Pro:
kurzweilig, nette Hauptdarsteller
Kontra:
miese Nebendarsteller, platt, primitiv, prüde
Empfehlung:
Nein
Schon bei der Wahl seines Brillengestells bewies Horst Bömmelburg sein fehlendes Gespür für Subtilität, so auch schließlich als seiner Freundin Vera von der stöbernden Nachbarin ein Pornovideo zugesteckt bekommt, dass diese im Müll des Herrn Bömmelburg gefunden hat. Kurzer Hand entschließt die gekränkte und geschockte Vera zurück zu ihrer Mutter zu ziehen und hinterlässt einen hilflosen Horst.
Doch als nebenan zufällig Siegfried (Oh, da wird doch nicht einer...), der ehemalige Mitschüler von Horst einzieht hat er einen neuen Leidensgefährten und neuen Elan für sein Liebesleben. Siegfried wurde ebenfalls verlassen, wegen ständig fremdgehen hat sein langjähriger Freund mit ihm Schluss gemacht. Während jedoch Horst als Orchestermitglied mit der gefragten Opernsängerin Kriemhild(... tatsächlich eine Wagner-Anspielung machen) Nastrowa anbandelt, möchte seine Freundin ihn wieder zurückerobern ohne etwas von dessen neu aufgekeimten Erregungszustand zu wissen. Währenddessen kündigt sich für Siegfried ein Besuch seiner Mutter an, die noch nichts von der Homosexualität ihres Sohnes weiß. Doch wen nehmen als Vorzeigeschwiegersohn? Den alten Freund zurückgewinnen oder doch lieber den muskulösen und tumben Straßenarbeiter Schrägstrich One-Night-Stand der Mutter vorhalten?
Grassiert in Hollywood schon seit Jahren ein anhaltender Boom von Special Effect-verseuchten Comicverfilmungen fallen diese in Deutschland kaum auf. „Der bewegte Mann“, die erste Verfilmung eines Ralf König-Comics war der erste deutsche Blockbuster seit langem, was auch daran liegen kann, dass man ihm den Comicursprung kaum anmerkt. Auf dieser Erfolgswelle schwamm dann kurze Zeit später wieder ein Ralf König-Comic als Realverfilmung in die Kinos, doch diesmal hatte der Meister selber seine Hände im Spiel, was dem Film vielleicht mehr Comicflair verlieh, aber dennoch aus dem „Kondom des Grauens“ einen schrecklich-trashigen Flop machte.
Doch Jahre später wagte man sich an die nunmehr dritte Verfilmung und so fand „Wie die Karnickel“ in die Kinos, diesmal als Mischung aus beiden vorangegangen Teilen. Der Film schwankt zwischen realistisch wirkender Komödie und übertriebener Comicinszenierung. Leider heißt dies nicht, dass der Film das Beste aus beiden Arten zusammenführt, denn auch wenn dieser Schwank zwischen Normalfilm und Trash eine große Zuschauerzahl anspricht und dennoch den Charme der Comics teilweise übernehmen will krankt der Film an zu vielen Stellen, um als Highlight der König-Trilogie, wenn man sie so nennen mag, angesehen zu werden.
Tödlich für eine Komödie ist wenn sie nicht lustig ist. Herzlichen Glückwunsch Herr Regisseur, sie haben dem derben Charme des Comics jegliche Seele ausgehaucht und dafür die in Mode gekommenen Sexwitzchen eines „Eis Am Stil“-Filmchens als Platzhalter eingesetzt. Da die Figuren nicht überzeichnet und comichaft genug inszeniert wurden, wirken ganze Sequenzen peinlich einfallslos und unglaubwürdig. Gerade die Nebenhandlung mit der Opernsängerin und ihrer Sexbesessenheit ist langweilig und sogar recht schnell geradezu nervig, als dass man ihr die Bratsche gerne komplett in ihren Rachen schieben möchte, so dass sie doch nur ruhig sei, zumal diese Handlung den Geschichtsverlauf kaum weiter bringt, geschweige denn für nette Lacher herhalten kann. Das ganze gilt leider auch für den kompletten Showdown des Films, der von vorne bis hinten dumm, unwitzig und einschläfernd einfallslos und primitiv ist.
Außerdem zeigt dieser Film nur zu deutlich, was schon im „Kondom des Grauens“ krampfhaft versuchte vertuscht zu werden. Die Prüderie dieser beiden Filme ist erschreckend offensichtlich. Auch wenn man meinen könnte, dass Sexklamotten nie etwas verstecken beweist der Film, dass er antäuscht etwas zu wagen, dabei ist er harmlos und verklemmt. Das Auftauchen von noch nicht einmal B-Movie-Möchtegern-Starlet Kelly Trump reißt den Film da auch nicht mehr heraus, denn oben ohne sieht man sie wohl nur in ihren „Frühwerken“. Achtung, Taschentücher bereitlegen, unter anderem auch wegen ihres schlechten Schauspiels, dass einem die Tränen in die Augen treibt.
Ab und zu blitzt zwischen all diesem einfallslosen Geschlechterkampf doch ein Funken cleverem Witz hervor, nämlich dann wenn versucht wird zu zeigen, dass Homo- und Hetero-Beziehungen nicht so unterschiedlich sind, wie man es annehmen kann oder das es vielleicht manchmal besser wäre, dass Unterschiede nicht da wären und selbst einige Dialoge wissen zu gefallen, so zum Beispiel wenn Siegfried Horst offenbart, dass dieser schwul sei und Horst darauf nur ein „Tut mir Leid“ herausrutscht. Leider sind das somit drei Sekunden Erheiterung und Kurzweil, die als Gegengewicht 90 Minuten mehr oder weniger gleichgültiger Witze auf Pubertierendem-Niveau haben.
Schade, denn Potential bietet die Vorlage sicherlich, doch der Versuch die Geschichte heterokompatibel zu machen scheitert daran, dass Ralf König zu drastisch in seinen Comics mit Bullenklöten jongliert, als das massentauglich und trotzdem witzig verfilmt werden könnte.
Immerhin wurden die Schauspieler ansehnlich gecastet. Zumindest was die Optik betrifft passen sie zu ihren gezeichneten Alter Egos und bringen wenigstens Schwung in die Geschichte. Leider gilt das nicht durchgängig für die komplette Besetzung, denn einige Nebendarsteller, so etwa Alfonso Los, Niels Ruf und eben jene Kelly Trump beweisen, dass sie zu Recht nicht mehr zu oft auf dem Fernsehbildschirm auftauchen.
Fazit:
Witzlos, Ideenlos, stellenweise arg nervig, mit einem sehr schwachen Ende und untalentierten Nebendarstellern wird der Film nur in wenigen Sequenzen durch die recht ordentlich besetzten Hauptfiguren und wenig Dialogwitz getragen. Ansonsten besticht der Film durch eine feige Prüderie, obwohl er ständig durch peinlichen Sexwitz trumpfen möchte, daraus ergibt sich wohl auch eine kurzweilige Inszenierung voller Nebensächlichkeit.
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