Pro:
Leichtes An - und Ausziehen, Kostenübernahme der Krankenkasse, angenehme Polsterung, dezente Farbgebung
Kontra:
Schweißbildung, Wärmeentwicklung im Sommer, unzulängliches Stabilitätsgefühl, an den Klettverschlüssen bleibt alles haften, bzw . an anderen Stellen verlieren sie ihre Haftbarkeit, paßt nur in wenige Schuhe
Empfehlung:
Ja
Mein heutiger Bericht geht um einen Gegenstand, den ich mir nicht freiwillig angeschafft habe, genauso wie den Bänderriss im oberen Sprunggelenk, den ich mir Anfang August zugezogen habe, weil ich mit meinem Fuß umgeknickt bin. Eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit. Ich bin auch sofort ins Krankenhaus, dort wurde in der Notfallambulanz mein Fuß geröntgt, zum Glück war nix gebrochen, aber Diagnose "Bänderriss" die Schwester verpasste mir die Aircast Airgo, die ich ab diesem Moment 6 Wochen tragen sollte und nur zum Duschen oder Waschen ablegen. Damit wurde ich wieder heimgeschickt und wurde quasi mit meinem Schicksal und der Airgo Sprunggelenkschiene allein gelassen, die von nun an für die nächsten Wochen mein ständiger Begleiter sein sollte.
Sinn und Zweck von der Aircast AirGo:
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Bei der Aircast AirGo Anklebrace handelt es sich um ein Produkt aus dem Bereich der Orthesen, um eine Sprunggelenksschiene. Laut Herstellerangaben gibt es folgende Indikation für die Aircast Airgo: "Frische fibulare Bandrupturen; schwere Distorsionen und chronische Instabilität des Sprunggelenks; Nachbehandlung von Bandrupturen und Sprunggelenkfrakturen;" Also auf gut deutsch Bänderrisse, Verstauchungen und Brüche des Sprunggelenkes. Durch so eine Sprunggelenksschiene wird quasi das Gelenk so geschient, daß die verletzten Bereiche Bänder, Knochen usw. in ihrer Beweglichkeit so geschient, bzw. in eine Richtung gerichtet werden, daß das Gelenk wieder heilen kann. Fehlbewegungen oder erneutes Umknicken soll durch die Stabilisierung mit der Schiene vermieten werden.
Die Behandlung von Bänderrissen des Sprunggelenkes mit einer solchen Schiene zählt man zu den konservativen Methoden, im Gegensatz zu einer Operation. Teilweise werden Bänderrisse und Brüche auch noch eingegipst, zum Glück ist mir eine Operation und Gips erspart geblieben, wobei alles Vor- und Nachteile hat, aber dies wäre Thema für einen seperaten Bericht.
Bezugsquelle und Preis:
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Meine Aircast AirGo habe ich wie oben bereits erwähnt im Krankenhaus bekommen, also quasi auf ärztliches Rezept. Die Zuzahlung für die AirGo betrug 5,90 Euro, die Rechnung hierfür bekam ich separat per Post zugeschickt. Bekommt die AirGo nicht direkt vom Arzt mit so kann man sie in Orthopädiefachgeschäften, Onlineshops und sogar auch über ebay erwerben. Die Preisspanne liegt etwa bei 59 bis 109 Euro, bei ebay natürlich günstiger.
Modellvarianten:
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Die Aircast AirGo gibt es in 6 verschiedenen Modellvarianten, es gibt 3 verschiedene Größen von small für Schuhgröße bis 39, Medium für Schuhgröße 39-43, und Large für Schuhgrößen größer wie 43. Jeweils für den rechten, bzw. linken Fuß. Da ich Schuhgröße 40 habe und es meinen rechten Fuß erwischt habe bekam ich das Medium-Modell für rechts.
Verpackung / Inhalt:
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Die Aircast AirGo ist in einem schlichten weißen Karton mit türkisfarbenen Aufdruck verpackt. In dem Karton befindet sich die eigentliche Aircast AirGo und noch ein DINA4 Faltblatt mit kurzen Erläuterungen, Anzieh- und Pflegeanleitung in deutsch und mit Bildern und Fotos illustriert. Alles sehr anschaulich, knapp und übersichtlich gestaltet und gut verständlich.
Aufbau / Konstruktion / Optik:
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Die AirGo besteht aus zwei stabilen aber elastischen Kunststoffschienen, die mit schwarzem Nylonstoff nach außen ummantelt sind, auf der Innenseite dieser Schienen ist ein weiches elastisches mehrlagiges Neoprenmaterial in mittelgrau. Die beiden seitlichen Schienen sind beim Tragen links und rechts des Knöchels, dementsprechend sind sie auch leicht der menschlichen Fuß- bzw. Knöchelform nachempfunden vorgeformt, leicht geschwungen und an den beiden Stellen wo der Knöchelknochen in etwa sitzt nach außen gewölbt.
Die Schienen sind über ein Gebilde, das ähnlich aussieht, wie ein Strumpf bei dem man die Spitze und die Ferse, bzw. Rückseite abgeschnitten hat miteinander verbunden. Auch hier handelt es sich um weichen elastischen Neoprenstoff, allerdings nur einlagig, außen schwarz, nach innen hellgrau. Die rechte Schiene ist türkis mit dem Firmenlogo bestickt.
An der linken Schiene, die bei mir auf der Knöchelinnenseite ist, über ein dreieckiges Stück Nylonstoff im Bereich der Schuhsohle ein etwa 50 cm langer Gurt angenäht, das sogenannte Kreuzband. Es ist aus massiven Material ähnlich wie man es bei Rucksäcken kennt. Dieses Kreuzband wird insgesamt im diagonalen Verlauf noch oben etwa anderthalb mal um den Knöchel gewickelt und an zwei Stellen mit Klettband fixiert. Die Unterseite von dem Klettband besteht komplett aus dem haftbaren, weichen Klettmaterial. Die passenden Klettgegenstücke befinden sich einmal auf dem Kreuzband etwa in der Mitte und dann jeweils auf etwa dem oberen Drittel der beiden Schienen links und rechts. Außerdem ist auf der Vorderseite des Klettbandes, wenn es fertig um den Knöchel gewickelt ist, noch der aufgestickte Text AirGo in türkisfarbenen Buchstaben zu lesen.
Etwa auf Knöchelhöhe gibt es noch ein zweites Band, das Achillesband, dieses ist aus elastischen Gummimaterial und mit einer haftenden Klettunterseite, die auf das passende Klettgegenstück auf der Schiene rechts geklettet wird.
Anziehen der Aircast AirGo:
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Am besten ist es unter der Schiene immer noch einen Socken zu tragen, das ist auf jeden Fall hygienischer, weil sich ein Socken leichter waschen lässt wie die komplette Schiene. Laut Herstellerangabe ist sie per Handwäsche bei 30 Grad mit einem milden Waschmittel waschbar und sollte dann an der Luft getrocknet werden. Dies habe ich aber noch nicht ausprobiert, weil ich die AirGo nicht so lange entbehren wollte und konnte bis sie wieder getrocknet ist.
Also zurück zum Anziehen - vor dem Anziehen sollten alle Klettbänder gelöst werden. Wie in einen Socken schlüpft man den Zehen voran in den Vorfuß und zieht die beiden seitlichen Schalen nach oben und richtet sie ggf. nach der Knöchelform aus.
Als nächstes nimmt man das untere flexible Achillesband am hinteren Fußgelenk und fixiert es an der Schiene, so fest, so wie es noch angenehm ist.
Das Kreuzband wird über den Fußspann diagonal einmal um den Knöchel nach oben gewickelt und dann mit den Klettbänder fixiert. Jetzt kann man einen passenden Schuh anziehen und fertig los geht es.
Tragekomfort / Praxistest:
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Als erstes muß ich sagen, keine Schiene ist auf jeden Fall bequemer, aber das ging leider nicht, da ich die Schiene zur Ausheilung Tag und Nacht tragen sollte. Gerade die erste Zeit war mein Knöchel noch sehr geschwollen und sehr schmerzhaft. Großartig rumlaufen oder stehen war unmöglich, das einzig erträgliche war es den Fuß hochzulagern. Trotzdem hat mich die Schiene tagsüber nicht sonderlich gedrückt oder gestört, dafür bin ich aber nachts immer wieder aufgewacht, weil es an irgendeiner Stelle gedrückt oder gepiekt hat, aber das war vermutlich auf die Verletzung zurückzuführen. Im Großen und Ganzen empfinde ich den Tragekomfort der Schiene als angenehm, vor allem gepolsterten Neopren-Schaumstoffkissen auf der Innenseite sind angenehm und üben beim Laufen, bzw. der Fußbewegung einen angenehmen Massageeffekt aus. Durch diesen Massageeffekt hatte ich den Eindruck gingen auch Schwellungen besser zurück, denn die Stellen an denen die Schiene nicht war, waren immer sehr viel stärker geschwollen.
Auch finde ich das Anziehen der AirGo sehr einfach und komfortabel, bei Bedarf kann ich über die beiden Klettbänder die Passform immer wieder regulieren, bzw. angleichen.
Leider tragen die beiden Schienen auf den Seiten sehr auf, so daß ich nur in sehr wenige meiner Schuhe reinpasse, leider nur die ausgelatschten Uraltturnschuhe, bzw. Schuhe mit einem weiten, weichen Fersenbereich. Für zuhause war mir das egal, aber im Büro wollte ich doch nicht mit den alten Tretern zum Business-Outfit rumlaufen. So machte ich mich auf die Suche nach einem anderen Sprunggelenkschienenmodell mit dem ich in mehr Schuhe reinpasste, ich bin auch fündig geworden, doch dazu folgt ein seperater Bericht.
Auch Beweggrund für die Suche nach einer anderen Schiene war das unzulängliche Stabilitätsgefühl mit der Airgo, denn ich hatte irgendwie den Eindruck, daß mein Fuß, bzw. das Gelenk nicht ausreichend stabilisiert wurde durch die Schiene. Denn meinem Gefühl nach wird die Beweglichkeit des Fußes nicht großartig durch die Schiene eingeschränkt und sofern es die Verletzung und die Schmerzen zulassen, lässt sich der Fuß quasi in alle Himmelsrichtungen bewegen. Zwar wird dieser Effekt verringert, wenn ich die Schiene mit einem Schuh trage, weil der zusätzlichen Halt gibt, aber so zufriedenstellend war dies nicht. Deswegen habe ich mich nach einem anderen Modell umgesehen.
Laut Arzt hätte ich die Aircast insgesamt 6 Wochen 24 Stunden lang rund um die Uhr tragen sollen, nur leider ist die Verarbeitung nicht für diesen Dauereinsatz ausgelegt. Denn schon nach 2 Wochen ließ das Haftvermögen des Achillesklettbandes stark nach, weil die weiche Seite lauter lange Fäden zog, bzw. irgendwie sich aufdröselte, es klettet zwar noch irgendwie, nur hängte die ganze Konstruktion irgendwie nur noch an wenigen Fädchen. Auf der Oberseite des Achillesklettbandes haben sich Fusseln, bzw. Knötchen gebildet. Eine Verschleißerscheinung, die meiner Meinung nach nicht schon nach so kurzer Zeit auftreten darf.
Weiteres Manko finde ich die Anordnung der Klettbänder, die rauen Seiten, mit den Widerhaken sind nach oben, bzw. nach außen angeordnet. Leider sind die Fläche mit den Widerhaken größer, wie die Gegenstücke so bleiben an der Schiene alle möglichen Textilien hängen die dort nicht hingehören, wie Hosenbeine, Bettdecken, Bettlaken usw. Eine sehr nervige Angelegenheit, wenn die Hosenbeine immer wieder an der AirGo hängen bleiben. Vor allem sind die Klettbänder so aggressiv, daß ich mir mit ihnen einige Hosensäume und andere Stoffe aufgeribbelt habe und Fäden gezogen habe, sehr ärgerlich.
Das verwendete Material ist auch alles andere als atmungsaktiv, sobald die Temperaturen über 20 Grad sind ist mein Gelenk mit der AirGo quasi im eigenen "Saft" und der Socke darunter total klamm, während der Socke am gesunden Fuß noch frisch und trocken ist.
Nach 2 1/2 Wochen rund um die Uhr Einsatz habe ich mir ja eine neue Sprunggelenksschiene, die Push Aequi (Bericht folgt) zugelegt. Danach habe ich die Airgo zwar nicht komplett verschrottet, sondern variere beide miteinander, wobei ich die Airgo mittlerweilen wegen ihrer Beweglichkeit zum Sport lieber anziehe und aufgrund ihrer Bequemlichkeit auch hauptsächlich nachts trage.
Fazit:
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Alles im allem gebe ich der Aircast ein Befriedigend und ich spreche eine bedingte Kaufempfehlung aus. Sicherlich wird sich niemand freiwillig solche eine Sprunggelenksschiene zulegen, aber wenn die Notwendigkeit besteht, bzw. zur Vorbeugung, wäre die AirGo eine Alternative, da sie sehr weit verbreitet ist und es günstige Erwerbsmöglichkeiten von neuen Modellen über ebay etc. gibt. Aus medizinischer Sicht zur richtigen Behandlung von Bänderrissen würde ich eher auf andere Modelle ausweichen, weil sie das Fußgelenk zur Ausheilung doch besser stabilisieren, das hat mir auch mein Orthopäde bestätigt, bei dem ich zur weiteren Behandlung bin. Nur irgendwie scheinen sich auch die Ärzte und Experten untereinander nicht so einig zu sein, was jetzt besser oder schlechter ist. So möchte ich mich in dieser Hinsicht nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen.
Für mich persönlich ist es fraglich, warum die Aircast-Schienen, dieses Modell und auch die anderen Modelle bei den Ärzten so eine große Lobby haben und so weit verbreitet sind ...
Mein Tip, falls Ihr jemals den Bedarf an so einem Produkt habt, lasst Euch nicht gleich das Erstbeste vom Arzt aufdrängen, sondern informiert Euch über die verschiedenen Modelle und lasst Euch am besten in einem Orthopädiefachgeschäft beraten, wo ihr auch die Möglichkeit habt verschiedene Modelle zu testen.
Bleibt gesund und passt auf Euch auf und immer Äuglein auf beim Treppensteigen, dann braucht Ihr hoffentlich nie so eine Schiene.
Eure Gaenseblume234 (für yopi + ciao!) weiterlesen schließen
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