Pro:
+ nach 94 Minuten ist der Film vorbei...
Kontra:
- Sinn & Zweck des Filmes , die Aussage bleiben schleierhaft - Darsteller teilweise schlecht
Empfehlung:
Nein
Die Frage aus dem Titel meines Berichts wird man sich stellen, wenn man "NVA" gesehen hat.
"Was will uns dieser Film sagen? Was will uns Leander Haußmann, der Autor und Regisseur dieses Streifens sagen ? Was soll der Film eigentlich ?"
Nunja, ich hoffe, dass mir selber vielleicht während des Schreibens des Berichts die Antwort auf diese Fragen selber einfallen, denn , ehrlich gesagt, weiss ich es auch nicht. Kommen wir aber zunächst einmal zu den Fakten.
=== Was ist denn die NVA ? ===
NVA - das steht für "Nationale Volks-Armee" und war sowas wie das Gegenstück der DDR zur Bundeswehr. Sie existierte als "nationale Verteidigungsarmee" von 1956 bis 1990. Die jüngeren Leserinnen und Leser dürften diese "Institution" also maximal aus dem Geschichtsbuch oder aus alten TV-Dokumentationen oder Berichten her kennen.
"Damals" jedenfalls "beschützte" diese Truppe die DDR vor Angriffen "aus dem kapitalistischem Ausland", wurde sollte ursprünglich auch zur Niederschlagung von Aufständen wie denen des "Prager Frühlings" in der damaligen CSSR eingesetzt werden - im "Bruderschluß" sozusagen mit der roten Armee. Aus geschichtlichen Gründen (Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei vor dem II. Weltkrieg) kam es allerdings nicht dazu. Wie der Bundesrepublik auch, existierte in der DDR allerdings erst seit 1962 eine Wehrpflicht, d.h. jeder junge Mann ab dem Alter von 18 Jahren wurde in die NVA einberufen, so er tauglich gemustert wurde. So etwas wie Zivildienst gab es in der DDR - zumindest offiziell - überhaupt nicht...
=== Die DVD "NVA" ===
Zur DVD "NVA" kam ich eher durch Zufall. Ein Angebot bei Saturn, wo diese DVD zusammen mit dem Film "Goodbye Lenin", quasi im Doppelpack für nur 10 € angeboten wurde, liess mich hier zuschlagen.
=== Kommen wir zum Inhalt des Films ===
Der Film beginnt - auf der Ladefläche eines Lastwagens. Die jungen Rekruten der NVA sind auf ihren Weg zur "Fidel Castro Kaserne", in der ihre Grundausbildung beginnt. Hendrik Heidler(dargestellt vom "Echt"-Sänger Kim Frank), die Hauptfigur des Filmes, macht die Bekanntschaft mit seinen zukünftigen Kameraden, mit denen er die 18-monatige Wehrpflicht ableisten darf. Da ist der renitente Krüger mit seinen langen, roten Haaren, der strebsam-schleimige Traubwein, dessen Großvater angeblich den "Kessel" überlebt hat und der eher gemütliche Mischke.
Kaum auf dem Gelände der Kaserne angekommen, heisst es Abschied nehmen von Zivilleben. Zunächst kommt die "lange Matte" von Krüger dran. Beim ersten Appell hat der es doch gewagt, mit seiner langen Mähne, Kaugummi kauend, anzutreten. Sofort wird Krüger vom Regimentsleister Oberst Kalt persönlich nach vorne zitiert. Vor versammelter Mannschaft darf Hendrik nun die Haare stutzen - und darf nebenbei den "ausdruckslosen Blick" zusammen mit Krüger üben. Auf ihrer Bude angekommen, werden die "Neuankömmlinge" erstmal von dem 1. Jahrgang (den sogenannten "EK" für Entlasskandidaten) in Empfang genommen und besonders Krüger bekommt es von diesen tüchtig eingeheizt.
Später schreibt Hendrik seiner "geliebten Eva" täglich einen Liebesbrief - bekommt aber kaum eine Rückantwort. Krüger hingegen hat seine Beziehung vor dem Antritt des Wehrdienstes noch beendet, da sie sowieso nicht halten wird.
In der Ausbildung werden die Jungs vom Chef der Waffenkammer, Hauptfeldwebel Futterknecht, im Umgang mit Granaten geschult. "Angeblich" sei die Übungsmunition abgelaufene, scharfe Munition und würde nur ein leises Zischen verursachen, wenn man sie wirft. Allerdings stellt sich heraus, dass diese Munition durchaus noch ganz gut funktioniert - der Vorfall bleibt zum Glück folgenlos.
So gehen die Tage vorbei, bis Hendrik erfährt, dass Eva schon längere Zeit mit ihm Schluß gemacht hat - mit dessen besten Freund !
Aber halb so schlimm: bald lernt Hendrik im Rahmen eines etwas unfreiwilligen Ausfluges im Zuge einer Übung mit Gasmasken und - anzügen ein Mädchen kennen: Marie Kalt, die , wie sich später herausstellen soll, Tochter des Regimentschefs Oberst Kalt.
=== Humor im Film ===
Nunja, ich gebe es zu, ich tue mich sehr schwer mit diesem Film. Offensichtlich will er als "Komödie" gelten, andererseits will er eine Reminiszenz an vergangene Zeiten sein (oder etwa nicht ?), so richtig "verstanden" habe ich die Intention des Filmes nun nicht. Dies liegt auch daran, dass die Gags nicht wirklich zünden wollen. Am "Komischten" war da noch die "Landung" von Hendrik (Kim Frank) im See, die dadurch zu Stande kommt, dass er dank des luftdichten Gasanzuges ein wenig die Orientierung verliert und schließlich in den See fällt. Glücklicherweise wird er von dem sich einem Luftballon ähnelnden Gasschutzanzug über Wasser gehalten,,um schließlich von Marie die (soviel sei verraten) bald seine "Zukünftige" sein wird, aus dem See gerettet zu werden. Auch der etwas eigenwillige Krüger ist im Prinzip schon ein Charakter, über und mit dem man lachen könnte, aber irgendwie ist die ganze Vorstellung dann doch ein wenig zu platt, um darüber wirklich lachen zu können.
Ein weiteres Humorbeispiel: eine graue Betonwand soll "sozialistisch-pazifistisch" bemalt werden. Doch der Künstler malt in den Himmel schwebende Pferdchen und Täubchen. "Da fehlen doch die Fahnen", wird er daraufhin von Hauptmann Stummel getadelt.Also bekommen die Pferdchen und Täubchen schlichtweg russische Mützen aufgesetzt und Fahnen in die Flügel gedrückt - ein groteskes Bild. Also wird es wieder grau übertüncht, bleibt es eben, wie es ist. Im Rahmen einer Weihnachtsfeier fragt Hauptmann Stummel seine Leute, ob es denn eine drängende Frage gebe ? Als sich ein Rekrut meldet und fragt, warum man denn Weihnachten in nächster Nähe zu einer Waffenkammer feiern müsse, gibt es einen 3/4 Stunden langen Vortrag über den Klassenfeind aus dem Westen, der nur auf seine Chance warte, Pazifismus sei keine Lösung und dergleichen Parolen mehr... Danach gibt es keine Fragen mehr. Als der Hauptmann befindet : "ich mache Schluss, weiterfeiern", wird das Bier rausgeholt und einer draufgemacht... Naja, hört sich lustig an,ist aber für mich eher ein wenig zu klischeehaft und auch nicht wirklich witzig.
=== Etwas zu den Darstellern und ihrer Kunst ===
Die Hauptrolle des Henrik Heidler wird gespielt vom Sänger der ehemaligen Teenie-Band "Echt", Kim Frank. Für mich ist diese Figur "nicht ganz echt", wörtlich gesprochen.
Unglaublich, dass dieser Mensch mit seinen Liebesbriefen Erfolg beim weiblichen Geschlecht haben wird.
Diese ganze gekünstelt und übertrieben poetisch geschilderten Begebenheiten, die er in seinen Liebesschmonzetten da preis gibt, sind mir schon ziemlich auf den Zeiger gegangen. Zudem wirkt er eher teilnahmslos mit einer gewissen Prise an Gleichgültigkeit. Erst, als er Marie kennen lernt, wird er ein wenig seiner Rolle gerecht. Da haut er sogar nächtens aus der Kaserne ab, um zu seiner neuen "Flamme" zu begegnen. Trotzdem ist diese ganze Chose für mich doch eher unspannend geblieben, was eventuell auch dem Darsteller selbst geschuldet ist, der ganz einfach zu wenig "Draht" zu seiner Rolle gefunden hat.(irgendwie ein langweiliger, neunmalkluger Möchtegernpoet an falscher Stelle...)
Auch der "Krüger" ( _Oliver Bröcker_) hilft da nicht viel. Ein Typ mit Ecken und Kanten, der ein wenig träge das tut, was ihm in den Kram passt. Unangepasst, dann und wann ein bischen rebellisch, meist mit blutender Nase aus einer Schlägerei - so ist er schnell "unten durch" bei seinen Vorgesetzten und wird schließlich zu einer Einheit an der Oder versetzt, die ihm den nötigen "Schliff" verleihen soll. Und so ist wenigstens an dieser Stelle Schluss mit dem im Film nun schon seit einer Stunde bestehenden Eindruck, die NVA sei nichts anderes als eine harmlose Kasperleausgabe der Bundeswehr gewesen, denn als Krüger aus dieser Einheit an seinen alten Standort zurück kehrt, ist von seiner renitenten Art nichts mehr zu merken - in Sachen Disziplin und Gehorsam ist er nun ein Vorbild ! (wer hätt´s gedacht ? Sowas kann da auch passieren, nicht nur Fun & Karneval...)
Der "Streber" Traubewein endet natürlich so,wie es Streber in solchen Filmen öfters tun: in einem nächtlichen Bad in einer Heissmangel bleibt er zu lange liegen und verbrüht sich am ganzen Körper. Die Folge: Sani-Station in mumienhafter Vollbandagierung (haha !)
Die Darsteller der Vorgesetzten geben ihre Rollen zum großen Teil eher der Lächerlichkeit preis, als dass man sie wirklich ernst nehmen könnte. Oberst Kalt ( _Detlev Buck_) , der Regimentschef, fragt seine Untergebenen gerne nach Gartentipps, Im Sommer macht Hauptmann Stummel ( _Torsten Michaelis_ ) auf dem Flachdach der Kaserne ein Sonnenbad, während Hauptfeldwebel und Chef der Waffenkammer und Poststelle Futterknecht ( _Ignaz Kirchner_ ) gerade Krüger damit trietzt, dass er nicht in der Postausgabeliste stünde und andererseits seinen in seiner Aufstellung nicht aufgelisteten Überschuss an "Schrottminen" natürlich fein säuberlich durch Fähnchen markiert im Vorhof zur Kaserne verbuddelt. (muahaha, noch so ein Durchgedrehter, ja, die NVA....)
== Zur DVD ==
=== Bild & Ton ===
"NVA" wurde im Breitbildformat 2,35 : 1 gedreht, d.h. auf 16:9 Bildschirmen wird man einen Streifen am oberen und unteren Bildrand sehen. Das Bild ist recht detailreich und farbgetreu aufgeschlüsselt worden, grießelige Bildpassagen muss man in dunkleren Szenen wie z.B. dem nächtlichen Stelldichein im Wachturm nicht befürchten. Der Ton ist ganz gut gemastert worden, wirkt aber über Dolby Digital ein wenig zu sehr wie Stereo, also zu flächig und nicht richtig ortbar.
=== Technisches ===
* Bildformat: 2,35:1 (auf 16:9 anamorph)
* Spielzeit: 94 min.
* Tonspur: deutsch (DD 5.1)
* Untertitel: deutsch für Hörgeschädigte
* Regionalcode 2
* Freigegeben ab: 6 Jahren
=== Bonusmaterial ===
Das Bonusmaterial ist wirklich kaum der Rede wert. Neben einigen Filmtrailern und einem Kinoteaser gibt es noch eine Bildergalerie - das war es dann auch schon....
=== FAZIT ===
Gut, ich habe mir den Film ganz angesehen. Hätte ich es nicht, ich hätte nicht viel verpasst. Neben dem - bei der im Titel genannten Thematik NVA zu erwartenden - Klischees ist die Aussage des Filmes zur NVA letztlich diese: die NVA war besetzt mit lächerlichen Führungspersönlichkeiten, die entweder durchgetickt, übermässig lässig bis gelangweilt oder schlicht und ergreifend unfähig waren. Im Prinzip war der Schliff und der Pli in der Truppe nichts anderes als die "Ost Ausgabe" der Bundeswehr. Die Übungen zu Felde dürften bei der Bundeswehr wohl ähnlich abgelaufen sein und sogar die Ausstattung der NVA erinnert im Film doch vielfach an Zustände in der Bundeswehr. Dort wurde teilweise auch mangels entsprechender Übungsmunition die Gefechtssituation durch das Rufen von "Peng" Geräuschen simuliert, die Gasangriffsübungen, der nächtliche Probealarm, alles keine Unbekannten. Was der Autor und Regisseur Leander Haußmann uns mit dem Film sagen wollte ? Ich weiß es nicht ! 18 Monate mussten in der BRD zeitweise zumindest auch abgeleistet werden, nungut, zu Weihnachten konnte man wenigstens nach Hause und musste nicht, wie die Jungs hier, 5 bis 6 Monate "am Stück" ableisten. Ansonsten konnte der "Humor" des Filmes bei mir nicht landen, dazu waren die Darbietungen, gerade auch des Hauptdarstellers, teilweise zu grotesk und überzeichnet. Es hätte vielleicht etwas werden können, der "Gasmaskenausflug" hatte immerhin Potential und auch der Einfall mit der Betonwand war immerhin ganz hübsch... Das, im wahrsten Sinne des Wortes, unglaubliche Ende des Filmes setzt dem Ganzen noch die Krone auf.
Was der Film soll und was der Autor und Regisseur uns sagen wollen ? Ich kann nur raten: der Film soll nichts und sagen will uns der Regisseur auch nichts, eine echte Nullnummer sozusagen.
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