Pro:
Wagendesign; Schadensmodell; Realismus; Viele Fahrzeuge; Herausforderung usw.
Kontra:
Umständliche Menüführung; unzureichende grafische Umsetzung (zum Teil)
Empfehlung:
Nein
Mit »Colin McRae Rally 2005« erschien vor drei Jahren der fünfte Teil der bislang sechsteiligen Rallye-Simulationsreihe. Wie gewohnt schlüpft man in die Rolle eines Fahrers, der zusammen mit seinem Kollegen versucht, den Weltmeistertitel im Rallyefahren für sein Land zu gewinnen. Dabei kann man sich zwischen einundvierzig Ländern entscheiden: Schottland, Australien, Österreich, Belgien, Brasilien, Kamerun, Kanada, Chile, China, Kroatien, Tschechien, Dänemark, Ägypten, Griechenland, England, Island, Finnland, Indien, Frankreich, Irland, Deutschland, Italien, Japan, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Südkorea, Saudi-Arabien, Slowenien, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei, USA, Wales und sogar den Vereinigten Nationen. Somit dürfte für jeden Landsmann ein Staat dabei sein, für den er fahren möchte.
Die Karriere beginnt man zwangsweise mit einem relativ langsamen Fahrzeug, wie zum Beispiel dem VW Polo oder dem New Beetle – beide in der Rallyeversion, versteht sich. Hochwertigere Wagen schaltet man frei, in dem man im Karrieremodus Rennen gewinnt. Dadurch erhält man Punkte, die man anschließend gegen neuere, schnellere Autos eintauschen kann. Und das sollte man besser auch tun, denn bei manchen Strecken darf man nur mit einem bestimmten Auto antreten. Insgesamt gibt es neunundzwanzig Rallye-Wagen; neben den oben genannten gibt es unter anderem noch den Peugot 206, den Klassiker Lancia Stratos, einige wenige Pickups und den Mitsubishi Lancer Evo VIII, der wohl schon aus anderen Spielen dieses Genres bekannt ist. Die freigeschalteten fahrbaren Untersätze lassen sich dann selbstverständlich auch bei den Einzelrennen – außerhalb der Karriere – benutzen.
Auf dem Weg zum ersten Platz auf dem Podest, sollte man sich nicht einfach in seine Karre setzen und losfahren. Unterschiedliche Strecken erfordern individuelle Einstellungen. So gilt es vor jedem Rennen und jeder Wertungsprüfung sein Automobil in der Werkstatt zu warten. Reifen tauschen, Karosserie anheben oder tieferlegen, Lenkrad konfigurieren oder die Federung abstimmen. Außerdem sollten eventuelle Schäden am Fahrzeug repariert werden – wofür man allerdings „nur“ eine Stunde Zeit hat. Braucht man länger, bekommt man für die nächste Etappe eine Strafzeit auferlegt, die natürlich die Chancen für einen Sieg etwas mindert. Deshalb sollte man lieber nur Schäden angehen, die unbedingt beseitigt werden müssen – kleinere Dellen kann man ruhig übersehen. Zwischendurch tauchen gelegentlich kleine Minigames auf, die die doch recht langweiligen Wartungsarbeiten aufhellen. Bei diesen kann man außerdem wertvolle Teile, beispielsweise einen neuen Motor, gewinnen.
Sobald der Wagen startklar und der Fahrer wieder nüchtern ist, darf man sich auf ganze fünfundsiebzig Strecken freuen, die unter anderem in Deutschland, Japan, den USA und Griechenland verteilt sind. Teilweise fährt man nicht – wie es vielleicht zu erwarten gewesen wäre – stets durch Wald- oder Wüstenlandschaften, sondern in Deutschland auch durch Bauernhöfe. Aber auch durch verträumte Winterlandschaften rast man, sowie durch verregnete Länder. Dabei fand ich besonders beeindruckend, dass die Regentropfen auf die Windschutzscheibe prasseln und je nach Geschwindigkeit nach oben gedrückt werden. Ansonsten fährt man nur durch Schlamm und Dreck in Wäldern oder abgesperrten Geländern. Übrigens ist es leider so, dass sich das Wetter während der Fahrt nicht umstellt sondern konstant bleibt. Herausfordernd sind die Etappen allemal, da sie an steilen Kurven, Menschenmengen und Bäumen reich sind. Vor allem bei den beiden letzten sollte man nach Möglichkeit direkten Kontakt vermeiden. Nicht, dass man die Zuschauer durch die Gegend fliegen sieht – falls man in sie hineinfährt -, man wird nur wieder zurück auf die Strecke verfrachtet, was Zeit kostet, da man von neuem Anfahren muss. In den Wald krachen kann man allerdings schon. Spätestens dann merkt man, dass das eigene Fahrzeug keine Fehler verzeiht. Angefangen von tiefen Kratzern im Lack, zerborstenen Scheiben bis hin zum Totalschaden ist alles möglich. Um solche Crashes zu vermeiden, werden Symbole eingeblendet, die zeigen, wie die Strecke weiter verläuft. Kommt zum Beispiel eine Kurve, wird diese wie ein Straßenschild angezeigt. Außerdem verrät der Beifahrer – mal mit Akzent mal ohne – wie die nächste Biegung ist, ob ein Berg kommt oder mit welchen Hindernissen man rechnen sollte. Letzteres hat mich nach einer Weile ziemlich genervt, weil ich es unnötig fand. Die nötigen und hilfreichen Informationen sah ich eben mehr in den eingeblendeten Hinweisen, als in seinem pausenlosem Gerede. Die Gegner, die es zu schlagen gilt, sieht man nur als „Geist“ - sie fahren nicht zur selben Zeit, sondern haben ihre Runde schon hinter sich. Man kann nicht mit ihnen kollidieren.
An der Steuerung kann ich nicht meckern. Obwohl ich nicht oft derartige Spiele spiele, fand ich mich sofort zurecht. Gas geben, bremsen und lenken kann man mittels der Richtungstasten. Die Handbremse ist auf der Leertaste und die Ansicht (entweder man sieht das Auto oder man sitzt direkt hinter dem Lenkrad) wechselt man mit den Nummerntasten. Trotzdem muss man sich für jeden Wagen neu eingewöhnen, da das Handling von Karre zu Karre stark variiert. Das ist positiv, schließlich ist es in Wirklichkeit auch so, dass sich jedes Auto anders fahren lässt. Im Großen und Ganzen dürfte man jedoch mit ein bisschen Übung damit zurechtkommen.
Die grafische Umsetzung überzeugt fast auf ganzer Linie. Aber nur fast: Während die Entwickler auf das Design der Autos hohen Wert gelegt haben, haben sie die Landschaft vernachlässigt. Selbst die Zuschauer überzeugen überhaupt nicht. Sie bewegen sich kein Stück, sehen „verschmiert“ (also nicht detailreich) aus und wirken auf mich eher wie Pappkartons als halbwegs realistisch dargestellte Menschen. Ähnlich sieht es auch mit der Umgebung aus: Zwar bekommt man vor jedem Rennen eine kleine Sequenz zu sehen, in der die Sonne wunderschön strahlt, die Bäume sich im sanften Wind wiegen. Während der Fahrt aber bewegt sich, bis auf das eigene Auto, kaum etwas. Auch die Pflanzen und Steine sehen mehr nach Kartonage als nach Realismus aus.
Ein weiterer Minuspunkt sind die Sounds. Zwar hört man den Motor und auch das Knallen, wenn man Bekanntschaft mit einem Baum oder einer Wand macht, jedoch sind die Geräusche völlig kraftlos und alles andere als realitätsnah. Sie hören sich flach und nicht kräftig an, wie man es von solchen Wagen normalerweise hätte erwarten sollen.
Dafür beeindruckt das Wagendesign. Gegensätzlich zur Landschaft ist dieses nämlich mit vielen, feinen Details versehen. Die vielen Logos der Sponsoren sind leicht zu erkennen und zu lesen, Brems- Rückwärts- und Fernlichter funktionieren einwandfrei und eine Klasse für sich ist das Schadensmodell. Kracht man gegen einen Baum, fliegt die Haube weg, streift man etwas, so darf man sich auf fette und tiefe Kratzer freuen (die man übrigens auch klar erkennt), Front- und Heckscheibe bersten und fliegen – je nach Geschwindigkeit – gar ganz aus der Verankerung. Und wenn gar nichts mehr geht, beginnt der Motor zu qualmen. Den aktuellen Zustand des Motors und der Karosserie kann man in der HUD sehen: Im Tachometer, rechts unten, wird angezeigt, ob ausreichend Wasser und Öl vorhanden ist. Auf der linken unteren Hälfte sieht man den Schaden des Motors.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Menüführung, bei der man leider die Maus nicht verwenden kann. Wie in DOS-Zeiten darf man sich also durch diese mit der Tastatur (den Richtungstasten und den Buchstaben) kämpfen, was eigentlich nicht hätte sein müssen. Mit der Maus würde man viel Zeit sparen und schneller an Einstellungen kommen.
Das Spiel ist auch online spielbar. Dort tritt man gegen maximal sieben Gegner an (die ebenfalls nur im Geistmodus zu sehen sind). Habe ich aber noch nicht probiert.
Zusammenfassung:
Pro:
+ Wagendesign
+ Schadensmodell
+ Steuerung
+ Viele Fahrzeuge
+ Sehr viele, unterschiedliche Strecken
+ Tuning möglich (und erforderlich)
+ Replay
+ Wettersimulationen
+ Herausfordernder Karrieremodus
+ Onlinemodus
+ Nette Wettersimulation
Contra:
- Umständliche Menüführung
- Unrealistische Landschaften und Zuschauer
- Kopilot hört einfach nicht auf zu sprechen
- Wetter wechselt nicht während der Fahrt
- Lahme Sounds
Obligatorisches:
Titel: Colin McRae Rally 2005
Erschienen: 2004
Plattform: PC
Preis: ca. 10,00 Euro
Systemvoraussetzungen:
Betriebssystem: Windows 98/ME/2000/XP
DirectX 9.0c
Pentium III oder vergleichbarer AMD
Arbeitsspeicher: 256MB
64MB Grafikkarte
3GB freie Festplattenkapazität
Fazit:
Auch mir, der solche Spiele nicht regelmäßig spielt, hat dieses Game Freude bereitet. Vor allem das Schadensmodell und das allgemeine Fahrzeugdesign haben es mir angetan. Leider hat das Spiel mehrere Mängel, allen voran die umständliche Menüführung und die vernachlässigte Grafik bei den Zuschauern und der Umgebung sind es, die bei mir den Spielspaß ein wenig gesenkt haben. Hinzu kommen leider auch die kraftlosen Sounds, die für ein Rennspiel extrem wichtig sind. Insgesamt drei Sterne (eigentlich dreieinhalb – aber die kann man nicht auswählen und für vier reicht es dann doch nicht) und eine Empfehlung für diejenigen, die solche Spiele interessieren. Für 10 Euro kann man nicht sehr viel falsch machen. weiterlesen schließen
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