Pro:
Der pure Rock mit Jack Black und einem Haufen Kiddies, witzig umgesetzt.
Kontra:
Dank der lauen Story für Nicht-Rocker kaum zu empfehlen, wobei ansonsten nur die schlechte Synchronisation sauer aufstößt.
Empfehlung:
Ja
|Intro|
Immer wieder samstagabends stellt sich die allwöchentliche Frage, wie man diesen denn verleben wolle. Ein kurzer Blick in das aktuelle Kino-Programm setzte uns ins Bild über einen gewissen Film mit dem viel versprechenden Namen "School of Rock". Hinzu kam Jack Black als Hauptdarsteller, der zusammen mit dem Wort "Rock" im Titel für uns Grund genug war unser hart verdientes Geld in einem Lichtspielhaus zu lassen. Gesagt, getan saßen wir im Saal als das Licht erlosch und der Streifen begann.
|Story|
Die Storyline ist schnell erzählt, da sie recht simpel ohne große Überraschungen auskommt. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei Dewey Finn [Jack Black], der als Sänger und Gitarrist einer Band allein für den Rock lebt. Dazu gehören auch die üblichen verarmten Verhältnisse, die ihn zwingen bei seinem sehr konservativen Freund Ned Schneebly [Mike White] und dessen noch zickigere Freundin Patty [Sarah Silverman] unterzukommen. Das alles ist noch kein Problem bis Dewey eines Tages wegen seines Enthusiasmus und zu extremen Auftretens kurzer Hand aus der Band geschmissen wird, die er einst gegründet hatte.
Als nun Ned ihm noch weiter Druck macht endlich die Schulden an Miete zu begleichen kommt seine Rettung. Ein Telefonanruf einer Grundschule, die Ned als Übergangslehrer braucht, kommt Dewey natürlich wie gelegen, um sich mit verstellter Stimme als sein Freund auszugeben und sich selbst den Job unter den Nagel zu reißen. Dem entsprechend schmeißt sich der durchgeknallte Rocker in Schale und marschiert an seinem ersten Schultag nichts ahnend in eine der besten Elite-Privatschulen. Dieses Bewusstsein zur Elite zu gehören bzw. zu wollen haben auch schon die 10 Jährigen Schüler seiner neuen Klasse vollends verinnerlicht und sind somit gar nicht zufrieden als ihr neuer Lehrer ihnen verkündet, dass es die nächsten Wochen nur Pause gibt anstelle des üblichen Unterrichts. Als Dewey seine Klasse jedoch am folgenden Tag im Musikunterricht hört und gewisse Talente entdeckt, beschließt er kurzer Hand das Projekt Rockband ins Leben zu rufen, um vielleicht so seinen heiß ersehnten Traum den „Battle of the Bands“ Contest zu gewinnen.
Natürlich ist die Klasse mehr als skeptisch als Dewey ihnen von diesem Projekt erzählt, dass ihnen angeblich in Vergleich mit anderen Klassen bei Sieg einen riesigen Pluspunkt in ihrer Schulakte einbringen würde. Dahingehend überzeugt gilt es erstmal jedem Schüler seine passende Aufgabe auf dem Leib zu schneidern, die jedem individuellen Charakter gerecht werden soll. So wird der klassische Pianist zum Keyboarder, der Akkustikgitarrist an die E-Gitarre verpflichtet und die Cello Dame zur harten Bassistin umfunktioniert. Der Rest bekommt Aufgaben von Security, über Backgroundgesang und Roadies bis hin zu Groupies oder den ehrenvollen Posten der Bandmanagerin zugewiesen.
Nichts desto trotz liegt "a long way to the top" vor ihnen, um aus diesen Grundschülern echte Vollblutrocker zu machen. Schließlich sind weder die biedere Schuldirektorin noch die Eltern der Genies von dem Plan begeistert, von denen es somit zu verbergen gilt. Jedoch kommt es letzten Ende wie es kommen musste und so lässt die zickige Patty letzten Endes alles hochgehen und stellt die Rockband vors aus. Doch wer nun glaubt, dass sich die Nachwuchsrocker oder ihr musikverliebter Lehrkörper damit abfinden hat sich getäuscht. Trotz alledem geht es zur "Battle of the Band", wo es nun zum großen Show Down kommt.
|Umsetzung|
Ich bin mit wenig hohen Erwartungen in diesen Film gegangen und wurde wahrscheinlich genau deshalb belohnt. Mir ist schon bewusst, dass die folgende Einschätzung äußerst subjektiv ausfallen wird, da man schon über einen gewissen Hang zur Rockmusik verfügen muss, um überhaupt irgendetwas an diesem Film finden zu können. Im Prinzip ist die Story zugegebener Maßen einfach gestrickt und der Protagonist ziemlich verumblödelt. Hinzu kommen die unendlich lang scheinenden Passagen mit Rockmusik jeglicher Art, was nicht gerade der Spannung zuträglich ist. Aber wen stört das? Es ist Rock – eine Leidenschaft und Lebenseinstellung! Dieser Funke springt recht schnell von den Kindern auch aufs Publikum über und wird durch den genial spielenden Jack Black zur Kunstform erhoben. Spießer, mir hat das gefallen.
Schauspieler
Wie schon erwähnt macht Jack Black die Nummer fast im Alleingang. Meiner Meinung hat er hiermit die Rolle seines Lebens gefunden, da er ja auch im echten Leben sich gerne der verrückten Rockmusik hingibt. Wenn irgendjemand "Tenacious D." kennt, weiß er jetzt wovon ich rede. Allen Anderen würde ich empfehlen, sich erstmal damit vertraut zu machen, da es im Prinzip die gleiche Klamauk-Rock-Mischung ist, die den Film auch am Leben hält. Es ist einfach etwas ganz anderes, als man ihn aus "Schwer verliebt" oder "Orange County" kennt, wo er zwar nett schauspielert aber nie so aufblüht wie in diesem Streifen.
Hinzu kommen die zahlreichen Kids, die vom Strebertum zur Rockmacht wechseln. Dabei sind alle Klischeecharaktere von der kleinen intelligenten Superstreberin, dem Uncoolen, dem Draufgänger bis zur schüchternen Molligen vertreten und kommen voll zur Geltung. Im Prinzip genau das, was man erwartet, ebenso wie ihre Entwicklung während des Films. Dabei überzeugen jedoch alle schauspielerisch von Anfang bis zum Ende, mit ihrer teils niedlichen Darbietung. Das ist wahrscheinlich der Teil, mit dem sich selbst Rockmuffel noch anfreunden können. Obwohl ihre Stärke ganz eindeutig in der Beherrschung ihrer Instrumente liegt. Super glaubhaft und einfach umwerfend zelebrieren die Kleinen da den Rock, dass es einen nur so aus den Puschen haut, und stellen damit fast Großmeister Jack Black in den Schatten.
Darüber hinaus gibt es noch einige Randcharaktere, wie die spießige Schuldirektorin, die in ihrem Herzen jedoch eine Rockerbraut ist und nur von ihren derzeitigen Konfessionen befreit werden möchte, oder dem konservativen Freund Ned Schneebly (den Namen find ich schon sehr amüsant), der selbst mal in der Band gerockt hat, bevor ihm seine zickige Freundin eingefangen und total umgekrempelt hat.
Umgebung
Im Prinzip gibt es zwei Welten, die im Verlaufe des Films immer mehr miteinander verschmelzen. Zunächst die Welt des Rockers: hart, laut, dunkel im Club vor Maßen moshend. Allerdings wird dieses Szenario durch Jack Black bereits etwas aufgelockert, da er dem Bild von seinem Äußeren her so gar nicht entsprechen mag. Er ist nun mal allein ein Rocker im Herzen.
Dem gegenüber steht die strickte Elite-Grundschule, die ordentlich und streng dirigiert nichts der Gleichen duldet. Ebenso ihre kleinen Schüler, dessen Interesse allein auf guten Noten und das Spielen klassischer Musik beruht. Von Spaß scheint hier noch keine Spur, bis eben der durchgeknallte Dewey ihre beiden Welten zusammenführt und ihnen zeigt, was seine Art zu leben ist.
Musik
Wie man sich denken kann ist diese Rubrik das Herzstück des ganzen Filmes und der Grund überhaupt ihn sich anzutun. Alle, die mit Bands wie ACDC, Metallica, Ramones oder Led Zeppelin im Entferntesten etwas anfangen können werden ihre helle Freude an den Neuinszenierungen der Kinder rund um Frontmann Dewey haben. Denn bei allem Klamauk ist dieser Jack Black wahrhaft ein begnadeter Musiker, der die Musik wahrhaft spaßig und eingängig an den Mann bringen kann.
Regie
Die Regie des mir unbekannten Richard Linklater kann weitestgehend überzeugen. Ohne großen Schnickschnack wird im Prinzip der Absturz und der folgende Aufstieg des Dewey Finn mit Hilfe seiner kleinen Freunde porträtiert. Auffällig fand ich hingegen den Rahmen. Der Vorspann bot dabei eine angemessene Einleitung ohne lange auf Action verzichten zu müssen. So läuft man in der Ich-Perspektive noch während die Namen der Macher versteckt in Plakaten oder auf Jacken zu sehen sind in einen Untergrundclub, wo die Band um Dewey gerade einen Auftritt haben. Das ist doch schon mal ein Anfang, der sich sowohl von Anderen abhebt als auch direkt Laune auf mehr macht. Ähnlich ist es mit dem Abspann, bei dem Dewey mit seinen kleinen Freunden in einem Proberaum zu sehen ist, wie sie einen ihrer Songs performen. Treffender Weise geht er in die Richtung "The movie is over and we are still on screen", was einmal mehr die Verbindung zwischen Rock und Komödie zeigt, die einen durch den ganzen Film begleitet und fesselt. Schließlich habe ich selten einen Abspann im Kino erlebt, den sich wirklich alle Zuschauer sitzend bis zum Ende angesehen haben.
Punktabzug gibt es hingegen ganz klar im Bereich Synchronisation, die besonders dann wehtut, wenn kleine Songs ins Deutsche übersetzt wurden. Ansonsten hat man wenigstens die Lieder größtenteils auf Englisch gelassen, was einfach viel authentischer ist und weit mehr rockt. Trotzdem glaube ich, dass der Film in Orginalsprache noch weit besser ist, was wahrscheinlich an der engeren Verbindung von Amerika(nisch) und Rock liegt.
Thema
Um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Rock, das bedeutet Leidenschaft, die sich von der Musik aus auf alle Lebensbereiche erstreckt. Im Film erklärt uns Dewey, dass Rock die einzige Möglichkeit ist die Bosse, die uns immer und überall unterdrücken wollen, auszuspielen. Es ist die einzige Chance sich selbst zu verwirklichen, wenn man nicht jeder Individualität zum Trotz mit dem Strom dieser Bosse nachlaufen möchte. Diese Lektion ist nicht nur für seine Schüler, sondern auch für die Zuschauer wichtig, die in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr mit richtigem Rock konfrontiert werden, wenn man sich die heutigen Gruppen mal ansieht. Kommerz kills Rock.
Auf diese Message beschränkt sich der ganze Film jedoch und versucht sie in Gestalt des Jack Blacks möglichst lustig an den Mann zu bringen. Auch dieser Humor und dessen Klamauk ist einfach Geschmackssache, da es einige wohl zu dämlich und wenig tiefsinnig finden werden. Trotzdem finde ich persönlich seine Kabinettstückchen, ins Besondere wenn er beim Abrocken richtig durchdreht, sehr amüsierend anzuschauen. Dabei wird das Niveau auch nie unterschritten, abgesehen von einer Szene, in der die Direktorin mit einem Hardcore-Rocker, mit bloßen Oberkörper bis zum Genitalansatz, einen sehr hohlen Dialog führt, die aber nicht weiter ins Gewicht fällt.
Außerdem ist das endlich mal ein Film seit Ewigkeiten, der komplett ohne eine erzwungene Lovestory auskommt. Schließlich ist das Hollywoods Mittel Nummer Eins in jeden Film, egal ob Kitsch, Horror, Action oder Komödie mindestens eine Liebesgeschichte reinzuzwängen. Zwar sieht es auch bei "School of Rock" zunächst aus, als ob aus dem so ungleichen Paar des Dewey und der spießigen Direktorin etwas werden könne, nachdem er sie zum Essen eingeladen und abgefüllt hat, doch verliert sich das recht schnell. Keine Kussszenen, kein Schnulz, danke sehr!
|Lieblingsszene|
Eine wirkliche Lieblingsszene konnte ich beim ersten Durchsehen leider nicht wirklich für mich ausmachen. Es gibt viele lustige Szenen, im Prinzip immer, wenn dieser Dewey zu seiner Rockmusik durchdreht, aber keine im Speziellen. Vielleicht am Anfang, wenn er aus der Band geworfen wird und vor Wut mittelmäßig elegant gegen ein Becken tritt. Das hatte schon etwas.
|Allgemeines|
Titel: School of Rock
Kinostart: 5. Februar 2004
Gesamtlänge: 109 Minuten
FSK: ab 6
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Mike White
Darsteller: Jack Black, Joan Cusack, Mike White, Sarah Silverman, Joey Gaydos Jr., Maryam Hassan, Kevin Clark, Rebecca Brown, Robert Tsai, u.a.
|Outro|
"School of Rock" ist mit Sicherheit kein Streifen der Filmgeschichte schreiben wird, da er für solche Ansprüche eine viel zu seichte und simple Geschichte zu erzählen hat. Vielmehr geht es dabei einfach um Spaß und die pure Lebensfreude, die vom Rock ausgeht. Wer sich damit identifizieren und von Bands wie Led Zepplin oder ACDC angesprochen werden kann, wird sicherlich einen netten Abend mit Jack Black und den Kiddies verbringen.
Allen Unschlüssigen möchte ich den dringenden Rat geben sich vorher das Musikvideo von Tenacious D. mit dem Titel „Tribute To The Greatest Song In The World“ zu besorgen, da hier auf vier Minuten verkürzt wird, was einen für leidenschaftlicher und spaßiger Rock a la Jack Black in diesem Film erwartet. Für mich subjektiv eine willkommene Abwechslung zu den Pop/HipHop Streifen wie "Eminem irgendwas" oder "Honey" und somit absolut empfehlenswert! weiterlesen schließen
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