Pro:
Die Idee und die Verwobenheit der Ereignisse
Kontra:
streckenweise langatmig
Empfehlung:
Ja
Die innere Zerrissenheit
### Inhalt ###
1921
Virginia Woolf (gespielt von Nicole Kidman) sitzt in einem Landhaus außerhalb Londons und versucht „ihren“ Roman zu schreiben. Täglich quält sie sich mit den Worten herum, nicht in der Lage, ein „normales“ Leben zu führen. Obwohl ihr Mann sich sehr um sie sorgt und stets bemüht ist, es ihr angenehm zu machen, nimmt sie nicht wirklich am Leben teil.
Außerdem mißfällt es ihr außerordentlich, außerhalb Londons leben zu müssen. Auch wenn die Ärzte ihr das wegen psychischer Probleme und vorangegangener Selbstmordversuche sehr empfohlen haben.
Sie liebt ihren Mann und wird auch von ihm geliebt. Trotzdem wählt sie 1943 den Freitod, um ihrem Mann nicht länger zur Last zu fallen.
1951
Laura Brown (gespielt von Julianne Moore) ist glücklich verheiratet und hat einen etwa 6 Jahre alten Sohn. Ein zweites Kind ist unterwegs. Trotzdem merkt sie, daß sie unzufrieden ist. Als der Geburtstag ihres Mannes einmal wieder ansteht, eskaliert ihre innere Situation: Ihre beste Freundin kommt vorbei und erzählt, daß sie ins Krankenhaus muß, um ein Geschwür untersuchen zu lassen. Der Kuchen, den Laura gemeinsam mit ihrem Sohn für den Mann backen will mißlingt. Und überhaupt: vermittelt sie ständig den Eindruck, „neben sich zu stehen“. Und obwohl auch sie von ihrem Mann und ihrem Sohn über alles geliebt wird, stellt sie fest, daß sie Angst davor hat, daß sich in ihrem Leben nie mehr etwas ändern wird. Als sie in dem Buch, welches sie gerade liest, mitbekommt, daß die Protagonistin kurz davor ist, Selbstmord zu begehen, bringt sie ihren Sohn zu einer Kinderfrau und fährt in ein Hotel, um sich ebenfalls das Leben zu nehmen.
2001
Clarissa Vaughan (gespielt von Meryl Streep) ist Lektorin. Ständig eingebunden zwischen ihren vielfältigen Verpflichtungen scheint sie doch glücklich zu sein. Sie lebt in fester Partnerschaft mit einer Frau, hat eine Tochter und kümmert sich aufopferungsvoll um ihren AIDS-kranken Freund Richard, mit dem sie mal einen kurzen Sommer lang zusammen war. Und doch geht auch von ihr eine starke innere Unruhe aus, die man aber zuerst mit ihren vielfältigen Verpflichtungen in Verbindung bringt. Richard jedoch sagt ihr sehr direkt, daß sie sich eigentlich nur ständig mir irgendwelchen Dingen beschäftigt, weil sie sich nicht mit sich selber auseinandersetzen will.
Im Moment nun ist eine große Party auszurichten, da Richard einen Literaturpreis gewonnen hat und das soll angemessen gefeiert werden. Richard aber (gespielt von Ed Harris) will an dieser Welt eigentlich nicht mehr teilhaben. Er ist sowieso stark introvertiert und die schon längst ausgebrochene Krankheit machen das Ganze nicht gerade einfacher. Eigentlich lebt er nur noch, weil er Clarissa nicht enttäuschen will. Als Clarissa ihn dann zur Ehrung abholen will, stürzt er sich aus dem Fenster, um frei zu sein. Und um Clarissa ihre Freiheit wiederzugeben.
### persönliche Eindrücke ###
Nun, um ehrlich zu sein: ich habe lange überlegt, ob ich einen Bericht zu diesem Film verfassen soll oder nicht. Gründe dafür nenne ich im Fazit.
Zunächst: Die Idee zu dem Film ist schlichtweg genial und auch die Umsetzung zeugt davon, daß sich hier jemand intensivst Gedanken gemacht hat.
Zum einen: alle drei Frauen scheinen ein ähnliches Schicksal meistern zu müssen. Jede hat so ihre persönlichen Probleme und der Weg, diese zu lösen, scheint jeweils nur über den Tod zu führen. Auch eine gewisse latente Bisexualität ist zu erkennen, wobei sich jede Frau letztlich dann doch für eine „Richtung“ entschieden hat.
Alle drei Schauspielerinnen beweisen hier einen besonderen Mut zur Häßlichkeit: Nicole Kidman ist als Virgina Woolf nicht wiederzuerkennen, Julianne Moore ist zwar hübsch anzusehen, aber die gedankliche Deformation ist ihr ständig anzusehen und Meryl Streep sieht ständig müde aus und hat graue Haare. Alle zeigen in ihrem Äußeren das Spiegelbild ihrer Seele in einer überzeugenden Intensität.
Desweiteren wurde auch die Handlung geschickt miteinander verwoben. Virgina Woolf als frühester Protagonistin in diesem Triumvirat ist es letztlich doch gelungen, ihren Roman fertigzustellen. Sie nennt ihn „Mrs. Dalloway“. Genau dieses Buch ist es, welches Laura Brown dazu bringt, ihre Situation durch Selbstmord klären zu wollen. Als sie jedoch kurz vor der Ausführung ist, liest sie nochmals in dem Buch und stellt fest, daß Virginia Woolf nicht die Hauptprotagonistin sterben läßt, sondern jemand anderen. Worauf Laura wieder ihre Sachen packt und zur Familie zurückkehrt. Allerdings verläßt sie sie wieder nach der Geburt des zweiten Kindes. Richard wiederum ist nun der Sohn von Laura. Der sich sein Leben lang gemerkt hat, welches Buch da seiner Mutter so zu schaffen machte. Und der Clarissa „Mrs. Dalloway“ nennt. Und hier erfüllt sich der Zusammenhang dann vollends, indem er stirbt, um Clarissa alias „Mrs. Dalloway“ von ihren seelischen Qualen zu erlösen.
### Technicals ###
Der Film dauert etwa 100 Minuten und liegt in Deutsch und Englisch vor, sowohl in Sprache als auch in den Untertiteln incl. Deutsch für Hörgeschädigte.
Sound liegt in Dolby Digital 5.1 vor.
Bild ist 16 : 9.
Es gibt eine weitere CD mit reinem Bonusmaterial, auf die ich hier aber nicht eingehen werde. Da möchte ich meine Zeit denn doch lieber anders nutzen und daher setze ich diesen Bericht auch extra nicht in die DVD-Kategorie. Bitte hier um Verständnis.
Der Film hat einen Oscar und weitere Preise erhalten (2 Golden Globes, 3 Silberne Bären, eine Goldene Lola und 2 Bafta Awards)
### Schauspieler ###
- Nicole Kidman als Virgina Woolf
- Julianne Moore als Laura Brown
- Meryl Streep als Clarissa Vaughan
- Ed Harris als Richard Brown (In 2001)
- Der junge Richard (1951) wird von Jack Rosello gespielt
Weitere Darsteller:
- Toni Colette
- Claire Danes
- Jeff Daniels
- Stephen Dillane
- Allison Janney
- John C. Reilly
- Miranda Richardson
### Fazit ###
Der Film beginnt mit einem stetigen Wechsel der Zeiten, der jeweils Episoden aus dem Leben der drei Frauen zeigt. Dies geschieht relativ flott und obwohl man den Zusammenhang in dem Moment noch nicht recht begreift, macht es Freude, sich diese Dinge anzuschauen. Die Bilder sind schön, die Geschichte ist nicht uninteressant und gespannt wartet man auf die Verbindung.
Dann jedoch setzt eine Phase ein, die man einfach nur langatmig nennen kann. Zwischendurch war ich wirklich kurz davor, den Film auszumachen, da er irgendwie schlicht: langweilig war. Nach einer gewissen Unterbrechung habe ich den Film dann doch zuende geschaut. Und ich muß sagen: die letzte dreiviertel Stunde verging wieder recht flott.
Aber diese gewisse Langatmigkeit im Mittelfeld hat mich lange davon abgehalten, mich zu diesem Film zu äußern. Die Geschichte würde durchaus gewinnen, hätte man sie etwas flotter inszeniert. Trotz alledem ist die Idee, die dahinter steht, schlichtweg genial. Die Parallelität der inneren Empfindungen durch drei verschiedene Leben zu erzählen vermag durchaus zum Nachdenken anzuregen.
Also: der Film ist durchaus zu schauen. Wirklich „spannend“ ist er nicht. Man braucht eine gewisse Ausdauer.
02.11.2004 / 20.11.2005
by Himmelssurfer weiterlesen schließen
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