Pro:
Film, Darsteller, Regie, Kamera, Bild und deutscher Ton der DVD
Kontra:
stellenweise asynchroner Originalton, relativ wenig Extras
Empfehlung:
Ja
Basierend auf einem Artikel aus dem Magazin „Vanity Fair“ schuf Michael Mann (u.a. „Heat“, „Ali“) im Jahr 1999 den Film „The Insider“, der Dank seiner interessanten Story und den zwei hervorragenden Hauptdarstellern Russell Crowe und Al Pacino (und natürlich vor allem auch Dank Michael Mann selbst) es auf sieben Oscar-Nominierungen brachte, aber trotzdem leer ausging. Die Konkurrenz mit „American Beauty“ (schnappte „The Insider“ vier Oscars weg) und Matrix (schnappte „The Insider“ zwei Oscars weg) war in diesem Jahr einfach zu stark.
I N H A L T
°°°°°°°°°°
Lowell Bergman (Al Pacino) ist der Mann hinter einer der erfolgreichsten Nachrichtensendungen Amerikas. Er besorgt dem in der Öffentlichkeit stehendem Moderator Mike Wallace (Christoph Plummer) die Storys und Interviews.
In einer dieser Storys soll es um die Zigarettenindustrie gehen. Bergman hat brisantes Material bezüglich der Verletzung der Brandschutzbestimmungen bei Phillip Morris zugespielt bekommen und braucht nun einen Insider, der ihm die unverständlichen Termini der Unterlagen erklären kann. Dabei stößt er auf den Wissenschaftler Dr. Jeffrey Wigand (Russell Crowe), der kürzlich beim Tabakhersteller Brown & Williamson, gefeuert wurde. Doch, für Bergman völlig unverständlich, weigert sich Wigand zu Beginn mit ihm zu reden. Erst langsam kann er ihn dazu bringen, wenige Dinge zu erklären, doch der Nachrichtenprofi merkt schnell: Wigand weiß mehr, Wigand belastet etwas anderes.
Darüber möchte diese aber nicht sprechen, hat er doch beim Ausscheiden aus der Firma eine Verschwiegenheitsklausel zu allen Vorgängen bei seinem ehemaligen Arbeitgeber unterzeichnet und wird von diesen nun unter Druck gesetzt, da man dort von seinen Treffen mit Bergman Wind bekommen hat. Die Tabakindustrie bedroht sogar seine Familie.
Derart in die Ecke gedrängt, beschließt Wigand auszusagen, erst vor Gericht und dann in einem Interview mit Wallace: Er sagt aus, dass die Zigarettenhersteller gesundheitsschädliche Stoffe, in die Zigaretten mischen, welche die Wirkung des Nikotins erhöhen und damit den Konsumenten leichter süchtig werden lassen.
Diese Aussage lässt die Tabakindustrie nicht auf sich sitzen. Sie schlägt zurück: Der Insider Wigand wird öffentlich in Verruf gebracht. Alles negative aus seiner Vergangenheit wird ausgegraben. Seine Frau Liane (Diane Venora) verlässt ihn. Und auch auf Bergmanns Sender CBS wird Druck verübt, so dass dieser eine Ausstrahlung des Interviews mit Wigand unterlässt. Das läst Bergmann sich aber nicht gefallen. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um Wigand zu rehabilitieren, und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Doch dazu muss er erst einmal das Vertrauen von Wigand wieder erlangen, da der Bergman die Schuld an seinem zerstören Leben gibt.
M E I N U N G
°°°°°°°°°°
„The Insider“ ist ein typischer Michael Mann-Film, den man entweder lieben muss oder langweilig finden wird, denn beides kann man zu diesem Film vertreten, ohne dass ein anderer etwas dagegen sagen kann. Den Michael Manns Film geht über eine Länge von 157 Minuten und kommt fast über ist die gesamte Länge ohne Action aus. Stattdessen setzt Mann auf viele Dialoge und die Macht der Bilder, für welche Dante Spinotti (Oscarnominiert für diesen Film, aber gegen Conrad L. Hall mit „American Beauty“ unterlegen) sich auszeichnet. Die Bilder sind etwas besonderes, vor allem die Farben, die sehr kühl wirken, oft einen Blau- oder Grünton haben. Gerade diese eher ungewöhnlichen Bilder und die sehr langsame bedächtige Erzählweise werden vielleicht einige Zuschauer langweilen, dabei hat der Film über die gesamten 157 Minuten seine eigene Action und sein eigenes Tempo, seinen eigene Erzählstil, den Erzählstil des Michael Mann, und diesen muss man halt mögen, um den Film lieben zu können!
Unstreitig großartig agieren aber die beiden Hauptdarsteller, allen voran Russell Crowe (Oscarnominiert für diesen Film, aber gegen Kevin Spacey mit „American Beauty“ unterlegen) als etwas übergewichtiger weißhaariger Wissenschaftler, der einen großen Konflikt überwinden muss. Auf der einen Seite steht seine Familie mit seiner kranken Tochter, für deren Behandlung er das Geld braucht, welches ihm die Firma auch nach der Entlassung weiterzahlt, auf der anderen Seite steht die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Gesundheit der Bevölkerung. Crowe drückt dem Film vor allem im ersten Teil den Stempel mit seiner Darbietung auf, vor allem die Darstellung des Konflikts in welchem Wigand sich befindet und auch die „schlechten“ Seiten von Wigand sind sehr gut dargestellt.
Nicht minder großartig agiert Pacino, dessen Kampf um Gerechtigkeit und um die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien größtenteils die zweite Hälfte des Films ausmacht und nicht minder sehenswert ist. Bergman ist ein Kämpfer für die Pressefreiheit und als er diese gefährdet sieht, schlägt er zurück und scheut sich dabei auch nicht, seine Umgebung zu manipulieren und zu benutzen.
Manns Film ist damit nicht nur die Schilderung eines großen Skandals in der jüngeren amerikanischen Geschichte, sondern auch ein kleines Plädoyer für die Wahrheit, die Pressefreiheit und Kritik an den amerikanischen Konzernen, die denken sich mit Geld alles kaufen zu können, auch das Gewissen und die Verschwiegenheit ihrer (ehemaligen) Mitarbeiter.
Ankreiden kann man dem Film allerhöchstens vielleicht, dass die ein oder andere Szene vielleicht doch überflüssig wirkt, das man sie hätte weglassen können und so den 157 Minuten langen Film etwas hätte kürzen können, aber hätte man das wirklich? Michael Manns Filme sind immer Gesamtkunstwerke, und so ist auch „The Insider“ eins. Mann wird sich bei jeder Szene des Films was gedacht haben, und bei vielen Szenen erschließt sich diese geringe Aussage, die jede Szene hat (oft auch nur im Gesamtbild des Films gesehen), erst nach und nach dem Zuschauer und genau deswegen ist in diesem Film jede Szene wichtig und keine hätte fehlen dürfen, auch wenn der Film dadurch ganz kleine Längen hat.
D V D
°°°°°°°°°°
Technische Informationen:
Bildformat: 2.35:1 (anamorph)
Tonformate: DD 5.1, Stereo
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras:
- Kinotrailer
- Making Of
- Inside a scene
- Produktionsnotizen
- Filmografien
Bei Filmen von Michael Mann ist die Bild- und Tonqualität oft sehr wichtig und hier kann die DVD größtenteils punkten. Vor allem die Bildqualität ist spitze und die von Mann eingesetzten Farben entfalten voll ihre gewünschte Wirkung.
Auch der deutsche Ton kann da sowohl im Dolby Digital 5.1-Format als auch in Stereo mithalten, wobei vor allem die Musik sehr gut zur Geltung kommt. Im übrigen ist der Film recht dialoglastig, so dass es natürlich keine großen Special Effects gibt, welche eine Surround-Anlage beanspruchen würden.
Negativ fällt einzig und allein dabei auf, dass er englische Ton (auch DD 5.1) teilweise asynchron ist.
Von den Extras auf der DVD ist neben dem sehr gut gemachten Kino-Trailer, vor allem das Making Of erwähnenswert. In diesem kommen neben Al Pacino, Russell Crowe und Michael Mann auch die „echten“ Personen Jeffrey Wigand und Lowell Bergmann zu Wort. Das Making Of ist in Englisch mit deutschen Untertiteln.
Die Produktionsnotizen sind normale Standardkost, die Filmografien (von Russell Crowe, Al Pacino, Christoph Plummer und Michael Mann) sind recht umfangreich und führen alle wichtigen Filme des jeweiligen Akteurs an (und nicht nur eine Auswahl).
Auffällig ist noch, dass der Film in achtzehn Kapitel unterteilt ist, man aber aus der Szenenauswahl nur fünfzehn der achtzehn Kapitel anwählen kann.
F A Z I T
°°°°°°°°°°
Der Film ist nicht nur Dank der beiden hervorragenden Hauptdarsteller großartig und auf jeden Fall sehenswert. Die DVD hätte ruhig ein paar mehr Extras aufweisen können, immerhin sind aber das Bild und der deutsche Ton sehr gut und das ist doch das wichtigste.
Film: 9,5 von 10 Punkten!
DVD: 3,5 von 5 Punkten!
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Gesamt: 9 Insider-Punkte auf meiner 10er Skala!
D A T E N
°°°°°°°°°°
Titel Deutschland: Insider
Originaltitel: The Insider
Genre: Thriller
USA 2000, FSK 6, Laufzeit: 157 Minuten
Darsteller: Al Pacino (Lowell Bergman), Russell Crowe (Jeffrey Wigand), Christopher Plummer (Mike Wallace), Diane Venora (Liane Wigand), Philip Baker Hall (Don Hewitt), Lindsay Crouse (Sharon Tiller), Debi Mazar (Debbie de Luca), Stephen Tobolowsky (Eric Kluster), Colm Feore (Richard Scruggs), Bruce McGill (Ron Motley), Gina Gershon (Helen Caperelli), Michael Gambon (Thomas Sandefur), Rip Torn (John Scanlon), Wings Hauser (Rechtsanwalt)
Regie: Michael Mann
Produzenten: Michael Mann, Pieter Jan Brugge
Drehbuch: Eric Roth, Michael Mann nach dem Artikel "The Man Who Knew Too Much" in der Zeitschrift Vanity Fair von Marie Brenner
Musik: Lisa Gerrard, Pieter Bourke
Kamera: Dante Spinotti
Ausstattung: Brian Morris
Schnitt: William Goldenberg
Kostüme: Anna Sheppard
Make Up: John Caglione jr.
Ton: Andy Nelson
O S C A R S
°°°°°°°°°°°
Oscar-Nominierung für 1999 für "The Insider" (Bester Film)
Oscar-Nominierung für 1999 für Michael Mann (Regie)
Oscar-Nominierung für 1999 für Russell Crowe (Hauptdarsteller)
Oscar-Nominierung für 1999 für Dante Spinotti (Kamera)
Oscar-Nominierung für 1999 für Eric Roth, Michael Mann (Drehbuch-Adaption)
Oscar-Nominierung für 1999 für William Goldenberg (Schnitt)
Oscar-Nominierung für 1999 für Andy Nelson (Ton)
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
°°°°°°°°°°°
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0140352
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=2421
© Björn Becher 2003 weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben