Pro:
Schauspieler, erfreulich wenig Patriotismus, geschichtsnahe Dokumentationen
Kontra:
Wenig Infos zum Film selber auf der DVD, keine deutsche UT bei den Audiokommentaren
Empfehlung:
Ja
In den Tagen des Oktobers 1962 stand die Welt kurz vor dem Abgrund, und nur die wenigsten Eingeweihten wussten wirklich, dass es nur eines einzigen unbedachten Schrittes bedurfte, um eine Katastrophe heraufzubeschwören, wie sie die Menschheit in ihren Ausmaßen noch nie erlebt hätte.
Filmhandlung
Ein Aufklärungsflugzeug der US-Luftwaffe, das den Luftraum über Kuba belauert, kommt mit hochbrisanten Fotos zu seinem Stützpunkt zurück. Die Auswertung der Aufnahmen durch Spezialisten ergibt schnell, dass die Sowjetunion damit begonnen hat, Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen auf der Insel in Stellung zu bringen. Die amerikanische Regierung lässt sich dieses Bedrohungspotenzial direkt vor ihrer Nase natürlich nicht gefallen.
Der Beraterstab um den amtierenden Präsidenten John F. Kennedy ist für ein schnelles reagieren mit militärischen Mitteln. Die Abschussrampen auf Kuba sollen mit Unterstützung der Luftwaffe zerstört werden. Doch der Präsidentenberater Kenneth P. O´Donnel, JFK selbst und sein Bruder der Justizminister Robert Kennedy suchen händeringend nach einer Möglichkeit diese verfahrene Situation, die ohne weiteres den 3. Weltkrieg auslösen könnte, in ruhigere Bahnen zu lenken. Doch das scheint alles andere als einfach zu sein, denn auf Kuba wird mit Hochdruck an der Fertigstellung der Abschussbasen gearbeitet, um sie so bald wie möglich einsatzfähig zu bekommen. Nach mehreren harten Auseinandersetzungen setzt sich Kennedy erst mal gegen die Hardliner in den eigenen Reihen durch. Einstweilen soll erst mal ein Blockadering um Kuba dafür sorgen, dass keine weiteren Waffen und Raketenteile die Insel erreichen.
Doch das ganze Unternehmen steht auf äußerst wackeligen Beinen und gleicht einem unkontrollierten Pulverfass, dass jeden Augenblick hochgehen kann. Was passiert, wenn sich die Schiffe nicht von ihrem Kurs abbringen lassen und sie nur durch den Einsatz von Waffengewalt zum stoppen zu bewegen sind.
Die folgenden nervenzerfetzenden Stunden und Tage müssen schließlich die Entscheidung bringen, ob die Vernunft letzten Endes doch noch siegt, oder aber, ob die Knöpfe gedrückt werden, die die atomare Apokalypse besiegeln werden...
Kritik
Nachdem ich den mit Verschwörungstheorien vollgespickte Oliver Stone-Film „JFK“ schon mehrere Male mit Begeisterung gesehen hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich auch noch diese Verfilmung um die Kubakrise in meinen Player schieben würde. Beide Male spielte Kevin Costner einen Mann, der es mit dem amerikanischen Präsidenten John Fitzgerald Kennedy zu tun hatte. Einmal vor und einmal nach dessen Ermordung.
So könnte man den vom Regisseur Roger Donaldson inszenierten Film „Thirteen Days“ ohne weiteres als Prequel von Stones “JFK” bezeichnen, weil hier der Präsident schon unpopuläre Entscheidungen getroffen hat, die zwar den Weltfrieden sicherten, aber wichtige Militärs und andere politisch einflussreiche Leute vor den Kopf stießen, und ihn so zur Zielscheibe in den eigenen Reigen machten.
Neben der eigentlichen Hauptrolle - dem Präsidentenberater Kenneth P. O´Donnel, den Kevin Costner in ausgezeichneter Manier verkörpert, sind die Schauspieler Bruce Greenwood und Steven Culp zu nennen, die das berühmte Brüderpaar repräsentieren, die ja beide dann später einem feigen Attentat zum Opfer fielen. Hier wird neben den politischen Dimensionen, die dem Zuschauer äußerst anschaulich nahegebracht werden, auch die Freundschaft aufgezeichnet, die die drei Männer schon seit der Schulzeit verbindet, und die in dieser prekären Situation auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird.
Regisseur Donaldson hat die eindringlichen Bilder, die in den verwaschenen stahlgrauen Farben, die nachdrücklich die unnachgiebige Position der damaligen Supermächte reflektieren sollen, mit schwarz-weiß- und Dokumentaraufnahmen dieser Zeit verwoben, um eventuell so ein Gefühl der hohen Brisanz der Entscheidungen die getroffen werden mussten zu vermitteln.
Dies ist auch über weite Strecken überaus packend umgesetzt worden, auch wenn natürlich der Spielraum und somit der Ausgang von vorn herein feststand, und bei Bedarf in jedem Geschichtsbuch nachzulesen ist.
DVD / Extras
Ganz schwierig hier zu beurteilen, ob das zur Absicht gehörte. Denn die erste Silberscheibe, auf der der Film gebannt ist, kommt mir doch sehr grobkörnig über den Bildschirm geflimmert. Meine Vermutung liegt aber nahe, dass das durchaus Absicht sein könnte, um den authentischen Stil ein wenig zu unterstützen und den Streifen mit den eingefügten Originalaufnahmen dieser Zeit nahtloser verbinden zu können. Auch der Ton hält sich hier doch beträchtlich zurück und ist meistens auf die langen Dialogstrecken des Filmes beschränkt.
Die Extras die auf dem zweiten Silberling mitgeliefert wurden, sind in der Hauptsache da, um noch einmal hinter die geschichtlichen Kulissen zu blicken, und weniger um die Entstehung des Films mitverfolgen zu können.
Die Extras im einzelnen
Audiokommentar der Filmemacher:
Der Initiator Roger Donaldson, Kevin Costner, der Autor David Seid, die Produzenten Michael De Luca und Armyan Bernstein, sowie der Leiter der visuellen Effekte Michael Mc Alister sorgen für unterhaltende und informative Einsichten in den Film, mit viel zusätzlicher Information.
Historischer Audiokommentar:
Hier werden einfach die geschichtsträchtigen Stimmen – mal mehr, mal weniger passend - zum ablaufenden Streifen abgespielt. Neben den damaligen Politikern kommen auch verschiedene Historiker und Autoren zu Wort.
Beide Kommentare sind leider nur im Original und ohne deutsche Untertitel anzuhören.
Dokumentation: Roots of the Cuban Crises
Das sicher interessanteste Boni auf der Zusatzscheibe verbindet gut die Bilder aus dem Film mit den damaligen Ereignissen, die unter anderem von Nikita Chruschtschow sehr anschaulich aufgezeigt werden. 48 Minuten, die noch einmal alle eventuell offenen Fragen, die der Film dann noch unter Umständen aufwirft, sicher beantworten.
Making of: Bringing History to the silver Screen
Leider viel zu kurz ist dieser 11-minütige Einblick in die Filmentstehung geraten.
Geschnittene Szenen:
Hier kann man 9 Sequenzen die der Schere zum Opfer fielen und mit optionalem Untertitel angeboten werden anschauen, die den Film aber sicher nicht weitergebracht, und ihn nur unnötig noch mehr in die Länge gezogen hätten.
Weiterhin gibt es noch Starinfos anhand von Texttafeln, Videographien der Staatsoberhäupter, der Berater, der Militärs, der Presse und der Diplomaten zu bewundern. Visuelle Effekte, die mit der Angle-Funktion in verschiedenen Stadien ihrer Entstehung betrachtet werden können, Trailer und TV-Spots bilden dann den Abschluss der Zusatzausstattung.
Filmdaten
Laufzeit: 140 Minuten
Bildformat: 1:1,85 (16:9)
Tonformat: Deutsch / Englisch Dolby Digital + Deutsch / dts
Untertitel: Deutsch
Fazit
Die spezial Features auf der Doppel-DVD sind reichhaltig, wenn es darum geht den geschichtlichen Hintergrund noch einmal aufleben zu lassen. Sie sind aber leider auch ein wenig mager, wenn man ein bisschen mehr über die Entstehung des Films erfahren will. Bild und Ton sind immerhin akzeptabel, wenn man hier die Gesamtkomposition in Betracht zieht.
Der Streifen selber zeigt eine wichtige geschichtliche Lehrstunde ungemein anschaulich und sehr spannend, anhand dieser auf der Kippe stehenden, alles entscheidenden Tage. Er bleibt weittestgehendst bei den Fakten, und verzichtet wohltuend auf übertriebene patriotische Mätzchen.
Auch sollte dieser Film Pflichtprogramm eines jeden amtierenden, oder zukünftigen amerikanischen Präsidenten sein, um ihnen ihre kolossale Verantwortung die sie innehaben, noch einmal zu verdeutlichen.
© winterspiegel für Ciao & Yopi weiterlesen schließen
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