Pro:
Ausstattung, Darsteller, Story, Filmmusik, Faszination
Kontra:
Preis, eigentlich ein Film für die große Leinwand
Empfehlung:
Ja
Die Story:
Japan in den 30er Jahren. Die neunjährige Chiyo, ein japanisches Mädchen mit blauen Augen, stammt aus einem armen Fischerdorf. Eines Tages verkauft ihr Vater sie aus der Not heraus an eine Okiya, ein Geishahaus, in Kyoto. Noch schlimmer trifft es ihre ältere Schwester, von der Chiyo getrennt wird und die in einem billigen Bordell landet.
In der Okiya freundet sich Chiyo mit einem gleichaltrigen Mädchen, das nur "Kürbisköpfchen" (oder in der englischen Fassung "Pumpkin") genannt wird, an. Die beiden Mädchen müssen im Haus und auch Hatsumomo, der wichtigsten Geisha des Hauses, dienen und werden zur Geishaschule geschickt.
Doch Chiyo will nur ihre Schwester wieder finden und mit ihr fliehen. Schließlich gelingt es ihr, ihre Schwester zu finden, doch Chiyos Fluchtversuch scheitert, die Schwester flieht alleine. Chiyo hat nun der Okiya Schande gemacht, sie darf nicht mehr auf die Geishaschule gehen, sondern muss ihr Schulden bei der Okiya als Magd oder Sklavin des Hauses abarbeiten. Ihre Zukunft sieht düster aus.
Da begegnet sie bei einer Besorgung in der Stadt dem "Direktor" (in der englischen Originalfassung "The Chairman"), der in Begleitung von Geishas zu einer kulturellen Veranstaltung geht. Er ist freundlich zu der traurigen Chiyo und spendiert ihr ein Eis. Chiyo ist von ihm fasziniert, sie verliebt sich in ihn. Jetzt will sie nichts anderes mehr, als Geisha zu werden, um ihn wiederzusehen. Doch zunächst scheint es keine Möglichkeit dazu zu geben.
Einige Jahre vergehen. Chiyo ist inzwischen 15, und während Kürbisköpfchen vor ihrem Debüt steht, dient Chiyo immer noch als Magd in der Okiya. Doch als sie Kürbisköpfchen ein Musikinstrument ins Teehaus nachträgt, begegnet sie dem Direktor wieder. Sie flüchtet.
Und dann geschieht das Unfassbare: Die legendäre Geisha Mameha steht eines Tages vor der Okiya und macht der "Mutter", der Besitzerin der Okiya ein großzügiges Angebot, um Chiyo als Geisha ausbilden zu dürfen. Obwohl Mameha die große Konkurrentin von Hatsumomo ist, willigt die "Mutter" ein.
Chiyo ist überglücklich, jetzt doch noch Geisha werden zu dürfen. Mit großem Ehrgeiz macht sie sich daran, all die Künste - Musik, Tanz, Konversation - zu erlernen, die sie verpasst hat. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings auch: Hatsumomo, die Kürbisköpfchen ausbildet und Chiyo nach wie vor hasst, zerstört die Freundschaft zwischen den beiden Mädchen.
Chiyo debütiert äußerst erfolgreich unter dem Namen "Sayuri" als Meiko, als Lerngeisha. Doch Hatsumomo verbreitet böse Gerüchte über sie. Als Mameha ein Treffen mit dem Direktor und dessen bestem Freund Nobu arrangiert, rät sie Sayuri daher, sich nicht dem Direktor, sondern Nobu zuzuwenden. Und Nobu, der bisher Geishas verachtet hat, verliebt sich in Sayuri. Der Direktor scheint damit völlig außerhalb von Sayuris Reichweite gerückt.
Und dann kommt das Ende des Zweiten Weltkriegs und spült die alte Zeit Japans und die große Zeit der Geishas mit sich fort. Doch einige Jahre später begegnet Sayuri dem Direktor wieder. Wird ihre Liebe diesmal eine Chance haben?
Der Film "Die Geisha" aus dem Jahr 2005 basiert auf dem Roman "Memoirs of a Geisha", deutsch: "Die Geisha" von Arthur Golden. Arthur Golden ist Amerikaner, hat allerdings viele Jahre in Japan gelebt. Trotzdem: Sein Buch - und damit auch der darauf basierende Film - stellt natürlich eine westliche Sichtweise dar. Das hat Vor- und Nachteile:
Bei "echten" asiatischen Filmen, also solche, die von Chinesen, Japanern oder anderen Asiaten gemacht sind, habe ich oft das Gefühl, nicht alles zu verstehen, was die Geschichte enthält. Das passiert bei diesem Film nicht.
Andererseits fehlt auch ein wenig die Faszination des "Exotischen", das Fremde im Film, das mich an einigen der echten asiatischen Filme so begeistert hat.
Ich bin auch nicht sicher, ob der Film der Geschichte wirklich gerecht wird. Immerhin stellt er die Welt der Geisha in ihrer ganzen Dimension dar - die Kunst und Rhetorik, die Sexualität und der Wandel hin zu den Pseudo-Geishas nach dem Krieg.
Wie auch immer: Der Film hat mich absolut fasziniert!
Jetzt werden einige, die meine Filmkritiken kennen, vielleicht sagen: "Moment mal! So ein unemanzipierter Film, bei dem eine Frau nur eins will: einen Mann erobern ..." Ausgerechnet von so einem Film bin ich begeistert?
Ich weiß selbst, dass ich schon viele Filme mit unemanzipierter Frauendarsteller kritisiert habe. Ich sehe auch bei diesem Film das Problem. Chiyo/Sayuri will tatsächlich nur eins: Den Mann erobern, der einmal gütig zu ihr war. Noch dazu will sie ihn nicht einmal heiraten - verheiratet ist er - sie möchte ihn nur als Gönner gewinnen, als einen Mann, der ihr mehr bedeutet als all die anderen, die sie unterhält. Viel unemanzipierter geht es wohl kaum. Und doch ist sie - natürlich im Rahmen ihrer historischen Möglichkeiten - letztlich nicht unemanzipiert dargestellt. Während alle anderen Frauen des Films nur Geisha werden, weil sie nie eine andere Wahl haben, entscheidet sich Chiyo ganz aktiv dafür. Sie verfolgt diese Wahl als Ziel, nicht als einzigen Ausweg. Und so gewinnt sie doch Statur und wirkt trotz ihres unemanzipierten Ziels nie als Figur unemanzipiert.
In Japan selbst ist der Film übrigens sehr zwiespältig aufgenommen worden. Besonders führte die Besetzung der Hauptrollen zu Protesten: Die drei wichtigsten Geishas des Films (Chiyo/Sayuri, Hatsumomo und Mameha) werden nicht von Japanerinnen, sondern von Chinesinnen gespielt!
Ich denke aber, dass das für die meisten westlichen Zuschauer keinen so großen Unterschied macht, weil wir die Unterschiede nicht so sehen.
2006 hat "Die Geisha" drei Oscars gewonnen, nämlich für die Beste Ausstattung, Beste Kamera und Beste Kostüme. Darüber hinaus war er für drei weitere Oscars nominiert, wobei er meines Erachtens den für die Beste Originalmusik verdient hätte, die die ist wirklich großartig - den Golden Globe dafür hat der Film zu recht gewonnen. Zahlreiche andere Auszeichnungen und Nominierungen hat es auch gegeben.
Die wichtigsten Darsteller:
Chiyo/Sayuri wird gespielt von Ziyi Zhang - großartige Darstellung. Außer in "Die Geisha" hat sie in vielen chinesischen Filmen mitgespielt. Ihre im Westen wichtigsten anderen Filme sind "Hero" und "Tiger and Dragon", in denen sie ebenfalls hervorragend gespielt hat.
Mameha wird gespielt von Michelle Yeoh, einer Malaysia-Chinesin. Auch sie spielt hervorragend, wobei ich sagen muss, dass sie selbst für mich nicht wirklich wie eine Japanerin aussieht. Trotzdem spielt sie toll! Auch sie hat in zahlreichen weiteren chinesischen Filmen mitgespielt und ist im Wester vor allem mit "Tiger an Dragon" bekannt geworden.
Hatsumomo wird gespielt von Li Gong. Ich kannte sie vor diesem Film nicht, obwohl auch ihre Filmografie natürlich zahlreiche chinesische Filme auflistet, aber auch sie spielt hervorragend.
Unter den männlichen Darstellern des Films möchte ich noch Ken Watanabe als Direktor (seine Figur bekommt im Film keinen Namen) nennen, der hier beweist, dass er auch Charakterrollen spielen kann.
Übrigens haben mir auch die beiden Mädchen gut gefallen, die Chiyo und Kürbisköpfchen als Kinder spielen, die Japanerin Suzuka Ohgo als Chiyo und die Amerikanerin Zoe Weizenbaum als Kürbisköpfchen.
Der Film ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben, was aufgrund der Länge des Films (fast zweieinhalb Stunden) und manchem an sexuellen Inhalten gerechtfertigt erscheint.
Die DVD-Ausstattung:
Der Film liegt auf der DVD in der englischen Originalaudiofassung und einer deutschen Synchronfassung vor. Untertitel gibt es in Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte und Englisch.
Zur englischen Fassung ist zu sagen, dass die asiatischen Schauspieler mit mehr oder weniger starkem Akzent sprechen, was dem Film eine etwas merkwürdige Ausstrahlung gibt, weil man sich plötzlich bewusst wird, dass das keinesfalls die Sprache ist, in der die Geschichte sich eigentlich abspielen müsste. Ein Problem, das natürlich in der deutschen Synchronfassung nicht auftritt. Aus diesem Grund ziehe ich hier ausnahmsweise einmal die deutsche Fassung vor.
"Specials":
"Dokumentationen":
"Das Geisha-Trainingslager": Hier geht es um die Vorbereitung der Schauspielerinnen auf ihre Rollen, insbesondere darum, die sie die verschiedenen Geisha-Traditionen erlernten, aber am Rande auch um anderes, etwa um das (englische) Sprachtraining für die asiatischen Schauspieler.
"Die Entstehung der Hanamachi": Hier geht es um das Filmset, das extra gebaut werden musste, weil in Japan kaum noch Gebäude und Straßen aus den 30er-Jahren zu finden sind. Natürlich erfährt man dadurch in diesem Feature auch etwas über die Zeit in Japan.
"Der Geisha-Look": Hier erfährt man, dass sich das Filmteam relativ große Freiheiten beim Aussehen der Geishas, insbesondere in Sachen Make-up, genommen hat. Ich finde das einerseits schade, weil ja so ein Film einen enormen Einfluss darauf hat, wie die Zuschauer sich diese Zeit vorstellen. Andererseits kann ich es bis zu einem gewissen Grad auch verstehen, weil der Film als Hollywoodfilm natürlich den heutigen Publikumsgeschmack treffen will (und darüber hinaus natürlich den westlichen Publikumsgeschmack).
"Die Musik": Hier geht es um die Filmmusik, wobei insbesondere der Komponist zu Wort kommt und die Zusammenarbeit zwischen Komponist und Regisseur gezeigt wird. Mich als Fan klassischer Musik fasziniert daran vor allem, wie stark mit Motiven für die Figuren gearbeitet wurde, was man im Film auch hören kann. Natürlich kommen auch die beiden Starmusiker zu Wort, die die Soli in der Filmmusik gespielt haben: Itzhak Perlman und Yo-Yo Ma.
"Fotogalerien":
"Hinter den Kulissen": Hier finden sich Standfotos von den Drehbucharbeiten und der Produktion. Da das Ganze aber unkommentiert bleibt, ist es nicht sonderlich interessant.
"Die Kostüme": Dieses Feature ist da schon ein bisschen interessanter, da es Entwürfe zu einigen Kostümen (Kimonos) zeigt.
Da die DVD noch neu ist, ist sie natürlich mit fast 20 Euro auch noch ziemlich teuer. Ich habe sie mir bisher nur ausgeliehen, weil sie mir den Preis dann doch nicht wert war. Da mir der Film aber so gut gefällt, werde ich ihn mir sicher früher oder später auf DVD kaufen - entweder wenn diese DVD-Ausgabe deutlich im Preis gefallen ist oder wenn es eine Special-Edition mit weiteren Extras gibt. Denn das Bonusmaterial ist zwar gut und interessant, aber zu dem Preis müsste für mich noch mehr geboten werden (bevorzugt zum historischen Hintergrund).
Fazit:
Obwohl das natürlich ein Film ist, den man eigentlich im Kino sehen sollte (in Programmkinos läuft er von Zeit zu Zeit noch!), kann ich auch die DVD empfehlen, vor allem natürlich denen, die den Film im Kino verpasst haben! Absolut faszinierend, fünf Sterne! weiterlesen schließen
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