Pro:
Gute Darsteller. Hebt sich aus dem Einheitsbrei heraus.
Kontra:
Endet etwas abrupt.
Empfehlung:
Ja
"May - Die Schneiderin des Todes": Dieser Titel klingt doch ziemlich exotisch. Liest man die Angaben auf der DVD wird man zusätzlich neugierig. "Der Horror hat einen neuen Namen!" steht dort. Dazu: "In Tradition von Genre-Highlights wie 'Carrie', 'Re-Animator' und 'Frankenstein' betritt eine junge Dame die Bühne, bei der Liebe noch durch den Magen geht und für die Treue bis in den Tod keine leere Floskel ist". Und dann heißt es ganz reißerisch: "Zieht euch warm an, Freddy, Chucky und ihr anderen - Hier kommt May!"
Das ist alles aus meiner Sicht ziemlich irreführend. Zutreffender ist schon die Inhaltsangabe: "Die junge May Canady ist das, was man ein stilles Wasser nennt. Von dunklen Kindheitstagen an ohne Kontakt zu anderen Menschen aufgewachsen, diente ihr eine unheimliche Puppe als wahrer Freund in Jugendtagen. Nun zur jungen Frau und OP-Helferin in einer Tierklinik herangereift, bringt sie das andere Geschlecht zu faszinieren. Besonders der attraktive Adam hat es dem scheuen Mauerblümchen angetan. Als Adam nach anfänglichen Erfolgen ihre Annäherungsversuche brüsk zurückweist, zieht das Mädchen andere Saiten auf. Schließlich hat sie nicht umsonst Schneiden und Nähen gelernt!"
Zunächst einmal: Der Film "May" hat genauso viel mit einem Horrorfilm zu tun, wie eine Anleitung zur Ausfüllung der Steuererklärungsformulare. Also nichts und doch alles. Würde man Zuschauer ohne Hinweise vorab den Film betrachten lassen, würden ihn während der ersten zwei Drittel die meisten Betrachten für einen skurrilen Film halten, aber keinesfalls für einen Horrorfilm. Horrorszenen im Sinne von "bluttriefenden Szenen" gibt es erst im letzten Drittel. Die halten sich aber auch dann in Grenzen. Der Film wird als "uncut" beworben, ist aber in der Kaufversion ab 16. Die identische Videothekenversion soll ab 18 gewesen sein. Das verstehe, wer will. Wirklich harte Splatterszenen enthält der Film jedenfalls nicht. Er ist aber doch recht verstörend und trieft vor schwarzem Humor.
"May" hat bei etlichen Genre-Filmfestivals Preise abgeräumt. Auch das zeigt, dass es sich hier um alles andere als einen gewöhnlichen Horrorfilm hält. Der Vergleich mit den "Traditionalisten" Chucky und Freddy ist daher völlig schwachsinnig. Wer in dem Film eine Begegnung mit einem weiblichen Freddy Kruger erwartet, wird extrem enttäuscht sein.
Der Film strotzt vor Metaphern und Symbolik. Die Puppe von May befindet sich beispielsweise in einem Glasgehäuse und darf nicht herausgenommen werden. Ganz klar, dass dieses Gehäuse im Verlauf des Films immer mehr Sprünge bekommt und die Box schließlich geöffnet wird.
Das geht alles sehr subtil vor sich und wie bereits gesagt, in den ersten beiden Dritteln des Films kommt man eigentlich gar nicht darauf, dass es sich um einen Horrorstreifen handelt. Erst im letzten Drittel beginnt sich dann May ihren "nicht real existierenden" Freund sich selbst zu backen oder vielmehr zu schneidern. Klar, dass es dann etwas blutiger wird. Trotzdem ist der Streifen nur sehr bedingt dem Genre "Horror" zuzuordnen.
Insgesamt ist der Film "anders" und hebt sich aus der Masse hervor. Dennoch hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Das Ende ist irgendwie abrupt und unbefriedigend. Genauso erkennt man auch die gute Idee, die dem Film zugrunde liegt, aber irgendwie nicht zu Ende geführt wird.
Die Fakten:
Darsteller: Angela Bettis, Jeremy Sisto, Anna Faris
Regie: Lucky McKee
FSK: ab 16
Musik: Jaye Barnes-Luckett
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1.85:1
Laufzeit: 90 Minuten
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2001 weiterlesen schließen
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