Pro:
Bild- und Tonqualität, Umsetzung des Themas, Besetzung
Kontra:
nur FSK 16 - der Film sollte wegen der Brutalität auf FSK 18 gesetzt sein!
Empfehlung:
Ja
Fernsehen oder Kino gehören eigentlich nicht eben zu meinen Hobbys. Das lange Sitzen und Konzentrieren ist nichts für mich. Hin und wieder kommt es dann aber doch vor, dass mich Filme in ihren Bann ziehen und ich tatsächlich einen Film bis zum Ende ansehe oder, was noch seltener vorkommt, ihn sogar mehrmals anschaue. Meist handelt es sich dabei um Komödien á la "Miss Undercover", nicht zu übertrieben und doch komisch.
Bei diesem Film hier war aber alles anders. Ich bin seit vielen Jahren Mitglied bei Bertelsmann, wo man ja bekanntlich regelmässig was kaufen muss. Meist nutzt das meine Frau, um sich Bücher zu kaufen, weil ich eigentlich eher selten was finde, was mich wirklich reizt und was gleichzeitig einen wirklich guten Preis hat. Das soll nicht heissen, dass Bertelsmann schlecht ist, nur für mich ist in deren Angebot halt selten was dabei.
Oh, ich komme schon wieder weit vom Thema ab. Es war jedenfalls mal wieder Zeit, etwas zu kaufen und da ich mal wieder nix wirklich tolles fand, nahm ich diesen Film mit, der gerade im Angebot war. Wissend, dass ich Kriegsfilme nun eigentlich überhaupt nicht mag und auch Mel Gibson nicht eben zu meinen Lieblingen zählt, setzte ich keine grossen Erwartungen in den Film. Schon beim zugegeben recht aufwendig gestalteten Menü bestätigte sich dieser Eindruck: Die auf mich zufliegenden Militärhubschrauber klangen ziemlich bedrohlich und ich war mir sicher, dass ich hier wieder ein typisches US-Kriegsepos gekauft hatte, in dem die USA als Mega-Kriegshelden dargestellt werden.
Doch etwas faszinierendes war da schon: Der Sound! Die Hubschrauber klangen im Dolby-Surround-Sound verdammt echt.
Nagut, ich schaute mir den Film an und deshalb will ich jetzt mal knapp was zur Handlung erzählen. Der Film beruht offenbar auf einer wahren Begebenheit. Dem Film liegt das Buch "We were Soldiers once... and young" von Joseph L. Galloway zu Grunde, der es gemeinsam mit Lieutenant Colonel Harold G. Moore. geschrieben hat, um eine grausame Geschichte für die Nachwelt festzuhalten.
Als die USA in den Vietnamkrieg eintraten, hatten sie eine neue Strategie entwickelt, von der sie sich im unwegsamen Gelände Vietnams grosse Erfolge versprachen: die Luftkavallerie. Soldaten und Nachschub sollten mit Hubschraubern in das Kampfgebiet geflogen werden. Nachteil: man hatte damit natürlich keine Kampferfahrung.
Colonel Moore (Mel Gibson) wurde ausgewählt die Einheit auszubilden, die diese Strategie zum ersten mal in einem echten Gefecht testen sollte. Er führte dann auch seine 400 Soldaten in diese erste Schlacht. Im La Drang-Tal standen den 400 US-Soldaten rund 2000 Soldaten der Volksarmee Nordvietnams gegenüber. Jahre zuvor war dort schon einmal eine französische Einheit blutig niedergemetzelt worden.
Der Rest ist brutale ungeschminkte Kriegsrealität zwischen Kameradschaft, Angst, Schrecken und Tod auf beiden Seiten. Mitten dahinein gerät der amerikanische Kriegsreporter Joe Galloway, der bis zum Ende auch vor Ort bleibt und letztlich das Buch geschrieben hat, um das Erlebte zu verarbeiten.
Soweit, so gut: ein typischer Kriegsfilm. Was den Film dann aber doch zu etwas besonderem macht, ist folgendes. Einige der Soldaten werden am Anfang zwar nur flüchtig gemeinsam mit ihren Familien und ihrer persönlichen Geschichte vorgestellt, aber während die Männer um ihr Leben kämpfen, gibt es immer wieder den Umschnitt nach Hause zu den Familien, die damit konfrontiert werden, dass Taxifahrer Telegramme zustellen müssen, in denen das Verteidigungsministerium den Witwen der Gefallenen sein Beileid ausspricht. Die Angst vor dem Telegramm vor der eigenen Tür und das Glück, dann doch keins zu bekommen, liegen eng beisammen und schweisst die Frauen zusammen.
Die ganze Perversität des Krieges wird nicht nur über den Tod einzelner Soldaten geschildert, sondern sie spiegelt sich vor allem im Verhalten der Vorgesetzten wieder. Da ist eben die Tatsache, dass man die Telegramme mal eben von Taxifahrern austragen lässt oder dass man, als man bemerkt, dass die Einheit aufgerieben wird versucht, den Einsatz zu vertuschen und wenigstens Colonel Moore, den man noch brauchen kann, schleunigst da rauszuholen. Auch das uns allen spätestens seit dem Irak-Krieg bekannte "Friendly Fire", also versehentliche Angriffe auf die eigene Einheit, kommt im Film auf überraschend brutale und unkaschierte Art vor.
Am erschütterndsten fand ich jedoch das Ende des Films. Obwohl es am Ende einen klaren Sieger der Schlacht gibt, ziehen beide Seiten ohne einen Geländegewinn zu erzielen oder irgendetwas strategisch wichtiges eingenommen zu haben vom Ort des Geschehens ab. Wofür bitteschön sind all die Menschen dort gestorben? Nur für den Test einer Strategie?
Jedenfalls bleibt am Ende festzustellen, dass es sich eben nicht um ein typisch amerikanisches Kriegsepos handelt. Der Krieg, die ganze Action und Brutalität in dem Film
sind nur Beiwerk. Was wirklich wichtig ist und auch hervorragend dargestellt wird, sind all die Gefühle der Beteiligten: Liebe, Angst, Schmerz, Trauer und Kameradschaft.
Wie schon eingangs erwähnt, mag ich Mel Gibson nicht wirklich gern, aber ich denke mal, er ist hier wirklich die beste Besetzung gewesen. Mit Chris Klein, Madeleine Stowe und Barry Pepper ist der Film auch sonst sehr gut besetzt.
Auch hatte ich schon erwähnt, dass der Sound hervorragend ist. Mit einer 5:1-Dolby Surround-Anlage ist man erschreckenderweise wirklich mittendrin und ich bin nicht nur einmal erschrocken, als hinter mir Kugeln einschlugen.
Bonusmaterial gibt es auf meiner DVD leider wenig. Neben dem Kino-Trailer sind da noch Kurzbiografien der Hauptdarsteller, wenige Infos zur Produktion und die Trailer einiger anderer Filme. Ausserdem gibt es einen DVD-Rom-Part, der DVD-Player-Software für den PC enthält. Sprachen, Tonformate, Untertitel und Making-Of sucht man vergebens. Ich weiss aber, dass es den Film auch noch in einer teuereren Version gibt, wo dann sicher mehr Material bei ist.
FAZIT: Ich habe mich beim Kauf des Films gründlich geirrt. Der Film ist kein typischer Kriegsfilm, sondern ein hochkarätiges Drama mit wahrem Hintergrund. Hinzu kommt dass er neben der starken Besetzung auch noch mit der sehr guten Bild- und Tonqualität und einem hervorragenden Drehbuch von Randall Wallace ("Braveheart") punkten kann.
Einziges Minus:Wegen der schonungslos gezeigten Brutalität ist der Film erst ab 16 Jahren freigegeben, was ich persönlich eigentlich sogar noch für zu wenig halte, FSK 18 wäre besser.
PS: Im Inlet meiner DVD las ich übrigens folgendes und ich kann dem nur beipflichten:
"So ist "Wir waren Helden" nicht nur einer der erschütterndsten Vietnamfilme, die je zu sehen waren, er ist auch überraschend unpatriotisch" (Prinz online) und "Wo andere Filme nur Grausamkeiten des Krieges zeigen, entwickelt der Gibson-Streifen Mitgefühl für seine Figuren" (Joy)
MEIN TIPP: Unbedingt ansehen! weiterlesen schließen
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