9 von 10 Punkten!
DVD: 4 von 5 Punkten!
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Gesamt: „9“ Punkte auf meiner 10er Skala! (gutmütig aufgerundet)
D A T E N
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Titel Deutschland: Ring 0
Originaltitel: Ringu 0: Bâsudei
Genre: Drama / Horror
Japan 2000, FSK 16, Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Yukie Nakama (Sadako Yamamura), Seiichi Tanabe (Tôyama), Takeshi Wakamatsu (Yûsaku Shigemori), Yoshiko Tanaka (Shôko Miyaji), Ryûji Mizukami (Wataru Kuno), Kaoru Okunuki (Aiko Hazuki), Kumiko Aso (Etsuko Tachihara), Daisuke Ban (Heihachirô Ikuma), Masako (Shizuko Yamamura), Junko Takahata (Kaoru Arima), Masami Hashimoto (Kiyomi), Kazue Kadokae (Sudô)
Regie: Norio Tsuruta
Produzenten: Shinji Ogawa. Masao Nagai, Takashige Ichise
Drehbuch: Takahashi Hiroshi nach den Büchern von Kôji Suzuki
Musik: Shinichiro Ogata
Kamera: Takahide Shibanuschi
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Offizielle Homepage: http://www.ring-dasoriginal.de
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0235712/
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=11175
© Björn Becher 2003 weiterlesen schließen
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