Pro:
Eine mögliche Alternative zu Fleisch
Kontra:
leider auch ein "Kunstprodukt"
Geschmack gewöhnungsbedürftig
Empfehlung:
Ja
Da mein Sohn seit 4 Jahren Vegetarier ist, und ich auch selbst oft auf Fleisch verzichte, war es einfach notwendig, nach Alternativen bezüglich Eiweißversorgung zu suchen. Neben der Verwendung von frischem Tofu und Tempeh, steht uns hier so genanntes „texturiertes Sojafleisch“ zur Verfügung. Ich versuchte es also mal (wieder) damit und kaufte im Drogeriemarkt
Alnatura Soja Schnetzel fein
Verpackung:
Wie alle Produkte der Firma Alnatura erkennt man auch dieses am grünen Logo und der deutlichen schwarzen Aufschrift. Wieder einmal steht „neu“ dabei, wobei man nicht erfährt, was nun wieder neu sein soll. Ich kannte dieses Produkt aber schon von früher und denke, die Würfel waren damals einfach größer. Jetzt gibt es „Sojafleisch“ als Faschiertes („Haschee“), und als „Schnetzel“ grob und fein.
Auf der Vorderseite der durchsichtigen Zellophanverpackung sieht man das Bild gefüllter Blätterteigtaschen, wofür wir das Rezept auf der Rückseite haben. Deutlich finden sich wie immer die Hinweise auf ökologische Landwirtschaft und das „BIO“-Logo. Mir ist das sehr wichtig, denn gentechnisch verändertes Soja käme für mich nicht in Frage, das wird mir ohnehin bei zahllosen anderen Lebensmitteln untergejubelt. So möchte ich wenigstens hier etwas „Lupenreines“ essen. Die Sojabohnen kommen in diesem Fall aus Frankreich, das sich bekanntlich zusammen mit Deutschland und Österreich am stärksten gegen Gentechnik in der Nahrung zur Wehr setzt. Ich hoffe, das bleibt auch so, und am wichtigsten ist ja, dass wir Konsumenten dabei bleiben!
Was ist texturiertes Sojafleisch?
Ich erinnere mich noch genau daran, wie in Österreich die Hauswirtschaftslehrerin Hermine Klein zu Beginn der 80er Jahre mit ihrer „Naturküche“ eine wahre Küchen-Revolution heraufbeschworen hat. Damals begann man ernsthaft über die Zusammenhänge zwischen falscher Ernährung und Krankheiten nachzudenken. Ich war gerade mal 20, Studentin und überaus neugierig. Damals habe ich mich tagelang in Drogerien und Reformhäusern herumgetrieben, wo es wahre Schätze zu entdecken gab, darunter auch dieses „Sojafleisch“, damals wie gesagt eine Revolution.
Und exakt seit damals schmeckt es mir auch nicht so besonders, aber ich habe es dennoch immer wieder probiert. Es ist, wie vieles, einfach Gewohnheitssache. Damals also – 1982 – gab es schon die erste Broschüre mit Rezepten, die ich heute noch habe und verwende.
Die gelbe Sojabohne ist ja ein überaus wertvolles Lebensmittel und man erkennt auch gerade ihre Bedeutung für die Wechseljahre der Frau, denn sie enthält pflanzliche „Hormone“. Man kann Sojabohnen zubereiten wie andere Hülsenfrüchte oder eben als Sojamilch usw., als Tofu, Tempeh oder „Sojafleisch“ kaufen. Letzteres wird durch ein Hochdruckverfahren in Form gepresst, wodurch es eine ähnliche Maserung wie Fleisch erhält und auch so ähnlich aussieht. Mir ist es sogar schon passiert, dass Gäste nicht gemerkt haben, dass sie gar kein Fleisch essen.
Aber nun zum Produkt:
Es handelt sich um harte, hell- bis dunkelbraune Stückchen Etwas. Wer das noch nie gesehen hat, wird sicher an Katzen-Trockenfutter erinnert, und irgendwie riecht es beim Öffnen der Packung auch ein wenig so. Sojafleisch schmeckt nach gar nichts, es muss daher gut gewürzt werden, wozu man es in Saucen und Gewürzen einweichen soll. Ich mache das allerdings nie, weil es dann den Biss zu sehr verliert. Man will ja wie bei Fleisch etwas zum Kauen haben. Ich gebe daher das Sojafleisch immer erst 10 Minuten vor Ende der Garzeit dazu. So schmeckt es mir einfach besser. Ansonsten weicht man das Ganze nach diversen Rezepten 10 bis 15 Minuten vorher ein, danach gut ausdrücken und erst am Schluss zum Gericht dazugeben.
Alnatura „Sojafleisch“ ist eines der besten, die ich probiert habe. Es lässt sich gut verarbeiten und schmeckt annehmbar. Allerdings ist der übliche Vergleich mit Fleisch einfach nicht angebracht und soll eher Konsumenten dazu bringen, diesem Produkt überhaupt Aufmerksamkeit zu schenken. Mein Sohn isst auch gerne Laibchen, die man mit der feineren Variante schnell zubereiten kann. Texturiertes Soja ist eben überall dort verwendbar, wo man ansonsten Fleisch nehmen würde. Probiert es einfach selbst mal aus.
Nährwerte für 100g:
Brennwert: 1595kj (378kcal)
Eiweiß: 47,5g
Kohlenhydrate: 30g
Fett: 7,5g
Cholesterinfrei
Inhalt: 150g – wobei wichtig ist, dass es nach dem Kochen die dreifache Menge „Fleisch“ ergibt!
Hersteller:
Fa. Alnatura GmbH, D-64404 Bickenbach
www.alntura.de
gekauft bei:
dm – Drogeriemarkt, Preis werde ich nachtragen – erinnere mich jetzt nicht mehr…
Mein Urteil:
Ein Produkt, das sicher in der Ernährung dazu beitragen kann, weniger Fleisch zu essen, und das ich ab und zu in der Küche einsetze. Auf Dauer ist es mir allerdings zu fade, da ziehe ich Tofu und Tempeh vor.
Was ich eben für einen Fehler halte, ist die verbreitete Ansicht, Soja wäre in dieser Form als genereller „Fleischersatz“ tauglich. Wer einmal weiß, wie Fleisch schmeckt, wird das niemals so sehen. Der Vorteil liegt darin, dass man herkömmliche Rezepte damit zubereiten kann, an der Rezeptur für ein Fleischgericht also eigentlich nichts ändern müsste. Man könnte sogar mit Maggi und Knorr-Fix-Produkten und Soja kochen. Damit hätte man das Essen immerhin um einige „Punkte“ gesünder gestaltet – durch Weglassen von Fleisch. Diese Firmen haben bei uns auch mal einen Versuch in der Richtung unternommen. Die Produkte verschwanden aber schnell wieder aus den Regalen – offenbar war kein Interesse vorhanden. Oder wie wir hier in Österreich gerne sagen: „Was der Bauer net kennt, frisst er net…“
Überdies ist nach streng naturgemäßer Denkweise auch texturiertes Soja ein Kunstprodukt, d. h. es ist verändert und verarbeitet. Somit auch kein „Lebensmittel“ mehr. Das sollte einem vielleicht klar sein, wenn man meint, damit sei es schon getan fürs gesunde Leben. So ist es leider nicht.
Fraglich ist offenbar, ob dieses Produkt nicht doch Purine im Körper erzeugt (Harnsäure!) und in dieser Hinsicht kaum gesünder als Fleisch ist. Hier gehen die Expertenmeinungen auseinander.
Ich nehme es ab und zu, wenn ich ein traditionelles Gericht koche – z. B. Reisfleisch – und ich es fleischlos machen will, oder wenn ich eben Sojalaibchen (mit dem Haschee) mache, die mir recht gut schmecken.
Ich ziehe daher nur einen Stern ab, weil das Produkt an sich von der Qualität und vom Preis her voll entspricht, aber eben von passionierten Fleischessern kaum verwendet werden wird.
Kostet trotzdem mal, und guten Appetit wünscht euch
Lotosblüte weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben