Pro:
schauspielerische Leistungen (Jodie Foster, Peter Sarsgaard)
Kontra:
im Nachhinein zeigen sich Lücken in der Story
Empfehlung:
Ja
Die Story:
Die Flugzeugingenieurin Kyle Pratt lebt mit ihrem Mann und ihrer sechsjährigen Tochter Julia in Berlin. Als ihr Mann Selbstmord begeht, will sie gemeinsam mit Julia seinen Sarg nach Amerika bringen. Doch als sie mitten in der Nacht im Flugzeug aufwacht, ist Julia verschwunden. Kyle scheucht Mannschaft (Stewardessen, den Kapitän und den Sky Marshall Carson) und Passagiere auf, doch Julia ist nirgends im Flugzeug zu finden. Schlimmer noch: Niemand kann sich mit Sicherheit erinnern, ob Kyle überhaupt ein Kind mit ins Flugzeug gebracht hat. Auf den Boardinglisten ist Julia nicht zu finden. Und schließlich findet die Crew bei Nachforschungen in Berlin die Lösung. Vorsichtig bringen sie Kyle bei, dass Julia nicht an Bord gewesen sein kann, denn ihr Mann habe sie bei seinem Selbstmord mit in den Tod gerissen.
Kyle beginnt, an ihrem Verstand zu zweifeln, doch sie findet Unstimmigkeiten in der Geschichte, die ihr erzählt wird, so ist beispielsweise nur ein Sarg, der ihres Mannes, an Bord.
Schließlich wird Kyle als Randaliererin festgenommen, damit der Flug sicher ans Ziel kommt.
Doch dann kommt alles ganz anders, und es stellt sich heraus, dass der Grund für Julias Verschwinden ein ganz anderer ist, als Kyle, die Passagiere und die Flugzeugcrew sich gedacht haben ...
Der Film ist absolut spannend und mitreißend. Er schafft es, einen gut anderthalb Stunden lang zu fesseln. Einen unangenehmen Nachgeschmack gibt es erst hinterher, wenn man die Lösung des Falls kennt, denn diese Lösung ist doch recht wenig überzeugend:
Würden Kriminelle sich bei ihrem Coup auf das vorgesehene Verhalten einer ihnen fremden Person verlassen? Dass Kyle durchdreht, als sie das Verschwinden ihres Kindes bemerkt, ist vielleicht noch vorhersehbar, aber dass sie Crew und Passagiere so auf die Palme bringt, wie sie das tut, und ihr deshalb niemand mehr glaubt und alle sie für verrückt halten, kann man wohl kaum vorausplanen.
Ebenso ist es doch recht unwahrscheinlich, dass niemand im Flugzeug – weder Stewardessen noch Passagiere von den benachbarten Plätzen – sich daran erinnert, ob Kyle ein Kind dabei hatte. Auch das muss aber fest eingeplant sein, damit der Coup vonstatten gehen kann.
Und letztlich ist es auch unwahrscheinlich, dass Julia sich ohne einen Mucks verschleppen lässt und niemand bemerkt, wie sie weggebracht wird.
Ein anderer Punkt, der mir schon beim Ansehen des Films unglaubwürdig erschienen, obwohl ich nicht sicher weiß, ob er korrekt ist oder nicht, ist die Sache, dass man in dem Flugzeug während des Flugs vom Passagierraum in die Laderäume gelangen kann. Ich hätte das bisher für unmöglich gehalten. Sollte jemand von euch damit Bescheid wissen, würde ich mich über Aufklärung freuen!
Dass der Film einen trotz dieser logischen Lücken zumindest beim ersten Ansehen absolut fesselt, liegt natürlich vor allem an den hervorragenden schauspielerischen Leistungen.
In erster Linie ist da natürlich Jodie Foster zu nennen, die einen mit ihrer Darstellung von Kyle beim Film hält, selbst dann noch, wenn man erste logische Lücken entdeckt hat. In der Rolle der Löwenmutter konnte sie ja schon öfter glänzen (z.B. in „Panic Room“), und auch in „Flightplan“ tut sie es wieder absolut überzeugend. Man leidet wirklich mit ihr mit und kann sich genau in ihrer Verzweiflung hineinversetzen, ebenso aber auch in ihre Zweifel am eigenen Verstand, bei denen aber immer die Überzeugung bleibt, dass sie sich nicht eingebildet haben kann, ihre Tochter mit ins Flugzeug gebracht zu haben.
Peter Saarsgard spielt Sky Marshall Carson. Seine Darstellung ist brillant, man weiß durch seine subtile Darstellung sehr lange nicht, ob er nun auf Kyles Seite steht oder gegen sie kämpft.
Interessant ist natürlich auch noch der deutsche Regisseur, Robert Schwentke. Bekannt geworden ist er bei uns durch den Film „Tattoo“. Jetzt hat er also den Sprung nach Hollywood geschafft. Ich finde, für seinen Hollywood-Einstand ist ihm „Flightplan“ wirklich gut gelungen. Trotz der Logiklöcher gelingt es ihm immer noch, die Zuschauer zu fesseln.
Der Film ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben. Das liegt vermutlich daran, dass nur am Ende wirklich Gewalt zu sehen ist, und selbst da gar nicht mal so viel. Allerdings liegt die wahre Gewalt natürlich unter der Oberfläche des Films, in der Angst von Kyle. Aus diesem Grund würde ich den Film nicht mit einem 12-jährigen Kind anschauen wollen!
Darüber hinaus ist es halt auch einfach kein Teeniefilm, denn die Spannung wird über die Angst einer Mutter erzeugt, also auf eine Art, die Eltern sicherlich verständlicher ist.
Ist der Film nun sehenswert oder nicht? Das ist wirklich eine schwierige Frage!
Ich habe ihn gerne einmal gesehen, da die Logiklücken erst am Ende wirklich deutlich werden und einem so nicht das Vergnügen an der spannenden Geschichte nehmen. Ein zweites Mal würde ich ihn vermutlich nicht genießen, da würden die Lücken zu deutlich werden.
Deshalb denke ich, dass ich den Film für alle, die ihn noch nicht gesehen habe, schon empfehlen kann. Ein zweites Mal muss aber nicht sein!
DVD-Ausstattung:
Die DVD beginnt mit mehreren Trailern („Casanova“, „Das Comeback“ und „Dark Water“), die sich allerdings problemlos überspringen lassen.
An Sprachen bietet die DVD das englische Original, Deutsch und Türkisch, Untertitel gibt es über diese Sprachen hinaus auch noch für Französisch, Italienisch, Spanisch und Arabisch.
Wer – wie ich – das Original auswählt, der wird vermutlich ebenso wie ich zunächst einmal irritiert sein und glauben, irgendwas falsch eingestellt zu haben, denn der Film beginnt auf Deutsch mit englischen Untertiteln. Aber das liegt daran, dass der Film in Berlin tatsächlich auf Deutsch beginnt und im Original dann natürlich untertitelt ist. (Diese englischen Untertitel sind auch in der deutschen Fassung zu sehen – wirken dort natürlich noch verwirrender.)
Extras:
„Bordkino: Das ,Flight Plan’ Making Of“ (zusammen 38’32):
Das Making Of besteht aus fünf Teilen, die man wahlweise einzeln oder komplett abspielen kann:
„A – Sicherheitskontrolle: Die Geschichte eines Thrillers“:
In diesem Teil kommen vor allem die Drehbuchautoren zu Wort. Für Drehbuchanfänger und interessierte Laien finde ich diesen Teil sehr interessant, weil hier einmal deutlich gemacht wird, wie sehr sich eine Idee im Laufe der Drehbuchentwicklung verändert.
Bei Flightplan handelte die ursprüngliche Idee von einem Mann, dessen kleiner Sohn auf einem Transpazifikflug spurlos verschwindet, auf einem Flug, bei dem sich Terroristen an Bord befinden. Wie sehr sich diese Idee im Laufe der Zeit wandelte, teilweise (wenn auch für meinen Geschmack nicht genug) auch warum, kann man hier erfahren.
„B – Durchsage des Käptains: Treffen mit dem Regisseur“:
Hier kommt der Regisseur zu Wort, erzählt, was ihn an der Geschichte reizte und mit welchen Ideen er an die Verfilmung gegangen ist.
Für mich persönlich ist dieser Teil weniger interessant, man hört eigentlich das, was man üblicherweise von den Regisseuren hört.
„C – Passagierliste: Das Casting der Darsteller“:
Hier kommt sowohl das Filmteam zu Wort, das erklärt, warum ein Schauspieler für seine jeweilige Rolle genommen wurde (wobei hier natürlich, wie üblich, sehr, sehr viel gelobt wird und man letztlich wenig darüber erfährt, was wirklich ausschlaggebend war oder wen man vielleicht gerne gehabt hätte, aber nicht gekriegt hat), als auch die Schauspieler selbst, die etwas über ihre Rollen sagen.
Interessant daran finde ich vor allem die Aufnahmen vom Casting, bei denen man die Schauspieler ihre Texte einmal außerhalb des Films sagen hört.
„D – Anschlussflug: Die Nachbearbeitung“:
Hier wird gezeigt, wie aus den blanken Aufnahmen vom Dreh das Bild zusammengesetzt wird, das man später im Film zu sehen bekommen, teilweise bekommt man auch die Vorstufe, nämlich die Bilder aus dem Storyboard, zu sehen.
Dieser Teil des Making Ofs gefällt mir ganz besonders, weil deutlich wird, wie viel die Nachbearbeitung zur Wirkung des Films beiträgt und wie viel Fantasie Regisseur und Kameraleute einbringen müssen, um sich diese beabsichtigte Wirkung beim Dreh schon vorzustellen.
„E – Notlandung: Die Spezialeffekte von Flightplan“:
Dieser Teil schließt inhaltlich an den vorherigen an, doch jetzt geht es speziell um Stunts und Trickaufnahmen.
Ich finde das nicht so interessant, das hat man einfach schon sehr oft in Making Ofs gesehen.
“Kabinendruck: Die Konstruktion der Aalto E-474” (10’01):
Eigentlich hätte das auch noch ins Making Of gehört – keine Ahnung, warum das als eigenes Extra gelistet wird. Hier geht es um den Set-/Kulissenbau, insbesondere natürlich um das Modell des Flugzeugs.
Fazit:
Der Film ist ein Film zum einmal Sehen und Genießen. Ein zweites Mal genießt man ihn nicht wirklich. Die DVD ist zwar kürzlich schon im Preis deutlich gesunken, mit fast 20 Euro ist sie aber immer noch recht teuer, zumal die DVD zwar ein recht umfassendes Making Of bietet, aber nichts, was darüber hinaus geht. Und wenn man den Film wirklich nur einmal sieht, ist Kaufen auch nicht unbedingt nötig!
Meine Bewertung bezieht sich daher auf das erste Mal anschauen - ich empfehle, die DVD lieber auszuleihen als zu kaufen. weiterlesen schließen
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