Pro:
Unterhaltsam; Hauptdarsteller überzeugt; Reichlich Bonusmaterial
Kontra:
Zu viel Fäkalsprache; Fehlende Innovation; Vorhersehbar; Nicht wirklich lustig
Empfehlung:
Nein
Andy Stitzer führt eigentlich ein gutes Leben. Er wohnt in einer großen Wohnung, die er vor allem dazu nutzt, seine zahlreichen Actionfiguren unterzubringen, sieht gelegentlich mit seinen älteren Nachbarn fern und verbringt den lieben langen Tag damit, Rechnungen in einem Elektrofachhandel abzustempeln. Gelegentlich trifft er sich mit seinen Arbeitskollegen, die sich im weitesten Sinne als Freunde bezeichnen lassen, und versucht sich an klischeehaft-typischen Männergesprächen über Frauen, Alkohol und Sexgeschichten. Bei letzterem scheitert er jedoch, denn seinen eigenen Angaben nach ist er Jungfrau und „war es schon immer gewesen.“ Seine Kumpel finden, dass sich daran schnellstmöglich etwas ändern muss..
---> „Die Liebe ist eine geheimnisvolle Frucht.“
Eines Tages wird Andy von seinen Kollegen auf einen Pokerabend eingeladen. Was er bei der Zusage noch nicht weiß ist, dass das Spiel an sich eher eine Nebenrolle einnimmt; im Vordergrund stehen Geschichten über Frauen. Als einer von ihnen über Liebe zu sprechen beginnt, fordern die anderen Herrschaften Andy auf, von einem „richtigen“ und „schmutzigen“ Sexerlebnis zu berichten, um das Gespräch wieder von dem „Liebesgesülze“ des schwerverliebten und noch immer schwerfrustrierten (seine Freundin hat ihn vor zwei Jahren verlassen – darüber ist er noch immer nicht hinweg) David zu befreien.
Andy denkt sich natürlich einfach eine Geschichte aus, die jedoch so schwachsinnig und unglaubwürdig ist, dass ihm seine Kollegen kurze Zeit später auf die Schliche kommen. Zunächt debattieren sie darüber, ob Andy vielleicht homosexuell sei. Nachdem diese Vermutung aus dem Raum geschaffen ist, erfahren sie, dass er „es“ einfach noch nicht getan hat und sichern ihm ihre uneingeschränkte Hilfe zu. Und die kann heiter werden, denn wirkliche Experten sind sie auf dem Gebiet auch nicht. Schließlich trauert einer seit zwei Jahren seiner Ex-Freundin nach, der Andere hatte seit Ewigkeiten keine feste Beziehung und der letzte im Bund, Jay, betrügt seine Frau, weil er glaubt durch eine „stillschweigende Übereinkunft“ die Erlaubnis dazu zu haben.
----> „Ich dachte du wärst ein Serienkiller... das ist mein Ernst.“
Da jeder seiner Freunde, die nun seine Mentoren geworden sind, ihre eigenen Lehrmethoden haben, wird die Angelegenheit für Andy nicht nur sehr strapaziös, sondern für den Zuschauer auch unübersichtlich. Zwar gibt der Film eine klare Handlung vor, die, wenn wir einmal ganz ehrlich sind, ohnehin völlig vorhersehbar ist, doch geht diese durch die bloße Aneinanderreihung unzusammenhängender Szenen verloren. Vor allem passiert das während der „Lernphase“ bzw. den Versuchen, Stitzer den Frauen näher zu bringen, was natürlich nicht auf Anhieb funktioniert. Andy wehrt sich, Andy regt sich auf, Andy kommt schnell zu folgendem Schluss:
„Hör' mal gut zu, ich respektiere die Frauen, ich liebe die Frauen. Ich respektiere sie nämlich so sehr, dass ich mich vollkommen von ihnen fernhalte.“
Klar, seine Kollegen lassen trotzdem nicht locker und schleppen ihn zunächst in einen Club. Dort soll er sich an einer betrunkenen Dame versuchen. Vorher darf aber nicht direkt zu ihr sehen, wie ihm Jay erklärt, sondern soll sie aus der Ferne aus seinem Blickwinkel betrachten und diesen auch benutzen, um zu ihr zu gelangen. Dem Ratschlag folgt er brav, stolpert und landet bei einer Frau, die schon so betrunken ist, dass sie nicht mehr bei Bewusstsein ist. „Zu betrunken!“ lautet das Fazit einer seiter Mentoren. Später hat er endlich eine „passable“ (auf die Promille bezogen) Blondine gefunden, mit der er auch nach Hause fahren darf, wohlgleich er kein gutes Gefühl bei der Sache hat. Und das zurecht, wie sich einige Verkehrsunfälle später herausstellt. Mit ihr hat er „es“ deshalb freilich nicht hinter sich gebracht.
Während er also durch die Gegend rennt und versucht, Kontakte zu knüpfen, kommt er – rein platonisch – seinen Arbeitskollegen näher. Ja, man mag schon fast behaupten, dass sie mit der Herausforderung gute Freunde werden. So erfährt Andy auch, dass seine Kollegen bis vor kurzem noch dachten, er sei ein Serienkiller. Denn er fährt nur Fahrrad (dazu einer von ihnen: „Ja, jeder fährt gern Fahrrad. Wenn man 6 Jahre alt ist.“), sammelt aus Leidenschaft Actionfiguren, lehnt jegliche Art von sexuellen Aktivitäten ab, sieht sich stattdessen regelmäßig Sendungen mit seinen älteren Nachbarn an. Doch nun haben sie in seiner Jungfräulichkeit eine Erklärung für diese Dinge gefunden.
---> „Ruf sie auf gar keinen Fall an!“
Der Film hat eine Moral, die sich schon ab etwa der Mitte der Handlung erkennen lässt: Erzwinge nichts. Gegenüber des Elektrofachhandels, in dem Andy beschäftigt ist, arbeitet Trish – sie versteigert Gegenstände für ihre Kunden. Sie scheint Interesse an Andy zu haben und Andy auch an ihr, doch dessen Lehrer meinen, dass er sie auf gar keinen Fall kontaktieren soll – schon gar nicht, wenn er sie mag. Denn es ist nicht verkehrt, sie zappeln zu lassen. Fast schon euphorisch widersetzt sich Andy diesem Tipp und ruft sie an, worauf sie meint, sie komme ihn am selben Abend einfach abholen.
Auch hierfür haben die Arbeitskollegen einen vermeintlich guten Rat: Alles, was sich in Andys Appartement befindet und ihn vor Trish blamieren könnte, muss augenblicklich raus. Und das sind nicht etwa nur die Actionfiguren, sondern die gesamte Einrichtung, was völlig übertrieben ist und leider auch nicht ansatzweise lustig. Ob aus den beiden Turteltäubchen was wird, ob Andy „es“ schafft (besonders ob der Ratschläge seiner Freunde wegen oder seiner eigenen Taktik), sei an dieser Stelle offen gelassen (obwohl es sich wohl jeder denken kann, nicht wahr?).
---> Fäkalhumor: Derb, aber nicht lustig
Wäre der Hauptdarsteller, Steve Carell, im Alter von Jason Biggs („American Pie“) oder besser noch, hätte Biggs die Hauptrolle in „Jungfrau, 40, männlich, sucht“ als Jim Levenstein (der Loser in „American Pie“) übernommen, hätte der Titel des Films zwar überdacht werden müssen, doch wäre dieses Werk eine gute Teenie-Komödie. Vor allem könnte man so das wirklich übertriebene Fluchen und die Verwendung der Fäkalsprache erklären. Nicht das ich etwas gegen etwas härtere Töne hätte, im Gegenteil, bei den richtigen Stellen können sie durchaus lustig sein. Nur flucht man pausenlos, benutzt bei jeder Gelegenheit das „böse“ F-Wort, tituliert das weibliche Geschöpft andauernd als Schlampe und weiß auch sonst kaum einen vernünftigen Satz von sich zu geben, zerstört das nicht nur den ohnehin mageren Humor, sondern auch die Atmosphäre rund um Anfänger-Andy.
Der Film bedient sich dem Humor, der schon längst bekannt ist und durchgekaut wurde. Andy weiß beispielsweise nicht, wie Kondome benutzt werden, hat keinen Führerschein und lebt alleine. Ersatzbefriedigung findet er beim Bemalen von Figuren, dem Sammeln von Actionfiguren (die er übrigens nicht auspackt), dem Musizieren und im morgendlichen Frühsport. Was ihn nun rein äußerlich von anderen „Losern“ unterscheidet ist, dass er eine starke Oberkörperbehaarung aufweisen kann, an der im Film auch gearbeitet wird. Sein relativ reifes Alter und sein respektvoller Umgang mit Frauen (falls er mit welchen in Kontakt tritt) sind es, die den Streifen zu einer Adult-Komödie machen oder vielmehr zu machen versuchen.
Andy wird von seinen Kollegen eben auf seinem steinigen Weg eine Dame kennenzulernen begleitet, bekommt von ihnen mehr schlechte als rechte Ratschläge, versucht sie dennoch umzusetzen und geht dadurch meistens einen Schritt zurück, statt vor. Und wenn er einmal kurz vor dem Ziel ist, treten einfallslose Hindernisse ein, wie zum Beispiel Unfälle oder, wie oben genannt, die Unkenntnis in Sachen Verhütung. Vor allem, da es nichts neues gibt – sämtliche Aktivitäten wurden so, oder so ähnlich schon in vergleichbaren Filmen abgehandelt – und das alte nicht wirklich humorvoll interpretiert wurde, bleibt „Jungfrau, 40, männlich, sucht“ allenfalls unterhaltsam, jedoch nicht lustig. Diesen meinen Eindruck rettet leider auch der Hauptdarsteller Steve Carell nicht, obwohl dessen Leistung vollstens überzeugt und authentisch wirkt. Wobei sein Kleidungsstil bzw. Äußeres auch dem eines Verlierers entspricht, zumindest wenn man dem Klischee Glauben schenkt: Hemd oder. Shirt brav in die perfekt gebügelte Hose gesteckt, zur Seite gekämmtes Haar und ein unsicheres Auftreten, ganz dem Motto „Bloß nicht unnötig auffallen.“ Das passt zwar zum Film, doch ein wenig mehr Innovation hätte auch diesbezüglich nicht geschadet.
---> Film und Bonusmaterial
Der Film dauert ca. 127 Minuten. Als Bonusmaterial gibt es eine Erklärung zur Szene „Weißt du, woher ich weiß, dass du schwul bist?“, bei der einige der Darsteller Kommentare dazu abgeben, wie z.B. das diese angeblich „witzige“ Szene, der ich persönlich keinen Funken Humor abgewinnen kann, spontan entstanden ist. Denn ursprünglich sollten sie sich über Selbstmordmöglichkeiten unterhalten, das wurde dann aber ganz spontan umgeändert.
Außerdem gibt es noch eine erweiterte Szene zu „Andys Fantasien“, einige gelöschte Szenen, man darf weiter ein Gespräch zwischen einem seiner Kollegen und einer Arbeitskollegin ansehen, zwei Trailer begutachten, sich Tipps von Mooj (ein impulsiver, älterer Herr aus dem Nahen Osten) geben lassen, sowie sich die Wachsbehandlung ansehen, die Speeddating-Szene angucken und sich Männersprüche anhören. Alles kann man sich kommentieren lassen.
---> Fazit
Keine Frage: „Jungfrau, 40, männlich, sucht“ hätte durchaus Potenzial, des Zuschauers Lachmuskeln zu strapazieren. Allerdings wäre hier mehr Innovation und mehr Mut nötig gewesen. Stattdessen werden fast sämtliche Klischees aus der Männerwelt schamlos übertrieben dargestellt, allen voran die exorbitante Verwendung der Fäkalsprache, die die Atmosphäre zerschlägt und die Glaubwürdigkeit untermauert und natürlich auch die Tatsache, dass Andy Ratschläge von Leuten bekommt, die in dem Gebiet selbst nur mäßig erfolgreich sind. Hinzu kommt leider auch, dass die Handlung ab etwa der Mitte vorhersehbar ist, wobei man sich von vornherein das Ende schon ausmalen kann. Alles in einem finde ich den Film unterhaltsam, jedoch nicht wirklich lustig. weiterlesen schließen
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