Pro:
eine ganz andere, neuartige Fantasywelt
Kontra:
nicht leicht zu durchschauen
Empfehlung:
Ja
„Wächter der Nacht“ ist der erste russische Fantasiefilm und der erste russische Blockbuster. Er war gar nicht für den internationalen Filmmarkt gedacht, sondern wurde ursprünglich nur für Russland produziert. Erst sein enormer Erfolg führte dazu, dass er auch in den USA und Westeuropa vermarktet wurde, übrigens auch hier mit großem Erfolg.
Tatsache bleibt aber, dass der Film nicht für „uns“ gedacht ist, und das zeigt sich daran, dass er an vielen Stellen schwer zu verstehen ist. Die Bildsprache und all die vielen Andeutungen sind uns einfach nicht so vertraut, und so verpasst man leicht wichtige Zusammenhänge. Ich bin mir sogar sicher, dass es einige Dinge sind, die man als „Westler“ trotz aller Konzentration auf den Film einfach nicht mitbekommt oder nicht versteht. Gleiches passiert ja auch beispielsweise bei vielen der erfolgreichen chinesischen und japanischen Filmen der letzten Jahre.
Deshalb sollte man gleich von Anfang an bedenken, dass man nur dann eine Chance hat, diesen Film zu verstehen, wenn man sich darauf konzentriert. Er ist nicht dafür geeignet, ihn beim Bügeln anzuschauen!
Was sollte man noch im Voraus wissen? Ganz wichtig ist natürlich, dass man im Kopf behält, dass dies der erste Teil einer Trilogie ist. War beispielsweise beim „Herrn der Ringe“ die Geschichte nach dem ersten Teil schon rund und abgeschlossen? Natürlich nicht! Und das ist auch hier der Fall.
Ich kenne Leute, die von dem Film begeistert waren, und andere, die sagen, dass die Story vorne und hinten nicht stimmt und er deshalb grober Unfug ist.
Ich persönlich finde den Film überzeugend und interessant, aber schwer zu verstehen. Die Fantasiewelt, die darin entwickelt wird, unterscheidet sich vollkommen von jeder Fantasiewelt, die jemals in einem Hollywoodfilm entwickelt wurde!
Und deshalb habe ich mich dafür entschieden, euch diesmal nicht so sehr die Handlung des Films zu beschreiben (damit könnte man ein Buch füllen, sie ist sehr schwer zusammenzufassen), sondern mich vor allem auf die Grundlagen zu konzentrieren, auf denen der Film aufbaut:
Seit jeher gibt es „die Anderen“, in westliche Begriffe übersetzt, müsste man wohl sagen: übersinnlich begabte Menschen, wobei unter diesem Begriff sowohl die Guten als auch die Bösen zusammengefasst sind.
Die guten und die bösen „Anderen“ kämpfen seit Menschengedenken gegeneinander, in früheren Zeiten in furchtbaren Schlachten, bis die Anführer der „Mächte der Dunkelheit“ (die Bösen) und der „Mächte des Lichts“ (die Guten) ein Abkommen schlossen, da ihnen klar wurde, dass sie gleich stark sind und keiner siegen kann. Danach gelten bestimmte Gesetze, an die sich sowohl die Guten wie die Bösen zu halten haben. Auf Seiten des „Lichts“ sorgen die „Wächter der Nacht“ dafür, dass die Bösen sich an die Regeln halten, auf Seiten der „Dunkelheit“ sind es die „Wächter des Tages“, die dafür sorgen, dass die Guten sich an die Regeln halten.
Doch so einfach ist es längst nicht mehr, denn auf beiden Seiten hat sich eine Art Organisation herausgebildet, man könnte auch von Bürokratie sprechen, und die Erfüllung des Abkommens zwingt beide Seiten dazu, manchmal falsch zu handeln. So hat die Seite des Lichts einigen Vampiren von der Seite der Dunkelheit Lizenzen gegeben, sich ihre Opfer unter den Menschen zu suchen. Doch dann verweigern die Regeln diesen Opfern, sich selbst Opfer zu suchen. Gut und Böse sind in diesen Regeln gefangen.
Doch jetzt ist ein Kind geboren worden, ein besonders mächtiger „Anderer“, der den Kampf zwischen Gut und Böse entscheiden könnte, und beide Seiten versuchen, den Jungen auf ihre Seite zu ziehen. Und im Laufe des Films entscheidet er sich – nach menschlichen Maßstäben ...
Der Film kreiert keine „Fantasiewelt“, in der dies alles geschieht, sondern postuliert, dass es die Mächte von Gut und Böse in unserer Welt gibt, dass sie Teil davon sind, so dass sie gar nicht merkwürdig oder verzaubert wirken, sondern ganz alltäglich. Das macht den Reiz und die Andersartigkeit dieses Films aus.
Man muss sich auch deutlich machen, dass wir unsere Vorstellungen von bestimmten „übersinnlichen“ Wesen über Bord werfen müssen, um den Film zu verstehen. Bei uns ist es z.B. ein „Fakt“ ( ;-) ), dass Vampire kein Spiegelbild haben. In „Wächter der Nacht“ ist das anders – Anton, die Hauptfigur, benutzt sogar eine Spiegelscherbe, um einen Vampir, der sich ins „Zwielicht“ geflüchtet hat, zu finden.
Zu den Schauspielern werde ich in diesem Fall mal nichts sagen – sie waren im Westen vor diesem Film nicht bekannt, und ich kann zwar recherchieren, welche Filme sie vorher gemacht haben, nur kenne ich die genauso wenig wie ihr. Insgesamt ist der Film aber hervorragend gespielt!
Der Film ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Da er wirklich sehr brutal ist, erscheint mir das angemessen!
Für wen eignet sich der Film also?
Ihr solltet Fantasie mögen oder auch Mystery, aber ihr solltet offen sein für eine Art von Fantasie, die ganz anders ist als alle Hollywoodfantasie – genau genommen: realistischer, denn sie findet in einer alltäglichen Welt statt.
Ihr solltet auch anspruchsvolle Filme lieben, Filme, auf die man sich wirklich konzentrieren muss, um sie zu verstehen. Filme, die es einem nicht unbedingt leicht machen, vielleicht sogar experimentelle Filme.
Und ihr solltet Freude an Filmen aus fremden Kulturen haben – beispielsweise aus China oder Japan, die eine ganz andere Weltsicht vermitteln als deutsche oder Hollywoodfilme.
Und ihr solltet nichts gegen große Brutalität haben (wenn auch durch die Story unterstützt, es ist keine Brutalität als Selbstzweck).
Wenn ihr all solche Filme mögt, dann stehen die Chancen gut, dass ihr auch an „Wächter der Nacht“ eure Freude haben werdet.
Die DVD-Ausstattung:
Die DVD beginnt mit einem Anti-Raubkopierer-Spot, Trailern zu „XMen3“ und „Walk the Line“ und ein (recht informativer!) Sammeltrailer von „Cinema Premium“, die sich aber alle (bis auf den Anti-Raubkopierer-Spot natürlich) problemlos überspringen lassen.
Die Sprachauswahl bietet eine englische, eine deutsche und den Audiokommentar, außerdem noch die Sprachfassung russisch/englisch, bei der man die Dialoge im Film auf Russisch zu hören bekommt, den Voice Over-Text (also die Hintergründe = Erzählerstimme) auf Englisch. Ich habe keine Ahnung, warum es nicht auch eine komplett russische Fassung gibt, (das heißt: es liegt wohl daran, dass der Film für das westliche Publikum noch einmal ganz neu geschnitten wurde) aber wie auch immer: diese Fassung russisch/englisch ist wirklich interessant. Leider reicht mein Russisch nicht aus, um den Film so zu verstehen, aber es hört sich ziemlich toll an!
Ich habe mich dann aber nach einmal Reinhören doch für Deutsch entschieden.
Untertitel gibt es auf Englisch, Deutsch, Deutsch (begleitender Text) und Türkisch.
Übrigens: Texttafeln, also im wesentlichen Zeit- und Ortsangaben werden lustigerweise bei allen Sprachfassungen auf Deutsch eingeblendet. Ganz schönes Sprachwirrwarr, das aber nicht weiter stört! Wer da schon nicht durchsteigt, der hat keine Chance, den Film zu verstehen.
„Sonderausstattung“:
Die sieht in der Single-DVD-Edition leider mager aus:
„Audiokommentar von Regisseur Timur Bekmambetov“:
Keine Angst, der Audiokommentar ist auf Englisch, und der Regisseur spricht tatsächlich sehr gut Englisch, mit wenig Akzent, meistens korrekt, er ist sehr leicht zu verstehen.
Wer den Film besser verstehen will, dem möchte ich den Audiokommentar diesmal ganz ausdrücklich ans Herz legen – der Regisseur bemüht sich wirklich, seinen Film, die Geschichte und alles, was er zeigt, für westliches Publikum gut zu erklären. So ist sein Kommentar zwar fachlich nicht besonders interessant, inhaltlich in Bezug auf den Film dafür aber umso mehr!
„Vorschau auf Wächter des Tages“ (3’30):
Das ist die Vorschau auf den zweiten Teil der Trilogie (der im russischen Original bereits fertig ist), aber nicht in Form eines Trailers, sondern in Form eines Interviews mit dem Regisseur und den Produzenten und einigen Szenen aus dem zweiten Teil.
Mich hat diese Vorschau neugierig gemacht. Ich werde den zweiten Teil sicher ansehen!
„Broken Saints ,Prophecy’ Trailer“:
Das ist ein Trailer zu einer kanadischen Zeichentrick-Science-Fiction-Serie. Ehrlich gesagt, hatte ich davon noch nie gehört, aber der Trailer hat mich neugierig gemacht!
Außerdem gibt es die obligatorische Werbeseite zur Fox-Homepage.
Fazit:
Ich finde den Film sehr interessant und sehr anders, dabei aber auch sehr überzeugend.
Die Single-DVD-Version kann ich aber nicht besonders empfehlen, zumal die Special Edition mit 2 DVDs nur wenig teurer ist! weiterlesen schließen
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