The Day After Tomorrow (VHS) Testberichte
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Pro & Kontra
Vorteile
- Aufhänger; makroskopische Einstellungen
- Spezialeffekte, Vielleicht realitätsnahe
- weckt umweltbewusstsein
- Spezialeffekte
- fazinierende special effects Hintergründe beruhen auf dem Stand der Forschung
Nachteile / Kritik
- sehr flach und inhaltsarm, unbefriedigendes Ende
- Story nur durchschnittlich
- gibt unrealistische bilder von einem klimawandel
- durchschaubare Handlung
- Story wirkt etwas träge
Tests und Erfahrungsberichte
-
Und alles wird gut...???
1Pro:
Aufhänger; makroskopische Einstellungen
Kontra:
sehr flach und inhaltsarm, unbefriedigendes Ende
Empfehlung:
Nein
Roland Emmerich mag es ja bekanntlich effektenreich und monumental. Da dürfen, wie es etwa „Independence Day“ zeigt, ganze Städte pulverisiert und atomisiert werden. Die Realität hingegen hat es bei Emmerich schwer. Damit meine ich gar nicht mal so sehr die Hintergrundgeschichte selbst: ob in „Independence Day“ außerirdisches, technologisch unglaublich weit fortgeschrittenes, aber feindliches Leben oder ein globaler Klimawechsel quasi in Nullzeit in „The day after tomorrow“. Beides Szenarien, die man nicht als reine Hirngespinste abtun sollte: außerirdisches Leben ist uns derzeit nur nicht bekannt, es ist und bleibt daher Ausdruck der rassetypischen Arroganz des homo sapiens sapiens, zu glauben, die Erde, ein Planet unter neun – nach manchen Astronomen ja auch nur acht, wieder andere kommen gleich auf zehn – anderen in einem Sonnensystem, das sich im auslaufenden Drittel eines Armes jener Spiralgalaxie befindet, die mit unzähligen anderen den Virgo-(Super-)Haufen bildet, der seinerseits nur einer unter hunderten von Superhaufen ist, die wiederum die sogenannten Filamente des bekannten Kosmos bilden. Kurz: nur weil die bekannten Planeten des Solsystems nach menschlichen Maßstäben lebensfeindlich sind, schließen die meisten daraus, dass dies ebenso auch für die restliche hundertfünfzig Milliarden Sonnen mit ihren zumindest teilweise anzunehmend vorhandenen Planeten gilt – in unserer Galaxis. Außerirdisches Leben in der Milchstraße oder einer anderen der Milliarden Galaxien auszuschließen, kommt schon mittelalterlichen Betrachtung gleich, wonach der Mensch die Krönung der Schöpfung Gottes ist.
Ähnliches kann über den Hintergrund von „The day after tomorrow“ gesagt werden. Ein spontaner Klimawechsel, eventuell auch durch eine massive Naturkatastrophe ausgelöst, könnte tatsächlich zum Eintritt einer neuen Eiszeit führen, die nicht in einer jahrlangen gemächlichen Abkühlung der Erdatmosphäre auf uns zukommt. Vulkanausbrüche gelten unter Meteorologen seit längerem nicht nur als Mitverursacher früherer und heutiger Treibhauseffekte aufgrund der Freisetzung von Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid, Schwefel, Methan und Ähnlichem. Ebenso wie sie Feuer und Lava spucken, stoßen Vulkane bei den Eruptionen auch tonnenweise Ruß- und Staubpartikel aus, die für eine lokale „Eiszeit“ sorgen: das Mikroklima im Umfeld von einige Kilometern um den Vulkan kühlt, ebenso wie die Gebiete, über die die Rauch- und Staubwolke hinweg zieht, beträchtlich ab. Nur dass hier, da das Ganze relativ kleinräumig ist, warme Luft nachströmt und eine echte „Eiszeit“ nicht entstehen kann. Doch eine Gewährleistung dafür, dass es ein Maximum auf der Eruptionsskala gibt und dieses auf dem Niveau der bekannten Ausbrüche liegt, gibt es meines Wissens nach nicht. Ebenso wenig eine Sicherstellung, dass kein größerer Meteor einschlägt und durch die aufgewirbelten Land- oder Wassermassen schlichtweg eine länger dauernde Verschmutzung der Erdatmosphäre hervorruft, die jede Wärme der Sonne abschirmt.
Beides sind nun keine Ereignisse, die Emmerich in „The day after tomorrow“ als Ausgangspunkt für seine „Klimastudie“ wählt, wofür ihm uneingeschränkter Respekt und hohe Anerkennung zu zollen ist. Vielmehr ist es, insoweit könnte man beinahe schon von „billiger Stimmungsmache“ zu reden versucht sein, der Treibhauseffekt, der eine globale Eiszeit hervorruft. In bemerkenswerter Weise lässt Emmerich auch gleich zu Beginn des Films den scheinbaren Widerspruch, dass eine weltweite Erwärmung zu einer Eiszeit führt, von Professor Hall, Experte für Klimaforschung auf einer UN-Konferenz zu eben diesem Thema, erklären: steigende Temperaturen führen zu einem Abschmelzen der Eiskappen an den beiden Polen – sowie zu einer wohl vernachlässigbaren, für die Betroffenen aber nicht minder existenzbedrohenden, Schmelze sämtlicher Gletscher und Hochschneeregionen. Das so freigesetzte Süsswasser führt, wörtliches Zitat, zur „Ver- und Übersüssung“ der Ozeane, die ja bekanntlich aus Salzwasser bestehen. Eine Anmerkung zu den Eiskappen, da unmittelbar neben mir während diesen Ausführungen im Kino die Frage gestellt wurde, ob und wie denn die Eiskappen der Pole, mitten im Salzmeer der Arktis bzw. Antarktis, aus Süßwasser bestehen können. Zunächst das „ob“, das eindeutig und höchst anschaulich mit „Ja“ beantwortet werden kann: aus welchem Grund sollte ein Teil der Polarmeere zu massiven und gigantischen Eisbergen und –landschaften aus gefrorenem Salzwasser werden, wenn doch unmittelbar unter bzw. neben ihnen das gleiche Salzwasser bei den gleichen Temperaturen flüssig geblieben ist? Es ist einfach so, dass die Niederschläge von Jahrtausenden in Arktis und Antarktis, natürlich aus Süßwasser bestehend, in den dortigen Temperaturen gefroren sind und, da Eis leichter als (Salz-)Wasser ist, entweder als Eisberge dahin treiben oder aber sich, im Falle der Antarktis, auf einem vorhandenen Festlandsockel aufgetürmt haben.
Doch zurück zu Emmerich: die an den Polen schmelzenden Eismassen setzen als Sekundärfolge des Treibhauseffektes gigantische Massen an Süßwasser frei, der das fragile Gleichgewicht in den Ozeanen zwischen Süß- und Salzwasser stört. Nun ist aber gerade dieses Gleichgewicht neben der Sonneneinstrahlung in den tropischen Regionen für jenen weltumspannenden Strom verantwortlich, dessen in unseren Breitengraden gelegenes Stück als „Golfstrom“ bekannt ist. Ändert sich das Verhältnis von Süß- und Salzwasser, gerät die „Wärmepumpe der Meere“ ebenso ins Stottern wie ein Auto mit dem falschen Kraftstoff. Und eben dies ist es, was in „The day after tomorrow“ zum Eintritt einer globalen Eiszeit in der nördlichen Hemisphäre binnen weniger Tage führt: die rapide Abkühlung des Nordmeeres mit den nachfolgenden meteorologischen Folgen: gigantischen Stürmen von Ausmaßen jenseits der menschlichen Vorstellbarkeit und weit über alles hinausgehend, was die Summe der Wetteraufzeichnungen zu bieten hat. Surrealistisch, soweit es um Tempo und Intensität geht, aber sicherlich nicht irrealistisch, obgleich sich die derzeitige Klimaforschung bestenfalls um das Öffnen des zweiten Siegels bemüht; das zweite von sieben Siegeln am Buch eines umfassenden Verständnisses des globalen Klimas.
Die Handlung von „The day after tomorrow“ soll hier nur kurz dargelegt werden, um einerseits nicht unnötig durch Detailreichtum jene zu langweilen, die den Film bereits kennen, andererseits, um den übrigen, die den Film noch nicht gesehen haben, aber noch sehen wollen, keine (falsche?) Spannung zu nehmen: über der gesamten nördlichen Hemisphäre entsteht ein gigantisches Unwetter, das insbesondere den Hauptschauplatz der Handlung, New York, in eine Katastrophe stürzt. Nach tagelangen sintflutartigen Regenfällen bei deutlicher Abkühlung trifft die Flutwelle des gestiegenen Meeresspiegels in Manhattan ein und umspült den Stadtteil in Höhe von mehreren Metern. Sam Hall, Sohn des bereits erwähnten Professors, befindet sich mit einigen Freunden in der Stadt und konnte sich mit diesen eben noch die in Stadt(teil-?)bibliothek retten. Jedoch ist die Rettung vor dem Wasser noch lange keine Rettung vor der Kälte: während der komplette Süden der USA evakuiert wird, der Norden hingegen als rettungslos verloren preisgegeben werden muss, rast eine so genannte „Superzelle“, ein Rotationstiefdruckgebiet oder Tornado apokalyptischen Ausmaßes New York, in dessen Zentrum, dem Auge – im Film eben mal auf fünfzig Kilometer Durchmesser „aufgebläht“ – eisige Kälte herrscht; mehr als einhundert Grad unter Null auf der Celsius-Skala, wodurch in Sekunden alles in den Frosttod gerissen wird und selbst meterdicke Wände keinen Schutz mehr bieten. Um seinen Sohn zu retten, macht sich Hall senior, als Antarktisforscher mit Polarverhältnissen bestens vertraut, auf den Weg von Washington D.C. nach New York, um seinen Sohn zu befreien, während rund herum die Welt erfriert.
Soweit eine knappe und keineswegs auch nur im Ansatz lückenfreie Zusammenfassung des Inhalts.
Der Film macht eines sicherlich deutlich, wenngleich das „Happy End“ Marke „Deep Impact“, „Armaggedon“ oder auch „Independence Day“ dieses Mal noch unangemessener erscheint, als bisher: die Welt liegt in Trümmern, aber keine Sorge, liebe (amerikanischen) Mitbürger, wir krempeln die Ärmel hoch und bauen alles wieder auf und noch schöner, als es vorher war…so der jeweilige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der mal von einer Hunderte von Metern hohen Flutwelle aus dem Weißen Haus gespült worden ist, als Kampfpilot selbst Hand gegen feindliche Aliens angelegt hat oder, „The day after tomorrow“, undenkbarer Weise vom Konsulat in Mexiko aus zur Welt sprechen muss. Der gute Ansatz im Film, dass es keine „Wunderwaffe“ gegen die Klimakatastrophe, keine „Superheizung“, kein „Frostschutzmittel“ oder ähnliches gibt, leidet dann doch ziemlich unter dem, was man sich auch als Werbespot von Bündnis 90/Die Grünen vorstellen könnte: alles wird gut, glaubt uns nur.
Eindrucksvoll, das kann man Emmerich durchaus bescheinigen, ist der Film allemal, ohne dass es dafür eines Baller-Spektakels a la Matrix Revolution bedarf. Insbesondere die Einbeziehung der ISS, der Internationalen Raumstation, deren Astronauten und mit ihnen die Zuschauer grauenerregende Blicke auf die aus den Fugen geratene Erdatmosphäre werfen können, zählt meines Erachtens zu den Highlights des Films: die riesigen Tiefdruckgebiete sowie zum Ende hin die schneebedeckten Kontinente Nordamerika und Europa sind, da detailreich und von digitaler Schärfe, schon einen Blick wert, wenn auch der letzte Satz des Films „Die Luft war noch nie so klar“ – eine Anknüpfung an Odyssee 2001 „Mein Gott, es ist voller Sterne“? – nicht unbedingt hätte sein müssen. Ein „Was werden wir da unten vorfinden?“ hätte die Nachhaltigkeit des Eindrucks, dass eine Klimakatastrophe mehr als nur eine Schlechtwettererfahrung im großen Stil ist, gefördert. Aber gut, man kann bekanntlich nicht alles haben.
Lobenswert ist, wie bereits auch angesprochen, die Anknüpfung an jenes Thema, das die Medien ab und an mal aufgreifen und sich irgendwie doch überall bemerkbar macht, wenngleich, und auch das bringt der Film gleich zu Anfang deutlich zum Ausdruck, Klimaschutz schön und gut ist, solange er nicht kostet: der auf die Industrialisierung und ihren immensen Brennstoffverbrauch zurückgehenden Treibhauseffekt. Zwar ist der Treibhauseffekt nach heutigem Verständnis und nach heutigen Modellen beinahe nicht mehr mit dem vergleichbar, was zu Beginn der siebziger und achtziger von Umweltschutzverbänden prophezeit worden ist, doch liegt dies weniger daran, dass ein nachhaltiges Umdenken eingetreten ist, als vielmehr in den immer neueren, besseren, Modellen der Klimaforschung, die zunehmend auch Faktoren berücksichtigt, die bei Emmerich quasi auf der Hand liegen: die Ozeane mit ihren weitgehend unbekannten Strömungen. Auch insoweit ein Stichwort im Film: auf die Frage des Washingtoner Chef-Meteorologen nach der Ursache für das Tornado-Feld, das L.A. verwüstet hat, kommt zunächst die Antwort, dass die Gittermodelle, eine in der früheren Meteorologie weit verbreitete Annäherung an klimatische Verhältnisse, unbrauchbar geworden sind. Schließlich, deutlicher, die Aussprache, dass allein das „Weltuntergangsszenario“ von Hall, der sich mit den Ursachen der letzten Eiszeit beschäftigt hat, die vor rund zehn Jahrtausenden über Europa hereingebrochen ist, noch brauchbar ist bzw. eine Vorhersage ermöglicht.
In der Tat ist die heutige Klimaforschung zum einen wesentlich weiter als noch vor zehn oder zwanzig Jahren, zum anderen aber auch längst nicht soweit, dass das Weltklima „im PC auf dem Schreibtisch“ steht. Lange Jahre wurden die Ozeane quasi außen vorgelassen, sowohl in Bezug auf die dortige Kapazität zur Aufnahme wie auch Abgabe von Wärme, als auch in Bezug auf den Kohlenstoffdioxidverbrauch der Algen. Ebenso wurde der globale Temperaturausgleich bzw. Wärmetransfer durch die Meeresströmungen, da zum einen kaum erforscht, zum anderen hoch kompliziert, nicht mit einbezogen. Ungeklärt ist meines Wissens weiterhin, wie sich Veränderungen im Bereich von Flora und Fauna, auf den Kontinenten wie auch im Wasser, auf den weiteren Treibhauseffekt auswirken: dehnen sich die tropischen und subtropischen Vegetationen durch die ansteigenden Temperaturen aus, die weit mehr Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff umsetzen, als es etwa mitteleuropäische Wälder können und bedeutet dies eine schnelle Stabilisierung des Klimas durch den Abbau des Treibhausgases? Oder führen die höheren Temperaturen mit geringeren Niederschlägen zu gigantischen Waldbränden allerorten, bei denen weitere Megatonnen an Kohlenstoffdioxid frei werden?
Fragen, auf die selbst modernste Rechenanlagen wochenlang keine Antwort wissen.
Bei Emmerich treten diese Fragen denn auch nicht so recht in den Vordergrund, vielmehr werden die üblichen Aspekte wie Romantik und Individualdramatik bedient – beide ausgesprochen flach und platt. Sam, der sich noch vor dem Einbrechen der Klimakatastrophe zu einer seiner Kommilitonin hingezogen fühlt, kommt nach längerem Zögern in der eiskalten Einöde der New Yorker Bibliothek endlich zum Ziel. Gönnerhaft überlässt ihm dabei ein frührer Nebenbuhler das Feld, ebenso wie sich sein Vater wohl binnen eines einzigen Tages vierzig Kilometer durch die Eiswüste rund um New York zu seinem Sohn durchkämpft, eingehüllt in schwere Polarausrüstung und in einer Umgebung, die jede Gefriertruhe als Heimsauna erscheinen lässt. Rein zufällig verirrt sich auch vor Einbruch der Kälte ein größeres Fracht- oder Tankschiff direkt neben der Bibliothek in das überflutete Manhattan, aus dem drei Abenteurer, Sam eingeschlossen, dringend benötigtest Penicillin beschaffen, um eine Blutvergiftung zu stoppen – immerhin sind alle Präparate in der fraglichen Krankenstation russisch bzw. kyrillisch beschriftet, nur eben das Penicillin nicht.
Weitere „Friktionen“ im Bereich der Logik oder Realität bieten sich dabei zuhauf, die den Film noch etwas mehr in den Bereich der „billigen Effekthascherei“ rücken: zum einen toben gleich mehrere Tornados durch L.A., die insbesondere die Wolkenkratzer der dortigen Skyline ordentlich auseinander nehmen. An sich nicht ausgeschlossen, da der Stoff, der den Naturgewalten zu trotzen vermag, erst noch erfunden werden muss. Dass allerdings in einem Wolkenkratzer, dessen Außenbereiche von oben bis unten schlichtweg „abgerissen“ werden, auf der einen Seite der Türe alles ganz und unverändert bleibt, lediglich das Licht bzw. der Strom ausfällt und der mit Putzen beschäftigte Hausmeister mal eben „im Dunkel“ steht, auf der anderen Seite der unbeschädigt gebliebenen Türe dagegen die Leere in hundert und mehr Metern Höhe und drum herum die stumpfen Reste der Etagenaußenbereiche wartet, lässt sich schon nach kurzer Überlegung schwerlich nachvollziehen, schließlich werden Wolkenkratzer immer noch aus Stahlbeton gebaut, der einem noch so gewaltigen Sturm eher standhalten dürfte, als eine einfache, handelsübliche Türe. Aber gut, nichts ist unmöglich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Ebenso wenig, wie der Umstand, dass der „Supertornado“, dessen Auge die tödliche Kälte mit sich führt, quasi keinerlei Wind bedeutet. Jede noch so kleine Windhose wirbelt zum einen Unmengen von Staub und Gegenständen durch den aufsteigenden Luftstrom auf, womit diese Luftwirbel letztlich auch erst sichtbar werden. Die „Superzelle“, die gut das tausendfache eines gewöhnlichen Tornados darstellt und auch aus dem Erdorbit beinahe die gesamte nördliche Erbhalbkugel, soweit erkennbar, einnimmt, zieht auf New York beinahe ohne jedes Lüftchen zu: sowohl Sams Vater wie auch das „Rettungstrio“ selbst müssen sich bestenfalls durch einen gewöhnlichen mitteleuropäischen „Schneesturm“ kämpfen, dessen Windgeschwindigkeiten bestenfalls als stärkere Brise erscheinen. Erreichen gewöhnliche Zyklone Windgeschwindigkeiten jenseits der 200-km/h-Grenze, müsste ein x-fach größeres System entsprechend auch eher an Dynamik gewinnen, als, wie im Film, abnehmen.
Aber auch dieser Aspekt wird großzügig der Filmhandlung geopfert, damit das eigentliche Spannungsmoment ungeschoren davonkommen kann: die Flucht vor der Kälte. Mit eindrucksvoller Bildtechnik blicken die jeweiligen „Helden“ auf die gigantischen Wolkenwände, die sich um das Auge des Riesenhurrikans erheben und den blauen Himmel erkennen lassen, unter dessen Sonne sie sich nunmehr befinden. Nur das diese tatsächlich windstille Region keine Rettung, sondern den kalten Tod bedeutet, vor dem es nun zu fliehen gilt. So breitet sich auch in Sekundenschnelle das „weiße Leintuch des Todes“ über allen Gebäuden sowie in ihnen aus: Reif als Zeichen spontaner Abkühlung, die sich in dramatischer Weise bis zu den letzten Überlebenden vorarbeitet und Frostblumen allenortens entstehen lässt. Eindrucksvoll, aber auch realistisch?
Sieht man von diesen Effekten ab, bleibt andererseits allerdings auch wenig, das den Film empfehlenswert erscheinen lässt. Dramatik und „Action“ verlaufen in ungewöhnlich flachen Bahnen, die zumindest mich nicht durchgehend „in die Handlung“ hineinfallen ließen – im Klartext: mehr als einmal ertappte ich mich dabei, auf die Uhr sehen zu wollen bzw. mir bewusst zu werden, dass es „halt doch nur ein Film“ ist. Fesselnde Unterhaltung war es also gerade nicht, was so abgelaufen ist.
Auch die „Botschaft“ ist nicht unbedingt beeindruckend: dass das Kyoto-Protokoll zur weltweiten Kohlenstoffdioxid-Senkung gerade in den USA auf Widerstand stößt, ist in der Regel wohl bekannt. Dass der Treibhauseffekt nicht unbedingt positive Auswirkungen hat, ebenfalls. Auf der anderen Seite steht hingegen eine rein „amerikanische“ Betrachtung des Szenarios: soweit man überhaupt eine makroperspektivische Betrachtung der Unwetterauswirkungen bzw. der „Flucht nach Süden“ „geboten bekommt“, beschränkt sich dies auf ein kurzes Intermezzo: dieses Mal macht Mexiko vor den anstürmenden Amerikanern die Grenze „dicht“, woraufhin Tausende durch den Rio Grande illegal nach Mexiko „einreisen“. In einer beiläufigen Nachrichtenmitteilung wird kurz die „Lösung“ eingeflochten: offene Grenzen gegen Schuldenerlass der USA gegenüber den lateinamerikanischen Staaten. Am Ende dafür dicker Pathos: „es sind die Länder der Dritten Welt, die uns aufnehmen und uns Hilfe gewähren, wofür ich tiefe Dankbarkeit empfinde…lasst uns aus den Fehlern der Vergangenheit lernen…“. Schön und gut, nur dafür, dass komplett Europa – wohin sind nur die ganzen Mittel- und Nordeuropäer geflohen, für die dort, wo den Amerikanern Mexiko als Zufluchtsort geboten wird, das Mittelmeer liegt, vom ohnehin kälteren Nordasien gar nicht zu sprechen - sowie ganz Nordamerika bis über die Demarkationslinie des Bürgerkriegs hinaus unter meterhohen Schneedecken liegen, das Weltklima insgesamt kühler geworden ist und die Ernährungslage ja ohnehin gerade in den armen Ländern noch nicht einmal für die eigene Bevölkerung auch nur im Ansatz ausreichend ist, wohl kaum ein Grund für Optimismus. Sicherlich, eine Eiszeit auch in diesem Ausmaße bringt die Menschheit als Ganzes nicht um; die letzte vor zehntausend Jahren hat dies ja auch nicht, wie Prof. Hall so treffend im Film feststellt. Aber für alle, so scheint Emmerich suggerieren zu wollen, die mit ein paar Frostbeulen davongekommen sind – über diejenigen, die es halt „kalt erwischt“ hat, schweigt er sich gekonnt aus – wird schon wieder alles gut werden. Also alles doch nicht so schlimm, wie auch der bereits erwähnte Abschlusssatz eines der Astronauten „Die Luft ist noch nie so klar gewesen“ auszudrücken scheint?
Zum (heißersehnten?) Abschluss: der Film schäumt nicht gerade an Atmosphäre oder schauspielerischer Leistung über. Auch Humor und Tiefe bleiben eher unterhalb der „Schneegrenze“. Reizvoll sind sicherlich die beeindruckenden Einstellungen der Naturgewalten sowie die Vorstellung eines derartigen Klimaszenarios. Wirklich sehenswert ist der Film allerdings nicht. Wer sich ein eigenes Bild machen will – und das wollen sicherlich die meisten – sollte meines Erachtens mit nicht allzu vielen Erwartungen, etwa rückgreifend auf „Independence Day“ an die Sache herangehen. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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