Pro:
Brauchbare Adaption, Elijah Wood
Kontra:
Klischeehafte Darstellung, simple Auflösung
Empfehlung:
Nein
Alles ist erleuchtet (Everything Is Illuminated, 2005) basiert auf dem gleichnamigen, 2002 veröffentlichten Roman von Jonathan Safran Foer. Der Schrifsteller Foer, geboren 1977 in Washington als Nachfahre von Holocaust-Überlebenden, ist neben seinem hochgelobten Debüt mit einem weiteren Roman, dieses Mal über den 11. September 2001 (Extremely Loud and Incredibly Close, 2005) sowie zuletzt mit einem Plädoyer für den Vegetarismus (Eating Animals, 2009) in Erscheinung getreten. Zum Drehbuch adapiert wurde Foers erster Roman von Liev Schreiber, der als Schauspieler u.a. in der Scream-Trilogie (1996, 1997, 2000) und in The Manchurian Candidate (2004) mitgespielt hat und bei Alles ist erleuchtet auch gleich die Regie übernommen hat.
Handlung
Jonathan (Elijah Wood), aus einer jüdisch-amerikanischen Familie stammend, sammelt penibel Gegenstände, die über die Geschichte seiner Familie Auskunft geben. Während des Holocaust in der Ukraine wurde Jonathans Großvater (Stephen Samudovsky) von einer befreundeten Frau gerettet. Von seiner Großmutter (Jana Hrabetova) erhält Jonathan unmittelbar vor ihrem Tod eine Photographie, die seinen Großvater und dessen Retterin Augustina zeigt, beschriftet mit "Trachimbrod 1940". Um Augustina und das Dorf Trachimbrod zu finden, reist Jonathan in die Ukraine. Zur Unterstützung nimmt er die Dienste von Alex Perchov (Eugune Hütz) als Übersetzer und dessen Großvater (Boris Leskin) als Fahrer in Anspruch. Alex ist von der amerikanischen Popkultur fasziniert, spricht aber nur ein holpriges und eigenwilliges Englisch. Zusammen mit dem vermeintlichen "Blindenhund" des Großvaters machen sie sich auf eine Suche, die für alle Beteiligten Erkenntnis bringt.
Einschätzung
Grundsätzlich besteht immer eine Schwierigkeit darin, Romane zu verfilmen. Gerade in Foers Debütwerk lebte die Erzählung von den unterschiedlichen Ebenen. Dies kommt im Film nur ansatzweise durch Rückblenden zum Ausdruck. Im Vergleich zu Adaptionen anderer literarischer Werke ist Schreibers Verarbeitung aber durchaus gelungen, zumal sie Foers ursprüngliche Geschichte auf ihren Kern reduzert. Auch technisch-handwerklich hat sich Schreiber als Regisseur in seinem Erstlingswerk keine größeren Blößen gegeben. Elijah Wood bietet daneben, wie zu erwarten, eine hervorragende, von understatement geprägte schauspielerische Leistung. Problematisch ist allerdings die klischeehafte Darstellung der Ukraine (gedreht wurde übrigens in Tschechien), etwa das karikaturhafte Englisch von Alex, die Überzeichnung des "culture shocks" oder die implizite Abstemplung der Ukrainer als Antisemiten. Die Auflösung der Geschichte gerät etwas simpel, um nicht zu sagen platt, was aber natürlich der Romanvorlage geschuldet ist. Vor dem dramatischen historischen Hintergrund hätte ich mir mehr erwartet; insgesamt bringt dieser Film, entgegen dem Titel nur eine sehr begrenzte Erleuchtung.
Angaben zur DVD
Regionalcode: 2
Spieldauer: ca. 120 Minuten
Bildformat: 16:9 - 1.85:1
Sprachen: Deutsch / Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch / Englisch
Untertitel für Hörgeschädigte: Deutsch / Englisch
Specials: Geschnittene Szenen (ca. 18 Minuten), Kinotrailer weiterlesen schließen
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